Google Discover: Ganz einfach mehr SEO-Traffic? [Search Camp 159]

12. Januar 2021 | Von in Search Camp + Alles auf Start, SEO

Google Discover kann für viele Unternehmen spannend sein – zukünftig sogar noch mehr als heute. Denn Discover wird als allgemeine Empfehlungsplattform nicht nur Artikel, sondern auch Produkte, Events und vieles mehr vorschlagen können. Wie ist der Stand der Dinge? Welche technischen und inhaltlichen Voraussetzungen gibt es? Valentin Pletzer von BurdaForward gibt den kompakten Überblick.

 

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Transcript

Markus Hövener: Vielen Dank fürs Einschalten wieder bei Search Camp. Heute ist das Thema Google Discover. Ist, glaube ich, ein spannendes Thema, zumindest haben es sich viele gewünscht von euch bei den Themenvorschlägen im letzten Jahr. Und deswegen habe ich quasi den Experten schlechthin auch heute im Äther hier, den Valentin Pletzer. Ich freue mich, dass du da bist. Moin!

Valentin Pletzer: Moin! Hallo! Vielen Dank für die Einladung.

Markus Hövener: Absolut gerne. Also wie gesagt, es gibt, glaube ich, wenig Leute, die da mehr darüber wissen. Das liegt auch daran, dass Valentin, ich würde dir mal unterstellen, dass du Publisher bist. Du bist Head of SEO bei BurdaForward.

Valentin Pletzer: Genau.

Markus Hövener: Ich war eben bei euch auf der Website. Bei vielen so Brands wie FOCUS Online, CHIP oder NetMoms, was genau macht ihr da so für die?

Valentin Pletzer: Ich komme ursprünglich von der CHIP und die CHIP, die ist Teil von Burda, von Hubert Burda Media, und innerhalb von Hubert Burda Media gibt’s eine Firma, die sich rein um die Webseiten kümmert. Also jetzt nicht um alle, aber um einen guten Teil der Publishing-Webseiten, und dazu gehört jetzt eben die CHIP und der FOCUS und die NetMoms. Und seit Ende letzten Jahres dann auch zum Beispiel BUNTE, TV Spielfilm, TV TODAY und so weiter. Also eine ganze Reihe von Webseiten. Ich und KollegInnen, wir sind dafür zuständig, SEO zu machen, Inhouse-SEO.

Markus Hövener: Ja, ist absolut eine gute Idee. Ich denke mal, Google Discover haben zumindest die meisten da draußen schon mal gehört. Es ist ja auch, ich sag mal, eine Abkehr von dem, was Google eigentlich macht, weil Google ist eigentlich suchgetrieben. Aber Google Discover funktioniert nicht so, sondern …?

Valentin Pletzer: Sondern …, ja, spannendes Thema. Also am Ende erstellt Google ein Profil von einem, und mit Hilfe dieses Profils werden dann Beiträge vorgeschlagen. Das ist so die Kurzform. Die Realität ist natürlich ein Stückchen komplexer.

Markus Hövener: Dem wollen wir uns ja gleich auch nähern. Und dieses Vorschlagen passiert im Moment in der Google App. Wenn du da auf die Startseite gehst, da schlägt‘s dir dann eben einfach entsprechend Beiträge vor. Gibt’s das noch woanders oder ist das noch woanders geplant?

Valentin Pletzer: Ja, das gibt’s tatsächlich auf der amerikanischen Homepage, der mobilen Homepage, muss man dazusagen. Also Desktop gibt’s das aktuell noch nicht, wobei da gab’s jetzt Ende letzten Jahres erste Gerüchte. Aber wenn man als eingeloggter User auf die US-Webseite geht, dann sieht man tatsächlich eben Vorschläge basierend auf dem eigenen Discover-Profil.

