Content Marketing in langweiligen Branchen [Search Camp Episode 96]

3. September 2019 | Von in Content Marketing, Search Camp, SEO

Content Marketing kann dabei helfen, relevante Besuche auf die eigene Website zu lotsen und z. B. starke Backlinks aufzubauen. In bestimmten Branchen – Sport, Ernährung … – ist es einfach, Content Marketing zu betreiben, weil es viele relevante Themen und auch Multiplikatoren gibt. Aber wie geht man vor, wenn man aus einer „langweiligen“ Branche kommt? Ist Content Marketing dann überhaupt sinnvoll?

 

 

Shownotes

Interessante Beispiele:

Content Marketing Blueprints:
https://bloo.link/cmb

 

Transcript

Moin, und herzlich willkommen zu Search Camp, dem Online-Marketing Podcast. Markus-Hövener hier, und ich bin heute nicht allein, ich habe unseren Head of Content-Marketing, den Andreas Schülke dabei. Wir reden heute über Content-Marketing in langweiligen Branchen. Was kann man da machen? Gleich geht’s auch schon los.

Markus Hövener: Und da sind wir doch. Den Andreas Schülke habe ich heute bei mir, unseren Teamleiter SEO und Head of Content-Marketing. Wir haben uns heute ein Thema herausgesucht, Content-Marketing in langweiligen Branchen ist offensichtlich ein Thema, was wir ab und zu mal bei dem einen oder anderen Kunden haben. Deswegen schön, dass du da bist. Lass uns kurz darüber reden, wo ziehst du die Grenze zu langweiligen Branchen?

Andreas Schülke: Ja, das ist natürlich immer ein bisschen Geschmackssache. Ich selbst würde das nie behaupten, dass eine Branche langweilig ist. Diese Problematik kommt tatsächlich häufiger dann von Kunden, von auch Teilnehmern in unseren Webinaren teilweise, die eben fragen „ich arbeite jetzt in einer sehr langweiligen B2B-Branche“ oftmals, teilweise auch Unternehmen aus der Industrie, wo die Marketer dann wirklich vor dem Problem stehen, das sind einfach Themen, in denen wir uns bewegen, die jetzt den Otto-Normal-Menschen in seinem Alltag null interessieren.

Markus Hövener: Dann lass uns doch mal kurz abgrenzen. Klar, du sagst, keine ist langweilig, aber was wäre denn klassisch eine nicht-langweilige Branche für uns, wo du sagst, da geht richtig was?

Andreas Schülke: Also nicht-langweilig natürlich alles, was Menschen freiwillig in der Freizeit machen, also klassische Hobbythemen, Sport, Fahrradfahren, auch natürlich Essen, Kochen, also alle klassischen B2C-Themen eigentlich. Auch über Fashion wird super, super viel online kommuniziert.

Markus Hövener: Also klassisch eigentlich alles das, worüber Leute auch eine starke Meinung entwickeln?

Andreas Schülke: Ja genau.

Markus Hövener: Ich meine, du hast ja schon B2B genannt. Klar, es ist natürlich klar, wenn du irgendwelche Schrauben herstellst, das ist langweilig. Fällt dir auch im B2C-Bereich was ein, wo du sagst, das ist irgendwie, das fällt unter langweilig?

Andreas Schülke: B2C-Bereich? Möglicherweise Medikamente, also es gibt natürlich viele Themen, die auch im B2C-Bereich sind, die vielleicht nicht besonders langweilig sind, aber die man jetzt nicht so wahnsinnig gut kommunizieren kann, weil sie vielleicht irgendwie zu intim sind. Auch Finanzthemen manchmal sind auch die B2C letztendlich, lassen sich aber sehr, sehr schwer kommunizieren, und die Dienstleister, also Finanzen und Versicherungen vor allem, würde ich jetzt dran denken, weil da auch die Anbieter oftmals das Problem haben, dass es einfach wenig Differenzierungen gibt zwischen den verschiedenen Anbietern oder die Unterschiede eben sehr schwer zu kommunizieren sind.

Markus Hövener: Wenn jetzt so ein Langeweiler bei uns anruft, wie gehst du dann damit um oder wie gehen wir auch als Agentur dann damit um? Wie verkaufen wir ihm, dass er eigentlich nicht langweilig ist?

