Google Shopping wird kostenlos – Was bedeutet das für Onlineshops?

23. April 2020 | Von in SEA, SEO

Die Nachricht sorgt gerade für viel Wirbel: Google will Händlern erlauben, Produkte kostenlos bei Google Shopping zu verkaufen. Ob das eine große Sache ist, hängt von der Perspektive ab.

Es ist acht Jahre her, da wurde aus der bis dahin kostenlosen Produktsuche das kostenpflichtige Google Shopping. Heute kam dann die überraschende Ankündigung, die wie eine Kehrtwende klingt: „It’s now free to sell on Google“.

Gemeint ist damit, dass Google Shopping künftig hauptsächlich aus kostenlosen Listings bestehen soll. Wie man es aus der Suche kennt, werden diese von Anzeigen flankiert, welche viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen dürften.

Wirksam wird das in den nächsten Tagen – allerdings nur in den USA. Der Rest der Welt soll bis Jahresende in den Genuss kostenloser Listings kommen.

Wie wichtig ist das?

Was erstmal wie eine Rückbesinnung auf die gute alte Zeit klingt, ist auf den zweiten Blick keine ganz so große Sache. Betroffen ist nämlich wirklich nur Google Shopping – also das, was sich hinter dem sogenannten „Shopping-Tab“ verbirgt.

Google hat sich nie in die Karten gucken lassen, wie wichtig der Shopping-Tab für Shopping-Anzeigen ist. Wir gehen davon aus, dass mindestens 80 % der Klicks auf Shopping-Anzeigen direkt aus der Google-Suche kommen. Läge der Anteil des Shopping-Tabs unter 5 %, würde mich das auch nicht zu sehr wundern. Jedenfalls dürften die Werte je nach Branche sehr verschieden sein (für Mode ist die Plattform z. B. besser geeignet als für Elektronik).

Auch auf dem Shopping-Tab soll es weiterhin Anzeigen geben. Diese stehen (selbstverständlich) ganz oben, wie auch ein Beispiel von Google zeigt:

Quelle: Google

Für Shopping-Kampagnen könnte zukünftig also ein kleiner Teil von einem kleinen Teil der Klicks wegfallen. Bei Shopping-Kampagnen dürfte man also nur geringe Auswirkungen bemerken – wenn überhaupt. Dafür spricht auch, dass Google an Shopping-Anzeigen hervorragend verdient und sich kaum ins eigene Fleisch schneiden dürfte.

Warum macht Google das?

Für Google bringt die Öffnung für organische Suchergebnisse zwei Chancen mit sich: Mehr Nutzer und mehr Händler. Beides ist auch vor dem Hintergrund des Konkurrenzkampfs mit Amazon zu sehen.

Durch eine größere Auswahl könnten die Qualität und der Nutzen von Google Shopping steigen, was langfristig mehr Nutzer an Google binden könnte.

Gleichzeitig wird der Kanal Google Shopping für Händler interessant, die noch nicht dort vertreten sind. Kostenlosen Traffic dürften sich viele nicht entgehen lassen wollen. Benötigt wird in jedem Fall ein Merchant-Center-Konto, um darüber Produktdaten bereitzustellen. So ist der erste und größte Schritt, um später auch Werbung zu schalten, bereits gemacht.

Selbst wenn Google auf kurze Sicht etwas Werbeumsatz entgehen sollte, könnte das langfristig durch mehr Nachfrage und größere Konkurrenz um die wenigen Anzeigenplätze überkompensiert werden.

Wie können Onlineshops von kostenlosen Listings profitieren?

Aktuell ist Google Shopping außerhalb der Vereinigten Staaten für Händler noch eine rein kostenpflichtige Plattform. Das soll sich bis zum Jahresende ändern. Es könnte aber auch ähnlich schnell umgesetzt werden wie in den USA, weshalb wir unseren Kunden dazu raten, sich möglichst früh darauf vorzubereiten.

Nachtrag: Aktuell ist die komplette Umsetzung nur für Datenfeeds mit US-Ausrichtung möglich.

In den meisten Fällen ist der Aufwand minimal. Drei Voraussetzungen müssen erfüllt werden:

1. Konto fürs Google Merchant Center

Um Produkte in den freien Suchergebnissen unterzubringen, ist ein Konto für das Google Merchant Center obligatorisch. Dazu wird ein Google-Konto bzw. eine E-Mail-Adresse benötigt. Die Inhaberschaft der eigenen Website muss beansprucht und bestätigt werden.

