SEO für zukünftige Mode-/Trendthemen [Search Camp Episode 111]

28. Januar 2020 | Von in Search Camp + Alles auf Start, SEO

SEO ist einfach, wenn man passende Suchbegriffe kennt. Aber wie ist das, wenn es das Suchvolumen noch gar nicht gibt? Und wenn auch noch unklar ist, ob es das jemals geben wird? Am Beispiel des Themas „Schuh-Trends“ gibt es in dieser E-Commerce-Episode einen genauen Blick auf diese Fragestellung.

 

 

Keine Ausgabe unserer Podcasts mehr verpassen?
Dann melde Dich jetzt mit Deiner E-Mail-Adresse für unseren wöchentlichen SEO-Alert-Newsletter an:

Die wichtigsten Podcast-Links:

 

Transcript

Schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt. Ich bin heute da mit dem Thema SEO für Mode oder für Trendthemen, die zukünftig gesucht werden können.

Noch mal kurz ein bisschen zur Einsortierung. E-Commerce ist ein wichtiges Thema bei uns in der Agentur bei Bloofusion, das heißt, wenn ihr mal Hilfe braucht, könnt ihr da immer anrufen. Wenn ihr mehr Traffic braucht, mehr Conversions, ruft ihr einfach an. Werbeblock vorbei! Ist ein großes Thema, ich beschäftige mich viel damit, ich mache zum Beispiel auch die ganzen SEO-Schulungen bei Shopware, viel im Kundenkontakt und so, und deswegen gibt’s jetzt auch mehr E-Commerce, es wird insgesamt 8 E-Commerce Folgen in diesem Jahr geben. Eigentlich viel zu wenig, aber irgendwie wie muss man es ja auch noch alles gewuppt kriegen. Ich möchte da einfach Fragen verwursten, die regelmäßig kommen, wie gesagt, gerade so bei den ganzen ersten Schulungen.

Aber die Frage, die ich heute habe, nämlich, wie macht man das eigentlich so mit Trendthemen, und da kam eine sehr, sehr konkrete Frage von einem Kunden. Der hat einen großen Online-Shop im Bereich Schuhe, nicht so das Zalando-Mega-Vollsortiment, sondern schon eher ein sehr spezielles, sehr modezentriertes Segment und sehr spannender Kunde. Und der kam auf mich zu am Rande einer Veranstaltung, auf der wir uns gesehen haben, und fragte mich. Er hatte vorher meinen Vortrag gehört, genau, das muss ich noch vorwegschieben. Ich hatte da über Content gesprochen und dass Content eben durchaus auch Sales generieren kann.

Und dann fragte er: Wie gehe ich denn damit um, wir haben manchmal so Themen, gerade so Modethemen, die dann jetzt im nächsten Jahr oder im nächsten Halbjahr mal relevant werden können? Sollte ich dafür zum Beispiel in unserem Blog Content schreiben?

Hat mich natürlich sehr gefreut, erstmal überhaupt, dass jemand quasi dieses Potential erkennt. Und hier stellt sich dann halt die Frage: Sollte man das machen, lohnt sich das eigentlich? Und das mit dem Lohnen koppelt sich so ein bisschen an die Frage auch: Wird das überhaupt jemand suchen diesen Trend, den es da geben wird? Und wie wird das eigentlich jemand suchen? Auch das ist noch relevant.

Kleiner Disclaimer am Rande: Ich verstehe nichts von Mode. Ist jetzt auch nicht so, dass mir meine Frau meine Sachen raus legt, so extrem ist es noch nicht, aber jetzt von Kundenprojekten abgesehen ist das Ganze nicht so mein Thema. Also wenn ich heute an irgendeiner Stelle Quatsch erzähle, bitte sagt es mir nicht, sondern lächelt es einfach vor euch hin.

Ich habe mal geguckt, was sind denn so Trends, die jetzt demnächst kommen könnten? Und ich habe zum Beispiel mal als gutes Beispiel gefunden die Gothic Prom Dresses. Das sind so dunkle Kleider, ein bisschen so mit Spitze, also soll wohl laut den Leuten, die so Trends vorhersagen, Modetrends voraussagen, nächstes Jahr ein Thema werden, oder dieses Jahr vielmehr. Aber das Problem, wir reden ja über SEO, ich gehe natürlich in den Google Keyword Planner rein und das Tool sagt mir: Zero. Also: Laut Keyword Tool wird das Ganze noch nicht gesucht.

Aber vielleicht kommt das Suchvolumen ja noch? Denn diese Datenbanken, Keyword-Datenbanken, egal welche man nutzt, die liefern halt immer rückwirkend das Suchvolumen. Okay, vielleicht hat in der Vergangenheit keiner danach gesucht, der Trend kommt ja erst noch. Und da ist es ja erstmal auch grundsätzlich gut, das Stichwort ist Preemptive SEO, da rechtzeitig drüber nachzudenken. Denn je früher es eine Seite gibt, umso höhere Chancen aufs Ranking hat sie, zumindest in der Theorie. Also wie suche ich so nach zukünftigen Themen, wie gehe ich damit um? Und nochmal ganz kurz, mir geht’s jetzt nur um SEO. Ich kann immer natürlich in meinem Blog wie ich möchte Trends beschreiben und redaktionelle Beiträge für alles Mögliche liefern, um dann zum Beispiel die Besucher, die auf die Website kommen, den sehen, dass ich Newsletter-Aktionen dafür machen kann. Alles geschenkt. Mir geht’s nur um die Frage: SEO, also jemand sucht diesen Trend, kommt mein Beitrag nach oben? Und dazu habe ich mir Gedanken gemacht.

