Warum bei International SEO die Google Search Console nur bedingt brauchbar ist!

22. Februar 2024 | Von in SEO

Wir haben viele internationale SEO-Kunden, die vor allem in Kombination mit der Search Console am Anfang oft „verzweifelt“ sind. Unstimmige Daten, unzählige „Fehler“ im Seiten-Report – woran liegt das? Wer das verstehen möchte, muss dabei vor allem wissen, dass die Search Console gerade bei internationalen Websites prinzipbedingt nicht den realen Traffic anzeigt.

Ein konkretes Beispiel

All das schauen wir uns an einem konkreten, aber anonymisierten Beispiel an. Eine große internationale Website hat für verschiedene Länder dieselbe Seite in englischer Sprache, z. B.

https://www.***.com/uk_en/seite_x/

https://www.***.com/lv_en/seite_x/

Im konkreten Fall gibt es diese englische Seite in ca. 25 Varianten (Dänemark, Schweden …), aber für die folgende Betrachtung bleiben wir bei diesen beiden Seiten für Großbritannien und Lettland.

Was sagt die URL-Prüfung?

Für die UK-Seite sagt die Search Console klar, dass sich diese Seite nicht im Index befindet. Obwohl diese Seite ein Canonical Tag auf sich selbst hat, entscheidet sich Google in diesem Fall dagegen und entscheidet sich für die Lettland-Seite als „Original“:

Also: Die UK-Seite kanonisiert auf die Lettland-Seite, da sie inhaltlich zu 98 % gleich sind.

Die Lettland-Seite hingegen befindet sich im Index:

All das ist nicht ungewöhnlich. Wenn es auf einer Domain oder auch über mehrere Domains hinweg exakt oder überwiegend identische Inhalte gibt, faltet Google diese zusammen. Dazu werden die bestehenden Canonical Tags ignoriert. Für welche Variante (= welches Land) Google sich dabei entscheidet, folgt keiner klaren Linie. Mal ist es Lettland, mal Dänemark, mal Schweden – je nach Seite.

Das sieht man auch gut, wenn man im Seiten-Report die URLs mit der Meldung „Duplikat – Google hat eine andere Seite als der Nutzer als kanonische Seite bestimmt“ prüft. Das sind nämlich genau die URLs, bei denen sich Google gegen das vorgegebene Canonical Tag entschieden hat. Über die URL Inspection API kann man dann mit dem Screaming Frog SEO Spider schnell prüfen, welche URL auf was kanonisiert wurde:

Und wie man sieht, ist hier wenig Systematik vorhanden.

Aber es gibt doch die Hreflang-Tags, oder?

Wenn man Hreflang-Tags hat, landen die Nutzer in der Folge trotzdem auf den für sie optimalen Seiten. Auch wenn sich die UK-Seite also nicht im Index befindet, ist das nicht schlimm, denn Google tauscht die Ziel-URL aus, sodass UK-Suchende dann auch die UK-Seite zu sehen bekommen.

Das kann man gut im SISTRIX sehen, denn dort wird die UK-Seite als rankende Seite in UK angezeigt:

Was sagt die Google Search Console?

Wenn man sich nun den Traffic der UK-Seite im Leistungs-Report (oder „Google Suche-Ergebnisse“) in der Search Console anschauen möchte, wird man feststellen, dass diese Seite überhaupt keinen Traffic erhält:

Nun könnte man argumentieren, dass die Sichtbarkeit laut SISTRIX ja auch nicht bedeutet, dass jemand auf das Suchergebnis geklickt hat – der altbekannte Unterschied zwischen Sichtbarkeit und realem Traffic. In diesem konkreten Fall ist es aber so, dass die UK-Seite wirklich Klicks über die Google-Suche bekommen hat – nur werden diese eben im Leistungs-Report nicht angezeigt. Warum?

Die Wurzel des Übels: Kanonisierung

Google hat im Februar 2019 eine grundlegende Änderung eingeführt, die in einigen Fällen (mobile Websites mit AMP oder als separate mobile Websites) auch sehr sinnvoll ist: Der Leistungs-Report bezieht sich immer auf die kanonische URL. Google hat 2019 geschrieben:

„Aus diesem Grund werden die Suchmesswerte in der Search Console demnächst der von Google ausgewählten kanonischen URL zugeordnet und nicht mehr der URL, auf die in der Google Suche verwiesen wird.“

Am konkreten Beispiel:

  • Die UK-Seite wird von Google auf die Lettland-Seite kanonisiert.
  • Beim Zusammenstellen der Suchergebnisse spielt Google für UK-Suchende eigentlich die Lettland-Seite aus. Google tauscht dann aber noch die URL aus. Der UK-Suchende landet also dank Hreflang-Tags auf der UK-Seite.
  • Im Leistungs-Report wird dieser Klick allerdings aufgrund der Kanonisierung der Lettland-Seite zugeschrieben, auch wenn der Suchende eigentlich auf die UK-Seite klickt.

Und jetzt?

Wer eine solche Website hat und einen Blick in den Seiten-Report wirft, könnte aufgrund der hohen „Fehler“-Anzahl schnell der Meinung sein, dass die Website fehlerhaft ist. So einfach ist das Spiel aber nicht.

  1. Für den Google-Suchenden ist dank Hreflang-Tag die Welt in Ordnung. Er/sie landet trotz der Kanonisierung auf der richtigen Seite. Und das sollte das wichtigste Ziel sein.
  2. Durch die erratische Kanonisierung ist der Leistungs-Report in der Search Console nur bedingt brauchbar. Manche Klicks werden Schweden, manche der Schweiz zugeordnet, aber in der Regel nicht dem korrekten Zielland.
  3. Wer das vermeiden möchte, muss den Weg geben, auf Land-Sprach-Ordner zu verzichten, und stattdessen nur auf Sprach-Ordner setzen. Gerade im E-Commerce ist das häufig schwierig, weil es für unterschiedliche Länder unterschiedliche Preise oder Lieferkosten gibt.
  4. Wer für X Länder jeweils die identischen englischen Inhalte anbietet, muss damit rechnen, dass Google diese zusammenfaltet – mit den hier geschilderten Konsequenzen. Das ist aber faktisch nur ein Reporting-Problem, denn bezogen auf den Suchenden passt es ja in der Regel.

Fazit

Solange Google URLs nach Belieben kanonisiert und die Google Search Console sich bei den Leistungs-Daten immer auf die kanonisierte URL bezieht, wird es bei internationalen Websites häufig Differenzen zum realen Traffic geben – wenn man denn identische Inhalte in mehreren Varianten anbietet. Aber keine Panik: Zumindest der Suchende landet in der Regel auf der richtigen Seite.

The following two tabs change content below.
Avatar-Foto

Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und SEO Advocate der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor, Podcaster und Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO.

Markus hat vier Kinder, spielt in seiner Freizeit gerne Klavier (vor allem Jazz) und genießt das Leben.

Ein Kommentar zu “Warum bei International SEO die Google Search Console nur bedingt brauchbar ist!”

  1. Avatar-Foto Sascha B.

    Lieber Markus,

    danke für deinen Beitrag und das konkrete Beispiel, welches das Thema noch verständlich gemacht hat.

    Liebe Grüße
    Sascha B.

Kommentieren