Kannst Du zu viel Content produzieren? [Alles auf Start 42]

5. August 2021 | Von in Search Camp + Alles auf Start, SEO

Content is King – klar, aber: Kann man auch zu viel Content produzieren, sodass es in Bezug auf SEO entweder keinen oder sogar einen negativen Effekt hat? In diesem Podcast geht es um fünf Fälle, in denen genau das passieren kann. Und natürlich geht es darum, wie Du das verhinderst.

 

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Die wichtigsten Podcast-Links:

 

Kannst Du zu viel Content produzieren?

Das ist eine Frage, die mir eine SEO-Trainee aus unserem Team gestellt hat. Bei manchen Fragen denke ich so in der ersten Sekunde: Ja, schnell beantwortet. Und dann, wenn man mal ein bisschen länger darüber nachdenkt, finde ich, hat die Frage eben doch eine bestimmte Tiefe, die eben auch zeigen kann, wie man überhaupt so an das Thema Content herangeht. Deswegen bringe ich heute fünf Fälle mit, wo man eben definitiv doch zu viel Content produzieren kann.

Eine Sache ist mir trotzdem am Anfang total wichtig, nämlich was immer eine Regel ist für mich: Frequenz ist egal. Also ob du einmal in der Woche was schreibst oder fünfmal am Tag, das erst mal ist kein Ranking-Kriterium. Auch das höre ich manchmal so: Wir müssen ja regelmäßig was schreiben, weil Google Aktualität mag oder weil Google Neuigkeiten mag. Da muss man erst mal sagen: Das stimmt so erst mal nicht. Es zählt die Qualität von Beiträgen.

Es gibt natürlich Medien wie spiegel.de, die können am Tag 100 Beiträge schreiben, einfach weil sie über eine große Redaktion verfügen, und du schaffst das vielleicht nur einmal im Monat. Aber das heißt ja in der Folge nicht, dass du deswegen aufgrund dieser fehlenden Frequenz schlechter gewertet wirst. Natürlich hat der Spiegel einfach dann mehr Chancen, weil sie eben viel mehr Pferde ins Rennen schicken, keine Frage, aber nochmal: So diese alte Grundregel, ich muss einmal pro Woche was bringen, sonst mag Google das irgendwie nicht, das stimmt nicht.

Gleichwohl muss ich sagen: Ich mag Rituale. Also sich überhaupt hinzusetzen und zu sagen, das ist das Commitment, was ich für meinen Content aufbringe, halte ich für sehr sinnvoll. Und halt nicht: Ich schreibe dann, wenn ich mal Zeit habe. Wir alle wissen: Eigentlich hat man nie Zeit. Das erst mal als Vorgeplänkel.

Jetzt trotzdem die Frage ist ja: Wenn ich mehr Content produziere, also mehr Seiten auf meiner Website, ist das immer gut? Da muss man erst mal sagen: Grundsätzlich mehr Content ist gut. Content ist wirklich King. Der richtige Content ist aber leider auch King. Deswegen bringe ich jetzt 5 Fälle, wo mehr Content nicht mehr bringt.

 

Fall Nummer 1: Kannibalisierung

Kannibalisierung heißt ja, ich habe verschiedene Seiten zu dem gleichen Suchbegriff. Das ist erst mal die Definition von Kannibalisierung. Das heißt, wo kann ich jetzt zu viel Content produzieren?

Naja, ich schreibe einfach immer wieder einen neuen Beitrag über den gleichen Suchbegriff. Das wird nicht zu einer Abstrafung führen, das wird nicht irgendwie zu einer Abwertung führen, aber es ist eben leider so: Wenn jemand dann diesen Suchbegriff eintippt, dann kann in der Regel von deiner Website nur eine einzige Seite in den Suchergebnissen erscheinen. Das heißt, wenn du 10 Beiträge zu dem gleichen Suchbegriff hast, werden 9 nicht angezeigt.

Und nochmal: Das ist erst mal per se nicht schlecht, aber es ist eben die komplette Verschwendung von Energie. Weil du hättest natürlich statt dieser 10 gleichen auch 10 verschiedene Themen abdecken können. Die grundsätzliche Idee von Kannibalisierung ist ja im Kern auch was anderes, also dass man sagt: Ich habe hier 3 kleine Beiträge und eigentlich einen großen daraus zu machen wäre besser. Das ist so die eigentliche Idee in der Kannibalisierung. Das nur der Vollständigkeit halber. Aber nochmal, wichtig, Fall 1 ist: Ich schreibe immer wieder über das exakt gleiche und das bringt mir eben wirklich nichts.

 

Fall 2: Off Topic Content

Es ist ja so, Google guckt sich ja nicht nur eine konkrete Seite an, sondern die konkrete Website. Legt quasi mal alle Inhalte nebeneinander und stellt dann fest: Was ist das alles, wofür du so stehst mit deiner Website? Die Gesamtheit aller Inhalte.