Andreas Schülke: Na, grundsätzlich muss man erstmal schauen, was wurde da schon gemacht, also gab’s schon irgendwelche Initiativen in Richtung Content-Marketing, ist schon irgendwas vorhanden? Oftmals gibt es da einiges, was intern eben zur Kommunikation benutzt wird, was aber noch nie so auf die Webseite gebracht wurde, zum Beispiel, um überzeugende Kommunikation zum Verbraucher hin zu machen. Ansonsten im nächsten Schritt, wenn es dann wirklich darum geht, entwickelt doch bitte eine Content-Marketing-Strategie für uns, da wird es in vielen Fällen dann auch dazu führen, wenn wir jetzt sagen, wir machen das mit dem Hintergedanken Suchmaschinenoptimierung, auch möglicherweise mit dem Hintergedanken Linkaufbau, in vielen Fällen wird es dann dazu führen, dass wir auch sagen, gut, wenn das Kernthema dafür nicht funktioniert, dann suchen wir uns ein anderes Thema, was noch so leichte Berührungspunkte mit der Dienstleistung oder den Produkten hat, wo wir aber sicher sind, dass wir eine breitere Zielgruppe ansprechen können.

Markus Hövener: Okay. Da vielleicht gleich angrenzend die Frage nach so typischen Fehlern, weil da könnte ich jetzt als Kunde natürlich direkt sagen, nee, ich will aber nur über mein Thema, über meine Produkte sprechen. Ist das so schon so die typische Denke?

Andreas Schülke: Das ist der größte Fehler, den ich auf jeden Fall sehen würde. Also nachvollziehbar auf jeden Fall natürlich, wenn man als Unternehmer oder als Marketing-Leiter sehr brennt für das Thema, mit dem sich das eigene Unternehmen beschäftigt, auf jeden Fall, aber es ist einfach sehr viel wert, wenn man empathisch dazu in der Lage ist, die Perspektive so ein bisschen zu wechseln und dann einfach mal in der Welt des potenziellen Kunden zu denken. Also auch, wenn man sich so diesen klassischen Conversion-Funnel vorstellt, dass man einfach sich noch mal klar macht, viele Kunden stehen noch gar nicht vor der Entscheidung, nehme ich jetzt mein Unternehmen oder nehme ich ein Konkurrenzunternehmen, sondern viele Kunden entwickeln vielleicht gerade erst das Bewusstsein, dass sie überhaupt ein Problem haben, wissen aber noch überhaupt nicht, welche Lösungen es dafür geben könnte. Und an der Stelle anzusetzen und einfach dann zu sagen, welche Fragen hat der Kunde in dem Moment, welche Informationen braucht der Kunde in dem Moment, ganz unabhängig von meinen Produkten oder Dienstleistungen, das ist erstmal ein super Ansatz, um auch Inhalte zu entwickeln, die unkommerziellen Mehrwert haben.

Markus Hövener: Ist natürlich für manche wirklich erst mal ein großer Schritt, aus diesem Verkaufsmodus rauszukommen.

Andreas Schülke: Auf jeden Fall. Ja. Auf jeden Fall. Aber viele merken es ja selber, dass es eben nichts bringt, einen Blogbeitrag immer nur darüber zu schreiben, wenn jetzt ein Schwung neue Produkte reingekommen ist und die eben alle dann, ohne Zweifel für die Nerds, die sich super für das Thema interessieren, kann das sehr interessant sein, was jetzt sich da an der neuen Kollektion verändert hat in den allerkleinsten Details, aber das sind eben nur sehr wenige.

Markus Hövener: Wollen wir das Ganze mal mit einem Beispiel füttern. Wir haben vorher drüber gesprochen und so das Thema Passwortmanagementsysteme herausgesucht, aus aktuellem Anlass bei uns natürlich.

