SEO in Action Teil 4: Was kann man an Otto.de noch verbessern?

4. Oktober 2010 | Von in SEO

Nach Thomann.de, Conrad.de und Bonprix.de kommt heute Otto.de in den SEO-Schraubstock. Dabei

Session-IDs

Bei Online-Shops sind Session-IDs – als Hinweis auf Duplicate Content – natürlich das Erste, wonach geschaut wird. Die Suchanfrage

inurl:sid site:otto.de

zeigt dann auch ca. 300 URLs, die eine Session-ID beinhalten, z. B.

http://www.otto.de/Schnaeppchen/Haushalt/shop-de_bc_sh12198968/;sid=DaqCLT1Pb9YDLXHbdy7rRFFFg5tT5UsJ679ycSJFSKz90Q7mkecH7oJsSKz90UlZHFqAlL-e

Die Session-ID ist hier aber leider kein CGI-Parameter (also “?sid=…” oder “?…&sid=…”). Man kann “sid” hier also nicht einfach über die Google Webmaster Tools als auszuschließenden Parameter setzen.

Das ist in diesem Fall aber auch nicht unbedingt nötig, weil es eben nur ca. 300 URLs mit Session-IDs gibt. Das Problem wird dadurch abgemildert, dass alle Seiten ein Canonical-Tag haben. Wenn Google also die beiden Seiten

http://www.otto.de/Schnaeppchen/Haushalt/shop-de_bc_sh12198968/;sid=DaqCLT1Pb9YDLXHbdy7rRFFFg5tT5UsJ679ycSJFSKz90Q7mkecH7oJsSKz90UlZHFqAlL-e

und

http://www.otto.de/Schnaeppchen/Haushalt/shop-de_bc_sh12198968/

indexiert, weiß Google mithilfe des Canonical-Tag (in diesem Fall <link rel=”canonical” href=”http://www.otto.de/Schnaeppchen/Haushalt/shop-de_bc_sh12198968/” />), hinter welcher der beiden Seiten sich die “richtige” Seite befindet.

An dieser Stelle sei aber nochmal auf zwei grundlegende Probleme von Canonical-Tags hingewiesen:

  1. Diese werden von Suchmaschinen nicht alle gleichermaßen gut unterstützt. Insbesondere Bing (was wohl die einzig noch relevante Suchmaschine außer Google ist) kann damit derzeit noch nicht so gut umgehen wie Google.
  2. Das Canonical-Tag funktioniert aktuell nur dann, wenn sich auch alle Varianten einer URL im Index befinden. Genau das will man aber im Allgemeinen verhindern, wenn man eine sehr große Site hat und Google eine extrem hohe Anzahl an Dubletten permanent überprüfen muss. In diesem Fall ist das bei 300 URLs nicht so schlimm.

Das Mittel der Wahl wäre also sicherlich eine URL-Normalisierung: Wenn eine Anfrage vom User-Agent “Googlebot” kommt und sich eine Session-ID in der URL befindet, sollte per 301-Umleitung auf die URL ohne Session-ID weitergeleitet werden.

Ob Otto das auf diesem Wege macht, lässt sich übrigens über Tools wie www.urivalet.com überprüfen. Man kann dort eine Anfrage mit einem bestimmten User-Agent abschicken – in diesem Fall aber mit dem Ergebnis, dass die URL nicht umgeleitet wird:

seo-in-action-5

Top-Navigation

Wenn sich mal der Mauszeiger über die Top-Navigation bewegt, klappt schnell eine Fly-Out-Navigation heraus. Dank der Vielzahl an Oberrubriken kommen so schnell 200 Links auf Unterrubriken zusammen. Das erinnert schnell an die Diskussion zur Fly-Out-Navigation bei Bonprix.de.
In diesem Fall kann aber Entwarnung gegeben werden. Die Links sind nicht im HTML-Code enthalten und auch für Google unsichtbar. Das lässt sich leicht überprüfen, indem man z. B. nach einer Komponente aus der Fly-Out-Navigation sucht. Da es dort einen Link “Staubsaugen & Reinigen” gibt, kann dieser auch direkt gesucht werden:

“staubsaugen & reinigen” site:otto.de

Google zeigt zwar ca. 10.900 Ergebnisse, aber das sind eben die Seiten, bei denen das auch in der linken Navigation vorkommt. Die Top-Navigation ist für Google anscheinend nicht zu erkennen – ein gutes Ergebnis.