2. Opt-in für Surfaces across Google

Im Merchant Center muss im Bereich Wachstum die Teilnahme am Programm „Google-Plattformen“ (bzw. „Surfaces across Google“) erklärt werden:

Es ist möglich, dass dieses Opt-in von Google standardmäßig selbst vorgenommen wird. Zumindest scheint es in den USA so gewesen zu sein.

3. Produktdaten einreichen

Alle Produkte, die kostenlos oder kostenpflichtig gelistet werden sollen, müssen gemäß den Produktdatenspezifikationen eingereicht werden. Wer bereits Shopping-Anzeigen schaltet, hat die dafür notwendige Infrastruktur bereits geschaffen.

Produktdaten können über verschiedene Wege übermittelt werden:

  1. CSV- oder XML-Dateien (die Standardlösung)
  2. Google-Tabellen
  3. Manuelles Hinzufügen einzelner Produkte (seit Februar möglich)
  4. Crawling der Website („automatischer Feed“, erfordert schema.org Markup)
  5. Content API for Shopping (für Fortgeschrittene)

Die meisten Shopsysteme unterstützen die Erstellung von XML- oder CSV-Feeds. Einsteiger können über Google-Tabellen oder das Hinzufügen einzelner Produkte aber auch ohne besondere Voraussetzungen loslegen.

Nachtrag: CSS

Wer für Shopping-Anzeigen in Europa einen Comparison Shopping Service nutzt, hat möglicherweise keine direkte Kontrolle über die Teilnahme an “Surfaces across Google”. So wie ich Googles CSS-Newsletter dazu verstehe, dürfte die Entscheidung zentral beim CSS liegen. Ich gehe aber davon aus, dass jede CSS, die die Schaltung von Shopping-Anzeigen auf dem Shopping-Tab zulässt, auch diesen Schritt gehen wird (also: praktisch alle). Alles andere wäre wirtschaftlich unsinnig.

Nachtrag: Kontrollierte Teilnahme

Wenn ein Konto am Programm “Surfaces across Google” teilnimmt, heißt das noch nicht, dass zwangsläufig alle Produkte in den kostenlosen Ergebnissen erscheinen müssen. Ein Opt-out ist für Feeds sowie auf Produktebene über die Angabe der Zielorte bzw. Zielanwendungen möglich.

Für Händler, deren CSS am Programm teilnimmt, bedeutet das also keinen Kontrollverlust.

Fazit

Google Shopping gewinnt noch an Relevanz und wird auch wieder zum SEO-Thema. Für Händler ist das vermutlich eine gute Nachricht.

Welche Auswirkungen die Öffnung von Google Shopping haben wird, bleibt allerdings abzuwarten. Da die allermeisten Shopping-Klicks aus den regulären Google-Ergebnissen kommen, sollte sich an der Performance von Shopping-Kampagnen eigentlich nicht viel ändern.

Wie so oft können wir uns in Deutschland erstmal zurücklehnen und abwarten, was in den USA passiert. In der Zwischenzeit erledigen wir schon mal den Opt-in und denken nochmal über Produktdatenoptimierung nach.

Hinweis: Dieser Artikel wurde nachträglich präzisiert bzw. ergänzt.

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Martin Röttgerding

Martin Röttgerding ist Head of SEA in der Online-Marketing-Agentur Bloofusion und schreibt schwerpunktmäßig über Google Ads im Bloofusion-Blog, im suchradar und hin und wieder in seinem SEA-Profi-Blog PPC Epiphany.

Martin Röttgerding ist unter anderem in den folgenden sozialen Netzwerken zu finden:

4 Kommentare zu “Google Shopping wird kostenlos – Was bedeutet das für Onlineshops?”

  1. Peer

    Danke für den Artikel. Wir nutzen wie wahrscheinlich viele andere eine Comparison Shopping Service Lösung. Gibt es schon Informationen ob diese den Service dann auch kostenlos anbieten? Gruß Peer

  2. Martin Röttgerding

    Hallo Peer,
    guter Punkt, das habe ich ergänzt. Dass die Geld dafür verlangen, wäre ja noch schöner 😉

  3. Stefan Gutmann

    So wie es aussieht gibt es das seit Ende April jetzt doch auch schon in Deutschland. Zumindest wird dies im Merchant Center aktuell angezeigt. bei euch auch?

  4. Martin Röttgerding

    Ja, inzwischen sehen wir das Opt-in auch in allen Konten. Bislang hat es noch keine Auswirkungen, da es noch keine kostenlosen Listings gibt.

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