Die erste Website unter der SEO-Lupe: www.thomann.de

19. September 2010 | Von in SEO

Wie schon angekündigt: Für die nächste Ausgabe des suchradars (26. Oktober) schreibe ich einen Artikel aus der Reihe “SEO in Action”, in dem ich mir einige Top-Online-Shops anschaue.

Grundsätzlich sollte man davon ausgehen, dass diese Websites in Bezug auf SEO alles richtig machen. Aber aus der Praxis weiß ich, dass es eben gerade bei so großen Websites immer Potenziale und Probleme gibt. Und deswegen habe ich für den nächsten Artikel aus der Serie “SEO in Action” fünf der zehn größten deutschen Shop-Websites herausgesucht, um dort typische Fehler aufzuzeigen – aber auch, um zu demonstrieren, wie manche dieser Fehler gefunden werden können.

Es geht dabei nicht darum, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Diese Plattformen haben natürlich schon sehr, sehr viel richtig gemacht, da sie sonst wohl kaum solche Umsätze realisieren würden.

Vielmehr geht es darum, auf die vielen kleinen Feinheiten hinzuweisen, die in der Praxis oft nicht umgesetzt werden. Aber: Wenn ein Unternehmen 100 Millionen Euro Umsatz macht und man mit einer kleinen Verbesserung 1 % mehr Traffic (= mehr Umsatz) generieren kann, ist das relativ gesehen nicht viel – aber absolut gesehen eben doch. Und deswegen lohnt sich der Blick auf die Details.

Die Vorbereitungen

Gelegentlich gibt es Websites, die ein menschlicher Besucher mit einem Browser anders als Suchmaschinen sieht. So gibt es manchmal sehr skurril implementierte JavaScript-Redirects, die von Suchmaschinen nicht erkannt werden.

Um derartige Effekte zu vermeiden, kann man verschiedene Software-Lösungen einsetzen – oder nutzt einfach die Möglichkeiten, die einem Browser wie der Firefox anbieten. Zunächst empfiehlt es sich, JavaScript auszuschalten (Extras > Einstellungen > Inhalte > JavaScript aktivieren).
Außerdem kann und sollte man sich zusätzlich als Googlebot und nicht als Firefox zu erkennen geben – für den Fall, dass der Web-Server z. B. den User-Agent überprüft und für Google andere Regeln gelten. Das geht z. B. mit dem Add-on “User Agent Switcher”, in dem dann ganz einfach der Googlebot ausgewählt werden kann.

Unter der Lupe: www.thomann.de

Vorab: Ich bin Musiker & hätte direkt bei Thomann.de mein halbes Jahressalär ausgeben können. Schöne Site, tolle Produkte, gute Marke. Aber dennoch: Ich bin ja hier zum Arbeiten. Was ist mir also bei Thomann.de aufgefallen?

Startseite

Die Startseite einer Website hat prinzipiell innerhalb einer Website das höchste Gewicht und sollte deswegen auch auf allgemeine Suchbegriffe abzielen – im Falle von www.thomann.de wären das z. B. Suchbegriffe wie “musikinstrumente” oder “studiotechnik”. Aber die Startseite von Thomann ist extrem textarm und dient eigentlich nur als Verteiler auf die unterschiedlichen Sprach-/Länderversionen:

seo-in-action-1

Übrigens: In seltenen Fällen passiert es leider auch, dass Suchmaschinen Seiten anders angeboten werden als normalen Besuchern – z. B. weil über die IP des abfragenden Crawlers auf dessen Herkunft (z. B. USA) geschlossen wird. Ein deutscher Besucher würde also eine deutsche Seite sehen, während Google die US-Seite sehen würde. Um zu überprüfen, ob dieses Problem vorliegt, kann man bei Google einfach in den Cache reinschauen (“cache:www.thomann.de”). In diesem Fall gibt es allerdings Entwarnung: Auch Google hat die Seite so indexiert, wie man sie als deutscher Besucher im Browser sieht.

Bild

Es ist zwar ganz sinnvoll, von der Startseite auf die unterschiedlichen Sprach-/Länderversionen zu verlinken, aber das sollte Thomann in anderer Form machen. So wäre es besser, die Inhalte der deutschen Startseite (http://www.thomann.de/de/) auf der “richtigen” Startseite (http://www.thomann.de/) anzuzeigen. Von dieser Seite aus könnte natürlich trotzdem auf die anderen Versionen verlinkt werden (was jede Seite übrigens auch wirklich macht). Das hätte zur Folge, dass http://www.thomann.de/ – eine Seite mit deutlich mehr Gewicht als die deutsche Unterseite http://www.thomann.de/de/ – deutlich bessere Rankings zeigen würde.

Die Lösung, die unterschiedlichen Versionen in entsprechenden Ordnern (“de”, “es”, …) abzulegen, ist natürlich prinzipiell richtig. Besser wäre es allerdings, wenn hier eine generische Domain (.com, …) genutzt würde. Dann könnte den unterschiedlichen Versionen über die Google Webmaster Tools auch Zielländer zugeordnet werden (z. B. /se/ = Schweden). Mit einer länderspezifischen Domain (.de) geht das leider nicht.

