Lifecycle + SEO: Warum die Historie einer Seite so wichtig ist! [Search Camp 177]

25. Mai 2021 | Von in Search Camp + Alles auf Start, SEO

Es ist nicht nur wichtig, dass eine Seite im Index ist. Je länger sie sich ununterbrochen im Index befindet, desto besser ist es. Was folgt daraus? Und an welchen Stellen können Probleme auftreten?

 

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Lifecycle + SEO: Warum die Historie einer Seite so wichtig ist!

Ich hatte letztens mal eine Folge, da ging‘s um die 4 Stufen der Indexierung. Also welchen Weg muss eine Seite nehmen, bis sie in den Index kommt. Diese Episode ist erstaunlich gut gelaufen, muss ich sagen, hatte ich gar nicht so erwartet für so eine Basic-Episode eigentlich.

Da habe ich gedacht: Ich mache heute noch quasi die Fortsetzung davon, nämlich zum Thema Lifecycle, weil natürlich, eine Seite lebt ja auch. Ich meine, natürlich lebt sie nicht, aber grundsätzlich irgendwann gab es mal den Punkt, da ist eine Seite in den Index reingekommen. Jetzt ist die Frage: Wie geht das Spiel eigentlich weiter?

Grundsätzlich sagt man: Je älter eine Seite ist, also je länger sich eine Seite ununterbrochen im Index befindet, das Wort ununterbrochen ist wichtig, desto besser ist das.

Ununterbrochen heißt: Sie muss permanent indexierbar bleiben. Das heißt, wann immer Google diese Seite crawlt, muss sie einen HTTP Code 200 liefern, also die Seite ist okay. Sie sollte entweder keinen Canonical Tag haben oder noch besser, einen Canonical Tag auf sich selber, die sogenannte Selbstreferenz. Und sie sollte natürlich nicht für Suchmaschinen gesperrt sein, also nicht per noindex, nicht per robots.txt. Das heißt indexierbar und das muss eben quasi zu jedem Zeitpunkt, wo Google vorbeiguckt, muss das der Fall sein.

Jetzt könnte man denken: Wo ist das Problem? Ist doch immer so. Ja und nein. Ich liefere euch gleich ein paar Fälle. Also grundsätzlich ist es so, es gibt Fälle, in denen das zum Problem werden kann. Zum Beispiel, ich benenne jetzt einfach mal ein Produkt oder eine Leistung oder eine News, was immer so auf meiner Seite liegt, benenne ich jetzt einfach um. Und die URL wird aber auf Basis dessen geliefert, was ich da jetzt umbenannt habe. Also ein Produkt zum Beispiel habe ich jetzt umbenannt, ist nicht mehr der Wischmaster 2000, sondern ist jetzt der Wischmaster 3000. Im schlimmsten Fall passiert folgendes: Die alte Produkt-URL liefert einen Status-Code 404, weil das Produkt, den Wischmaster 2000, gibt’s nicht mehr. Und Google findet im Rahmen des Crawlings eine neue Seite, das ist der Wischmaster 3000, kann zwischen diesen beiden Seiten aber überhaupt keine Verbindung sehen, weil das erst mal jetzt, wenn das schlecht umgesetzt wird, dann ist es eben auch einfach so. Und dann startet die neue Seite eben komplett ohne Historie.

Was meint denn Historie? Wenn Google so eine Seite crawlt und erstmalig indexiert, dann liegen einige Daten sofort zu diesem Zeitpunkt vor. Also eigentlich alles, was auf der Seite zu finden ist, also Seitentitel, Meta Description, Hauptüberschrift, Zwischenüberschriften, Content, Bilder, Rendering, was auch immer. Das haben wir dann schon zur Verfügung. Und das ist gut. Aber es gibt eben so ein paar Sachen, die sind eben nicht ab der ersten Sekunde da, sondern müssen vielleicht erst nebenläufig berechnet werden. Zum Beispiel: Welches interne Linkgewicht hat eine Seite innerhalb der Website? Das kann ich nicht einfach so berechnen in dem Augenblick, wo ich die Seite indexiere, sondern da muss ich eigentlich andere Schritte wählen. Auch weil ich in dem Augenblick noch nicht alle internen Links kenne auf diese neue Seite, sondern ich habe vielleicht erst den ersten Link gefunden. Das heißt, ich kann das gar nicht richtig berechnen.