Markus Hövener: Und, glaube ich, traffic-mäßig kann es durchaus spannend sein. Es gab, glaube ich, im letzten Jahr eine Fallstudie von Condé Nast, die, ich weiß gar nicht mehr, wer es war, ob es die Vogue war oder so, auf jeden Fall hatten die bei irgendeinem Medium hatten sie schon mehr Traffic über Google Discover als über die Suche. Welchen Stellenwert hat das bei euch?

Valentin Pletzer: Sehr großer Stellenwert. Also wirklich, man denkt ja immer, dass Publisher vor allem auf Google News irgendwie scharf sind, und das ist jetzt nicht komplett falsch, aber Google News hat auch immer schon nur eine sehr kleine Rolle gespielt, was jetzt den reinen Traffic angeht. Und Google Discover hat das gerade eben mal komplett verändert. Also innerhalb von, ich würde jetzt sagen, anderthalb Jahren, zwei Jahren vielleicht, von einem kleinen Traffic-Zubringer zu einer riesigen Traffic-Quelle, die auch bei uns, also mehr als die Hälfte des Google-Traffics ausmacht. Also wenn man jetzt alles, was Google an Traffic zuliefern kann, zusammenzählt.

Markus Hövener: Dann lass uns dem mal nähern, wie man da so reinkommen könnte. Also angenommen, ich habe jetzt einen Blog oder ich habe auch eine News-Website oder was auch immer, was sind erst mal die technischen Voraussetzungen, dass ich an dem ganzen Spiel teilnehmen kann?

Valentin Pletzer: Technische Voraussetzungen gibt’s eigentlich, also jetzt neben klassischem SEO, dass man eben einen anständigen Title und eine Überschrift hat, also eine H1 und so weiter, eigentlich nur eine einzige, das ist die Aufmacher-Bildgröße. Also man kann ja Schema, okay, das ist natürlich auch eine Voraussetzung, also man braucht Schema auf der Seite und in dem Schema muss ein Bild hinterlegt sein. Dieses Bild sollte idealerweise 1200 Pixel breit sein Minimum, und 16×9 idealerweise. Wenn man das hat, dann hat man schon technisch gesehen alles gemacht, was man tun kann für Google Discover.

Markus Hövener: Mit Schema meinst du jetzt eben Markup und da wahrscheinlich Article Markup? Oder gibt’s noch was anderes?

Valentin Pletzer: Genau. Article und da gibt’s ja noch so ein Sub-Markup, das heißt dann NewsArticle.

Markus Hövener: Welches ich davon nehme, ist egal, oder?

Valentin Pletzer: Soweit ich gesehen habe: Ja. Also ich monitore das ja so ein bisschen, was ich so sehe, und gucke mir das natürlich auch an, was andere so machen. Das Überwiegende, die verwenden Schema Markup. Und dort verwenden die meisten, weil die meisten Publisher sind tatsächlich, also News Publisher sind, dieses NewsArticle Markup. Aber ich habe auch schon anderes gesehen, also das scheint keine Rolle zu spielen.

Markus Hövener: Was ist mit AMP, brauche ich das unbedingt?

Valentin Pletzer: Also unbedingt brauchen tut man es nicht. Es war jetzt bis, sag ich mal, Herbst 2020 so oder bis Spätsommer 2020 so, dass man die großen Bildformate nur dann in Discover reinbekommen hat, wenn man entweder AMP verwendet hat oder aber Google eine Freigabe dafür gegeben hat, tatsächlich über ein Google Docs Formular. Aber dieses Formular ist nicht mehr notwendig und dementsprechend kommt erst mal jeder rein.

Markus Hövener: Das heißt, Zusammenfassung: Wenn ich das Markup drin habe und ich habe ein Bild, was mindestens 1200 Pixel Breite hat, kann ich auf jeden Fall erst mal an dem Rennen teilnehmen?

Valentin Pletzer: Genau.