Rubrikenseiten

Während es bei den letzten beiden Punkten eher Lob für Otto gibt, haben die Rubrikenseiten immer noch sehr viel Potenzial. So werden die Seitentitel einfach aus den Navigationspunkten heraus gebildet.

Ein Beispiel:

Die Seite der Rubrik “Kinder > Jungen (Gr. 92 – 188) > Hosen & Jeans” hat den Seitentitel:
“Hosen & Jeans / Jungen (Gr. 92 – 188) / Kinder – OTTO-Online-Shop”

Für die Suchanfrage “jeans jungen” wird diese Seite dann auch recht weit oben bei Google gefunden – vor allem, weil die Wörter in der richtigen Reihenfolge und Schreibweise im Seitentitel vorkommen.

Der Mechanismus, dass der Seitentitel aus den Rubriken gebildet wird, sorgt also erst einmal dafür, dass tiefere Rubriken auch viele potenzielle Suchbegriffe im Seitentitel erhalten. Das mag in dieser Rubrik sinnvoll sein, aber in anderen Rubriken sorgt es eben dafür, dass unnötig viele Wörter im Seitentitel stehen und damit Potenzial verschenkt wird. Denn: Die Relevanz eines Wortes im Seitentitel fällt mit der Anzahl der Wörter im Seitentitel.

So gibt es die Oberrubrik “Baumarkt”, die dafür sorgt, dass in jeder Unterrubrik auch das Wort Baumarkt vorkommt. Die Rubrik “Tischleuchten” hat dann diesen Seitentitel:

“Tischleuchten / Beleuchtung / Haus & Wohnen / Baumarkt – OTTO-Online-Shop”

Da aber wohl niemals oder bestenfalls sehr selten nach “tischleuchten wohnen” oder “tischleuchten baumarkt” gesucht wird, verschenkt Otto hier Möglichkeiten.

Wie sähe hier also eine Lösung aus?

  1. Am besten wäre es natürlich, wenn man jeder Rubrikenseite einen individuellen Seitentitel mitgeben könnte. Eine Rubrik wie “Landhausleuchten” sollte dann auch noch Synonyme wie “Landhauslampen” oder “Leuchten Landhausstil” aufnehmen. Das erfordert sicherlich jede Menge Recherche, aber das Ergebnis sollte diesen Aufwand rechtfertigen – zumal sich hier auch priorisiert vorgehen lässt. So könnte Otto mit den umsatzstärksten Rubriken beginnen oder auch automatisierte Lösungen suchen, bei denen z. B. die Suchvolumina der Rubrikennamen herangezogen werden.
  2. Wenn das nicht möglich oder gewollt ist, könnte man den alternativen Weg gehen und Rubriken als suchmaschinenrelevant oder -irrelevant definieren. Wenn es also eine Rubrik wie “Jungen” gibt, die dann dafür sorgt, dass in allen tieferen Rubrikenseiten das Wort “Jungen” im Seitentitel vorkommt, ist das sicherlich gewollt, weil eben oft z. B. nach “hosen jungen” gesucht wird. Eine solche Rubrik würde also als suchmaschinenrelevant definiert werden, was dann dazu führt, dass diese Rubrik in den Seitentiteln der Unterrubriken erscheint. Auf der anderen Seite gäbe es dann aber suchmaschinenirrelevante Rubriken wie “Baumarkt” oder “Weihnachtsshop”, bei denen diese Bestandteile nicht mehr im Seitentitel erscheinen.