Auch eine Frage: Wie ist so die Performance dieser neuen Seite in den Suchergebnissen? Dieser Punkt ist vielleicht ein bisschen umstritten, ob Google sich das wirklich alles anguckt mit Klickrate und solche Sachen. Da haben Google und die SEOs sicherlich eine andere Meinung dazu. Aber gehen wir mal kurz davon aus, dass Performance in den Suchergebnissen wichtig ist. Also wie gut kommt eine Seite in den Suchergebnissen an? Und auch das bedeutet halt Historie.

Das heißt: Eine Seite, die brandneu ist, wird erst mal schlechter performen in den Suchergebnissen als eine Seite, die einfach schon ein bisschen länger ist und seit Wochen, Monaten gezeigt hat, dass sie gut angeklickt wird in den Suchergebnissen. Nochmal vorbehaltlich dessen natürlich, dass das auch wirklich von Google gezählt wird. Den Streit müssen wir nicht wieder aufs Neue rausholen. Es gibt auch andere Fälle, zum Beispiel ein Produkt auf meiner Website gibt’s nicht mehr, aber es gibt vielleicht ein Produkt, das nahezu baugleich ist. Es gibt auch Fälle, wo ein Produkt vielleicht gerade mal nicht mehr lieferbar ist. Und die schlechteste Lösung ist wirklich immer, ich sag mal, dass diese eine alte Seite, dass die gelöscht wird und dass eine neue Seite ohne Historie startet.

Was folgt daraus aus dem Vorgenannten?

 

Punkt #1: 301-Umleitungen sind Pflicht!

Das haben viele von euch schon gehört. Wenn ich eine Seite A auf eine Seite B umleite, dann wird idealerweise die Historie von A auf B übertragen. Das heißt, selbst wenn ich den Produktnamen ändere, selbst wenn sich die URL verändert, dann muss es eben diese 301-Umleitung geben, damit das Ganze funktioniert.

 

Punkt #2: Bitte keine anderen Faktoren ändern

Also gerade so ein noindex, wenn man das über ein paar Wochen ausgespielt hat, kann es durchaus sein, dass Google dann irgendwann sagt: Okay! Diese Seite crawle ich jetzt gar nicht mehr. Selbst wenn sie mittlerweile wieder auf index steht, würde Google es entweder nicht sehen oder halt mit einer gewissen Verzögerung.

 

Punkt Nummer #3: Immer Seiten möglichst frühzeitig anlegen

Das nennt man Preemptive SEO. Das heißt, wenn du weißt, dass du in drei Monaten schon ein neues wichtiges Produkt reinkriegst, also ich rede wirklich über was Wichtiges, was Relevantes oder ein neues Reiseziel. Du willst vielleicht in drei Monaten ein neues Land abdecken bei dir auf deiner touristischen Website, du hast noch keine Reisen im Angebot. Lege doch trotzdem schon mal die Seite an. Mach‘s am besten heute. Ist natürlich auch wichtig, dass man da gute Inhalte drauflegt. Wäre natürlich richtig sexy, wenn du auch schon ein paar Backlinks draufschießt. Vielleicht schaffst du das, weil du halt der erste bist, der dafür eine Seite hat. Das geht natürlich nur bei wichtigen und heißbegehrten Produkten. Also wenn du jetzt eine Seite schon mal für die Playstation 9 anlegst oder sowas, das ist mit Sicherheit eine Wette auf die Zukunft. Aber grundsätzlich nochmal: Je früher eine Seite da ist, umso mehr Signale kann sie schon mal anhäufen. Und wenn es nur die interne Verlinkung ist, wäre schon eine wichtige Sache.

