Podcast erstellen: Mein Prozess, meine Tools

19. Februar 2020 | Von in Search Camp + Alles auf Start

Auf der BLOO:CON wurde ich letztens angesprochen: Wie viel Aufwand steckt eigentlich in einer Search-Camp-Episode? Und welche Tools werden dafür benötigt? Das will ich gerne mal offenlegen. Wer selber auch einen Podcast erstellen möchte, findet in diesem Beitrag meinen Prozess und meinen Tool Stack.

 

Schritt 1: Themenfindung, Skript-Erstellung

Themen muss ich eigentlich nicht mehr so richtig suchen. Durch viele Seminare und Workshops kommen viele Themen „auf mich zu“. Seit ich aktiv kommuniziere, dass man sich auch mal Themen wünschen kann, kommt auch per Mail und Messenger einiges rein.

Nicht alle Themenideen eignen sich:

  • Mind. müssen 15–30 Minuten Audio zusammenkommen. Manche Fragen kann man aber auch in 1 Minute beantworten, sodass sich dann keine eigene Episode lohnt.
  • Das Thema sollte natürlich für die Zielgruppe relevant sein. Zu speziell (z. B. „SEO-Tipps für Rechtsanwälte“) sollte es daher nicht werden.
  • Falls ein Thema zu visuell ist, ist Podcast auch der falsche Weg. Ein Tool-Rundgang macht also eher keinen Sinn.
  • Das Thema sollte recht zeitlos sein. Es gibt viele Folgen, die seit Jahren recht kontinuierlich abgerufen werden.

Für die Themensammlung gibt es ein Trello-Board, in dem auch viele andere Themen (z. B. für Blog-Beiträge und Webinare) gesammelt werden.

Sobald ich für eine Episode ein Thema ausgewählt habe, erstelle ich ein kurzes Script. Umfang: ca. 1 Seite Stichpunkte pro 15 Minuten gesprochenes Wort. Diese Scripte gehen manchmal schnell. Manche Themen brauchen aber ein paar Runden, lange Zugfahrten, abendliche Spaziergänge, ein gutes Glas Wein, Diskussionen mit dem Team oder andere Schleifen.

 

Schritt 2: Aufnahme

Das Setup für die Aufnahme hängt immer von der jeweiligen Situation ab:

  1. Solo Show (nur ich): Audacity für die Aufnahme, als Mikrofon Shure MV5
  2. Interview im Bloofusion Office (z. B. mit Bloofusion-Mitarbeitern): Audacity für die Aufnahme, zwei Rode NT1-A als Mikrofon
  3. Interviews über das Internet: Früher habe ich Zencastr genutzt, mittlerweile scheint Cast das bessere Tool zu sein
  4. Interviews auf Konferenzen, etc.: Dafür nehme ich ein Tascam DR-05, Weiterverarbeitung dann in Audacity
Podcast erstellen recht leicht gemacht: Audacity als kostenloses Tool für den Audio-Schnitt.

 

Schritt 3: Fleißarbeit

Wenn die Aufnahme im Kasten ist, beginnt die eigentliche Fleißarbeit:

  1. Produktion der Episode in Audacity: Vorspann davor, Abspann danach, evtl. Lautstärken-Unterschied der einzelnen Spuren angleichen, dann als WAV exportieren
  2. WAV-Datei bei Auphonic hochladen, als perfekte MP3 runterladen
  3. MP3 zur Transcription an AudioTyped übergeben, kommt als RTF zurück
  4. Beschreibung der Episode erstellen (Word), Episoden-Cover (quadratisch) erstelle ich in PowerPoint, Promo-Bild erstelle ich in Canva
  5. Upload der Episode (MP3) beim Podcast-Hoster Libsyn (Libsyn schickt die Episode nicht nur an iTunes und Spotify, sondern erstellt z. B. direkt aus dem MP3 ein Video für YouTube)
  6. Blog-Beitrag im Bloofusion Blog erstellen (Player einbinden, Shownotes, Transcript)
  7. Social Media (bei mir: Twitter und Facebook)
  8. Verlinkung der Episode bei www.bloofusion.de (oben im Header) und im Bloofusion Blog (rechte Navi)
  9. Auswertung in Libsyn und iTunes Connect
Sehr praktisch: Libsyn kann Podcast-Episoden in vielfältiger Form verbreiten.

 

Zeitaufwand

Insgesamt liegt der Zeitaufwand pro Search-Camp-Episode bei ziemlich genau drei Stunden. Das variiert natürlich immer etwas, aber im Schnitt passt das ziemlich gut.

Manchmal gelingt es mir, Sachen miteinander zu verbinden. Wenn ich eh schon Olaf in Hannover besuche, können wir auch direkt eine Episode aufnehmen (siehe Episode 109). Oder die SMX nutzen, um ein paar Interviews aufzunehmen. Oder, oder, oder.

 

Und?