Markus Hövener: Gleichwohl, so passiert es ja nicht. Also es ist ja nicht so, ich sag mal so, ich schreibe irgendwie einen Beitrag über das letzte Treffen des Häschenzüchtervereins München und auf einmal stehe ich bei Google auf der Startseite. So ist es ja nicht ganz, oder?

Valentin Pletzer: Nein, nicht ganz. Wobei natürlich, wenn jetzt tatsächlich, also nehmen wir mal das Beispiel Häschenzüchterverein München, wenn es da jetzt genügend Leute gibt, wo Google erkannt hat, dass das für diese User von Interesse ist, dann wird diesen Usern mit einer guten Wahrscheinlichkeit auch dieses Ergebnis ausgespielt. Weil es gibt da wahrscheinlich sehr, sehr wenig Wettbewerb in dem Bereich, gehe ich jetzt einfach mal davon aus, und dann ist die Chance auch recht groß. Aber es müssen halt wirklich Leute sein, denen Google dieses Interesse zugeordnet haben. Und dieses Interesse, das ist jetzt bei ganz frischen Profilen, also wenn ich ein leeres Profil anlege, also ein User, der noch gar nichts gemacht hat, auf keine der Google Properties, dann kann ich da natürlich schnell irgendwas zuordnen. Aber ein normal genutztes Google-Profil, da sind ja schon ganz viele andere Interessen verankert. Dementsprechend muss der User schon häufiger mit dem Thema interagiert haben, bevor das überhaupt als echtes Interesse zugeordnet wird.

Markus Hövener: Die Interessen, die holt Google sich hauptsächlich aus dem, was ich gesucht habe in der Vergangenheit, oder natürlich, wenn ich Discover fleißig nutze, dann kann ich auch Themen abwählen irgendwann mal?

Valentin Pletzer: Ja genau. Und tatsächlich noch YouTube. Also ich habe tatsächlich einmal ein Experiment gefahren, indem ich ein leeres Profil angelegt habe, also ein frisches Profil angelegt habe, und dort nur mit YouTube interagiert habe. Tatsächlich auch nur mit einem oder zwei YouTube-Videos zu einem Thema auf jeden Fall. Das war eine Netflix-Serie damals, Narcos, und die wurde dann als Thema, als Entität meinem Profil, diesem frischen Profil zugeordnet.

Markus Hövener: Gibt’s irgendwo eine harte Liste an Themen oder ich bin jetzt wirklich an einem ganz, ganz, ganz speziellen Thema interessiert, wird Google das trotzdem irgendwo abspeichern können?

Valentin Pletzer: Ja, ich sag mal, was ich jetzt so gesehen habe, ist, dass es eigentlich kein Thema gibt, wo Google nicht wirklich eine Entität vorrätig für hat. Also man kann auf Google Trends gehen zum Beispiel oder man kann auch in Google News gehen, und da kann man ja nachschauen, welche Themen, welche Entitäten Google kennt. Und dann gibt’s aber noch zig andere Entitäten, die man vielleicht gar nicht dort findet, die man aber vielleicht zum Beispiel in der Google Suche als Knowledge Graph Box sieht oder auch mal an anderen Stellen. Also ich tue mich eher schwer, Themen zu finden, die Google nicht kennt. Es gibt hin und wieder Fälle, dass, wenn eine Serie quasi heute Nachmittag angekündigt wurde, dass sie dann heute Abend noch nicht als Entität natürlich existiert. Aber ansonsten existiert so ziemlich alles als Entität.

Markus Hövener: Nein, es könnte ja sein, was weiß ich, ich bin ein absolutes B2B-Kind und habe eine Vorliebe für Doppelschneckenextruder. Könnte ja sein.

Valentin Pletzer: Ja, also ich will natürlich nicht ausschließen, dass es nicht auch Themen gibt, die Google nicht kennt. Aber es ist schon erstaunlich, was Google alles mittlerweile als Entitäten führt und was auch überhaupt kein Problem ist. Keine Ahnung, 20 verschiedene Arten von Leoparden oder sowas, hätte ich jetzt vorher nicht gekannt, und das ist jetzt auch nicht so mein Interessensgebiet, aber spannend, dass Google das kennt.

