Google geht in die Offensive: Kampf den Expireds und Link-Blogs?

21. Februar 2012 | Von in SEO

Unter der unscheinbaren Überschrift “Ein paar Tipps und Anmerkungen zum Linkbuilding” hat Google einen netten Blog-Beitrag verfasst. Google stellt dort vor, was SEOs tagtäglich sehen – dass Linkaufbau zum Teil über Expired Domains mit recht beliebigen Inhalten und auch zum Teil über Link-Blogs stattfindet, bei denen auch zu jedem Thema etwas geschrieben wird. Streng genommen würde ich das gar nicht trennen, weil auf den meisten Expired Domains Link-Blogs liegen 🙂

Das Beispiel, das Google rausgesucht, ist eigentlich ganz repräsentativ für das, wogegen Google angehen will:

Bild

Es stellt sich natürlich die Frage, ob der Post von Google ein Zeichen der Stärke (=wir können diese Blogs identifizieren und warnen Euch lieber vor) oder der Schwäche (=bitte lasst es sein, denn ihr bringt ja die Rankings alle durcheinander) ist. Wie in meinem letzten Post geschrieben, glaube ich eher, dass es ein Zeichen der Stärke ist.

Google klassifiziert das Problem auch ganz gut in seinem Post:

im Allgemeinen findet man auf diesen Link-Domains ziemlich einfachen und relativ sinnfreien Text, der sich oft auch wiederholt und auf bestimmte Keywords und Anchor-Texte zugeschnitten ist

Ich würde das so unterschreiben. Und ich glaube auch, dass Google einen Großteil dieser Domains sehr gut identifizieren kann.

Google als Teil des Problems

Ich glaube aber auch, dass diese Art von Linkaufbau nicht aufhören wird, solange Google nicht öffentlich macht, dass Links von bestimmten Sites entwertet werden. Solange solche Blogs von Google selber noch z. B. in den Google Webmaster Tools angezeigt werden, hat man doch immer noch den Eindruck, dass die ja auch irgendwie zählen müssen. Hier tut sich Google meiner Meinung nach also keinen Gefallen und unterstützt indirekt ein System, das sie eigentlich bekämpfen wollen.

Und dann halte ich den folgenden Tipp auch für ziemlich unsinnig:

Falls ihr euch entscheidet, mit einem SEO zusammenzuarbeiten, um eure Seite zu optimieren, macht euch vor der Wahl des SEOs schlau und lasst euch genau erklären, welche Optimierungsmaßnahmen er für eure Seite vorschlägt.

Das stimmt natürlich grundsätzlich, aber viele SEOs werden sich eben leider auch an der Konkurrenz orientieren. Und wer da sieht, welche Verlinkungen diese haben, wird in vielen Branchen nicht auf bestimmte Methoden des Linkaufbaus verzichten wollen.

Was folgt daraus?

Ich finde erstmal, dass das eigentlich nichts neues ist. Neu ist, dass Google das Problem auch mal richtig benennt und proaktiv vorgeht.

Für mich hat das aber grundsätzlich schon Folgen:

  1. Es gibt einfach in vielen Branchen nicht genug Möglichkeiten der Verlinkungen – auch nicht, wenn man den heiligen Content-Gral gefunden hat. Es wird also nach wie vor bestimmte Möglichkeiten der Verlinkung geben, die nicht organisch sind.
  2. Die Anbieter von Links werden besser werden müssen. Einfach ein Free Blog hochziehen reicht einfach nicht mehr. Da sehe ich aber schon viele Zeichen, dass da umgedacht wird. Bye-Bye Expireds? Ja, vielleicht…
  3. Wer Links kauft, sollte eben den Smell Test und die Frage stellen, ob es sich bei dem Portal um ein legitimes Portal handelt, das eventuell auch ohne Geldzuwendung oder Linktausch verlinkt hätte.
  4. SEOs müssen noch kreativer werden. Aber das ist eh ein fortlaufendes Rennen. Für den Linkaufbau, den man vor fünf Jahren gemacht hat, würde man sich heute zum Teil schämen. Und so werden wohl viele aus der Branche in fünf Jahren auf ihre guten alten Link-Blogs zurückblicken und sich wundern, wie einfach das damals war.
Nächste Events

SMX Advanced Europe: Sind Sie dabei?

