SEO-Agentur mit Mini-Budget beauftragen: Wann kann das sinnvoll sein? [Search Camp Episode 69]

19. März 2019 | Von in Search Camp, SEO

Keine Frage: Eine SEO-Agentur freut sich immer über ordentliche Budgets, um für einen Kunden Content zu produzieren, technische Fehler zu beheben, Links aufzubauen und viele andere Maßnahmen umzusetzen. Aber manchmal ist eben nur ein Mini-Budget vorhanden. Ist dann eine Zusammenarbeit zwischen Kunden und SEO-Agentur überhaupt sinnvoll? Kommt man mit 300 Euro im Monat überhaupt irgendwie vorwärts? Oder sind am Ende nur beide Seiten frustriert? Ein Denkanstoß, der fünf Faktoren diskutiert – und zu einer klaren Empfehlung kommt.


Jetzt reinhören: Search Camp Episode 69

 

Shownotes

 

 

Transcript

Ja moin! Herzlich willkommen zu Search Camp, der Online-Marketing Podcast, Markus Hövener hier. Ich habe mir heute ein Thema herausgesucht, was ich nicht ganz unkritisch finde, nämlich SEO Agentur für wenig Geld. Macht es eigentlich Sinn eine Agentur, eine SEO-Agentur für 300 Euro zu beauftragen? Macht das aus Kundensicht Sinn, macht das aus Agentursicht Sinn, macht diese Zusammenarbeit überhaupt Sinn? Jetzt mal losgelöst davon, dass wir natürlich alle gerne lieber viel Geld verdienen als wenig Geld, aber ist das wirklich sinnvoll und was kann man eigentlich wirklich machen für so ein Geld? Darum geht’s dann gleich, wenn die Musik vorbei ist. Bis gleich!

So und da sind wir doch wieder. Heute geht’s um ein Thema, SEO Agentur für wenig Geld, wie sinnvoll sind Mini-Budgets? Schwieriges Thema, muss ich ganz ehrlich sagen, weil über Geld redet man nicht. Viele haben da ja draußen auch die in meinen Augen recht unverständliche Meinung, dass sich die ganzen Agenturen die Taschen vollstopfen und sauteuer sind und nichts dafür leisten. Okay, gut. Sehe ich komplett anders. Ich möchte mal über einen konkreten Fall reden, auch weil es ihn gerade noch mal gab. Situation ist, ich sag mal eine kleine Firma oder ein Start-up ruft an und kann sich einfach ein großes SEO-Paket nicht leisten, also vierstellig geht nicht. So. Jetzt sagt man natürlich, ja, sorry, dann können wir wahrscheinlich nichts für Sie tun. Dann kommt manchmal so ein Satz zurück wie, ja, das ist uns auch klar, dass wir jetzt das große Paket hier nicht abrufen können, wir wollen aber trotzdem was machen und wir könnten im Monat vielleicht 300 Euro ausgeben. Ja, da muss man natürlich als SEO-Betreiber, als SEO-Agentur-Betreiber erstmal ein bisschen schlucken und muss sich dann die Frage stellen, will man das eigentlich machen? Kann man als Agentur für 300 Euro im Monat wirklich SEO machen? Muss man ganz ehrlich sagen, hängt davon ab, von vielen Faktoren. Über die will ich heute mal sprechen. Ist natürlich so, über die letzten Jahre habe ich da echt viele Erfahrungen gemacht. Wir hatten auch mal interessanterweise einen kleinen Ableger, der sich beschäftigte mit der Optimierung von lokal orientierten Websites. Das haben wir später eingestampft aus verschiedenen Gründen. Es ist auf jeden Fall ein relativ schwieriges komplexes Thema.

Ich habe aber durchaus einen Kunden, muss ich sagen, den betreue ich jetzt eigentlich so seit dem zweiten Jahr der Firmengründung, also das muss irgendwie 2004 gewesen sein, 2005 so, seitdem betreue ich ihn, und auch der lässt eigentlich nur ein dreistelliges Salär bei uns im Monat, aber es funktioniert, das funktioniert für beide Seiten. Das heißt, ja, es gibt schon solche Fälle, wo man sagen kann, für wenig Geld kann man auch sinnvoll SEO machen.