Markus Hövener: Jetzt hatten wir eben diese Häschenzüchterverein München. Welchen Einfluss hat denn die Lokalität von sowohl dem Thema als auch von dir selber?

Valentin Pletzer: Ein sehr guter Punkt. Man kann ja in seinem Google-Profil hinterlegen, wo man sich befindet, also was der Wohnort ist beziehungsweise wo man zur Arbeit geht zum Beispiel. Ich glaube, man kann sogar noch mehr anlegen, aber das sind so die zwei, die ich bei mir jetzt ins Profil hinterlegt habe. Und passend zu diesen Locations zeigt Google Discover Empfehlungen an. Google Discover zeigt aber auch Empfehlungen an, basierend auf dem Ort, an dem ich mich gerade befinde. Dann muss Google aber die Möglichkeit haben, diesen Ort auch gut zu erkennen. Das kann über die IP-Adresse funktionieren, funktioniert aber natürlich besser, wenn man der Google App freigegeben hat, freigestellt hat, auch auf die GPS-Location zuzugreifen.

Markus Hövener: Jetzt seid ihr Publisher, das heißt, das Meiste, was ihr publisht, sind natürlich Texte. Jetzt gibt’s ja auch, oder es gab zumindest in der Vergangenheit mal so ein paar Fälle, wo auch auf einmal Produkte aufgetaucht sind in Google Discover. Wie siehst du solche Sachen? Also Produkte oder Events, das wäre eigentlich ein ideales Tool auch, um mir sowas anzudienen.

Valentin Pletzer: Auf jeden Fall! Also ich gehe ganz stark davon aus, dass Google das vielleicht sogar dieses Jahr, also 2021, noch als eigenes Element, als, weiß ich nicht, eigene Onebox, wenn man das in Discover so nennen will, verankern wird. Aktuell gibt’s das aber noch nicht. Also alles, was ich an Produkten oder auch an Events gesehen habe, das war eher so der Fall, dass das wirklich seltene Einzelfälle waren. Das hat auf mich eher so den Eindruck gemacht, als hätte Google nicht erkannt, dass es jetzt eine Event-Seite ist oder eine Produkt-Seite, sondern vielleicht eher gedacht hat, dass es sich da um eine Artikel-Seite handelt. Also ich habe zum Beispiel eine Webseite gesehen, die vielleicht mit Absicht, vielleicht auch unabsichtlich, alle ihre Angebote mit Article Markup versehen haben, und die tauchen durchaus häufiger in Discover auf.

Markus Hövener: Jetzt muss es ja auch irgendwie ausschlaggebend sein, wo sich der Content befindet. Also ich würde jetzt mal unterstellen, dass etwas, was auf FOCUS Online ist, höhere Chancen hat aufzutauchen als auf haeschenzuechterverein-muenchen.de. Ist das so?

Valentin Pletzer: Ja, ich glaube schon, dass große Webseiten da sicherlich einen Wettbewerbsvorteil zu haben. Also alles andere, würde ich lügen, wenn ich sagen würde, ich glaube das nicht. Aber wie gesagt, wie jetzt zum Beispiel mit einer CHIP oder einem FOCUS, wir würden ja nicht über diesen Häschenzüchterverein schreiben. Und wenn sich jetzt jemand aber genau für dieses Thema interessiert, dann gibt’s halt nur die eine Quelle, und dann zeigt Google die normalerweise auch an. Die größere Herausforderung, gerade für kleine Webseiten, die ich sehe, ist, dass Google Discover im Moment unglaublich stark auf Aktualität geht. Also alle Beiträge, oder nicht alle Beiträge, aber die allermeisten Beiträge, die man sieht in Google Discover, die sind noch sehr, sehr jung. Das heißt, die sind gerade erst publiziert worden. Und wenn ich ein kleiner Webseiten-Betreiber bin, dann publiziere ich halt einfach nicht so viel. Das heißt, ich habe auch nicht so viel Futter, dass es in Google Discover erscheinen kann. Das ist, glaube ich, eher ein Problem für die kleinen Webseiten im Moment.