 

Gedanke Nummer 1: Es ist natürlich immer schön, es gibt so andere Zukunfts-Suchanfragen, wo man aus vergangenen Suchanfragen lernen kann.

Das sind natürlich vor allem die wiederkehrenden Sportereignisse wie EM, WM, Olympische Spiele und sowas. Das heißt, wenn man sich das Suchvolumen rückblickend anguckt rund um WM 2018, dann wird man relativ gut das Suchverhalten zur WM 2022 antizipieren können. Das klappt bei vielen anderen Sachen auch, auch Weihnachten ist wieder jedes Jahr, Ostern gibt es jedes Jahr, alles gut, es wird eigentlich jedes Jahr wieder ungefähr das gleiche Suchverhalten herausgeholt. Darum geht es hier aber leider nicht. Man kann nur sehr begrenzt natürlich hier von anderen Trends auf einen spezifischen Trend, der in der Zukunft kommen wird, schließen. Das heißt, man kann das natürlich irgendwie versuchen, sehe ich jetzt aber ehrlich gesagt nicht.

 

Deswegen kommen wir zu Gedanken Nummer 2: Das, was einem auch klar sein muss, ist: Die Branchensprache ist häufig ungleich der Kundensprache.

Das heißt, dieses Beispiel mit den Gothic Prom Dresses, das ist vielleicht etwas, was die Vogue so schreibt und was vielleicht auch eine gute Bezeichnung dafür ist, aber jemand anderes, der die Vogue eben nicht abonniert und jetzt nicht nur am Ticker der der Modezeitschriften hängt, sieht das vielleicht einfach nur und sagt sich: Oh ja, schwarze Spitzenkleider, das wollte ich schon mal immer eintippen. Aber der würde eben nicht Gothic Prom Dresses eintippen. Das heißt, das ist einfach ein grundsätzliches Problem, das wird man nicht lösen können. Und vor allem auch, dass es da zum Teil ja auch gar keine Eindeutigkeit gibt.

Wenn man nochmal das Beispiel nimmt von dem Schuh-Shop, unser Kunde nannte mir ein Thema, das hieß Barely There Sandals, also Sandalen, die kaum da sind. Es gibt aber auch andere Wörter dafür, so wie Naked Sandals oder Strappy Sandals. Die einen sagen so, die anderen sagen so. Auch hier die Frage dann: Welcher Suchbegriff wird sich denn dann eigentlich durchsetzen? Und vielleicht ist es einfach der vierte, der dann einfach heißt so wie „Sandalen mit ganz dünnen Riemchen“ oder sowas. Das heißt, es gibt auch hier, die Branche postuliert vielleicht irgendwas und möchte, dass das so und so heißt, aber die Leute da draußen suchen es, wie so oft ja ehrlich gesagt bei SEO, ganz anders. Ist natürlich auch ein Problem, das heißt, auch hier müsste ich eigentlich erst mal in eine Keyword-Recherche einsteigen, aber eben wieder mit diesem blöden Problem, dass ich nicht in die Zukunft gucken kann. Ich habe also schon mal ich sag mal verschiedene Kandidaten am Start und welcher davon jetzt es werden wird, weiß ich nicht. Vielleicht gewinnen auch zwei davon oder drei, auch das weiß ich einfach nicht.

 

Mein 3. Gedanke: Ich glaube, dass es auch auf den Search Intent ankommt.

Also meine Frage war ja so ein bisschen: Lohnt es sich im Blog einen redaktionellen Beitrag zu schreiben? Und jetzt weiß man ja auch, dass Google grundsätzlich Suchbegriffe klassifiziert, dass sie sagen, hey, das Transactional, dann spiele ich eher einen Shop aus, oder das ist Informational, dann spiele ich eher redaktionelle Umgebungen aus wie ein Blog oder ein Magazin. Jetzt ist natürlich die Frage: Wie wird Google eigentlich diesen Begriff wie Gothic Prom Dresses oder Barely There Sandals klassifizieren? Weil vielleicht habe ich jetzt das richtige Wort erwischt, also die richtige Suchanfrage, habe einen guten Beitrag dazu geschrieben, aber Google wertet diesen Suchbegriff dann als Transactional und spielt bevorzugt Shop-Seiten aus, sodass mein redaktioneller Beitrag eigentlich selbst, wenn er optimal ist an diesem Punkt, eigentlich überhaupt keine Chance hat. Wie das sein wird, weiß vorab leider niemand.

 

Dann noch Gedanke Nummer 4. Ist jetzt eher so wieder der kühle, überlegende Mensch in mir, der sagt: Du wirst nie Sicherheit haben.