Andreas Schülke: Genau. Ich habe mir mal verschiedene angeschaut, weil wir uns auch gerade für eine neue Lösung entschieden haben. Unser Anbieter taucht hier aber gar nicht auf in der Liste. Klassisches B2B-IT-Thema, wo man sagen kann, ja, ist langweilig. Es gibt auch nicht wahnsinnig viele Unterschiede tatsächlich zwischen den zahlreichen Anbietern von Passwortmanagementsystemen. Ich habe mir einfach einmal angeschaut, was haben die schon alles versucht zu machen und dann natürlich besonders hervorheben können wir hier, was gut funktioniert hat. Da fand ich zum einen ganz spannend das, was 1Password.com gemacht hat, dass sie nämlich genau das gemacht hat, was wir jetzt eigentlich schon angesprochen haben, von den klassischen eigenen Zielgruppen wegzukommen, vom klassischen eigenen Kernthema wegzukommen, auch wenn es das natürlich einen Berührungspunkt gibt. Dass sie natürlich mal aufgeschrieben haben, welche Apps alle schon ihre API benutzen, um dieses Passwortmanagementsystem auch zu integrieren. Das ist natürlich auch so ein klassisches, fast so ein Egobait-Ding wieder, dass man natürlich dann all diese Apps, die sowieso schon das System integriert haben, dann auch wieder anschreiben kann oder anrufen kann und sagen kann, hey, wir haben alle Apps aufgelistet, die unser tolles Passwortmanagementsystem benutzen, wollt ihr da vielleicht auch darauf hinweisen? Ist ja auch ein schönes Verkaufsargument, dass ihr auch sicher eure Passwörter verwaltet in dieser App.

Markus Hövener: Also eigentlich auch ein gutes Beispiel, wo man gleichzeitig vielleicht verschiedene Sachen erreichen kann. Also man kann vielleicht für was ranken, man kann Backlinks aufbauen, vielleicht läuft das Ganze in sozialen Netzwerken gut, also eigentlich so ein Win-Win-Win-Content.

Andreas Schülke: Genau. Auf jeden Fall.

Markus Hövener: Was hast du noch gefunden?

Andreas Schülke: Darüber hinaus fand ich noch sehr spannend. Das haben vor allem LastPass hat das gemacht und Passwort Boss, die im Prinzip sehr schön redaktionell gedacht haben und einfach geschaut haben, was haben wir denn aufgrund dieses Business, was wir betreiben, für Daten, für Vorteile vielleicht, wo wir eine Story draus bauen können, die andere nicht haben? LastPass hat das sehr schön gemacht mit dem State of the Password, also die haben im Prinzip aus den Kundendaten dann herausgelöst so eine Analyse, was sind häufige Passwörter, was sind eben die häufigsten unsicheren Passwörter, was sind die häufigsten Fehler, die Nutzer machen, wenn sie sich Passwörter ausdenken? Und das ist schon erstaunlich und fast schockierend, was da rausgekommen ist. Also auch dann dadurch natürlich durch diese schönen Ergebnisse wirklich eine Story mit einem guten Hebel, die sich auch Sicherheit bei Journalisten sehr gut verkaufen lässt.

Markus Hövener: Und bei Passwort Boss, hattest du erwähnt?

Andreas Schülke: Genau. Da war es eben so, dass sie eine Befragung gemacht haben, was so die Gewohnheiten sind, wenn man Passwörter erstellt und dann auch eine sehr schöne Infografik noch draus gebaut haben, also das so ein bisschen visueller aufgezogen haben mit natürlich einer sehr viel mageren Datenbasis dann, aber die Darstellung war auf jeden Fall gut und es hat auch zu dem einen oder anderen Backlink geführt.

Markus Hövener: Ja, die ganzen Sachen packen wir natürlich auch in die Shownotes rein und dann könnt ihr da noch mal draufklicken oder ihr könnt das Ganze auch in ein Backlink-Tool mal reinstecken, um mal zu gucken, was da so rausgekommen ist. Da sind aber noch ein paar andere URLs dabei, zum Beispiel Psychology of Passwords.

Andreas Schülke: Genau, das ist auch von LastPass wieder ein ganz cooler Ansatz, wo ein LastPass mal gesagt hat, möglicherweise basierend auf dieser Studie, obwohl ich natürlich da die internen Prozesse nicht kenne, aber LastPass einfach mal betrachtet hat, warum ist es eigentlich für Menschen so schwierig sich gute Passwörter zu überlegen, und ein großer Faktor ist natürlich, dass man sie sich merken muss, wenn man eben kein Passwortmanagementsystem benutzt. Also auch wieder ein super Werbebeitrag, um die eigene Dienstleistung dann wieder loszuwerden am Ende. Ja, ganz spannend einfach, was sind da so die psychologischen Ansätze, wo kommen Passwörter her, was wird häufig zu Passwörtern gemacht?