Ich möchte natürlich noch mal kurz reingrätschen und sagen, über welche Art von SEO reden wir eigentlich? Es gibt natürlich da draußen hinreichend viele Agenturen, nicht nur SEO-Agenturen, sondern manchmal gibt’s auch so Webagenturen, die haben dann auch so ganz komische Pakete und wir machen dann jeden Monat was, und wenn du da mal nachhakst, ja, was macht ihr eigentlich dafür, dann kommt da auch gar nichts bei rum. Also, was meine ich eigentlich heute mit SEO-Agentur oder mit SEO-Beratung meine ich, ich rede jetzt hier nicht über irgendeinen Beschiss. Früher gab es diese Läden, die haben 10.000 Doorway-Pages generiert. Also ich meine nicht Linkaufbau über irgendwelche gekauften drittklassigen Links. Ich meine zum Beispiel Fokus wirklich auf hochwertigen Content und eben Fokus auch auf guten Linkaufbau und solche Sachen. Also nicht irgendwelche, irgendeine Software ist da mal drüber gerannt und hat irgendwie ein paar hundert Seiten gemacht oder irgendein Quatsch, sondern eigentlich echtes SEO, so wie die guten Agenturen, die es auch gibt, das eigentlich auch alle sehen und verkaufen. So, jetzt nochmal die Frage, wenn wir über dieses gute SEO reden, können wir das für 300 Euro anbieten? Ich habe insgesamt mal drüber nachgedacht, ist ja auch ein Thema, was für relativ oft diskutieren, die Frage ist, wovon hängt das eigentlich ab? Natürlich hat jede Agentur, das steht jetzt nicht so auf der Website, gibt es natürlich oft so einen Mindestumsatz, den ein Kunde im Monat leisten muss, aber nochmal, wir reden jetzt nicht über Bloofusion oder über Agentur X oder Y, sondern einfach grundsätzlich, ist es eigentlich überhaupt sinnvoll, also auch von Kundenseite aus? Ich glaube, es hängt eben von 5 Faktoren ab.

Faktor 1: Konkurrenzsituation

Es ist natürlich so, ein Konkurrent hat eine Domainpopularität von 300, also wird von 300 verschiedenen Websites verlinkt und deine Website hat 2 Backlinks, muss man sagen, egal was du auf der Website jetzt abfeierst, es wird dir relativ wenig bringen. Du musst erstmal diese Lücke schließen. Die Lücke ist natürlich relativ groß. Wenn man mal so guckt, was ein Link kostet, egal auf welchem Weg er jetzt entstanden ist und ich mal eine sehr optimistische Schätzung nehme, für 300 Euro im Monat kriege ich vielleicht 2 Links, muss man sagen, ja, ist oft nicht viel, es reicht nicht, um diese Lücke zu schließen. Da kommen wir nie dran, auch weil der Konkurrent natürlich in der gleichen Zeit auch Links aufbaut oder sich auch vielleicht verdient. Jetzt muss man natürlich sagen, Links ist nicht wirklich alles. Es ist auch nicht der Dealbreaker, der alles kaputtmacht. Ich kann auch mit wenig Links noch relevante Rankings erreichen. Jetzt nicht unbedingt halt diese großen generischen Suchbegriffe. Also ich werde es nicht schaffen für Schuhe auf Platz 1 zu kommen, egal wie gut mein Content ist. Deswegen Konkurrenzsituation für mich Faktor 1. Kleiner Tipp übrigens, ich habe es auch in den Shownotes verlinkt, Oktober 2018 gab’s eine neue Suchradar-Ausgabe mit dem Fokusthema, klein gegen groß. Da gibt’s auch 3 Fallstudien, wie es trotzdem kleine Shops geschafft haben sich gegen die Allmacht aus Amazon und Co. durchzusetzen. Also, wenn ihr Lust habt, lest euch da gerne mal rein.