Markus Hövener: Aber das heißt grundsätzlich, wenn ich jetzt was über den Wendler schreibe und ihr schreibt was über den Wendler, dann macht ihr den Stich.

Valentin Pletzer: Ja genau. Aber da, glaube ich, ist es tatsächlich dann auch so ein bisschen: Wo liegt das Thema der Webseite? Also ohne es jetzt beweisen zu können, ich gehe davon aus, dass Google auch Profile von Webseiten oder Domains erstellt, also quasi genauso wie der User, dem User-Interessen zugeordnet werden, werden der Webseite Themen zugeordnet. Und wenn ich jetzt die Webseite bin, die die ganze Zeit über, von mir aus, den Wendler schreibe, dann bin ich halt auch die Webseite, die Google bevorzugt ausspielen wird, wenn es um das Thema Wendler geht. Das heißt aber nicht, dass nicht andere Webseiten da auch erscheinen können, sondern es ist nur quasi, dass die Wahrscheinlichkeit größer ist.

Markus Hövener: War auch nur ein fiktives Beispiel. Niemand sollte über den Wendler schreiben. Das ist, glaube ich, völlig klar.

Valentin Pletzer: Aber ich glaube, es interessieren sich unglaublich viele Leute für ihn. Ich kenne ihn ehrlich gesagt gar nicht.

Markus Hövener: Ist auch gut so. Passt schon. Du sagtest eben auch so: News haben natürlich oder kommen vor allem halt hoch bei Google Discover. Wie lange hält denn dann so ein Beitrag in Google Discover?

Valentin Pletzer: Wir sehen an unseren eigenen Beiträgen, dass die meistens so um die 24 Stunden lang halten. Also wir sind gefühlt 24 Stunden lang in Discover drinnen und fallen dann wieder raus. Wenn man jetzt so die Extreme nimmt, dann sind es vielleicht drei Tage, die so ein Thema in Discover erscheint. Also wenn es einmal reingekommen ist, dann ist es, ich sag mal, zwischen 24 Stunden und 96 Stunden in Discover sichtbar und danach gibt’s keinen Traffic mehr. Und das andere, was aber auch ist, was mit der Zeit zu tun hat, ist, wenn ich jetzt heute einen Beitrag publiziere, dann kann er heute und die nächsten 24 Stunden mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit auch in Discover erscheinen. Und je älter das Publikationsdatum ist, umso unwahrscheinlicher wird’s halt, dass er in Discover erscheint.

Markus Hövener: Gibt’s so Indizien dafür, dass Google sich auch die Performance anguckt? Also wenn jetzt ein Beitrag im Feed erscheint, aber er wird selten oder unterdurchschnittlich oft angeklickt, dass er dann auch schnell stirbt?

Valentin Pletzer: Ja, also es sieht danach aus. Es ist natürlich unglaublich schwer, gut nachzuvollziehen, weil ich am Ende gar nicht so genau weiß, wo bei den Usern das im Feed erschienen ist. Also in der Search Console sehe ich ja in diesem Report eigentlich nur drei Dinge. Also ich sehe die URL, ich sehe die Klicks und ich sehe die Impressions, aber ich sehe keine Position im Feed oder sowas ähnliches.

Markus Hövener: Dann können wir ja gerade, wo wir schon dabei sind, über das Thema Erfolgsmessung sprechen. Ich weiß, einige sind nicht sonderlich froh über die wenigen Daten, die sie da kriegen in der Search Console. Habe ich irgendeine Möglichkeit, was anderes zu kriegen?