Auch auf der neuen SMX Advanced Europe ist Bloofusion natürlich vertreten. Unser Head of SEA Martin Röttgerding hält einen spannenden Vortrag mit dem Titel “Customized Ads = Greater Ads“. Haben Sie noch kein Ticket? Hier geht’s zur Anmeldung…

The following two tabs change content below.

Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor (International SEO), Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEA und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.

23 Kommentare zu “Google geht in die Offensive: Kampf den Expireds und Link-Blogs?”

  1. Wolfgang

    Eigentlich sollte man sich ja freuen, wenn Google diese Linkfarmen entlarvt. Vorausgesetzt man betreibt nicht auch mehrere Dutzend dieser Blogs/Internetseiten. Denn wenn alle gezwungen wären auf freiwillig gesetzte Links zu setzen, würde endlich Chancengleichheit bestehen.
    Ich befürchte nur, dass Google das nie zu 100 Prozent hinbekommen kann, dafür sind in manchen Bereichen die Grenzen einfach nicht klar genug.

  2. Viktor

    Ich glaube auch, dass der Beitrag ein Schuss ins eigene Knie war. Die haben einiges Klargestellt (pro Linkbulshit), dass bis dato in der Schwebe hing…
    Hier etwas ausführlicher: https://plus.google.com/112457602357038466754/posts/SP2cDsRCC94

  3. dirk_s

    Na so unsinnig find ich den Tipp von Google nicht. Bevor ich einen SEO beauftragen würde, wöllte ich gern wissen, welche Mittel der Wahl er einsetzt.
    Als Kunde dürfte ich doch auch verlangen, dass bestimmte Sachen ausbleiben, wenn ich die möglichen Konsequenzen nicht tragen möchte?
    Weil – den Schaden hab doch ich als Kunde dann…

  4. Markus

    @dirk_s: Versteh mich nicht falsch. Grundsätzlich finde ich es auch super, wenn der Kunde da nachfragt und das auch versteht. Ich glaube aber, dass man in manchen Branchen keine andere Wahl hat und bestimmte Taktiken nutzen muss. Und ich glaube auch, dass viele Kunden nicht unbedingt beurteilen können, was jetzt korrekter Linkaufbau ist und was nicht.

  5. BloGuru

    Vielen Dank für diesen aufschlussreichen & interessanten Artikel. Ich kann dazu nur eines sagen: ENDLICH. Aber ob und wie das umgesetzt wird, da bin ich skeptisch. Es gibt auch viele Blogger die erfolgreich mit einem Freeblog bloggen, für solche würde mir eine Abwertung leid tun. Blogspot war einst dafür geschaffen worden Menschen aus aller Welt die Möglichkeit zu bieten im Internet als Blogger aktiv werden zu können und das ohne einen Penny dafür ausgeben zu müssen. Weshalb Blogspot zB. in ärmeren Ländern = Südamerika, Asien… viel beliebter ist als hierzulande. Bin gespannt was dazu noch in Zukunft kommt und werde die Kapitäne weiterhin verfolgen.

  6. wolfgang

    für die größten unklarheiten sorgt ja google selbst. bei diesem thema ist die kluft zwischen wunsch und realität in der google welt sehr groß (ähnlich wie bei der content-bewertung), wobei die entwicklung in die richtige richtung geht.

  7. Michael

    Für mich gibt es zwei Arten von Linkblogs. Zum einen die dreckigen und zum Anderen die gutgemachten. Ich bin mir sicher, das Google die dreckigen erkennen kann. Aber bei den gut gemachten gibt es zuwenige Anhaltspunkte für Google, um sie zu erkennen. Darum heissen sie ja auch “gut gemacht” 😉

  8. Christian

    “Ich glaube aber auch, dass diese Art von Linkaufbau nicht aufhören wird, solange Google nicht öffentlich macht, dass Links von bestimmten Sites entwertet werden.”

    Google sagt doch im Artikel, dass die Links “entwertet” werden, oder nicht? Zitat:

    “Auch wenn diese Art des Linkaufbaus in einigen wenigen Fällen zu kurzzeitig positiven Effekten führen mag, letztendlich werden diese Links mit ziemlicher Sicherheit abgewertet werden.”