Das heißt, du hast einen Shop für Gartenzubehör und jetzt produzierst du Content über Rasenpflege, über Hochbeete. Dann ist das prima, denn nochmal: Das ist alles quasi innerhalb deiner Thematik, innerhalb deiner thematischen Einsortierung und alles das zahlt auf dasselbe Thema ein.

Wenn du dich jetzt aber zu sehr von deinem Kern entfernst, dann veränderst du natürlich diese Einschätzung deiner Website. Also nochmal: Du hast einen Shop für Gartenzubehör und auf einmal schreibst du ganz viel über Yoga. Natürlich kann man Yoga auch im Garten machen, es ist aber ein anderes Thema. Und es wird in der Regel den Effekt haben, dass du mit deinen Yoga-Inhalten sowieso nicht rankst, weil du in der Google-Schublade immer noch für Gartenzubehör liegst. Es kann aber eben auch dazu führen, dass deine Gartenzubehör-Inhalte auf einmal schlechter ranken, weil einfach die Gesamtheit deiner Website schlechter geworden ist.

Also: In meinen Augen ein wichtiges Thema ist thematische Kohärenz. Also alles das, was ich mache, was ich an Content produziere, passt auch wirklich zu meinem Business, zu meinem Kernthema, und nicht, dass ich auf einmal jetzt irgendwas über irgendwelche Promi-Themen schreibe, einfach nur, weil ich denke, das bringt irgendwie viele Besucher oder irgendwas. Also bleib bei deinem Thema. Thematische Kohärenz ist das Stichwort.

 

Fall Nummer 3: Negative Inhalte

Das ist insgesamt ein Thema, was ein bisschen umstritten ist. Also grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass viele dünne oder viele schlechte Inhalte der Website insgesamt schaden.

Das heißt, auch hier wieder, wenn Google sich alle Seiten nebeneinanderlegt und sieht, oh, 90 % aller Inhalte sind aber komplette Grütze, 10 % sind total cool, ist natürlich die Frage: Wie wertet Google das?

Und in letzter Zeit gab‘s ein paar Statements von Google, die eher in die Richtung gehen, dass sie sagen: Wir gucken uns eigentlich nur das Gute an und das Schlechte ignorieren wir. Ich bin da nicht unbedingt ein Freund dieser Sichtweise. Das ist eine Glaubensfrage, das ist keine Wissensfrage. Aber grundsätzlich bin ich immer dafür, dass man schon die Hütte sauber hält, also dass man sagt: Alles, was wir im Index haben, sollte auch eine hohe Qualität haben.

Deswegen glaube ich persönlich daran, dass wenn du viele schlecht recherchierte Inhalte veröffentlichst, dass das deinen guten Inhalten eben auch schaden kann. Und das, was gut ist, dafür gibt’s eben zum einen die Quality Rater Guidelines. Und es gibt noch mal oder ist schon relativ alt, das hat Google nochmal aktualisiert, diese Panda-Fragen zum Google Panda Update damals, wo es eben auch noch mal eigentlich um sehr zentrale Fragen geht wie: Ist das ein Artikel, den du dir in einem Buch vorstellen könntest? Deswegen sollte man sich das auf jeden Fall angucken. Bevor man Content produziert, sollte man sich mit Quality Rater Guidelines und auch diesen Panda-Fragen auf jeden Fall mal beschäftigt haben.

 

Fall 4: Unoptimierte Inhalte

Ist eigentlich auch logisch, oder? Wir reden ja hier über SEO. Und in Bezug auf SEO muss man sagen, Inhalte bringen dir etwas, wenn die Inhalte auf Suchbegriffe abgestimmt sind. Das heißt, du schreibst jetzt nicht einen Blogbeitrag wie „Mitarbeiter X verlässt jetzt das Unternehmen Richtung Rente“ oder „Neue Kollektion eingetroffen“, weil danach sucht niemand.

Und ich muss leider sagen, in vielen Seminaren, gerade so Einsteiger-Seminare, stelle ich das total oft fest, gerade bei Online-Shops. Wenn man sich da mal das Blog anguckt, schlage ich oft die Hände über den Kopf zusammen und sage: Das ist nett, was ihr hier gemacht habt. Vielleicht für den Nutzer relevant, weiß ich nicht, wenn er das überhaupt findet, aber für SEO ist das einmal komplett für die Tonne.

Es wird vor allem eben über Themen geschrieben, wo man denkt, das könnte jetzt irgendwie mal ein bisschen relevant sein, aber für SEO ist es eben einfach nichts. Das heißt, hier muss man natürlich Keyword-Recherche betreiben, um dann eben Themen zu finden, die sich auch eignen, um Besucher überhaupt erst mal auf die Website zu bringen.