Faktor Nummer 2: Agilität / Reifegrad des Kunden

Es gibt Kunden, die sind schon sehr weit. Viele Kunden sagen mir am Telefon, nein, wir machen schon echt viel, wir brauchen nur einen Sparringspartner. Also der Kunde produziert vielleicht schon viel Content, er braucht vielleicht nur noch ein bisschen Feintuning, er braucht vielleicht nur noch ein paar Themen, die richtig rocken. Er braucht vielleicht ein bisschen Hilfe beim Seeden. Und dann muss man sagen, könnte er das durchaus erreichen. Aber man muss ja auch sagen, wenn wir mal von den 300 Euro im Monat ausgehen und davon ausgehen, ist eine Milchmädchenrechnung jetzt, aber was ein Schulungstag mit Vorbereitung und Reisekosten kostet, dann ist eigentlich schnell ein halbes Jahr Budget weg dafür, dass jemand einen Tag bei einem Kunden war und ihn geschult hat. Puh! Ja. Also, wenn jemand viel selbermacht und nur noch ein bisschen Feintuning braucht, für den könnte so eine SEO-Beratung auf Mini-Budget funktionieren, ist aber ganz ehrlich extrem selten. Und gerade das Thema Content produzieren habe ich selten so vorgefunden, dass ich sagte, ja, ihr braucht nur noch ein bisschen Feintuning, sondern meistens fehlte eher noch so das Grobtuning, also meistens ist noch gar nichts da. Aber nein, es mag diesen Fall geben.

Faktor Nummer 3: Kommunikationsbedarf

Es gibt einige Kunden, die wollen viel mitreden, alles soll 100 Prozent perfekt sein. Da ist natürlich die Frage, können wir einfach einen Blog-Text live stellen oder müssen wir da noch dreimal darüber diskutieren? Denn Diskutieren kostet Zeit und kostet Budget. Die Kommunikation zwischen Kunde und Agentur muss einfach in vernünftigem Rahmen bleiben, sonst wird einfach, und das ist ganz ehrlich, Geld verbrannt, keine Frage. Ich finde, eine Vorbedingung dafür ist ein Vertrauensverhältnis. Kunde und Agentur müssen miteinander können und beide Seiten müssen verstehen, worum es geht. Es muss auch ein pragmatisches Denken da sein und die Agentur muss den Kunden, seinen Markt und seine Sorgen auch wirklich verstehen. Und noch so ein Punkt, effiziente Kommunikation. Wir haben viele Kunden, die kriegen das prima hin, es wird ein Telefontermin geplant, er wird konzis durchgeführt, aber in dem Augenblick, wo du natürlich bei 300 Euro Budget eine Quatschliese am Telefon hast, der erst noch über seinen letzten Mallorca-Urlaub sprechen möchte, dann wird es relativ schwierig.

Faktor 4: Durchhaltevermögen

Ich glaube, alle sind sich einig, dass SEO Zeit braucht und vor allem braucht es natürlich noch mehr Zeit, wenn du wenig Geld und oder Zeit reinsteckst. Wir haben es relativ oft so, dass vorher jemand sagt so, nee, ach, also auch bei großen Projekten, wir haben Zeit, das passt alles so, und wir hatten zumindest letztes Jahr mal einen Fall, wo einer nach 6 Monaten dann den Stecker gezogen hat, weil er meinte, es sei kein Erfolg zu sehen, aber es war auch noch nichts umgesetzt worden oder ziemlich wenig. Das muss einem einfach immer klar sein. Das ist natürlich aber auch eine Frage der Kapitaldecke, es ist aber auch eine Frage der Metriken, ob der Kunde den Erfolg, so es ihn überhaupt schon gibt, überhaupt messen kann? Und wichtiger, interessieren ihn eigentlich diese Metriken überhaupt? Manchmal hat man ja so diesen Horrorkunden, der checkt nur ein Keyword und da muss er auf Platz 1 sein, sonst ist das ganze Projekt für die Katz gewesen. Das ist leider, gerade wenn du mit kleineren Kunden mit SEO-inaffinen Kunden sprichst, ist das leider oft ein echtes Problem.

Faktor Nummer 5: Die Frage, ob SEO wirklich verstanden wurde.

