SEO „hängt davon ab“. Aber wovon eigentlich? [Alles auf Start 62]

2. Juni 2022 | Von in Search Camp + Alles auf Start, SEO

Wenn man einen SEO fragt, erhält man oft die Antwort: „Das hängt davon ab“. Das stimmt in der Regel auch, denn in Bezug auf Suchmaschinenoptimierung ist nur wenig in Stein gemeißelt. In dieser Episode schauen wir daher auf acht Bereiche, von denen es wirklich oft abhängt – von Qualität bis Frequenz.

 

Keine Ausgabe unserer Podcasts mehr verpassen?
Dann melde Dich jetzt mit Deiner E-Mail-Adresse für unseren wöchentlichen SEO-Alert-Newsletter an:

Mit der Registrierung erklären Sie Ihr Einverständnis zum Erhalt der Update mit Revue sowie zur Analyse der Öffnungs- und Klickraten. Zu Ihrer Sicherheit erhalten Sie vorab eine Mail einem Bestätigungs-Link (Double-Opt-In). Sie können sich jederzeit mit dem Abmeldelink in einer Mail vom Newsletter abmelden.

 

Die wichtigsten Podcast-Links:

 

SEO „hängt davon ab“. Aber wovon eigentlich?

Schön, dass ihr wieder dabei seid und dass ich wieder ein neues SEO-Thema für euch habe. Und zwar eigentlich ein ganz lustiges Thema, finde ich. Ich habe einen Freund, der ist Rechtsanwalt und es gibt halt einen wichtigen Satz bei Rechtsanwälten und der ist immer: “Hängt davon ab.” Also wenn einer was fragt, muss man immer sagen, “Hängt davon ab.” Und das stimmt auch.

Und die SEOs, die sagen das auch immer, “Hängt davon ab.” Was natürlich eine etwas unbefriedigende Antwort ist und ich möchte euch heute mal ein bisschen Einblick geben, wovon es denn eigentlich abhängt. Also warum sagen die SEOs das? Natürlich sagen die SEOs das vielleicht auch manchmal, ja, um dann in der Folge Beratung zu verkaufen oder so. Okay, ja, mag sein. Aber faktisch muss man wirklich sagen, es hängt oft davon ab. Und dafür habe ich jetzt acht verschiedene “Davon hängt es ab.” mitgebracht.

 

#1: Es hängt vom Umfang ab

Also Fragestellung zum Beispiel: Jemand kommt zu mir und sagt, “Du, ich habe hier einen schlechten Link.”, ich habe einen schlechten Link, der ist vielleicht gekauft oder jemand anderes hat den auf mich gesetzt mit einem Anchor-Text-Link. Also ein Link, der eigentlich gegen Google-Richtlinien verstößt. So und jetzt ist die Frage, soll ich den jetzt abbauen? Soll ich mir da groß Gedanken machen, ja oder nein?

Und da muss man sagen, es hängt für mich immer ein bisschen vom Umfang ab. Also wenn es wirklich ein schlechter Link ist und du hast 1000 gute, dann wäre das für mich nicht relevant. Oder du hast einen Text, eine Seite, da hast du Text vom Hersteller kopiert. Bei allen anderen nicht. Wäre mir auch egal. Oder auch über PDF Rankings haben wir hier schon mal gesprochen. Wenn das jetzt 0,1 % deines Traffics ausmacht, würde ich sagen, ist auch egal. Also immer gucken, wie groß ist dieses, was euch da stört im Vergleich zum Gesamtvolumen.

 

#2: Qualität

Qualität ist ein großes Thema. Das hat sich über die Jahre immer mehr gesteigert. Damals gab es das Panda Update für Content-Qualität und das Penguin Update für Linkqualität. Und auch wer die Quality Rater Guidelines mehrere Mal gelesen hat, der wird das Wort Qualität hinreichend oft darin lesen und vor allem steckt es schon im Namen. Es sind ja die Quality Rater Guidelines, also es hängt oft von der Qualität ab.

Und eine Frage, wo ich eben das als Antwort gebe, nämlich, “Hängt davon ab.”, ist zum Beispiel, ob Produktbewertungen gut oder schlecht sind. Das hängt nämlich wirklich von der Qualität ab, weil man wirklich sagen kann: Produktbewertungen an sich können gut oder schlecht sein. Wenn da sinnvolle Texte drinstehen, dann kann das die Produktdetailseite ordentlich aufwerten. Wenn da aber nur “Blabla” drinsteht und “Schnell geliefert” oder “Alles okay” als Text, dann hilft das deiner Seite natürlich nicht, die Qualität zu steigern.