Markus Hövener: Ich sehe noch eine Sache roboform.com.

Andreas Schülke: Genau. Das ist auch eigentlich ein sehr, sehr interessanter Ansatz, weil diese Funktion in dem Passwortmanagementsystem selbst zu testen, wie sicher welches Passwort ist, das hat praktisch jeder Anbieter. RoboForm hat es jetzt so gemacht, dass sie einfach auf der Webseite das geöffnet haben, also gratis diese eigene Funktion als Tool zur Verfügung stellen. Da kann ich dann mein Passwort einfach eintippen und RoboForm spielt mir eben zurück, auch schön mit der grün-gelb-roten Ampel, wie sicher das Passwort ist, wie leicht es zu knacken ist. Also im Prinzip ein super Potenzial, was für alle Anbieter sehr leicht zu heben ist, weil diese Funktionen haben alle, ist nur in vielen Fällen so, dass sie eben sagen, diese Funktion steht aber nur unseren zahlenden oder Gratis-Nutzern zur Verfügung.

Markus Hövener: Losgelöst von den ganzen Passwortmanagern hast du noch eine Sache, also ist auch in den Shownotes, von RAIDBOXES. Sag mal kurz, worum es geht.

Andreas Schülke: Genau, das ist mir nur aufgefallen, weil ich wirklich so ein bisschen lokal nachgedacht habe, mit welchen, in Anführungsstrichen, langweiligeren Unternehmen, ich glaube, RAIDBOXES würde das nie unterschreiben, aber WordPress-Hosting ist für mich auch so ein klassisches eher langweiligeres B2B-IT-Thema. Das Spannende bei RAIDBOXES fand ich eigentlich, dass eine der Ressourcen, die am häufigsten verlinkt ist auf deren Seite, ist ein vielleicht noch langweiligeres Thema sogar, nämlich die DSGVO, die Datenschutz-Grundverordnung, wozu RAIDBOXES einen super Guide geschrieben hat. Also wenn du eine WordPress-Seite betreibst, was musst du im Sinne der DSGVO beachten? Auch mit Plugin-Empfehlungen, was du machen kannst, wie du deine Datenschutzerklärung anpassen musst, alles Mögliche steht da drin, sehr, sehr groß, sehr, sehr umfangreich. Und eigentlich ganz spannend, dass man hier sagt, also von dem eigenen Kernthema WordPress-SEO Hosting sind sie in dem Moment komplett weg, sie haben aber jetzt auch kein super sexy Thema sich ausgesucht, sondern einfach ein aktuelles Thema genommen auf jeden Fall.

Markus Hövener: Also der klare Tipp hier, ist, gucke, was deine Nutzer gerade brauchen oder was heiß diskutiert wird.

Andreas Schülke: Genau, das auch, also das hat RAIDBOXES in dem Moment auf jeden Fall sehr, sehr empathisch aufgegriffen, dass sie gesagt haben, oh, DSGVO ist ein Thema, das interessiert alle eigentlich.

Markus Hövener: Geht so. Ja.

Andreas Schülke: Oder muss eben leider alle interessieren, genau.

Markus Hövener: Gäbe es noch mehr Tipps oder so klassische Denkfehler, die vielleicht Unternehmen auch grundsätzlich machen beim Content-Marketing?