Ob es wirklich gelebt werden kann in einem Unternehmen? Ich glaube, dass es funktionieren kann, wenn du SEO im Unternehmen verankern kannst. Es gibt ein paar Unternehmen, die können das, die haben da Bock drauf, die motivieren zum Beispiel ihre Azubis. Die Azubis fahren auf eine Fachmesse und drehen da ein Video. Saugeil, klar. Die sind eh da, dann lass sie das doch einfach machen. Oder, wenn du eine Arztpraxis hast, wissen alle im Unternehmen, dass es wichtig ist Bewertungen für Google My Business zu generieren. Und oft ist es eben leider nicht so. SEO ist eben nicht nur das, was die Agentur da macht. Das ist Aufgabe der Agentur sicherlich dem Unternehmen das klarzumachen, aber es ist eben auch die Frage, versteht der Kunde das und hat der Kunde selber auch ein eigenes Interesse, dass er das Ganze umsetzt? Wenn ich bei der Arztpraxis bleibe, also versteht der Arzt, worum es da geht und nötigt er seine Angestellten regelmäßig auch wirklich diese verfluchten Bewertungen zu generieren, respektive eben Bewertungskärtchen herauszugeben an zufriedene Patienten.

So, das waren so meine 5 Punkte. Zusammenfassung eigentlich, ich glaube, dass ein 300 Euro SEO-Kunde bestenfalls dann funktionieren kann, wenn der Kunde sehr agil ist und wenn er versteht, worum es bei SEO geht und wenn er eigentlich nur noch ein bisschen Feintuning braucht. Dann ist es in meinen Augen sinnvoll, weil dann kann er mit 2 Stunden oder 3 Stunden Beratung, je nach Stundensatz natürlich, kann man ihn durchaus vorwärtsbringen, respektive ihn in die richtige Richtung stoßen. Wenn es ein kleiner Mittelständler ist, der einfach SEO nur an eine Agentur auslagern will, dann glaube ich, dass es einfach absolut nicht funktionieren kann, weil du in diesen 2 bis 3 Stunden einfach nichts nicht fertigbringen kannst oder ihn nicht weiterbringen kannst, und dann kann man echt besser sagen, man steckt die 200 oder 300 Euro lieber in irgendwas anderes, in Google Ads oder in Facebook Ads oder was auch immer du machen möchtest, aber wahrscheinlich ist es da dann besser aufgehoben. Das war mal meine ehrliche Perspektive zu dem Thema. Ich finde, es ist immer in der Branche so ein bisschen so ein gefühlter Deckel drauf, da will auch keiner drüber reden. Natürlich, ich habe das eben schon gesagt, viele Agenturen habe sowas wie so einen Mindestumsatz, ab da macht das wirklich Sinn. Ja, gibt es mit Sicherheit, aber ich habe oft den Eindruck, dass wenn ich dann auch mit Neukunden spreche, die einfach nicht willens sind das nötige Budget in die Hand zu nehmen, dass dann auch relativ Unverständnis vorherrscht, dass sie halt denken, wir wollen den Kunden nicht oder die mögen wir nicht oder wir machen uns die Taschen voll. Ganz so einfach ist es nicht. Man muss wirklich in dem Augenblick, wenn man das beurteilt, wirklich verstehen, worum es bei SEO geht und eben gucken, was kann diese Agentur eigentlich für dieses Geld wirklich leisten? Wenn da irgendwie ein Gap ist von 500 Backlinks und der Kunde aber nur 300 Euro ausgeben möchte, muss man ganz ehrlich sagen, das wird so nicht funktionieren. So, ja, Ende aus, das waren meine Gedanken dazu. Ich würde mich wie immer freuen, wenn ihr darüber diskutieren wollt, wenn ihr da Bock drauf habt. Deswegen schreibt mir gerne, lasst uns auf Facebook diskutieren, wo auch immer ihr mit mir drüber sprechen wollt, vielleicht sehen wir uns ja in diesem Jahr auch auf einer Konferenz. Mich freut es extrem, dass ihr so lange zugehört habt. Kurze Folge diesmal, aber ich hoffe, dass alles drin war. Ansonsten sage ich erstmal Danke und wir hören uns schon bald. Tschö!

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Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor (International SEO), Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEA und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.

Ein Kommentar zu “SEO-Agentur mit Mini-Budget beauftragen: Wann kann das sinnvoll sein? [Search Camp Episode 69]”

  1. Steve

    Moin Markus,

    ja.., was soll ich sagen. Es ist schon zu hören, das es den Menschen (hier: Bloofusion) wie den Leuten (hier: kleinere Agentur als Bloofusion ) geht. Vom Kunden mit DEM einen Keyword über “KPIs können wir nicht rausgeben – Firmengeheimnis, sie verstehen!” bis zu übersteigerten Erwartungen bei einem €300 Budget. Offensichtlich ist man da nicht alleine. Danke dafür..

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