Das Venice-Update in Zahlen: Wer verdrängt eigentlich wen?

2. Juli 2012 | Von in SEO

Über das Venice-Update, bei dem lokale Websites in Suchanfragen eingeblendet werden, wurde in den letzten Wochen viel geschrieben. Anders als bei vorherigen Updates gab es aber von den SEO-Tool-Herstellern keine Zahlen, da die Effekte vom Venice-Update schwer zu messen sind.

Wir haben das aber trotzdem mal versucht und für 50 unterschiedliche Suchanfragen die Top 10 Suchergebnisse für München, Köln, Hamburg, Frankfurt und Stuttgart ermittelt (Google Places ausgenommen, weil die per se lokal sind). Mit der Abfrage für fünf Städte bekommt man natürlich nur einen Bruchteil der möglichen Suchergebnisse, aber ich glaube, dass dieser Ansatz trotzdem vertretbar ist.

Herausgekommen ist dann auch das, was ich eigentlich auch schon vermutet hatte. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Ergebnisse:

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Wir haben für alle Suchanfragen die Ergebnisse für fünf Städte ermittelt und konnten so feststellen, wie viele der Domains bei wie vielen Städten auftauchten. Wie man sieht ist es überwiegend so, dass eine Domain entweder nur bei einer Stadt vorkommt und bei allen Städten. Dass eine Domain nur bei zwei, drei oder vier Städten erscheint, ist hingegen selten.

Man sollte also einen Blick auf die zweite Spalte werfen: Bei den Domains, die nur in einer lokalen Ergebnisliste auftauchten, beträgt das durchschnittliche Ranking 6,42. Bei den Domains, die in allen lokalen Ergebnislisten erschienen, lag das durchschnittliche Ranking bei 3,63.

Und das besagt ganz klar: Die lokalen Ergebnisse werden eher auf den unteren Rängen der ersten Suchergebnisseite eingestreut, während Portale und andere nicht-lokale Ergebnisse eher auf den vorderen Plätzen zu finden sind. Die lokalen Ergebnisse verdrängen also schon andere Ergebnisse, sind aber keine Gefahr für Portale & Co., die zumeist auf den vorderen Rängen zu finden sind.

Beispiel: Wer nach “hotel” sucht, findet auf den ersten Positionen immer noch Hotel.de, HRS.de und weitere Sites, während die lokalen Hotel-Websites dann eher in der unteren Hälfte erscheinen.

Und wenn man sich dann auch noch typische Klick-Verteilungen auf den Suchergebnissen anschaut, werden die lokal eingestreuten Suchergebnisse wohl kaum relevante Klick-Zahlen erzielen – es sei denn, dass Nutzer lernen/wissen, dass weiter unten eben die lokalen Ergebnisse kommen. Damit ein solcher Lerneffekt eintreten kann, müsste Google aber viel konstanter in seinen Rankings sein.

Potenzial

Für lokale Unternehmen bietet Venice trotzdem spannende Potenziale. Die Statistiken zeigen ja nur die normale Verteilung an. In bestimmten Branchen mag das alles anders sein, weil es vielleicht keine starken Portale gibt. Wer z. B. nach “steuerberater” in München sucht, erhält als Top 2 die folgenden Ergebnisse:

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Die Wikipedia wird wohl keine hohe Klick-Rate haben, weil sie nicht wirklich bei der Steuerberatersuche hilfreich ist. Aber das Portal Muenchen.de profitiert hier mit seinem Branchenbuch wohl überdurchschnittlich von der guten Einblendung.

Zusammenfassung, Strategie

Insgesamt sehe ich vier wichtige Aspekte, die für mich aus dem Venice-Update resultieren:

  • Grundsätzlich ist es so, dass das Venice-Update nicht dafür sorgt, dass quer durch die Bank lokale Websites nicht-lokale Websites von den vorderen Plätzen verdrängen.
  • Lokal agierende Unternehmen sollten (noch) mehr in Linkaufbau und dabei vor allem in lokalen Linkaufbau investieren, weil es je nach Branche schon möglich ist, weit nach oben zu kommen.
  • Lokale Verzeichnisse und ähnliche Sites mit lokaler Ausrichtung (wie muenchen.de) sollten Ranking-Vorteile haben und könnten daher auch in Bezug auf Reichweite an Relevanz gewinnen.
  • Unklar für mich ist noch, ob sich nicht-lokale Portale und Verzeichnisse Vorteile herausarbeiten können, indem sie ebenfalls auf lokalen Linkaufbau setzen. Empfehlenswert wäre das meiner Meinung nach aber schon.
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Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor (International SEO), Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEA und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.