Andreas Schülke: Ich glaube, der Denkfehler ist wirklich der, dass sie zu stark in ihrer eigenen Produktwelt denken. Manchmal hat man eben diese Betriebsblindheit einfach. Wenn man nur auf sich selbst schaut, nur auf Konkurrenten schaut und es einfach in der Branche niemanden gibt, der als Vorreiter das macht und ausbricht aus diesem Trott und sagt, wir arbeiten ab jetzt kundenzentriert und wir denken so ein bisschen journalistisch, redaktionell, dann wird man da auch nicht vorankommen. Aber gerade in vielen von diesen, in Anführungsstrichen, „langweiligen“ Branchen hat man die Chance das als erster zu starten und da wirklich auszubrechen. Positiv als Tipps formuliert wäre es eigentlich auch noch mal, dass man intern versucht die Silos so ein bisschen aufzubrechen, also dass man wirklich in der Marketingabteilung schaut, was sagen denn unsere Außendienstler, was die Kunden gerade beschäftigt? Was sagt denn unser Kundendienst, unser Kundenservice, was die Kunden gerade beschäftigt? Welche Fragen kommen da am häufigsten? Können wir die sinnvoll beantworten? Hat natürlich auch den anderen Vorteil, dass möglicherweise andere Abteilungen entlastet werden, wenn ich auf der Webseite schon sehr, sehr gute Antworten zur Verfügung stelle.

Markus Hövener: Oder ich meine, DSGVO war ja auch ein Thema, konnte man gar nicht dran vorbeigehen, weil 20.000 E-Mails oder Newsletter da zu bekommen.

Andreas Schülke: Ja, auf jeden Fall.

Markus Hövener: Also wenn man das Thema verpasst hat, dann war es vielleicht auch schwierig. Vielleicht noch so ein Thema, ich habe natürlich auch immer, und ich merke oft, dass sie Langweiler, wenn wir sie jetzt mal so nennen würden, glaube ich, auch in der gedanklichen Falle drin sind, dass sie dann auch langweilige Sachen produzieren müssen und dass sie nicht unterhalten dürfen.

Andreas Schülke: Ja genau. Der Mythos ist ja eigentlich aufgebrochen, spätestens seitdem Volvo Trucks dieses schöne Video mit Jean-Claude van Damme gemacht hat. Aber auch andere Aktionen in letzter Zeit, häufig dann im Videoformat, weil sich das einfach anbietet für so unterhaltsame Dinge, auch Will It Blend? vielleicht, dass man einfach irgendwelche Gadgets in den Mixer reinschmeißt, ich meine, deswegen ist der Mixer ja auch nicht besser als alle anderen Mixer, aber er ist bekannter auf jeden Fall.

Markus Hövener: Ist das grundsätzlich, also offensichtlich gibt es ja irgendwie auch ein gedankliches Problem bei vielen Langeweiler-Unternehmen? Kommen die da selber wieder raus oder, ich meine, wir sind jetzt leider in der Agentur, die sowas anbieten, schaffen die das aus eigenem Antrieb oder brauchen die quasi jemand von außen?

Andreas Schülke: Ich würde es nicht für zwingend notwendig halten. Ich glaube, man kann das auch intern sehr gut abbilden. Es ist oftmals einfach so ein Teil der Firmenkultur dann leider, auch nachvollziehbar, klar, wenn das jetzt ein Unternehmen ist, was als kleines Ingenieur-Unternehmen gestartet ist oder Maschinenbauer, und die sich im Prinzip dafür interessieren und die Nachfrage immer groß genug war, und jetzt geht es aber dann irgendwann darum, im globalen Wettbewerb dann stärker Online-Marketing zu machen und stärker auch da für eine breitere Aufmerksamkeit zu sorgen, da muss es oftmals so einen Kulturwandel intern geben, wenn das wirklich intern gemacht werden soll. Ansonsten neue Impulse von außen schaden glaube ich nie. Könnte man natürlich auch dadurch abdecken, dass man sich eben neues Personal holt, was dann frischen Wind reinbringt. Ich sehe jetzt keine zwingende Notwendigkeit das von einer Agentur machen zu lassen. Es gibt super Tools auch, in die man reinschauen kann, wo man sich Inspiration holen kann, würde wahrscheinlich hier zu weit führen. Wäre vielleicht eine eigene Folge.

Markus Hövener: Jetzt Gegenargument Nummer 1, man könnte ja sagen, du hast Volvo erwähnt und Will It Blend?, das sind ja, also Start-ups waren es jetzt nicht gerade.

Andreas Schülke: Nein.

Markus Hövener: Kann ein kleines Unternehmen das trotzdem schaffen?