Valentin Pletzer: Also ja, wir haben jetzt für uns so ein bisschen rumexperimentiert und zwei Dinge rausgefunden oder zwei Themenkomplexe für uns ermittelt, die uns weiterhelfen. Das eine ist, dadurch dass es ja so ein 24-Stunden-Thema ist und die Search Console aber mit zwei, drei Tagen Verspätung ja immer die Daten erst anliefert, ist das Thema Echtzeit-Tracking einfach wichtig. Das heißt, ich will eigentlich wissen, wenn ein Thema Traffic auf die Webseite bringt, dann will ich eigentlich wissen, kommt das über die Google Suche, kommt das über Google Discover oder kommt’s ganz woanders her. Und da gibt Google offiziell keinerlei Hilfestellung. Wenn man sich aber die Referrer genau anschaut, also wenn man wirklich auf den rohen Referrer schaut und nicht auf das, was Google Analytics oder andere Analytics-Systeme danach schon verwurstet haben, dann sieht man, dass Google Discover ein https://www.google.com und dann keinen Slash als Referrer hat. Wohingegen alles, was über die Webseite, also vorzugsweise über Google Suche, kommt, eben diesen Slash hat. Und dann gibt’s noch so einen anderen Referrer, den googleapis.com, das ist auch Discover. Also diese zwei, dieses google.com ohne Slash und dieses googleapis, das sind so die zwei Referrer, wenn wir die bei uns im Echtzeit-Tracking sehen, dann wissen wir: Ah! Da ist jetzt ein Thema in Discover reingesprungen.

Markus Hövener: Cool!

Valentin Pletzer: Und das andere Thema ist dann eben: Was performt überhaupt bei mir in Google Discover? Also diese Langzeitanalyse. Wenn ich jetzt auf die Themen schaue, über die wir organischen Traffic, dann schaut man ja vorzugsweise auf sowas wie Suchbegriffe, also Search Queries. Und bei Google Discover gibt’s das ja so nicht. Aber wir wissen ja, dass Google die Entitäten als Grundlage hat, um diese Empfehlungen auszusprechen. Und was wir dann eben machen, ist, wir nehmen die URLs, die Google Discover in der Search Console liefert, und versuchen so gut wie möglich diesen URLs Entitäten zuzuordnen. Also natürlich die Entitäten, die passend zu dieser Seite sind, die da gezeigt wird. Und darüber kann man dann wiederum auch ganz gute Profile auf Webseiten oder teilweise sogar auf Verzeichnisse, also was bei FOCUS jetzt zum Beispiel Cluster wären wie Wissen oder Politik oder Panorama, da kann man dann relativ gut sehen, welche Themen funktionieren und welche vielleicht nicht so gut.

Markus Hövener: Das heißt, jetzt bezogen auf euch, beeinflusst das schon eure Themenplanung?

Valentin Pletzer: Naja, ganz so weit würde ich bei einer Nachrichten-Webseite nicht gehen, weil da plant eigentlich die Welt sozusagen das Thema. Also wir reagieren ja auf das, was aktuell draußen passiert. Aber wir schauen schon ganz genau und versuchen an der einen oder anderen Stelle auch die Themenplanung, sofern halt möglich, auch damit zu beeinflussen. Ja.

Markus Hövener: Wir hatten schon über Text gesprochen, was ist denn mit Audio und Video auf Discover?

Valentin Pletzer: Ja, also für uns erscheinen vor allem Texte drin. Interessanterweise zum Beispiel die Tagesschau kommt mit den eigenen Videos ganz gut in Deutschland durch, vor allem seit dem letzten Core Update im Dezember. Das ist sehr spannend zu sehen. Und ansonsten videotechnisch sehr viel YouTube. Wenn man Beiträge auf YouTube veröffentlicht, glaube ich, hat man auch relativ gute Chancen in Discover reinzurutschen. Ist vielleicht auch für kleine Webseitenbetreiber ein guter Tipp, um in Discover reinzukommen.

