SEO für Shops: Wieviel Text braucht meine Kategorieseite?

9. September 2021 | Von in SEO

Die Frage ist wirklich schon alt: Braucht es auf Kategorieseiten eigentlich umfangreiche textliche Inhalte? Vorab: Es ist nicht möglich, eine genaue Wortzahl festzulegen. Aber der Antwort kann man sich doch recht gut nähern.

 

 

Beispiel: Decathlon.de

Der Sport-Shop Decathlon.de hat auf vielen seiner Kategorieseiten (wie https://www.decathlon.de/browse/c0-alle-sportarten-a-z/c1-darts/_/N-6gjwkj) einen recht umfangreichen Text unterhalb der Produktliste platziert. Für SEO-Analysen sind diese Seiten Gold wert, da sich der Text in einem <div> mit der Klasse „seofooter“ befindet.

Wenn man also aus dem Tool SISTRIX alle URLs aus dem Ordner /browse/ extrahiert und dann über ein Tool wie SeoTools for Excel (https://seotoolsforexcel.com/) diese Texte extrahiert und die Wörter zählt, hat man innerhalb von 10 Minuten sehr aussagekräftige Daten:

Nun könnte man versuchen, eine Korrelation zwischen der Anzahl der Top-10-Rankings einer Kategorieseite und der Wortanzahl zu ermitteln. Aber bei Korrelationen bleibt das alte Problem „Korrelation vs. Kausalität“. Wenn Decathlon.de sich z. B. entscheiden würde, für alle gut rankenden Seiten SEO-Texte zu erstellen, gäbe es zwar eine Korrelation, aber keine Kausalität. Die Seiten würden dann nicht wegen der Texte ranken, sondern vielleicht nur trotz der Texte. Und da ich keine Einblicke in die SEO-Prozesse von Decathlon.de habe, spare ich mir die Berechnung der Korrelation.

In jedem Fall sieht man bei den Daten aber zweierlei:

  • Es gibt nicht wenige gut rankende Seiten, die überhaupt keinen Text haben. Unter den zehn besten Seiten (bezogen auf die Anzahl der Top-10-Rankings) sind das immerhin zwei. Faktisch muss man also sagen: Um gute Rankings zu produzieren, braucht es nicht unbedingt Text. (Das ist keine neue Erkenntnis innerhalb der SEO-Branche, weil Google bei transaktionalen Suchbegriffen in der Tat gar nicht unbedingt Text erwartet.)
  • Von der Textmenge her gibt es zwar sicherlich einen typischen Mittelwert, aber auch extreme Schwankungen. Von ca. 100 (Golfbälle) bis ca. 2 700 (Snowboard-Bindungen) Wörter ist alles dabei.

 

Braucht es also SEO-Text?

Wie schon eben gesagt: Decathlon.de zeigt, dass Kategorieseiten gute Rankings generieren können, ohne dass es auf der Seite eine relevante Menge an Fließtext gibt. Wenn das also möglich ist, solltest Du dann trotzdem Text auf Kategorieseiten platzieren?

Zunächst muss man natürlich zugeben, dass Decathlon.de aufgrund seiner Bekanntheit andere Signale bieten kann, die ein kleiner Shop so nicht hat: externe Verlinkungen, Markenbekanntheit und so weiter. Während Decathlon.de es sich also leisten kann, auf den Text zu verzichten, könnte sich das deswegen ein kleinerer Shop nicht unbedingt erlauben.

Texte bieten auf jeden Fall auch Kontext. Google muss ja erkennen, um was es auf einer Seite geht. Nun gibt es ja nicht nur den Fließtext, sondern auch andere textliche Inhalte wie die Hauptüberschrift und die Produktlisten. Aus dem Text kann dann geschlossen werden, worum es auf der Seite geht. Wenn man nun wenige Produkte anzeigt, kann es durchaus passieren, dass diese Erkennung nicht gut funktioniert, weil einfach zu wenig Futter da ist. Dann kann Text natürlich hilfreich sein.

Text kann aber auch helfen, Rankings für bestimmte Suchbegriffskombinationen zu erhalten. Wenn man z. B. nach „golfbälle günstig kaufen“ sucht, kann die Kategorieseite „Golfbälle“ davon profitieren, wenn im Text die Wörter „günstig“ und „kaufen“ vorkommen. Genau deswegen ist eben auch nicht unbedingt die Wortanzahl relevant, sondern eher, dass auch die richtigen Wörter darin vorkommen, die im Rahmen von Wortkombinationen gesucht werden.