Andreas Schülke: Man kann auch mit einem kleinen Budget schöne Erfolge erreichen im Content-Marketing, auf jeden Fall. Dann natürlich nicht in der Größenordnung, aber wir reden ja hier auch dann häufig über Unternehmen, die jetzt gar nicht in der Größenordnung umsatztechnisch unterwegs sind, sondern die einfach sagen, ja, wir haben Budget X, möglicherweise ein 4-stellige Marketingbudget pro Monat oder sowas, und wir wollen jetzt mal das versuchen und dann schauen, was dabei rumkommt. Der größte Fehler, den man dabei nur machen kann, ist, dass man zu schnell die Reißleine zieht. Also wenn man wirklich sagt, wir wollen jetzt Content-Marketing mal versuchen und wir wollen aus wirklich unserem Langeweiler-Business hier so ein bisschen ausbrechen, dann würde ich schon immer empfehlen, mindestens 1 Jahr lang da mal eine gut durchdachte Content-Strategie zu verfolgen und dann zu schauen, gut, wir haben jetzt Budget X reingesteckt, was haben wir denn dafür bekommen? Und das muss auch natürlich ganz am Anfang der Content-Strategie eine wichtige Entscheidung sein, welche Ziele verfolgen wir und wie messen wir die? Und dann kann man auch nach 1 Jahr draufschauen und eben entscheiden, war das was für uns, möchten wir den Weg weitergehen, möchten wir vielleicht sogar noch mehr investieren, weil das so viel gebracht hat, oder fahren wir das zurück?

Markus Hövener: Das wäre so mein 2. Gegenargument auch gewesen, wir gucken immer so auf Positiv-Beispiele, weil ich meine, wir reden alle nur über das, was gut läuft, aber wahrscheinlich werden da draußen auch jeden Tag unzählige Aktionen komplett versemmelt, ob jetzt absichtlich oder unabsichtlich. Es kann ja auch sein, du machst Content-Marketing, machst alles richtig und trotzdem gerade, weil die Gestirne falsch stehen oder keine Ahnung, interessiert es gerade keinen. Also da muss man schon, also 1 Jahr finde ich eigentlich auch einen ganz guten Zeitraum, aber da muss man auch schon jemanden haben, der davon begeistert ist.

Andreas Schülke: Ja, klar. Also sicher Content-Marketing ist ein Risiko. Es ist eben ein Stück weit auch so wie im redaktionellen Geschäft, manchmal bei einer Zeitung findet man auch Storys, wo man denkt, die gehen jetzt durch die Decke, das ist super, super interessant und dann liest es doch niemand am Ende. Aber über den Zeitraum von 1 Jahr würde ich jetzt denken, da hat man so viele Chancen, die man wahrnehmen kann und sicher ist auch mal eine Verlierer-Story dabei, aber im Durchschnitt müsste man dann schon sehen können, funktioniert dieser Marketing-Kanal für uns oder funktioniert der einfach nicht.

Markus Hövener: Wäre dann auch ein Tipp, dass man sehr unterschiedliche Formate und Inhalte ausprobieren sollte?

Andreas Schülke: Am Anfang auf jeden Fall. Also wenn man jetzt noch nicht genau weiß, was funktioniert, was nicht funktioniert, dann darf man da sehr, sehr gerne experimentieren. Wenn man natürlich jetzt nach der ersten Infografik denkt, wow, das hat super funktioniert, dann würde ich auch noch mehr Infografiken machen.

Markus Hövener: Ja klar. So grundsätzlich, wenn jetzt wirklich Kunde X bei uns anruft und sagt „hier, wir würden gerne Content-Marketing machen, aber richtig, glaube ich, eignen wir uns gar nicht dafür“, wie gehen wir da ran und wie gehst vor allem du da ran, um erst mal zu gucken, geht da eigentlich was in dieser Branche?