Das beste Gegenargument gegen Lösung 2 wäre wohl die Usability, weil die Seitentitel nicht einheitlich wären – was aber hier nicht schlimm ist, weil Lösung 1 ohnehin die wahrscheinlich bessere wäre.

Faceted Navigation

Etwas enttäuscht war ich auf jeden Fall von der Faceted Navigation:

seo-in-action-6

Prinzipiell ist Faceted Navigation eine hervorragende Möglichkeit, um auf bestimmte Suchbegriffskombinationen abzuzielen, z. B. “Marke + Produktkategorie”.

Die Filterseiten befinden sich allerdings nicht im Google Index, was daran liegt, dass Crawler die Links hinter den Filtern nicht erkennen können, da diese per JavaScript eingeblendet werden. Explizit gesperrt hat Otto die Seiten aber auch nicht. Weder in der robots.txt finden sich entsprechende Anweisungen noch gibt es ein Meta-Robots-Tag “noindex” auf den Filterseiten, um diese aus dem Index zu verbannen. Otto.de hat hier eher einen recht indirekten Weg gewählt: Die JavaScript-Dateien sind für Suchmaschinen gesperrt – was Google aber nicht aufhalten sollte. Besser wäre es also, explizit die Filterseiten zu sperren.

Meta Descriptions

Bei Otto lässt sich auch gut erkennen, wie Google derzeit mit zu langen Meta Descriptions umgeht. In der Vergangenheit wurden diese eigentlich immer hinten gekürzt (endet auf “…”). Mittlerweile ist Google aber besser geworden.

Die Seite http://www.otto.de/Baumarkt/shop-de_bc_sh1573558/ hat z. B. die folgenden Meta Description:

“OTTO Baumarkt hat die Marken und die Heimwerker-Auswahl rund ums Bauen, Renovieren und Wohnen. Ob für das Haus, den Garten oder die Werkstatt: Ein riesiges Angebot an Baumarkt-Angeboten sowie alles für den Heimtier-Bedarf jetzt bequem im OTTO-Online-Shop auswählen und bestellen.”

In den Google-Ergebnissen zeigt Google dann das folgende Snippet an:

“OTTO Baumarkt hat die Marken und die Heimwerker-Auswahl rund ums Bauen, Renovieren und Wohnen. … jetzt bequem im OTTO-Online-Shop auswählen und bestellen.”

Wer also sicherstellen möchte, dass Google das Richtige anzeigt, sollte einfach darauf achten, dass die Meta Description die richtige Länge (ca. 140 Zeichen) hat.

Fazit

Otto.de ist eine sehr große Website, bei der es natürlich schwierig ist, immer den Blick fürs Detail zu behalten. So ist es verständlich, dass für die Seitentitel der Rubrikenseiten ein Mechanismus gewählt wurde, der oftmals recht gute Ergebnisse bringt.

Dennoch: Die Potenziale liegen oft im Detail. Diese Analyse hätte noch deutlich länger ausfallen können, weil mir noch viel mehr kleine und mittlere Potenziale aufgefallen sind. Dabei darf aber eines niemals vergessen werden: Manchmal gibt es eben auch die üblichen begrenzenden Faktoren wie Zeit, Geld und Entwickler-Ressourcen.

The following two tabs change content below.

Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor, Podcaster, Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und verantwortlich für das suchradar.

Markus hat vier Kinder, spielt in seiner Freizeit gerne Klavier (vor allem Jazz) und genießt das Leben.

12 Kommentare zu “SEO in Action Teil 4: Was kann man an Otto.de noch verbessern?”

  1. Markus (von otto.de)

    Hi Markus,

    danke für die ausführliche Analyse. Es freut uns natürlich immer, wenn jemand mal otto.de auseinander nimmt 😉

    Auch wenn es ein paar kleine Ungenauigkeiten gibt, möchte ich nicht auf die einzelnen Punkte eingehen. Denn abschließend fasst Du sehr gut zusammen, was mögliche Gründe für die Schwachpunkte sind: Zeit und technische Ressourcen!