    Aber du meinst wohl eher, dass die Links bspw. gar nicht mehr in den WMT angezeigt werden, ne? Oder alle PR0 bzw. n/a bekommen? Also irgendwas, dass man nach außen sieht…

  9. Markus

    @Christian: Ja, genau. Google müsste anzeigen, welche Links entwertet wurden. Aber das werden die wohl nicht machen, weil das wiederum zufiele Daten für SEOs freigeben würde.

  10. Ullrich

    Ich habe täglich mit solchen SEO-Texten wie dem oben zitierten zu tun. Und mit wesentlich schlimmeren, in denen weder Grammatik noch Inhalt einfachsten Standards genügen. Es wäre nicht nur eine (vor allem mentale) Erleichterung meiner Arbeit, wenn die SEOs vielleicht mal ein, zwei Kurse journalistisches Schreiben absolvieren würden, um so für Menschen lesbare, inhaltlich sinnvolle Texte schreiben zu können. Die werden dann auch von Google nicht so schnell abgewertet, da bin ich mir sicher…

  11. Tom

    Meiner Meinung nach sollte Google erstmal dran arbeiten, dass man Links auf die eigene Seite selber “disablen” kann. Dann könnte man nämlich auch Seiten abstrafen, die solche Links beinhalten und sagen – ihr habt es in der Hand – entweder weg damit oder Penalty.

  12. Ivo

    Hallo Kapitäne,

    ich sehe das wie Michael, dass es gut gemachte Expired gibt und dann diese Linkschleudern, die ich mittlerweile hasse.

    Über Xing kommen gefühlte 5-10 Anfragen am Tag bzgl. Kooperation und wenn dann nach dem Portfolio gefragt wird, erhalte ich zu 90% nur solche Linkfarmen.

    Gegen eine sauber aufgesetzte Expired, die sich mit dem alten Thema beschäftigt, wird Goog. gar nicht vorgehen können, da solche wahrscheinlich durch das Raster fallen 😉

    Beste Grüße
    Ivo

  13. Lars Heinemann

    Ich denke, Google will uns warnen. Es ist ein Zeichen der Stärke.

    Es ist doch sehr leicht, Linkmuster, Bloglänge, Title, Rechtschreibung zu erkennen.

    Ich empfehle hier zu auch den Artikel:
    http://www.seo-united.de/blog/google/wie-google-spamblogs-splogs-erkennt.htm

    Schöne Grüße

    Lars Heinemann
    SeoMarketing.H

  14. Felix Buller

    Ahoi Markus,

    diesen Post habe ich auch durch Zufall gelesen.

    Aber mal bitte ganz im Ernst. Allein der Schreibstil des Autors, Textaufbau etc. nimmt der ganzen Sache doch wirklich jegliche Glaubhaftigkeit.
    Diese von Google veröffentlichten Blogposts sagen doch niemals etwas aus, sofern es sich direkt auf Rankingfaktoren, Linknetzwerke u.ä. bezieht. Lasst euch doch nicht vorführen von irgendwelchen Mitarbeitern, die sich Search quality oder sonst etwas schimpfen. In ihrer Stellenbeschreibung würde sicherlich stehen “SEO´s in Schach halten, damit sie weniger Zeit haben Linknetzwerke aufzubauen” ö.ä. 😛

    Google ist groß genug um zu wissen, dass man unternehmerisch gedacht nichts macht, was nicht ein vorher definiertes Ziel hat. Was soll denn dieser Post für ein Ziel haben bitte?

    Zu den Fakten:
    1. Wer sein Linknetzwerk mit etwas Sinn und Verstand aufbaut wird mit diesem nicht direkt als solches entlarvt!
    2. Google wird Blogs (o.g. “dreckig”), die z.B. fast nur Posts mit 1-3 Moneykeylinks vorsichtig abstufen. So haben diese selber weniger Sichtbarkeit (traffic-> Qualität in Suchergebnissen) und geben weniger Linkpower weiter. Mit der Zeit werden diese dann unattraktiver und alle richten sich wieder etwas mehr in Richtung Qualität aus.

    Bei mir wars auch ähnlich. Am Anfang nur expireds geschnappt, WP & Theme drauf, Billigtexter schreiben lassen und die Kasse hat geklingelt. Aber das will nun fast keiner mehr.