 

#3: Deine Strategie

Auch da ist sehr oft so eine Frage, also eines meiner Lieblingsthemen ist ja International SEO. Naja, und jetzt ist die Frage zum Beispiel, du hast jetzt eine neue Website aufgemacht für ein neues Unternehmen. Was soll ich denn jetzt nehmen? Eine .de-Domain oder eine .com-Domain? Da muss ich sagen, hängt davon ab.

Es hängt nämlich davon ab, in wie vielen Ländern du das irgendwann mal anbieten möchtest. Wenn du sagst, du, ich bin sowieso nur Friseur in Berlin und ich werde immer nur Friseur in Berlin sein, dann ist eine .de-Domain gut. Aber wenn du heute schon weißt, dass du im nächsten Jahr noch in vier Länder expandieren möchtest, dann wäre eine .de-Domain das schlechtere und eine .com-Domain das deutlich bessere. Also gerade in Bezug auf Domain-Strategie ist das Thema Gesamtstrategie des Unternehmens, also wo wollen wir hin, ein wichtiges Thema.

 

#4: Frequenz

Ein Beispiel, was ich auch gar nicht so selten habe, ist: Jemand veröffentlicht Stellenanzeigen auf der Website und da ist jetzt die Frage, da hätten wir gerne Job Posting Markup rein, um in Google Jobs aufzutauchen. Das ist ja eine zwingende Voraussetzung dafür. Und ja, deswegen die Frage, sollen wir uns das programmieren lassen, dass da dieses richtige Markup eingebaut wird und so, oder nicht? Und auch das hängt eben davon ab, nämlich, wie oft nutzen wir das denn?

Wenn wir nur eine Stellenanzeige in zwei Jahren raushauen, würde ich sagen, Nee, das ist jetzt wahrscheinlich die – wird das die Investition, also das, was es kostet, das zu programmieren, wird das nicht wieder reinspielen können in der Laufzeit dieser Website. Und deswegen ist natürlich schon eine Frage eben Frequenz, also wie oft nutzen wir sowas eigentlich. Wie oft tritt dieser Fall auf?

 

#5: Perfektion oder Pragmatismus

Angenommen, du hast Seiten, auf denen fehlt ein Canonical Tag. Ist gar nicht mal so selten, kann passieren. Und Best Practice ist natürlich, dass jede Seite ein Canonical Tag hat. Und jetzt hast du Seiten, die haben eben keins. Was müssen wir jetzt machen? Und da muss ich sagen, hängt davon ab.

Es hängt davon ab, wie du so drauf bist. Wenn du es perfekt haben willst, wenn du, ja, wenn du die Best Practices vollständig erfüllen möchtest, dann muss das eben da rein und ansonsten eben nicht.

Die gleiche Frage ist auch so ein bisschen bei hreflang-Tags. Das braucht man ja für internationale Websites. Und auch da ist die Frage, es gibt viele Fälle, angenommen, du hast eine Website mit einem deutschen Sprachraum und einem englischen Sprachraum, also /de, da sind dann die ganzen deutschsprachigen Inhalte drin und /en für die ganzen englischsprachigen Inhalte. So, und jetzt braucht man eigentlich theoretisch hreflang nicht, weil Google kann das anhand der Sprache, anhand der Content-Sprache und der Suchsprache eigentlich perfekt auseinanderhalten. Best Practice wäre es trotzdem, hreflang zu haben.

Also noch mal die Frage: Was willst du? Willst du Perfektion? Oder willst du Pragmatismus? Und da muss ich natürlich sagen, ja, hängt wirklich davon ab. Habe ich schon alles erlebt. Und ja, auch viele schätzen dann so meine Ehrlichkeit, wenn ich sage, ja, ihr könnt das machen, aber es wird euch überhaupt nichts bringen. Und ja, manche wollen es dann eben trotzdem machen. Das ist aber eher selten.

 

#6: Deine Branche

Es gibt ja so Themen wie EAT: Expertise, Authoritativeness und Trustworthiness. Das heißt, es ist ein Anspruch, den Google an dein Unternehmen hat, dass du eben, ja, vertrauenswürdig bist, Experte bist, Autorität bist. Und zwar sowohl als Unternehmen als auch als Person. Also der, der einen Beitrag – der oder die, der/die einen Beitrag geschrieben hat. So, und jetzt gibt es eben dieses Thema EAT.

