Musst du rendern? Der Screaming Frog SEO Spider sagt es dir!

2. Februar 2022 | Von in SEO

Egal ob du den Screaming Frog SEO Spider oder ein anderes Crawling-Tool nutzt: Häufig muss man sich entscheiden, ob man die Inhalte rendern möchte oder nicht. Und darüber sollte man schon nachdenken, denn das Rendern kostet Zeit und Ressourcen.

Warum rendert man überhaupt?

„Früher“ haben Suchmaschinen nur eine HTML-Seite heruntergeladen, um dann die dort gefundenen Inhalte zu indexieren. In den letzten Jahren hat sich die Situation aber geändert: Immer häufiger kommt JavaScript zum Einsatz – und JavaScript kann den HTML-Code verändern. Deswegen gibt es in modernen Tools auch immer zwei Sichtweisen auf den HTML-Code: vor dem Rendern und nach dem Rendern.

Eventuell kann es also sein, dass man Teile einer Website gar nicht korrekt erfassen kann, wenn man diese crawlt, ohne sie zu rendern.

Übrigens: Das Rendern kann natürlich auch ein anderes Ziel haben. Wenn eine Seite gerendert ist, kann eine Maschine erkennen, wo sich welche Inhalte befinden und ob diese überhaupt sichtbar sind. Es ist also sehr wichtig, dass Google eine Seite korrekt rendern kann. Wenn man aber – was gar nicht so selten vorkommt – aus Versehen die CSS-Datei per robots.txt sperrt, kann die Suchmaschine zu dem Schluss kommen, dass die Website gar nicht mobiltauglich ist – mit durchaus signifikanten negativen Auswirkungen auf die Rankings.

Dieses Ziel – also die optische Kontrolle – lassen wir aber im Folgenden außen vor. Es geht um den häufigeren Fall, dass JavaScript den HTML-Code ändert, sodass man dann auch unbedingt rendern sollte.

Wie stellt man das mit dem Rendern ein?

Beim Screaming Frog SEO Spider geht das ganz einfach über „Configuration > Spider“ und den Tab „Rendering“. Wer „Text Only“ wählt, rendert nicht. „JavaScript“ hingegen sorgt dann für das Rendern. Dabei muss man dann auch noch das jeweilige Device auswählen, für das sich der Screaming Frog SEO Spider „ausgibt“:

Das Rendern kann man beim Screaming Frog SEO Spider ganz einfach einschalten.

Aber nochmal: Das Rendern kostet grundsätzlich Zeit und Ressourcen. Wer nicht rendert, muss z. B. die JavaScript- und CSS-Dateien nicht unbedingt herunterladen. Beim Rendern kommt man da nicht drumherum, sodass der Crawl einer Website zwangsweise länger dauert.

Wie prüft man, ob man rendern muss?

Im Idealfall weiß man natürlich, ob man rendern muss, weil man die Website-Technologie genau kennt. Werden Inhalte per AJAX nachgeladen oder anderweitig per JavaScript generiert? Dabei geht es natürlich immer nur um relevante Inhalte und nicht z. B. um irrelevante Werbeblöcke.

Um zu prüfen, ob man rendern muss, gibt es zum Glück den Screaming Frog SEO Spider, der in der Version 16 einen neuen hilfreichen Tab bekommen hat: „JavaScript“. In diesem werden Unterschiede zwischen ungerendertem und gerendertem HTML-Code abgebildet.

Wenn man also z. B. den ADAC Shop crawlt, kann man in der Übersicht („Overview“, rechts) sehen, dass es durchaus eine Seite gibt, bei der es Unterschiede gibt:

Die Übersicht zeigt gut, was durch den Einsatz von JavaScript geändert wurde.

Wo sich etwas ändert, kann man dann sehen, wenn man einfach auf den Eintrag klickt und so direkt in den jeweiligen Filter springt. In diesem Fall ist es also so, dass es in ungerendertem HTML-Code keine H1 gibt (zweite Spalte „HTML H1“), im gerenderten Code aber schon (dritte Spalte „Rendered HTML H1“):

Vor dem Rendern gab es keine H1 – nach dem Rendern doch.

Also nochmal: Wenn man die Website ohne Rendern gecrawlt hätte, wäre sicherlich eine Warnung erschienen, dass die Seite keine H1 hat – obwohl sie eine hat, die Google auch sieht. Und da es immer darum gehen sollte, die Website mit denselben Augen wie Google zu sehen, müsste man in diesem Fall also auf jeden Fall rendern.

Klappt das auch sicher?

Kann man also sagen, dass man eine Seite nur rendern sollte, wenn alle Filter im Tab „JavaScript“ null Ergebnisse zeigen? Leider nicht unbedingt.

Als Beispiel habe ich mal die Startseite meines Hausarztes (liebe Grüße an dieser Stelle!) gerendert:

Der JavaScript Code hat den Content der Seite stark geändert – oder doch nicht?

Es sieht hier so aus, als ob signifikante Mengen an Content nachgeladen/erzeugt würden. Gerade in diesem Fall ist das aber nicht so, sondern eher ein Ergebnis des Cookie Consent Banners, das ja auch per JavaScript geladen wird. Ja, das verändert natürlich den Seiteninhalt, aber nicht unbedingt in relevanter Form.

Also:

  • Wenn alle Filter auf Null stehen, kann man davon ausgehen, dass man nicht rendern muss.
  • Wenn mindestens ein Filter ein Ergebnis liefert, muss man noch genauer hinschauen, was denn jetzt genau geändert wird. Dafür bietet es sich an, vorher in „Configuration > Spider > Extraction“ die beiden Haken „Store HTML“ und „Store Rendered HTML“ zu setzen, damit man dann später im Tab „View Source“ unten die Unterschiede genau analysieren kann.

Fazit

Wer wissen will, ob er rendern muss, sollte ein paar Seiten der Website mit eingeschaltetem Rendering crawlen, um dann zu schauen, ob es Unterschiede im HTML-Code gibt. Falls nicht, kann man sich den Aufwand lieber sparen und kommt so deutlich schneller ans Ziel!

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Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und SEO Advocate der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor, Podcaster, Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und verantwortlich für das suchradar.

Markus hat vier Kinder, spielt in seiner Freizeit gerne Klavier (vor allem Jazz) und genießt das Leben.

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