9 Kommentare zu “Das Venice-Update in Zahlen: Wer verdrängt eigentlich wen?”

  1. Thomas

    Hallo Markus,
    Danke für die Auswertung. Ich habe just letzte Woche eine ähnliche Auswertung gestartet (10 Keywords (Jobsuche-Berufe). Dabei ist mir aufgefallen, dass meist die ersten beiden Plätze unabhängig von der Stadt in “Stein gemeißelt” zu sein scheinen.
    Auf den Plätzen 3-7 erscheinen häufig die gleichen Domains unabhängig vom Standort, die endgültige Position ist aber location abhängig.

    Zusätzlich erhalten Domains die bereits eine Top 10 Position innehaben häufig ein zweites Ergebnis in der Stadt, der sie geografisch am nächsten liegen.

    Ganz interessant ist -so zumindest meine Vermutung- das google NICHT die IP Adresse des Servers nutzt sondern tatsächlich die Adresse aus dem Impressum als geografisches Merkmal deutet. Also wenn ich mein Unternehmen in Köln angesiedelt habe, allerdings in Nürnberg hoste, denkt Google das ich gute Informationen für den Bereich Köln liefere.

  2. Markus

    Das Hosting zu nutzen wäre auch wohl sinnlos, wenn bedenkt, was alles bei Domainfactory, 1&1 & Co. abgelegt wird.

    Impressum ist eine Quelle, aber ich denke auch, dass der Linkaufbau hier zählt. Also: Wer hat schöne lokale Links?

  3. Melinda

    Das ist ein toller Test gewesen und auch ich habe auch ähnliches getestet!

    Mit dem Artikel hast Du es sehr gut erklärt wie sich die Venice Auswirkungen bemerkbar machen…

    Zu den daten im Impressum wäre ja noch zu sagen das diese in allen relevanten Angaben gleich sein sollten, vor allem in Google+ und Places, dann ist die Zuordnung noch effektiver.

    IP als Standort wäre klar falsch…bin ja auch mit meinen Projekten in drei Ländern verteilt, jedoch nicht auf regional ausgerichtet.

    Werde aber in den kommenden Tagen noch einen regionalen Test machen mit einem neuen Projekt und dazu nur regionale Links aufbauen…mal sehen ob sich die Vermutung erhärtet!

  4. Uwe Mosgallik

    Hallo Markus,
    solange man generisch (Kostümverleih) sucht, kann ich deine Beobachtung bestätigen, sobald du aber exakter suchst: historischer Kostümverleih, werden die Suchergebnisse wieder überregional. Dieses Update greift derzeit nicht im Long Tail.
    Warum du hier Linkbuilding empfiehlst, ist mir allerdings unklar – Regionale Optimierung und Rich Data bei Adressdaten wäre hier eher angebracht.

  5. Markus

    Weil ich glaube, dass eine lokale Website mit mehr lokalen Links sich bei generischen Anfragen, die lokale Suchergebnisse beinhalten, weiter nach oben rutschen kann. Das bedeutet natürlich nicht, dass das andere Maßnahmen ersetzt…

  6. SEOnaut

    Hallo Markus !

    Das mit den lokalen Links ist allerdings wirklich eine Theorie, die fast unmöglich in die Bewertung einfließen kann. Was ist regional ? Ist ein lokaler Brand nur ein lokaler Brand, wenn er lokale Links hat ? Nein, dass kann doch nicht hinhauen, oder ? Die Frage ist nach meiner Meinung eher viel banaler. Die Anchortexte mit lokalem Bezug haben noch mehr Bedeutung als nach Penguin gedacht wird 😉

  7. Markus

    Das sehe ich etwas anders. Google lässt doch bereits lokale Websites in den Suchergebnissen nach oben gehen. Google weiß also für viele Websites, ob sie lokal ausgerichtet sind oder nicht.

    Dann macht es für mich Sinn, dass Google das auch für den Linkgraph wertet. Also: Links von lokalen Seiten stärken meine lokale Position.

    Hast aber Recht: Ist nur eine Theorie…

  8. Heinz inge

    Die Frage ist doch ob es irgendeinen Einfluss macht ob das Subnetz auf die Firma registriert ist die lokal tätig ist oder dann nach dem Standort des Rechenzentrums geht.

    Das sind dann aber Bereiche die man auch niemals restlos austesten kann weil Änderungen in dem Bereich nicht gigantisch sein werden.

  9. Thomas

    @Markus bei meinen Beobachtungen waren es nicht unbedingt Webseiten die lokal ausgerichtet sind, sondern einfach vom Standort gepasst haben. Eine Jobbörse aus München ist aus meiner Sicht nicht sofort relevanter für Suchanfragen aus München ?!
    Natürlich mag das bei Hotels, Restaurants lokalen Dienstleistern etc. stimmen – generell würde ich deiner Aussage “Google weiß also für viele Websites, ob sie lokal ausgerichtet sind oder nicht.” nicht umfänglich zustimmen.

    Bzgl. lokaler Links / Anchortexte stimme ich @seonaut zu

    @Hein inge: Standort des RZs kann man wohl zu 99% ausschließen

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