Facebook: Suche im Social Graph – was kann sie? – was nicht?

16. Januar 2013 | Von in SEO, Social Media

Jetzt ist es also passiert: Facebook hat seine Suche vollständig überarbeitet. Zumindest hat es den Anschein, denn selber testen konnte ich die neue Suche bislang nicht. Aber einen klangvollen Namen hat sie bereits bekommen: “Suche im Social Graph”. Was kann sie – und ist sie wichtig?

restaurants-freunde

 

Was ist die Graph-Suche?

Neben dem Newsfeed und der Timeline soll jetzt also auch die Suche ein ernstzunehmender Faktor in dem sozialen Netzwerk werden. Facebook selber sagt dazu (im Newsroom):

“Graph Search is a new way for you to find people, photos, places and interests that are most relevant to you on Facebook.”

Konkret werden neben ein paar optischen Anpassungen (der Suchfunktion wird mehr Raum gewährt) vor allem die Möglichkeiten erweitert, wie gesucht werden kann. Beispielsweise ist es möglich, Personen auf Basis von Dingen zu suchen, die mit dem Suchenden geteilt wurden – also etwa Freunde, die im gleichen Ort wohnen, Fotos, in denen Freunde markiert wurden, oder Orte, an denen Freunde waren. aber auch komplexere Anfragen sind möglich: “Freunde aus meiner Heimatstadt, die gerne Sport treiben” – eine semantische Suche mit der Möglichkeit der logischen Veknüpfung wird hier also geboren. Und sie soll alles berücksichtigen, was für den Suchenden freigegeben wurde.

Das Suchergebnis soll dann in etwa wie folgt aussehen:

fotos-von-mir

freunde-in-meiner-stadt

restaurants-freunde

Interessant ist in dem Zusammenhang sicherlich, dass dem Nutzer während der Eingabe der Suche auch Vorschläge gemacht werden, wie die Suchanfrage weiter spezialisiert werden kann (ähnlich Googles “Autocomplete”-Funktion). Dadurch kann bestimmt die eine oder andere zusätzliche Suchanfrage initiiert werden.

 

Graph-Suche vs. Google?

Ist die neue Funktionalität von Facebook ein echter Gegner für Googles Websuche? Derzeit eher nicht, denn die Graph-Suche deckt im Wesentlichen die Dinge ab, die wir miteinander in sozialen Netzwerken teilen. Hinzu kommt, dass sich die Menschen in sozialen Netzwerken zumeist in einem anderen Kontext aufhalten. Einem, der auf Kommunikation ausgelegt ist und nicht zwingend auf die Einholung von Informationen oder Kaufprozesse oder oder …

Daran ändert auch nichts, dass neben Fotos, Personen, Orten und Interessen in der Graph-Suche nach Web-Ergebnissen von Bing geforscht werden werden kann. Dafür muss die Suche offenbar mit “Web Search: …” eingeleitet werden. Falls eine andere Suche kein Ergebnis bringt, wird die Bing-Suche automatisch genutzt:

“When we can’t find what you’re looking for we have a partnership with Bing to show you world class search results for things that don’t match your query.”, so Zuckerberg bei der Vorstellung.

Doch dass Menschen wirklich zu Facebook gehen, um eine Web-Suche durchzuführen, glaubt auch Facebook Chef Mark Zuckerberg nicht.

“We don’t think a lot of people will come to Facebook to do web searches, but if we can’t find what you’re looking for, it’s good to have this.”

Gegenüber Google hat sie aber einen wesentlichen Vorteil: Sie kommt an Daten heran, die die Mitglieder untereinander teilen. Für Suchmaschinen außerhalb des sozialen Netzwerks bleiben die meisten Dinge unerreichbar und lassen sich somit auch nicht in die Ergebnisse einbetten.

Damit hat Facebook zumindest eine Abgrenzung zu Google – und hält sich die Möglichkeit offen, irgendwann auch die Websuche verstärkt einzubetten – und dann könnte Facebook für Google ein Problem werden.

 

Braucht man’s (privat)?

Abgesehen davon, dass Facebook natürlich gegenüber der eigenen Anhängerschaft (und Aktionären) zeigen will, dass sich das soziale Netzwerk weiterentwickelt, steht natürlich die Frage im Raum: Braucht man diese Suche?

Es ist natürlich nett, wenn es mal zu einem Fall kommt, dass ich wissen will, welcher meiner Freunde aus der gleichen Heimatstadt auch noch meinen Musikgeschmack teilt. Vermutlich haben aber a) die Menschen zu wenig Fantasie, um sich immer neue Verknüpfungen auszudenken, die sie jetzt “dringend” interessieren und b) welche wirklich interessante Neuigkeit kommt als Ergebnis der Suche heraus?

 

Ist die Graph-Suche für Unternehmen wichtig?

Vermutlich nicht. Denn die meisten Informationen, die mit der Graph-Suche abgefragt werden können, sind für Besitzer von Fanpages unsichtbar. Ergo: Keine Möglichkeit des Zugriffs. Außer die Benutzer geben explizit Informationen für die Öffentlichkeit frei – nur das dürften die allerwenigsten machen. Und ob man aus den verbleibenden öffentlichen Informationen statistisch relevant auf etwas schließen sollte, was für das Unternehmen wichtig ist, …?