Allerdings müssten noch einige andere Hausaufgaben erledigt werden, denn die deutsche Startseite http://www.thomann.de/de/ enthält den Seitentitel “Herzlich Willkommen” und eine Überschrift namens “Willkommen zu Hause!” – von allgemeinen Suchbegriffen leider keine Spur. Diese finden sich zwar im einleitenden Text, aber eben leider nicht in wichtigen Seitenelementen wie dem Seitentitel.

Startseite & Rubrikenseiten

Auf der Startseite sieht man auch einen üblichen Fehler: Wörter werden verkürzt. So steht dort: “…Studio-, Licht- und Beschallungstechnik …”:

Bild

Für einen Menschen ist absolut klar, dass mit “Licht-” eigentlich “Lichttechnik” gemeint ist. Eine Suchmaschine vermag das aber derzeit noch nicht zu erkennen. Dieses Problem findet sich auch in verschiedenen Rubriken (z. B. “Licht- und Bühnenequipment”).

Wer sich die Rubriken anschaut, merkt auch schnell, dass hier selten auf die richtigen Suchbegriffe abgezielt wird – ein ebenfalls sehr häufiger Fehler. So gibt es Rubriken wie “Hot Deals” (wer sucht nach “hot deals”?), “Zubehör” (nicht schlecht, aber das sollte man immer in Verbindung mit einer Kategorie verwenden) oder “Fachliteratur” (viel zu allgemein).

Fazit

Die Website Thomann.de verschenkt leider einiges an Potenzial. Das liegt zum einen an der etwas ungewöhnlichen Startseitenlösung, aber auch an der mangelnden Ausrichtung der Rubrikenseiten.

Next…

www.bonprix.de (stay tuned)

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Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor, Podcaster, Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und verantwortlich für das suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und genießt das Leben.

7 Kommentare zu “Die erste Website unter der SEO-Lupe: www.thomann.de”

  1. Stanley

    Hallo Herr Hövener,

    so etwas ist immer ganz interessant zu lesen und für den einen oder anderen ist sicherlich auch ein guter Tipp dabei.

    Schade finde ich aber immer wieder das sowas an Hand von ohnehin erfolgreichen Internetprojekten gemacht wird. Thomann und Bonbrix haben sicherlich eigene SEO-Experten bzw. können sich ohne Probleme welche Leisten. Zusätzlich erhalten Sie hier nun noch maßgeschneiderte kostenlose Tipps und passend dazu auch noch Backlinks.

    Ist nicht böse gemeint, ich finde es nur schade das große Projekte immer unterstützt werden und kleinere Portale eher nicht.

    Mit freundlichen Grüße aus Dresden,

    Stanley Hinz

  2. Nils

    Vielen Dank für diese Analyse. Daraus kann man auch für sich selber viel lernen. Das mit den Trennstrichen zum Beispiel war etwas, worüber ich mir persönlich noch keine Gedanken gemacht habe. Allerdings muss man hier auch an die Besucher der Seite denken. Würde man nun jede Rubrik komplett ausschreiben klingt das zum einen ungelenk und zum anderen nimmt es in der Navigation auch mehr (evtl. zu viel) Platz weg.
    Ich bin jedenfalls schon gespannt auf die weiteren Seitenanalysen.

  3. Markus

    Naja, meine Angst war ja, dass die alles schon so perfekt machen, dass man nur noch Kleinkram findet. Ist aber definitiv nicht so. Man kann

    a) bei den großen Shops immer noch Potenzial finden und
    b) das dann auch auf den eigenen Shop übertragen.

    Aber wenn diese Thematik einschlägt, können wir uns ja gerne auch mal kleinere Shops vornehmen 🙂

  4. madmurdocc

    Sers Markus,

    gib doch mal das Keyword “eBay” ein und schau Dir mal die Anzeige an =)

    Ist doch nen Beitrag wert, oder?

    Ade,
    madmurdocc

  5. Markus

    Off-topic, aber trotzdem ganz geil 🙂

    Die Ad:

    Bai E bei eBay
    http://www.ebay.de/Bai+E
    Bai e: Reihenweise Angebote Bai e? Ab zu eBay!

    Beitrag wär’s mir nicht wert, aber witzig ist’s auf jeden Fall…

  6. M. Hankel

    Hallo Herr Hövener,

    macht es einen Unterschied wenn man anstatt der .com/de/ Variante sich die Domaine in dem jeweiligem Land registriert? Also z.B. .de für Deutschland, .fr für Frankreich usw.?

    Beste Grüße

    M. Hankel

  7. Markus

    Nö, kann man auch machen, aber das hat den Nachteil, dass dann jede Domain separat ist, also man jeweils Verlinkungen aufbauen muss. Bei der Variante mit .com/Land profitieren alle Länder ein bisschen voneinander…

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