Diese Trendthemen, die können tierisch abgehen, die können aber auch überhaupt gar kein Suchthema werden. Manche Sachen, die existieren zwar, sie werden aber nicht oder kaum gesucht. Das heißt, ich sehe vielleicht im Laden jetzt ein schwarzes Kleid, also jetzt nicht ich persönlich, aber sondern eine weibliche Person, die einen Laden betritt, sieht vielleicht ein schwarzes Kleid, und denkt so: Wow, da laufen aber gerade viele mit rum. Schöne Sache! Aber ich hätte nie danach gesucht. Und auch das merkt man relativ oft, dass es halt so Impuls-Artikel gibt, Impuls-Käufe, die aber durch überhaupt keine Suchanfrage oder durch ganz wenig Suchanfragen gestartet werden. Und auch dann könnte eben dieses Problem auftreten, dass ich einen tollen Inhalt habe und viele kaufen vielleicht die passenden Produkte dazu, aber keiner sucht danach.

 

Und jetzt komme ich zum letzten meiner 5 Gedanken, nämlich dem 5. Gedanken. Auch da wieder der kühle Rechner. Der kühle Rechner in mir sagt natürlich immer: Bitte priorisieren, priorisieren, priorisieren.

Mache zuerst das, was den meisten Nutzen bringt. Wenn du etwas mit gleichem Aufwand, aber mehr Nutzen machen kannst, dann mach lieber das. Okay. Worum geht’s hier? Wir haben einen Trend, der hat vielleicht eine Lebensdauer von einem halben Jahr, mancher Sommer ist auch deutlich kürzer. Das heißt, diese Barely There Sandals, selbst wenn sie gesucht werden, selbst wenn ich den perfekten Beitrag habe und der Search Intent passt und all das, dann habe ich vielleicht einen total geilen Beitrag, der 3 Monate lang gut läuft. Aber nach 3 Monaten kannst du den dann auch in die Tonne treten, weil dann kommt schon wieder der nächste Trend. Und vielleicht wäre es besser gewesen mit dem gleichen Aufwand einen anderen verkaufsvorbereitenden Beitrag zu schreiben, der einfach 5 Jahre lang läuft oder der, weiß nicht, wo es um Kommunionsschuhe geht oder etwas, was dann jedes Jahr wiederkommt. Jetzt kann man sagen: Ja, aber ich habe schon so viel Content. Hast du schon alles geschrieben, was verkaufsvorbereitend ist? In der Regel ist dem nicht so. Und da würde ich eher dahin tendieren dann zu sagen nochmal: Wenn du mit dem gleichen Aufwand mehr Nutzen erzeugen kannst, also mehr langfristigen Nutzen, dann mache doch bitte das.

 

Und deswegen als Konsequenz, als Zusammenfassung meiner 5 Gedanken. Ich würde dahingehen, wenn ich auf Nummer sicher gehen möchte, würde ich SEA nutzen, also Google Ads oder Bing Ads.

Damit kann ich alle Schreibweisen oder Benennungen, wie auch immer, kann ich damit hervorragend abdecken. Wenn ich dann sehe, dass das tierisch abgeht, dass es gute Suchvolumen gibt, dass es viele Conversions gibt, eventuell kann ich dann noch einen Blogpost hinterherschieben. Dann habe ich jetzt nicht diesen Vorteil gehabt vom Preemptive SEO, das gebe ich zu, aber zumindest weiß ich dann, auf welches meiner 5 Pferde ich eigentlich setzen muss, weil das habe ich jetzt dann in meinen Auswertungen schon gesehen. Ich würde dann natürlich nicht mehr allzu viel davon erwarten. Der Beitrag ist dann eben, wenn der Trend jetzt auch schon einen Monat oder zwei Monate lief, dann sind wir ja schon am Ende des Trends. Das heißt, traffic-mäßig kann man da jetzt nicht mehr so wahnsinnig viel davon erwarten. Trends kommen und gehen, das ist einfach völlig klar. Das heißt, man hat immer eine relativ hohe Unsicherheit und eine sehr kurze Lebensdauer.

Ich persönlich würde dazu tendieren, solche Themen nicht über SEO abzudecken, nicht weil es sich nicht lohnen könnte, sondern weil sich andere Inhalte gleichzeitig mehr lohnen könnten, also Sachen, die einfach langlebiger sind. Und ich nehme halt ein bisschen Unsicherheit raus. Das heißt, wenn ich wirklich gute Keyword-Recherche mache, wenn ich den Beitrag perfekt aufbaue, dann habe ich eine sehr hohe Sicherheit dabei, dass dieser Beitrag eben auch für mich langfristig einen hohen WertbBeitrag liefern wird. Und nochmal, betriebswirtschaftlich gesehen ist es dann in meinen Augen schlauer in diese Richtung zu gehen und eher generische, vielleicht langweilige Themen abzudecken, aber hey, am Ende des Tages geht’s um Geld, dass wir wenig ausgeben wollen und viel verdienen wollen. Und deswegen würde ich eher nicht auf Trendthemen setzen.

The following two tabs change content below.

Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor (International SEO), Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEA und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.

Kommentieren