 

Meine Meinung

Ewig währt wohl auch schon der Kampf um die Frage, ob man den Text besser oben sichtbar als unten unsichtbar platzieren sollte. Ich beantworte diese Frage immer gerne so, dass viele Texte auch unten platziert werden müssen, weil sie nicht unbedingt für den Nutzer geschrieben sind. Ein Kategorietext sollte dem Nutzer bei der Produktauswahl helfen und nicht einfach nur 500 Wörter SEO-Futter darstellen.

Ein Beispiel: Wenn man sich in einer Versandapotheke in der Kategorie für Haarwuchsmittel befindet, wäre der folgende Text in Bezug auf den Nutzer vollkommen wertlos:

Unter dem Problem Haarausfall leiden sowohl Männer als auch Frauen. Man hört oft: Ein kluges Gesicht braucht Platz. Das ist aber nur ein schwacher Trost, wenn das Haupthaar immer weniger wird. Zum Glück gibt es viele Medikamente, die gegen Haarausfall helfen. Schauen Sie sich gerne mal bei uns um. Oder fragen Sie uns – wir beraten Sie gerne.

Dieser Text streut eher noch Salz auf die Wunden der Männer, deren Haupthaar altersbedingt immer weniger wird. Der folgende Kategorietext wäre daher deutlich besser, um nicht nur Suchmaschinenfutter zu liefern, sondern um auch dem Nutzer zu helfen:

Gegen Haarausfall für Männer werden viele unterschiedliche Mittel angeboten. Nachweislich wirksam sind aber faktisch nur zwei Wirkstoffe: Finasterid und Minoxidil (Link zur Studie). Beliebte Produkte sind dabei Regaine (enthält Minoxidil, erhältlich für Männer und Frauen, rezeptfrei) und Propecia (enthält Finasterid, nur für Männer, verschreibungspflichtig).

Zudem hat man mit diesem Text bei einer Qualitätsbewertung durch Google sicherlich eine bessere Kategorieseite, da nicht nur Füllwörter darin vorkommen, sondern Wörter, die inhaltlich eng mit dem Thema verbunden sind.

Zugegeben: Bei Medikamenten ist das Schreiben solcher Texte leichter als bei Schrauben, zumal nicht in allen Produktbereichen Hilfe bei der Produktauswahl zwingend benötigt wird. Und dennoch: Texte sollten sich immer an Suchmaschinen und Nutzer richten. Dann muss man sie auch nicht mehr unbedingt am Ende einer Seite verstecken. Und wer unbedingt eine bestimmte Wortanzahl liefern möchte und das nicht oberhalb der Produktliste platzieren kann: Man kann ja auch Texte aufteilen (ein Teil oben, der Rest unten). Das erfordert dann noch ein bisschen Gehirnschmalz, damit die Texte auch sinnvoll aufgeteilt sind und nicht mittendrin abbrechen.

 

Mehr SEO-Tipps für Shops?

Dieser Text stammt aus meinem Buch “SEO für Onlineshops: Was Shop-Betreiber aus den SEO-Strategien von Zalando, Otto & Co. lernen können“. Wer noch mehr Tipps und Strategien braucht, findet sie in diesem Buch. Viel Spaß beim Lesen!

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Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor, Podcaster, Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und verantwortlich für das suchradar.

Markus hat vier Kinder, spielt in seiner Freizeit gerne Klavier (vor allem Jazz) und genießt das Leben.

2 Kommentare zu “SEO für Shops: Wieviel Text braucht meine Kategorieseite?”

  1. Michael Weckerlin

    Danke für den, wie gewohnt, guten Beitrag.

    Mein Senf dazu:
    Ich sehe in den Texten auf der Kategorieseiten das Pendant zum/zur Verkäufer*in in der offline Welt.
    Diese/r berät fachlich kompetent, beantwortet alle Fragen ohne zu aufdringlich zu sein.
    Das sollte der Kategorietext (und gesamte Content) in einem Online-Shop auch leisten.

  2. Markus Hövener

    Breite Zustimmung! Grüße, Markus

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