Ist bei manchen Themen wichtiger als bei anderen Themen. Da gibt es ja diesen Themenbereich “Your Money or your Life”. Das ist hauptsächlich Medizin, Jura und Finanzen. Da ist das alles sehr, sehr wichtig. Und wenn du jetzt allerdings eher, weiß nicht, bei Onlineshops bist oder im B2B, dann ist das eher nicht so wichtig.

Und es gibt natürlich manche Google Features, zum Beispiel, wenn du ein lokales Unternehmen bist, dann ist die lokale Suche für dich sehr wichtig. Wenn du sowieso irgendwie europaweit aktiv bist und dieses Lokalthema für dich überhaupt keine Relevanz hat, dann ist es natürlich, ja, eher nicht so wichtig. Also es hängt immer auch von deiner Branche ab. Ja.

 

#7: Deine Konkurrenz

Ist ja völlig logisch, denn vor allem beim Thema Linkaufbau oder bei insgesamt Off Page Signalen zählt eben vor allem die Konkurrenz. Und da zählt eben vor allem zum Beispiel bei der Frage, wie viele Backlinks brauche ich eigentlich – da ist natürlich schon die Frage, ja, kann ich nicht sagen. Habe ich auch schon einen Podcast zu gemacht, nämlich es hängt davon ab, wie viel deine Konkurrenz hat. Wenn deine Konkurrenten alle fünf Backlinks haben, dann musst du nicht 100 Links aufbauen.

Und dann gibt es aber leider Fälle, wo das alles ganz anders aussieht, weil du zum Beispiel starke Konzerne gegen dich hast, die wahnsinnig bekannt, wahnsinnig etabliert sind, dann sieht das Spiel ganz anders aus. Und natürlich auch nicht nur die Konkurrenzfrage, sondern auch, was hast du denn schon? Also klar, das war jetzt so implizit da mit drin, nämlich, wie viele Backlinks zum Beispiel hast du denn schon? Und da gibt es ein paar Fälle, wo ich sagen muss, so Backlinkaufbau ist einfach nicht euer Thema. Ihr seid groß bekannt, ihr werdet von jedem in der Branche verlinkt. Müssen wir jetzt echt nicht drüber sprechen. Und andere, vor allem Start-ups, die müssen halt richtig Gas geben.

 

#8: Wie gut willst du eigentlich schlafen können?

Das klingt jetzt nach einer saublöden Frage, oder? Na ja, gar nicht so unbedingt. Es gibt nämlich die Frage: Wie wichtig ist dir die Einhaltung der Webmaster-Richtlinien?

Es gibt von Google niedergeschrieben seit 20 Jahren oder vielleicht sogar ein bisschen mehr, gibt es die Webmaster-Richtlinien. Da steht genau drin, was du darfst, respektive steht eigentlich mehr drin, was du nicht darfst. Und wenn du dagegen verstößt, dann kannst du eben eine Abstrafung durch Google bekommen, wirst dann entweder aus dem Index entfernt oder es droht dir irgendwie eine Verringerung deines Traffics oder ganz bestimmte Features werden dir genommen.

Es sind übrigens nicht nur die Webmaster-Richtlinien, sondern es gibt an verschiedenen anderen Stellen gibt es auch noch einzelne Richtlinien, zum Beispiel für jedes Markup gibt es noch eigene Richtlinien. Halten wir es jetzt ein bisschen kurz. Es gibt Richtlinien.

Und die Frage ist: Willst du nach den Regeln spielen oder willst du nicht nach den Regeln spielen? Und das hat auch ein bisschen was mit Konkurrenz zu tun, denn es gibt so ein paar Bereiche. Also was ich zum Beispiel mir gerne angucke, wenn ich mir so grenzwertige Sachen aussuche, zum Beispiel für Konferenzvorträge, gucke ich mir gerne die plastisch-ästhetischen Chirurgen an, neudeutsch Schönheitschirurgen. Die verstoßen total gerne gegen Richtlinien. Das mag aber vor allem daran liegen, so, wenn mal einer dagegen verstößt, dann ist natürlich die Frage, ja, was willst du denn jetzt? Willst du in Schönheit sterben? Das ist natürlich jetzt hier gerade ein bisschen ungünstig formuliert. Also willst du dich an die Regeln halten, aber dann hast du einen Nachteil gegenüber den anderen? Oder spielst du eben das Spiel mit, weil alle anderen spielen das Spiel? Zum Glück nicht alle. Es gibt auch ein paar Vernünftige.