    In einem so großen Shop wie otto.de ist es fast nicht möglich, zum Beispiel die Title-Tags manuell zu wählen.

    Aus diesem Grunde suchen wir übrigens gerade einen Inhouse-SEO für otto.de!

    Viele Grüße aus Hamburg
    Markus

  2. Markus

    Dann viel Erfolg bei der Suche… 🙂

  3. Markus (von otto.de)

    Danke! Hast du einen Tipp? 😉

  4. Markus

    Leider nein. Der Markt für gute SEOs, die dann auch noch Inhouse-tauglich sind, ist doch wohl arg überschaubar…

  5. Steve

    Hallo,

    mal eine Frage,aber kann es sein, dass ihr euch bzgl der Analyse des Flyout ein bißchen vertan habt. Die Links sind sehr wohl im Quellcode enthalten, werden lediglich per .js ausgeblendet. Oder liege ich vllt falsch?!

    Freue mich auf eine Antwort
    Gruß Steve

  6. Steve

    Noch als Ergänzung … es sind fast 1000 Links auf der Seite zu finden. Also ich würde jetzt sagen, dass Google diese sehr wohl crawlen kann – und dies auch macht.

    Gruß Steve

  7. Markus

    Ich hab das nochmal geprüft: Ich bleib dabei, dass die Links nicht für Suchmaschinen sichtbar sind.

  8. Steve

    Moin Markus,

    kannst du mir bitte eine kurze Begründung geben warum das der Fall ist.

    Wenn man sich die Otto.de Seite im Quellcode genauer ansieht, ist es so, dass bei aktivierten .js die Unterrubriken (Navi-Ebene 2 > Ebene 0 = Home) komplett ausgeblendet sind. Bei deaktivierten .js sind diese sichtbar … somit für Suchmaschinen u.ä. Applikationen auffindbar. Ruft man die Seite aus Sicht eines google-bots auf, sieht man, dass fast 1000 Links auf der Seite zu finden sind.

    Wenn diese nicht gecrawlt werden, dann wahrscheinlich, weil es deutlich mehr als 100 Links auf der Seite sind. Deswegen bleibe ich erstmal bei der Meinung, dass die gesamten Links der Navi für Suchmaschinen erreichbar sind. Ob diese dann auch gecrawlt werden, ist vllt etwas anderes.

    Gruß Steve

  9. Markus

    Vielleicht reden wir ja von unterschiedlichen Sachen. Auf der Startseite sind viele Links, aber auf den Unterseiten kann ich das beim besten Willen nicht erkennen…

  10. Steve

    Servus Markus,

    dann scheinbar. Also die Home hat fast 1000 Verlinkungen … für SM crawlbar. Viel zu viele.

    Nimmt man sich die Unterseiten her … Bsp. Baumarkt sind es noch ca. 150. Auch zu Viele.

    Ich denke hier hat otto.de Bedarf der Optimierung.

    Gruß Steve

  11. Steve

    Achso … von der Usability ganz zu schweigen. Überlappende Flyouts mit einer Vielzahl an Navigationspunkten – nicht erfassbar und totaler Informations-Overload.

    Hier würde sich eine Faceted-Search bzw. -Navigation anbieten.

    Gruß Steve

  12. Sven P

    @Steve
    “Wenn man sich die Otto.de Seite im Quellcode genauer ansieht, ist es so, dass bei aktivierten .js die Unterrubriken (Navi-Ebene 2 > Ebene 0 = Home) komplett ausgeblendet sind. Bei deaktivierten .js sind diese sichtbar … somit für Suchmaschinen u.ä. Applikationen auffindbar.”

    Hi Steve,
    kann es sein, dass die Links der Unterkategorien bereits MIT aktiviertem JS im Quellcode auf der Startseite abrufbar sind. Ich sehe im Quellcodeda keinen Unterschied, ob JS aktiviert, oder deaktiviert ist. Wäre super, wenn du dazu was sagen könntest.

    Gruß und THX

Kommentieren