Der Invest ist in meinen Augen überschaubar. Ich darf natürlich nicht lange rumfummeln. Grundsätzlich schneide ich Beiträge daher nicht. Wenn jemand hustet oder eine Katze im Hintergrund Geräusche macht, dann ist das halt so.

Falls ich zu einem Thema nicht in überschaubarer Zeit etwas Gutes zu Papier bringe (siehe: Script), kommt das Thema erst auf die Themenhalde (auf der derzeit ca. 15 Themen liegen). Und dann irgendwann auch in den Mülleimer.

Es ist ja auch nicht relevant, wie hoch der Aufwand ist. Am Ende zählt das Ergebnis. Und nach meinen vollkommen subjektiven Maßstäben passt das absolut.

Also: Wer Lust aufs Podcasten hat, sollte loslegen und kann sich gerne an meinem Prozess und meinem Tool Stack orientieren.

Viel Erfolg!

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Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor (International SEO), Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEA und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.

6 Kommentare zu “Podcast erstellen: Mein Prozess, meine Tools”

  1. Dominic Bagatzky

    Hi,
    ja der Aufwand rund um einen Podcast wird oft unterschätzt. Erlebe ich immer wieder. Dieses “Ich mach mal nen Podcast”. Dass da jedoch echte Fleißarbeit dahintersteckt sehen die wenigsten, am Anfang.
    Deshalb ist es wichtig einen guten Workflow zu haben und Prozesse zu automatisieren.

    Wieso ladet ihr in WAV hoch und nicht in FLAC (Free Lossless Audio Codec)? FLAC ist deutlich kleiner….schnellerer Upload, spart Zeit.
    Die Podcast-Episode kann man sich von Auphonic auch automatisiert zu Libsyn rüberladen lassen. Damit entfällt das runterladen und wieder hochladen bei Libsyn. Wieder ein Schritt optimiert. 🙂

    LG Dominic

  2. Markus Hövener

    Moin Dominic,

    WAV kann ich mir leisten, weil der Upload nur eine Minute dauert 🙂 Sonst hast Du natürlich Recht.

    Libsyn mache ich manuell, weil ich dort noch weitere Einstellungen vornehme, die ich in Auphonic nicht vornehmen kann.

    Grüße,

    Markus

  3. Dominic Bagatzky

    Ah, mit dem automatisch rüber laden zu Libsyn ist nicht gemeint, das die Folge direkt veröffentlicht wird. Das geht zwar auch. Macht aber absolut keinen Sinn. Man kann sich die fertige Auphonic-Datei direkt auf seinen Libsyn-Speicherplatz hochladen lassen, ohne direkte Veröffentlichung und dann beim Anlegen einer neuen Episode auswählen. Ist also wie der manuelle Upload, nur eben von Auphonic durchgeführt. Die Datei liegt dann “auf Halde”, sozusagen. Richtet man einmal ein und gut ists.

    LG Dominic

  4. Markus Hövener

    OK. Den Vorteil kann ich für mich jetzt nicht ganz erkennen 🙂 Aber danke für den Hinweis… Grüße, Markus

  5. Dominic Bagatzky

    Der Vorteil ist, entgegen deinem/ eurem Workflow, so wie er beschrieben ist. Du musst die Datei von Auphonic nichts erst herunterladen und “irgendwo” auf der Platte speichern, nur um sie dann später wieder bei Libsyn hochzuladen.

    Im Beitrag schreibst du ja:
    2) WAV-Datei bei Auphonic hochladen, als perfekte MP3 runterladen

    5) Upload der Episode (MP3) beim Podcast-Hoster Libsyn (Libsyn schickt die Episode nicht nur an iTunes und Spotify, sondern erstellt z. B. direkt aus dem MP3 ein Video für YouTube)

    Genau das ist der Punkt. Wieso lädst Du die Datei erst runter, auf die eigene Platte, nur um sie dann wieder hochzuladen. Lass dir die finale “Auphonic-Datei” doch direkt von denen(Auphonic) zu Libsyn rüberschaufeln / auf Halde legen.

    Wie sieht mein Workflow aus?
    1) Aufzeichnen
    2) Minimalistische Post-Production inkl. Export als Flac
    3) Auphonic (Datei auswählen, Preset wählen, Titel rein kopieren, Upload)
    4) Libsyn “create new episode
    5) Audiodatei auswählen (die mir Auphonic automatisch auf den Libsyn-Space gesendet hat)
    6) Titel, Shownotes, ect….
    7) Veröffentlichung planen
    8) feddisch.

    Btw. Lass uns doch einfach mal quatschen und ich zeig dir was ich meine, wenn Du magst.
    Ist ne Sache von 10-15 Minuten. Und Du sparst dir das runter und rauf laden.
    Mag zwar auch nicht viel an Zeit sein, wenn man denn schnelle Leitung hat. Aber wieso nicht Sachen nutzen, die da sind, dasselbe machen und trotzdem Zeit sparen.

  6. Markus Hövener

    Wie gesagt: Der Zeitaufwand ist für mich nicht relevant. Trotzdem danke für den Tipp!

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