Und ja, gerade so Sachen, zum Beispiel beim Markup wird da viel ein bisschen kreativ ausgelegt. Manche Websites haben dann so Sternchen in den Suchergebnissen, die man so eigentlich gar nicht mehr haben kann. Aber sie haben halt das Richtige – oder das Richtige nicht, aber sie haben halt fälschlicherweise verwendetes Markup eingebaut, was dann dazu führt, dass sie Sternchen kriegen. Wenn Google das ganze aufhält, sind die Sternchen weg und es gibt halt eine Abstrafung dafür. Und ja, da ist eben wirklich die Frage, was willst du eigentlich?

Und ich habe schon viele getroffen in der Vergangenheit, die dann einfach sagen, “Nö. Mir ist schon wichtig, dass wir uns an die Regeln halten, selbst wenn die anderen das nicht tun. Wenn die dann irgendwann dafür abgestraft werden, dann ist das okay für uns. Dieses Risiko wollen wir nicht eingehen.” Man muss natürlich ganz ehrlich dabei sagen, Google ist natürlich schon sehr scharf an vielen Stellen, haben vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten natürlich viel gelernt von den ganzen SEOs, was die so schlimmes Zeugs machen.

Aber es gibt eben doch Bereiche, wo Google jetzt nicht so wahnsinnig schnell da hinterher ist. Also es kann durchaus sein, dass man zum Beispiel mit diesen Sternchen in den Suchergebnissen für zwei, drei, vier Jahre perfekt durchkommt. Und auch das ist natürlich eine Frage. Also du hast zwei, drei, vier Jahre lang hast du einen Vorteil in den Suchergebnissen und dann, wenn es jemandem auffällt, wirst du dafür abgestraft und hast vielleicht zwei Wochen einen kleinen Nachteil und behebst das dann und hast dann auch keine Sternchen mehr. Aber du hattest sie eben zwei, drei, vier Jahre lang und naja, manche da draußen sehen dieses Thema einfach anders als andere, ein bisschen großzügiger. Manche haben wirklich einen sehr guten Schlaf und manche einen sehr leichten Schlaf.

Und deswegen muss man natürlich immer auch ein bisschen, gerade als SEO mit dem Kunden in den Dialog gehen und mal rausfinden, wie ticken die denn so? Und ja, ich persönlich bin immer ein Freund davon, dass wir die Google-Richtlinien einhalten, weil langfristig funktioniert das alles natürlich nicht. Aber ich sage auch immer, solange der Kunde weiß, worauf er sich einlässt, ist das für mich okay. Es ist nur eben eine Frage der Aufklärung.

Ich habe auch schon viele Fälle erlebt, wo Kunden das gar nicht wussten, dass sie da gegen Richtlinien verstoßen. Sie sind dann aus allen Wolken gefallen. Also da gibt es sehr, sehr viele verschiedene Fälle. Das vielleicht auch nur noch mal so für euch da draußen, ist nicht immer alles nur schwarz und weiß. Manchmal muss man einfach auch ein bisschen drüber sprechen.

Das gleiche übrigens auch beim Thema Backlink-Aufbau. Auch da gibt es natürlich nicht nur schwarz und weiß, sondern die Skala ist natürlich schon ein bisschen verschiedene Grautöne, die es da noch gibt. Und auch da muss man natürlich immer gucken, was will ich, welches Risiko will ich eingehen und welches Risiko muss ich vielleicht auch eingehen, weil ich eben vielleicht in einer Branche bin, wo alle halt sich nicht an die Regeln halten.

 

Finale

Okay. Das waren meine acht “Hängt davon ab.” Ich hoffe, ihr konntet was mitnehmen. Und wenn ihr das nächste Mal ein SEO fragen oder respektive antworten hört, “Ja, hängt davon ab.”, habt ihr vielleicht ein bisschen mehr Verständnis für die SEOs und ja, seid einfach offener dafür, dass eben nicht alles so ganz, so einfach und immer so binär ist, sondern manchmal muss man eben wirklich die Erfahrung herauskramen und manchmal muss man auch wirklich drüber nachdenken, ja, wo stehst du? Was hast du? Welches Risiko willst du eingehen? Wie ist deine Konkurrenz aufgestellt? Und deswegen muss man eben immer sagen, es hängt davon ab.

The following two tabs change content below.

Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und SEO Advocate der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor, Podcaster, Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und verantwortlich für das suchradar.

Markus hat vier Kinder, spielt in seiner Freizeit gerne Klavier (vor allem Jazz) und genießt das Leben.

Kommentieren