Andreas Schülke: Also der 1. Schritt ist natürlich die Konkurrenzanalyse, dass man mal schaut, es gibt viele, die anrufen und sagen „wir sind in einer Branche unterwegs, da funktioniert Content nicht“ und dann findet man aber 3 Konkurrenten, die super Sachen machen und wo man auch einfach zeigen kann, hier, das hat funktioniert, hier, das hat funktioniert, und das auch, und wenn du dir da nur ein kleines Scheibchen abschneidest bei deinen Wettbewerbern, dann kannst du das auch alles haben. Das wäre erst mal so das Wichtigste. Wenn man dann natürlich absolut nichts findet, dann muss man eben kreativ werden, aber dafür haben wir auch genug Erfahrung und super Tools, die uns da unter die Arme greifen, dass wir eigentlich wirklich fast jedem weiterhelfen können. Wenn wir absolut denken, da geht nichts oder mit dem Budget, was wir hier haben, geht da nichts, dann kriegen Kunden da auch eine faire Rückmeldung auf jeden Fall.

Markus Hövener: Vielleicht, auch wenn die Frage ein bisschen seltsam ist, aber wenn es so um Themenfindung geht, kommen die meisten guten Ideen eher von uns oder kommt auch viel Gutes vom Kunden?

Andreas Schülke: Oh, das ist sehr unterschiedlich. Manche Kunden haben da super Ideen, manche Kunden haben sogar zu viele Ideen, da muss man ein bisschen auf die Bremse drücken. Und bei manchen Kunden ist es halt der Klassiker „hey, wir haben jetzt einen neuen Blogbeitrag geschrieben über dieses neue Produkt, was gestern reingekommen ist, könnt ihr damit Content-Seeding machen?“ und dann sagen wir halt „nein, ihr habt ja noch 5 Themenvorschläge von uns auf Halde liegen, wollt ihr nicht davon erst mal einen machen?“. Es ist sehr, sehr unterschiedlich.

Markus Hövener: Content-Seeding ist natürlich auch noch ein gutes Stichwort. Ich kenne ja deine Antwort ehrlich gesagt, aber wenn ich geilen Content habe, gibt es ein Verhältnis, wie viel Prozent Zeit, Geld ich in die Erstellung und dann in das Seeding stecke?

Andreas Schülke: Puh! Ich weiß gar nicht, was jetzt in der Branche aktuell so die Expertenmeinung ist, halbe, halbe sagt glaube ich jeder. Ich würde ehrlich gesagt dazu tendieren, es kommt immer so ein bisschen drauf an, was man dann während des laufenden Seedings auch feststellt. Aber wenn man etwas hat, was super funktioniert im Seeding, dann kann man das auch gerne ausschlachten, auch wenn man dann irgendwann bei 30:70 oder 20:80 ist, dass wirklich über zwei Drittel der Ressourcen des Budgets ins Seeding gesteckt wird, aber solange man merkt, das funktioniert noch, würde ich da auch immer weitermachen. Warum nicht?

Markus Hövener: Ich wollte noch kurz auf eine eigentlich spannende Aktion von dir hinweisen, das sind die Content-Marketing Blueprints. Ich habe den Link auch in die Shownotes gepackt. Magst du noch kurz ein bisschen dafür trommeln, was es da zu lesen gibt?

Andreas Schülke: Genau, ich habe einfach in ganz verschiedenen Branchen mal angeschaut, was wird da im Content-Marketing gemacht. Unter anderem vielleicht auch eine Branche, die man jetzt auch eher in die langweilige Schublade stecken könnte, also Branchenverbände, Initiativen, und selbst da findet man sehr spannende Sachen, die gemacht wurden. Darüber hinaus noch Fashion, Lebensmittel, was haben wir noch?

Markus Hövener: Möbel?

Andreas Schülke: Möbel, Reisen, Spielzeug.

Markus Hövener: Wir hätten das vorbereiten sollen.

Andreas Schülke: Alles gut, fällt ja alles wieder ein. Ja, Content-Marketing Blueprints gibt’s auf jeden Fall bloofusion.de unter den Advisories als kostenlosen Download, mit ganz, ganz konkreten Beispielen, was hat wer gemacht, was hat das gebracht? Wenn man in einer dieser Branchen unterwegs ist, auf jeden Fall super spannend. Und wir sind natürlich offen für Vorschläge, welche Branchen wir uns als nächstes angucken könnten.

Markus Hövener: Cool! Link, wie gesagt, in den Shownotes könnt ihr euch die alle runterladen. Vielleicht noch eine Rückfrage, das kam eben etwas zu kurz. Wir haben aber auch Fälle, wo jemand anfragt und wir ihn dann ablehnen, oder?