 

Punkt #4: Falls du doch eine Seite löschen musst, gucke immer nach, ob es einen legitimen Nachfolger gibt.

Also du bist ein Grillhersteller und du hattest vorher den Gasgrill Q170 und das ist jetzt aber, weil du deine ganze Produktpolitik geändert hast, ist das ein B130. Das Produkt ist aber immer noch dasselbe Produkt. Das heißt, die alte Seite für den Q170 und die neue Seite für den B130 haben textlich gesehen eine sehr hohe Ähnlichkeit. Bis natürlich auf diesen Namen. Aber ansonsten, was da an Text steht, das ist ungefähr das Gleiche.

Und dann solltest du auf jeden Fall, wenn es solche Nachfolger gibt, dann solltest du auch immer mit 301-Umleitungen arbeiten. Gerade bei solchen Produktnamen-Änderungen natürlich immer den Tipp, dass du auch bitte den alten Namen in die Produktdetail-Seite einarbeitest. Also zum Beispiel in die Beschreibung. Dass du zum Beispiel sagst „Hier, der Müller-Grill B130 (früher Q170) …“, dann hast du auf jeden Fall noch mal, auch jemand, der dann nach Müller-Grill Q170 sucht, könnte trotzdem dann noch deine Produktdetail-Seite finden. Deswegen ist das mit diesen Nachfolgern immer eine super Sache. Man muss natürlich immer mal überlegen, ob es auch ein legitimer Nachfolger ist. Also wenn du jetzt sagst, ein iPhone 11 hat als legitimen Nachfolger das iPhone 12, ist das so, ist das wirklich das gleiche Ding? Das musst du dir dann einfach überlegen.

 

Punkt #5: Wenn es keinen legitimen Nachfolger gibt: Kann ich nicht trotzdem einfach irgendwohin umleiten?

Ja und nein. Früher war es so, man hat zum Beispiel dann einfach auf die Kategorie umgeleitet. Also ein Produkt wird gelöscht, dann leite ich einfach auf die passende Kategorie um, damit die auch ein paar Backlinks kriegt zum Beispiel, dann rankt halt die. Hat man früher gemacht, heute eher nicht. Weil heute die Doktrin wirklich ist, wenn man sagt, wenn alte und neue Seite wenig miteinander zu tun haben, dann würde die Umleitung nichts bringen, denn dann würde Google diese Umleitung quasi ignorieren und einfach ganz normal einen 404-Fehler daraus generieren. Das macht ja auch Sinn. Du hast zum Beispiel deinen Q170 Grill, den gibt’s jetzt nicht mehr, es gibt auch keinen Nachfolger, und du leitest den einfach auf die Kategorie für Gasgrills um. Ist das eine gute Seite für jemand, der einen Q170 sucht? Hm. Kann man darüber argumentieren, aber typischerweise eher nicht.

Es gibt in meinen Augen eine Ausnahme, und zwar wenn es so ist, dass meine alte Seite nämlich Backlinks hatte, also externe Links, dann würde ich natürlich trotzdem versuchen, sie auf eine möglichst passende Seite umzuleiten, was eben auch zum Beispiel die Kategorie sein kann. Im Worst Case schmeißt Google das ganze weg. Das ist dann halt so. Aber im Best Case rette ich meinen Link halt noch auf meine Kategorie-Seite oder auf meine Startseite, was auch immer. Das passiert nicht so wahnsinnig oft, aber nochmal, wenn, würde ich das auf jeden Fall machen. Wie gesagt, ein Schaden kann eigentlich nicht passieren, außer den, dass Google halt diese Umleitung ignoriert. Aber wie gesagt, Schaden kann da nicht passieren.