    Mein Tipp: Baut doch einfach solche Seiten wie Google sie haben will: Mehrwert, ansprechender optischer Aufbau, suchmaschinenoptimiert usw.
    Wir sind doch alle SEO´s und müssen doch nichts weiter tun als unser Handwerk…

    In diesem Sinne,
    Felix

    ps Google wird nie sagen / zeigen welche Links entwertet werden

  15. carsten

    Ich kann Felix nur zustimmen, wenn jeder ein wenig auf die Qualität der eigenen Seiten achten würde, wäre die Diskussion schon vorbei 😉 LG

  16. Ralf Zmölnig

    …für mich ist das das übliche PR-Säbelrasseln von Google. Und sie werden sich wieder (nur) teilmanuell ein par Linknetzwerke vorknöpfen, diese entwerten, um so zu tun, als hätten sie es im Griff. Und das wird dann aber dazu führen, das die Linkverkäufer ihre QuellQualität der erhöhen müssen. Und so wie u.a. Felix sagt: Dann bauen wir halt mehr Seiten wie Google sie haben “will” und setzen weniger Links für mehr Geld ;o) Long live Expireds und Linkkauf und Linkverkauf. Und hoch lebe die Google-PR-Maschine.
    Wer am meisten Geld für Links und/ oder Brand investiert ist oben, alle anderen dürfen zukucken.

  17. Alexander

    @ Ralf : PR-Säbelrasseln von Google -> gute Zusammenfassung. Ich habe schon einige Seiten gesehen, wo man nur lachen könnte, wie dort die Linkstruktur aussieht und die Seiten ranken besser als alle anderen Projekte. Fakt ist, dass Google solche Anbieter bekämpfen möchte, doch die Realität ist noch ganz anders. Abschreckversuch! Vielleicht wird es in einem Jahr ganz anders aussehen. Ich beobachte einige Seiten seit Monaten und da habe ich noch keine Reaktion von Google gesehen.

  18. Philipp

    Guter Post!
    Grundsätzlich sehe ich’s aber nur halb so wild. Google kümmert sich in erster Linie um den Ausbau des Indexes, also mögl viele Sites crawlen und da haben sie noch genug Probleme zu lösen.
    SEO ist für Google ein Nebenschauplatz mit Matt Cutts an der Spitze. Viel mehr von den SEOs Profis bei Google gibt’s dann auch nicht.
    Zudem kaufen auch nicht-SEOs expired URLs und setzen Blogs auf die rauslinken. Da wird sich Google hüten zu viele abzustrafen und wählt den vorsichtigeren Weg.
    Danke und schöne Grüsse!

  19. Delario

    Jaja, Google! Man darf ja auch nie vergessen, dass das Hauptgeschäft von Google das Verkaufen von Links ist (Adwords). Selber machen, jedoch andere dafür bestrafen wollen, man nennt das glaube ich ausnutzen einer Monopolstellung.

  20. Ralf Zmölnig

    …für mich ist es wie es ist: Früher legte Google den Fokus auf die Generierung brauchbarer Ergebnisse, heute auf die Generierung brauchbarer Shareholderrevenues ;o)

  21. Dirk

    Google entlarvt dauerhaft solche Blogs. Viele Dinge haben sich geändert. Google wird nachhaltig auch Schrottblogs abwerten. Guter Artikel!

  22. Hannes

    wer hat denn die Verlinkung als Rankingfaktor ins leben gerufen? Am Anfang war es mit Sicherheit eine nette Idee und hat google zu dem gemacht was es ist. Aber nun hat man Probleme mit den Geistern die man rief. Ich sehe momentan noch nichts. Linkkauf funktioniert besser denn je, sofern man einige Kriterien beachtet, leider 🙁
    Wenn man sich mal überlegt wieviel daten google eigentlich zur Verfügung stehen, dann sollte doch die Verlinkung nicht unbedingt ein Hauptrankingfaktor sein.

  23. Roland

    Bringt es schön auf den Punkt. Leider ist SEO häufig doch immer noch halb-seiden, ein ominöser Ruf kommt ja auch nicht von ungefähr. Wie soll da ein Kunde ohne eigene Kenntnisse die seriöse SEO-Agentur von der zwielichtigen unterscheiden? SEO-Strategien ohne echte Content Strategy und mittlerweile häufig auch ohne Vernetzung mit der Social Media Strategie des Unternehmens greift doch häufig zu kurz.

Kommentieren