Und dabei natürlich immer nicht nur auf das Keyword achten, sondern auch gucken: Wenn jetzt jemand das sucht, wozu ich einen Artikel geschrieben habe, ist der für mich als Kunde auch relevant? Auch das sehe ich relativ oft, dass man eher auf die Menge abzielt als auf die Qualität.

 

Fall 5: Nicht verwertbare Inhalte

Grundsätzlich muss ich nach wie vor sagen, Content is King, aber vor allem Text Content is King. Das ändert sich natürlich, aber wenn ich jetzt einfach nur ein Video veröffentliche, wenn ich jetzt einen Podcast veröffentliche, dann ist das ja alles ganz nett, aber mit Video, Audio und zum Teil Bild kann Google halt erst mal nicht so richtig gut umgehen.

Und nochmal: Zukünftig kann sich das ändern, zukünftig wird sich das auch ändern. Gerade die neuen Technologien, die Google jetzt vorgestellt hat, zeigen ja ganz klar, in welche Richtung es geht, dass Google schon in der Lage ist, sich die Texte da rauszuziehen aus einem Video, aus einem Audio und das eben auch entsprechend zu würdigen. Ja, das wird kommen, überhaupt keine Frage.

Wird das gleichwertig mit einem Textinhalt sein? Das weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Irgendwann vielleicht schon, aber ich denke, wir haben noch ein paar goldene Jahre vor uns, wo es wirklich um Text geht. Deswegen nochmal: Fokus muss natürlich auf Text sein.

Das heißt, das, was wir zum Beispiel hier mit dem Podcast auch machen, dass in einem Blogbeitrag nochmal das Transcript drin ist, einfach das geschriebene Wort dessen, was da so gesprochen wurde, um der Suchmaschine noch ein bisschen Futter zu geben. Manchmal kriege ich auch das Feedback, dass manche Leute das einfach mitlesen, während sie den Podcast hören. Das wäre nicht so mein Nutzerverhalten, aber offensichtlich machen Leute das. Und von daher kann das natürlich auch da positive Effekte haben.

 

Finale

Zum Abschluss möchte ich noch einen wichtigen Aspekt bringen, weil Produzieren ist das eine, und ich merke auch, dass wir oft so denken. Also zum Beispiel, jede Woche muss eine neue Podcast-Folge rauskommen. Das stimmt natürlich. Und grad bei Blogs ist es auch oft so, es gibt halt eine Vorgabe dafür, zum Beispiel, wir wollen pro Monat 3 Beiträge veröffentlichen. Ich habe eben darüber gesprochen, was ich davon halte.

Aber angenommen, man hat jetzt die Vorgabe, wir wollen im Monat 3 relevante, auf Suchbegriffe abgestimmte, wertvolle Inhalte erstellen. Würde ich sagen: Yo! Passt! Aber was man nie vergessen darf: Produzieren ist das eine, Überarbeiten ist das andere.

Auch da einfach mal zu gucken: Was sind denn eigentlich Inhalte, die wir von früher noch haben, die nicht mehr aktuell sind? Und was können wir eigentlich überarbeiten?

Angenommen du hast einen Beitrag über die Frisurentrends 2010. Den kannst du in der Regel nicht mehr überarbeiten, weil das waren halt die Frisurentrends 2010, nach denen sucht niemand mehr und das Ding kann dann auch einfach weg. Und andere Beiträge, was weiß ich, die 20 wichtigsten Aktivitäten in New York, das kann sich ja auch mal verändern, weil vielleicht ein Hochhaus einstürzt oder woanders ein neuer Park entsteht oder so. Und das heißt, da musst du natürlich dann eben auch gucken: Was ist mein Content Inventory, was habe ich eigentlich alles an Content? Und eben nicht nur immer ans Produzieren denken, sondern was kann ich jetzt auch mal wirklich überarbeiten und was kann ich im Worst Case auch mal deindexieren, weil es einfach nicht mehr aktuell, weil es nicht mehr sinnvoll ist?

Das war’s! Ich hoffe, ich habe die Frage beantwortet, ob man zu viel Content produzieren kann. Die Antwort ist natürlich: Ja, man kann. Und ich hoffe, ich habe euch da ein bisschen weitergebracht in Richtung SEO. Das soll’s gewesen sein für diese Folge. Wie immer: In 2 Wochen kommt die nächste. Da könnt ihr euch jetzt schon drauf freuen. Genießt den Sommer, bleibt gesund! Und bis bald! Ciao!

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Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor, Podcaster, Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und verantwortlich für das suchradar.

Markus hat vier Kinder, spielt in seiner Freizeit gerne Klavier (vor allem Jazz) und genießt das Leben.

Ein Kommentar zu “Kannst Du zu viel Content produzieren? [Alles auf Start 42]”

  1. Niels Neumann

    Vielen Dank für den Podcast. Solange man deine 5 Punkte beachtet und eine entsprechende Qualität beibehält, bringt Content immer etwas. Gerade beim Guestposting.

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