Markus Hövener: Aber das Thema Audio im Sinne von Podcast oder so, da steht noch nichts an?

Valentin Pletzer: Nein, habe ich tatsächlich noch nicht gesehen. Aber auch das, wie alles andere, also ich glaube, dass Discover noch ein ganz großes Thema spielen wird für Google. Also was ich tatsächlich immer mache, ist, ich gucke mir die Google App, das APK, also die Datei, die man nachher auf sein Android-Handy lädt, schaue ich mir relativ genau an. Und da habe ich erste Hinweise gesehen, dass Google vielleicht jetzt irgendwann damit experimentieren könnte, auch Produkt Alerts raus zu schicken. Also keine Ahnung, ich interessiere mich für das iPhone und wenn dann das neue iPhone kommt oder wenn erste Nachrichten zu dem neuen iPhone kommen, dass Google mir vielleicht dazu Beiträge liefert. Oder wenn eine Preisveränderung stattfindet oder so. Ich glaube, dass da auf jeden Fall noch was passieren wird. Und ich glaube auch, dass in allen anderen Marktsegmenten wie Video-Podcasts et cetera pp, Events, dass Google da auch noch aktiv werden wird. Es ist bloß unglaublich schwer vorherzusagen, wann es denn sein könnte.

Markus Hövener: Mit Podcasts finde ich natürlich persönlich ganz interessant auch, weil in der Google Podcast App sieht man eigentlich schon, dass Google auch aus den gesprochenen Inhalten schon Entitäten rauszieht. Also ist es eigentlich nur logisch, das jetzt hier auch noch mit rein zu spülen. Aber so weit sind sie wohl noch nicht.

Valentin Pletzer: Das kann natürlich auch sein, dass wenn man bestimmte Podcasts hört, dass man auch damit sein Interessensprofil beeinflusst. Das habe ich bloß noch nicht nachvollzogen, das weiß ich nicht.

Markus Hövener: Ja, spannendes Thema. Ich habe auf meinem virtuellen Spickzettel eigentlich nur noch ein Thema oder eine Frage für dich, nämlich Web Stories. Was hat es damit auf sich und wie spannend findest du das?

Valentin Pletzer: Ich finde es als Format ganz spannend. Es ist tatsächlich in Deutschland oder, sag ich mal, im nicht-englischsprachigen Bereich der Welt im Moment nicht so relevant, weil Google das nirgendwo wirklich ausspielt. Also man kann meines Wissens nach mit einer Web Story ganz normal organisch ranken, aber es gibt zum Beispiel kein Discover oder keine speziellen Formate in der deutschen Google Suche. Was sind Web Stories? Das ist sowas wie die Instagram Storys oder vielleicht auch die LinkedIn Stories oder so. Also jeder macht ja mittlerweile Stories und Google eben auch. So ein interaktives Bildergalerie-Format, würde ich es jetzt mal nennen.

Markus Hövener: Also spielt ihr damit schon rum, auch wenn es das jetzt noch nicht gibt in Deutschland?

Valentin Pletzer: Ich habe jetzt privat mal ein bisschen rumexperimentiert, aber ich weiß zum Beispiel, dass die Kollegen von blickpunkt.ch, also aus der Schweiz, dass die da schon sehr viel mit gemacht haben, aber wir jetzt als Verlag noch nicht.

Markus Hövener: Du, ich wäre soweit mit meinen Fragen durch. Hast du noch was auf dem Herzen, was du noch als Tipp, Anregung irgendwie mitgeben kannst?