 

Punkt #6: Jede Seite muss ununterbrochen indexierbar sein

Bitte prüfe, ob es passieren kann, dass deine Seite zum Beispiel plötzlich auf noindex springt. Wie kann das passieren? Hatte ich zum Beispiel mal bei einer großen Versandapotheke, die hatten eine Kooperation oder eine Lieferbeziehung mit einem Großhändler. Und der Großhändler hat diese Produkte auf „kurzfristig nicht lieferbar“ gestellt. Dann war die Shop-Logik damals so programmiert, dass dann die Produktdetail-Seite dafür auf noindex gegangen ist. Jetzt hatten die allerdings ein relativ großes Problem mit ihren Lieferwegen und haben halt einen relativ großen Teil der Produkte plötzlich auf noindex gestellt. Also das bitte nicht machen. Respektive genau hingucken, ob solche Fälle passieren können. Also gerade bei Shops ist das natürlich ein Thema, wenn ein Produkt nicht mehr lieferbar ist. Wenn es kurzfristig nicht lieferbar ist, wenn ich keinen Lagerbestand mehr habe, was passiert dann mit dieser Seite?

 

Punkt #7: Bitte nutzt Monitoring-Tools!

Es gibt ja so Tools wie Testomato oder aus deutschen Landen gibt’s den URL-Monitor. Das sind alles gute und sinnvolle Tools, die einfach in der Lage sind, Seiten zu beobachten. Und um eben zu gucken, hat sich an dieser Seite etwas geändert. Also grad beim URL-Monitor ist das eigentlich ganz schön gelöst. Da kann man bestimmte Seiteneigenschaften, die eine Seite jetzt hat, kann ich quasi loggen, kann ich sagen, okay, so soll es sein, so wie es jetzt ist, und sobald sich das ändert, sag es mir doch bitte. So kann man quasi eine Website beobachten, indem man ganz bestimmte Seiten da reinsteckt und sagt, okay, ich beobachte, ob sich hier etwas ändert. Diese Seite darf nicht auf noindex springen, diese Seite darf nicht per robots.txt gesperrt sein, der Seitentitel darf sich nicht ändern, das und das darf sich nicht verändern. Und das kriegt man mit solchen Tools ganz hin, die sollte man auch aus anderen Gründen nehmen, aber natürlich vor allem aus diesen Gründen.

Und da eben eine Menge an aussagekräftigen Seiten hereinstecken, wie Startseite, ein paar Kategorie-Seiten, ein paar Blog-Seiten, ein paar Produktdetail-Seiten, was auch immer, also alles da reinstecken und beobachten lassen. Und idealerweise und auch in der Mehrzahl der Fälle wird das Tool in seinem ganzen Leben nichts sagen, weil natürlich alles okay ist.

Das ist quasi wie eine Versicherung. Du hast eine Autoversicherung, weil du 100.000 Kilometer fährst und es passiert nichts. Aber es kann eben immer passieren, dass diese eine Sache dann doch mal kaputtgeht. Und ehrlich gesagt, passiert das vor allem bei sehr komplexen Systemen, wo man zum Beispiel Shop und Warenwirtschaft miteinander gekoppelt hat oder Shop, Warenwirtschaft und ein PIM-System. Da ist halt die Frage: Was passiert denn jetzt, wenn einer an irgendeiner dieser Schräubchen dreht? Und da kann es durchaus passieren, dass eben solche negativen Effekte auftreten, sodass auf einmal eine Produktdetail-Seite nicht mehr im Index ist.

 

Finale

Beim Lifecycle Management geht’s zusammenfassend um die Frage: Wie kriegen wir es hin, dass die Seiten, die uns wichtig sind, ununterbrochen permanent indexierbar bleiben?

Und wenn ich das nicht hinbekomme, zum Beispiel, weil ein Produkt gelöscht wird oder so, dass ich eben immer noch gute Nachfolge-Seiten finde oder gute Ziele finde, auf die ich umleiten kann, um das, was ich da in der Historie habe, eben zu übertragen.

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Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor, Podcaster, Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und verantwortlich für das suchradar.

Markus hat vier Kinder, spielt in seiner Freizeit gerne Klavier (vor allem Jazz) und genießt das Leben.

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