Ich halte daher nichts von der Aussage, dass das der Durchbruch sein wird und Unternehmen fortan eine riesigen Pool an Informationen vor sich haben, den sie für Personal-Suche oder für die Suche nach Interessen der eigenen Fans durchstöbern können. Dafür müsste erst ein komplettes Umdenken bei einem Großteil der Benutzer erfolgen … meiner Meinung nach ist das eher unwahrscheinlich.

 

Ab wann ist die Graph-Suche verfügbar?

Derzeit befindet sich die Suche im Social Graph noch im Beta-Stadium für eine begrenzte Anzahl englischsprachiger Benutzer (US). Sie wird aber in der nächsten Zeit ausgerollt. Man kann sich auf eine Warteliste setzen lassen, um zu erfahren, wann die Suche für die eigene Region verfügbar wird.

 

Weitere Infos:

Informationen zur Graph-Suche: https://www.facebook.com/graphsearch

Privatsphäre und Graph-Suche: https://www.facebook.com/about/graphsearch/privacy

Die Vorstellung der Graph-Suche in einer Timeline bei The Verge: http://live.theverge.com/facebook-see-what-were-building-event/

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Maik Bruns

Maik Bruns war bis 2017 Berater für SEO und Webanalyse in der Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als Online-Marketing-Enthusiast schrieb er zu diesen Themen im Bloofusion-Blog (damals: Die Internetkapitäne), im SEO-, SEA- und E-Commerce-Magazin suchradar und natürlich bei Twitter und Google+.

Maik Bruns ist unter anderem in den folgenden sozialen Netzwerken zu finden:

6 Kommentare zu “Facebook: Suche im Social Graph – was kann sie? – was nicht?”

  1. Marko

    Ich denke, das mit den “öffentlich freigegebenen Informationen” ist nur ein Generationenproblem. Jüngere geben wesentlich mehr Informationen preis (siehe z.B. die BITKOM-Studie “Soziale Netzwerke” – und insofern kann die Suche bei diesen Personen vermutlich schon das ein oder andere relevante Ergebnis beitragen. Aber ich denke auch nicht, dass die Suche jetzt der absolut große Wurf ist. Vor allem, weil die Jüngeren Leute zum Teil auch einfach falsche Infos angeben….

  2. Maik

    Dass dort falsche Infos hinterlegt werden, mag durchaus sein, trotzdem ist es nicht so, dass Jüngere unbedingt wesentlich mehr Informationen preisgeben. Ganz im Gegenteil: Viele habe durchaus sensible Antennen dafür, dass eigene Informationen schützenswert sind. Das zeigt die erwähnte Bitkom-Studio ebenso. So ist etwa für 95 % der 14- bis 29jährigen wichtig “Die Sichtbarkeit meiner Daten für bestimmte Personengruppen festlegen zu können” – wöhrend das erstaunlicherweise mit “nur” 91 % für über 50-jährige schon weniger der Fall ist.

  3. Marko

    Ja – was dann wiederum nicht für die Suche spricht. Fraglich allerdings, ob das “wichtig sein” (Einstellung) mit dem “Ich nutze es auch wirklich” (Verhalten) korreliert.

  4. Sam

    Ich könnte mir gut vorstellen, dass der Trend “Information preis zu geben” stark zurück gehen wird. Anfangs hat es mich nämlich auch nicht gestört den ganzen Senf meiner Freund zu lesen. Durch die neue Funktion (mittlerweile alte), mit der Freunde oder mein eigenes Profil für andere ausblenden werde kann, hat sich meine Sicht der Dinge geändert. Ich bin gespannt ..

  5. Oneck

    Aus meiner Sicht keine Konkurrenz zu Google, weil andere Ziele und andere Funktionsweise der Suche. Kritisch ist für mich das Thema Datenschutz – nicht, weil neue Informationen veröffentlicht werden, sondern weil es nun leicht ist, diese gezielt zu durchsuchen. Siehe dazu auch http://www.seo-suedwest.de/home/387-facebook-graph-search.html

  6. Chris

    Na die Zielrichtung ist doch klar: Social Media hat in der jetzigen Form seinen Peek erreicht. Zum Teil nervt bereits das geposte (wie auch Sam schreibt) der anderen. Also muss was Neues her. “Neue Freunde finden” im Sinne von verbindenden Aktivitäten reichert die Verknüpfungspunkte der Datenbasis an. Und evtl. bringt es ja “nebenbei” auch dem User Mehrwert. 😉

    Richtig spannend wird es bei der Selektion der Werbezielgruppen, da durch diese “private Suche” natürlich die Profile verifizierbarer werden (derjenige der einen Laufpartner sucht ist Sport begeistert / ein anderer hat sich gleich neue Laufschuhe gesucht / die Wahrscheinlichkeit der Gruppe der Sport-begeisterten, mit dem Hang zu jener Marke Sportschuhe, ist zu xy% ausgeprägt, dass sie auch Interesse an dieser Automarke hat…).

    Ob es wirklich aufgehen wird, wird sich zeigen. Aber es ist klar keine Konkurrenz zu Google sondern ein neuer Ansatz der Profil-Bildung. (da tut sich Google bisher schwerer – außer irgendwann läuft auch Google+…)

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