Andreas Schülke: Definitiv. Ja.

Markus Hövener: Also was hast du, jetzt hier vielleicht keine Kundennamen nennen, aber hast du ein konkretes Thema, wo du sagst, das ist dann irgendwie zu weit weg oder da geht gar nichts?

Andreas Schülke: Also wir haben es häufiger schon in der Vergangenheit gehabt, dass jemand im Prinzip starten will, und das verstehe ich sowieso dann immer nicht so ganz, warum die bei einer Suchmaschinenoptimierungs-Agentur anfragen, dass sie sagen, wir haben ein ganz neues Produkt, was noch niemand kennt, wonach auch niemand aktiv sucht, aber das wird ein großes Ding, wenn wir das bekanntmachen können. Da ist es nun mal leider so, dass wir dann eben sagen müssen, das sind hier, was wir machen, vor allem die Pull-Kanäle, also eine gewisse Bekanntheit oder ein gewisses Bewusstsein dafür muss es schon geben, dass auch aktiv danach gesucht wird, dass die Sachen, die wir machen, irgendwas bringen können.

Markus Hövener: Klar, okay. Und vielleicht noch, was wir halt auch nicht machen, ist, wir haben so ein paar Branchen, für die wir grundsätzlich nicht arbeiten, also quasi alles, was ethisch, moralisch ein bisschen verwerflich ist, was manchmal schade ist, weil wir hatten letztens so ein Beispiel, wieder so eine Anfrage aus dem Jagdbereich, was grundsätzlich eigentlich ganz gut ist, es gibt eine starke Community zu dem Thema, und ist ja manchmal schade, wenn man sowas dann trotzdem noch linksliegen lassen muss, aber natürlich fühlen wir uns alle besser, wenn wir das machen.

Andreas Schülke: Genau.

Markus Hövener: Hast du noch so einen abschließenden Tipp, irgendwas, um den Sack komplett zuzumachen?

Andreas Schülke: Abschließenden Tipp? Wäre open your mind, das klingt blöd, aber einfach versuchen, ein bisschen empathisch zu sein, mal vielleicht einen Tag lang auch Kunde spielen, einfach da rumsurfen, wo die Kunden rumsurfen würden, die Magazine, Portale, Blogs lesen, die die Kunden lesen würden. Man kriegt so eigentlich, also ganz unabhängig von allem Tool-Basierten und Datenbasierten, was wir alles machen können, man braucht so ein bisschen redaktionelles Fingerspitzengefühl einfach auch für Content-Marketing. Und gerade in langweiligen Branchen, wenn man jetzt gesagt, wir gehen von unserem Kernthema weg und wir wollen eigentlich da so ein bisschen breiter rangehen, um eine breitere Aufmerksamkeit auch zu bekommen, dann muss man einfach so ein bisschen redaktionelles Gespür entwickeln, deswegen einfach mal die Kundenschuhe anziehen und ein bisschen drauf rumdenken.

Markus Hövener: An der Stelle übrigens vielen Dank an euch da draußen. Ich kriege relativ viele oder ich habe ja ein paar Podcasts gemacht, wo ich Fragen von euch aufgegriffen habe, und es kommen relativ viele E-Mails von euch, auch sehr spezifische Fragen, manche bitten da drum, dass das anonym bleibt und so, alles kein Thema. Ich kann nicht alles immer in Folgen verwandeln, weil manchmal ist ein Thema einfach auch zu klein, um daraus eine ganze Folge zu machen, aber bitte, wenn ihr Fragen habt in Bezug auf SEO, Content-Marketing oder so, wo ihr sagt, das würde mich mal interessieren hier bei Search Camp, ob der Andreas dabei ist oder nicht, schickt das einfach immer rüber, E-Mail-Adresse findet ihr auf jeden Fall, ihr seid Füchse da draußen und deswegen. Andi, vielen Dank an dich, und magst du das Schlusswort sprechen heute?

Andreas Schülke: Ja, Dankeschön, dass ich hier sein darf. Genießt den Sommer. Mehr fällt mir gar nicht ein.

Markus Hövener: Ciao!

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Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor (International SEO), Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEA und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.

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