Valentin Pletzer: Ja. Ich würde mich natürlich total freuen, wenn sich mehr Leute intensiver damit auseinandersetzen, weil ich glaube, dass es noch mal ein ganz großes, wichtiges Thema wird. Ich glaube auch, dass es einfach spannend ist, wenn man was hat neben der Google Suche, wo man so ein bisschen dran rumspielen kann. Und eine Sache, die wir jetzt vielleicht noch gar nicht so richtig erwähnt haben, ist: Ich habe immer von den Entitäten, also von den Themen, die einem zugeordnet, als Grundlage für die Empfehlungen gesprochen. Aber es ist tatsächlich auch so, dass Google Suchanfragen als Grundlage für die Empfehlungen nimmt. Es kommt nicht so sonderlich häufig vor, aber diese Karten, die man in Google Discover sieht, die basieren immer anscheinend auf verschiedenen Algorithmen. Und man kann, wenn man bei so einer Karte auf den Feedback-Button geht, dann würde man theoretisch so eine Mail an Google schreiben, wo man alle möglichen Informationen zu dieser Karte auch mitschickt. Da gibt’s manche Karten, da steht ein Suchbegriff dabei, also ein Suchbegriff, den ich früher als User mal eingegeben habe, der offensichtlich als Grundlage, warum jetzt diese Karte erschienen ist, verwendet wird. Und es sieht also ganz danach aus, als würde Google nicht nur mit den Entitäten an der Stelle arbeiten, sondern auch einfach mit Queries, mit denen da experimentiert wird zumindest.

Markus Hövener: Spannend. Ich frage mich gerade, ob sie dann nicht in der Lage sind, aus der Suchanfrage noch eine Entität abzuleiten. Aber augenscheinlich sind sie es dann nicht.

Valentin Pletzer: Ja, also ich kann jetzt in meinem speziellen Fall sagen: Ich hatte mal was zu JavaScript und irgendwelchen spezielleren Loops gesucht, und genau diese Suchanfrage, aufgrund dessen wurde mir dann noch mal ein Artikel empfohlen. Das war jetzt in dem Fall relativ unsinnig, weil es dann später nicht mehr von Interesse für mich war. Aber man sieht eben, dass Google da offensichtlich experimentiert zumindest.

Markus Hövener: Ja, spannend. Lass uns zum Ende kommen. Also du hast schon gesagt, du findest das total spannend. Ich danke dir auf jeden Fall erst mal für deine Zeit.

Valentin Pletzer: Sehr gerne.

Markus Hövener: Und dass du dein Wissen mit uns geteilt hast. Ich hoffe, dass ihr da draußen was mitnehmen konntet, dass wir euch vielleicht ein bisschen angezündet haben für das Thema. Wir bei Search Camp bleiben auf jeden Fall an dem Thema dran, das ist völlig klar. Ansonsten packe ich auch die Kontaktdaten von Valentin auch noch mal in die Shownotes mit rein, dann könnt ihr ihm auf diversen sozialen Netzwerken folgen und einfach an dem Thema dranbleiben.

Valentin Pletzer: Ich freue mich drauf.

Markus Hövener: Super. Also nochmal, ich danke dir für deine Zeit.

Valentin Pletzer: Gerne.

Markus Hövener: Und ihr da draußen macht euch eine gute Zeit und vor allem: Bleibt gesund! Bis dann! Ciao!

Valentin Pletzer: Ciao!

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Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor, Podcaster, Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und verantwortlich für das suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und genießt das Leben.

Ein Kommentar zu “Google Discover: Ganz einfach mehr SEO-Traffic? [Search Camp 159]”

  1. Steffen Persiel

    Vielen Dank für den Podcast, sehr interessante Tipps!

    Ich war im Dezember 2020 mit einem Artikel in Google Discover, der nur ein 665px breites Bild hatte und kein valides Schema-Markup. Habe ich jetzt natürlich sofort geändert 🙂

    Interessant finde ich auch, dass ich mal nach der Russischen Post gegoogelt habe und seitdem russischsprachige News in Google Discover vertreten sind, die sich um die russische Post drehen.

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