Hilft PR beim Linkaufbau? [SEO FAQ #19]

14. Dezember 2018 | Von in SEO

Früher wurden PR-Portale oft für den Linkaufbau „missbraucht“. Seit Google die Ansprüche hinsichtlich externer Verlinkungen stark angehoben hat, finden sich solche Taktiken nur noch selten. Aber wie ist denn dann der Stellenwert von PR und redaktionellen Links tatsächlich?

 

Früher …

Ein Blick in die Vergangenheit: Früher wurden oft Pressemitteilungen geschrieben und an Presseportale wie openPR verteilt. Durch die Veröffentlichung entstanden entsprechend viele externe Verlinkungen – je nachdem, an wie viele dieser Portale man die Pressemitteilung übermittelte. Dafür gab es auch Dienstleister, die diesen mühsamen Teil der Arbeit übernahmen.

Heutzutage sind sich viele SEOs darin einig, dass derartige Links keinen oder nur einen sehr geringen Wert haben. Das kann man auch an den Sichtbarkeitsdaten ablesen, die früher zum Teil auch sehr deutlich in den Suchergebnissen zu erkennen waren – aber schon seit Jahren nicht mehr relevant sind:

Früher waren die Presseportale auch interessant, weil die veröffentlichten Pressemitteilungen teilweise gute Rankings erzielten. Es war also nicht nur der reine Link interessant, sondern auch die Reichweite, die über den Beitrag erzielt werden konnte – auch wenn viele Unternehmen wohl primär eher an den Links interessiert waren. Der obige Chart zeigt aber, dass dieser Vorteil mittlerweile nur noch in Ausnahmefällen existiert.

 

Heute

Zugegeben: Mit echter PR hatte das damals auch nicht so viel zu tun. Erfolgreiche Pressearbeit auf das Thema „externe Verlinkungen“ zu reduzieren, ist nicht sinnvoll. PR kann deutlich spannendere Erfolge generieren. Der Link ist dann eher die Kirsche auf der Torte.

Trotzdem sind gerade Links für SEOs interessant. Die Veröffentlichung auf zig Presseportalen, die ohnehin von echten Journalisten überwiegend ignoriert werden, kann als Taktik zum Linkaufbau sicherlich ignoriert werden. Aber welchen Wert haben Links von echten redaktionellen Medien? Wie wertvoll ist ein Link von Spiegel Online oder von lokalen Medien wie der Münsterschen Zeitung – im Vergleich zu zig einfach zu generierenden Links von Presseportalen?

Einige Gedanken:

  1. Eines der Argumente gegen Websites wie openPR besteht darin, dass diese auf nahezu jedes Thema verlinken. Da eine Pressemitteilung zum Thema „Chirurgische Instrumente“ neben einer über „nachhaltige Wanderreisen“ zu finden ist, gibt es hier keinen thematischen „Link-Fokus“. Streng genommen hat Spiegel Online (SPON) diesen aber auch nicht. Sicherlich hat Spiegel Online in Bezug auf Link-Metriken deutlich höhere Werte als eines der kostenlosen PR-Portale. Sicherlich ist die journalistische Qualität der Beiträge höher. Sicherlich halten sich mehr Nutzer auf SPON auf. Ein Link von Spiegel Online hat also wahrscheinlich schon einen höheren Wert als einer von openPR.
  2. Wahrscheinlich ist die Verlinkung eines Fachmediums relevanter als die von einem multithematischen Medium wie SPON. Wenn die thematische Nähe und Autorität von Links wichtig ist, kann ein sehr spezifisches Portal durchaus relevanter sein.
  3. Wer eine Pressemitteilung auf hundert Presseportale verteilt, generiert dabei natürlich viel Duplicate Content. Nicht, dass dieser an dieser Stelle nachteilig für die eigenen Rankings sein könnte – aber die Dubletten sind natürlich für Google & Co. sehr leicht herauszufiltern. 100 Links von Presseportalen sind also nicht besser als ein Link von SPON, weil Google die 100 Links wahrscheinlich ohnehin dedupliziert und man dann faktisch doch nur einen Link erhält.
  4. Man darf einen Link niemals nur als für Google relevant betrachten. Vor allem können über einen Link Besucher kommen – und das ist natürlich bei einem SPON-Link durchaus spannend.
  5. Ein Link über SPON kann dazu führen, dass man durch die Reichweite (auch dank Social Media) die eigene Marke stärkt oder sogar für andere Website-Betreiber so interessant wird, dass diese über die eigene Website berichten – und dann entstehen in der Folge evtl. weitere Links.
  6. Man darf einzelne Links niemals isoliert betrachten, weil stets die Gesamtheit aller Backlinks zählt. Der sogenannte Link-Mix ist wichtig. Es wäre merkwürdig, wenn eine Website z. B. nur von Blogs oder nur von Foren verlinkt würde, weil das einfach unnatürlich ist. Durch starke redaktionelle Verlinkungen polstert man sein Link-Portfolio aus und diversifiziert den Link-Mix. Wer also beim Linkaufbau etwas unnatürlich gearbeitet hat, kann mit solchen starken redaktionellen Links durchaus eine Verbesserung der Gesamtbewertung erzielen.

 

Zielsetzung

Also: Über PR-Maßnahmen generierte Verlinkungen können durchaus spannend sein – wenn man denn unter PR versteht, dass es auch um echte, redaktionelle Medien geht. Die Eintragung in zig Presseportale hat damit schon seit Jahren nichts mehr zu tun. Das Stichwort lautet ja auch „Earned Media“, also die Erwähnung in Medien, die man sich dank eigener Inhalte auch verdient hat.

Advertorials sind eine sehr grenzwertige Methode, um dasselbe zu erhalten, ohne auch dasselbe zu tun. Man kann durchaus bei einigen relevanten Medien Beiträge und damit auch Verlinkungen einkaufen, ohne sich diese Beiträge auch verdient zu haben. So können Verlinkungen generiert werden, die allerdings in der Regel gegen Google-Richtlinien verstoßen. Außerdem werden Advertorials nicht selten in Randbereichen der Website abgelegt, sodass Nutzer der jeweiligen redaktionellen Plattform diese Beiträge faktisch nicht zu Gesicht bekommen. Der Effekt, neben der Verlinkung also spannende Reichweite zu erzielen, fällt damit häufig weg.

Um die Frage „Hilft PR beim Linkaufbau?“ abschließend zu beantworten: Ja, wenn man sich dabei nicht auf den Linkaufbau fokussiert. Die reine Veröffentlichung einer Pressemitteilung hat an sich wohl gar keinen Wert. Der Fokus sollte klar auf „Earned Media“ und auf starken redaktionellen, idealerweise auch Fachmedien liegen. Also: Was ist für Medien interessant und relevant? Wie erreiche ich diese Medien zielgerichtet?

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Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor (International SEO), Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEA und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.

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