SISTRIX im Test: Sind Daten von SEO-Tools wirklich aussagekräftig?

12. Juni 2011 | Von in SEO

Ich habe gerade die Arbeiten zu einem suchradar-Artikel beendet, in dem wir den realen SEO-Traffic von vier unterschiedlichen Websites mit dem vergleichen, was SISTRIX liefert. Den kompletten Artikel gibt’s dann im suchradar 30 (29. Juni), aber ich möchte hier schon mal einen Teil der Daten vorstellen.

Vorab: Es gibt hier nicht um SISTRIX-Bashing – im Gegenteil. Ich liebe SISTRIX & wir nutzen das Tool sehr häufig und für viele Zwecke. Ich habe mich nur für SISTRIX entschieden, weil die API so gut ist und weil es daher leicht war, an die Daten zu kommen.

Die Motivation für den Artikel lag für mich darin, dass einige Kunden die Daten von SEO-Tools an uns herantragen (zum Teil von SEOlytics oder Searchmetrics) und z. B. fragen, warum sich der Indexwert verschlechtert, während der SEO-Traffic nach oben geht.

Die Werte, die diese Tools liefern, werden von vielen Kunden als absolut realistisch eingeschätzt. Und immer wenn das passiert, weckt das meinen Wissensinstinkt. Ist es wirklich so, dass es einen Zusammenhang zwischen Traffic und Indexwert gibt?

1. Realer SEO-Traffic vs. SISTRIX-Suchbegriffe

Im Rahmen einer Analyse (basierend auf vier Websites) haben wir viele Fragen beantwortet, u.a.:

Wieviele der Suchanfragen, über die realer Traffic kam, kennt SISTRIX?

1-Wort-Suchanfragen: 26,05 %
2-Wort-Suchanfragen: 2,23 %
3-Wort-Suchanfragen: 0,5 %
>3-Wort-Suchanfragen: 0,03 %

Wieviele Besucher kamen über Suchanfragen, die SISTRIX kennt?

1-Wort-Suchanfragen: 87,13 %
2-Wort-Suchanfragen: 12,52 %
3-Wort-Suchanfragen: 4,46 %
>3-Wort-Suchanfragen: 0,11 %

Für die gesamte Auswertung verweise ich wie gesagt aufs suchradar, aber insgesamt sieht man schon, dass SEO-Tools natürlich Grenzen haben, vor allem im Long-Tail. SEO-Tools kennen also immer nur einen kleinen Ausschnitt der Suchanfragen, die für eine Website wirklich relevant sind.

2. Realer SEO-Traffic vs. SISTRIX-Sichtbarkeitswerte

Wenn SISTRIX & Co. also nur einen kleinen Ausschnitt betrachten, muss das ja nicht schlecht sein – wie das folgende Beispiel zeigt:

seo-tools-1

Wir haben für alle Websites, die wir für den Test benutzt haben, SISTRIX-Sichtbarkeitswerte und den SEO-Traffic auf Monatsbasis und normiert gegenübergestellt und eine Korrelation berechnet. Das Beispiel zeigt eine der Website, bei denen es eine fast perfekte Korrelation (0,9) gibt.

Denn auch wenn SEO-Tools nur einen kleinen Ausschnitt beobachten, hat das natürlich schon Aussagekraft für den Rest.

Der Grund dafür ist vor allem darin zu sehen, dass viele Ranking-Faktoren eben doch für eine ganze Domain berechnet wurden. Wenn sich das Ranking also z. B. für den Suchbegriff “golfurlaub” (ein Suchbegriff, den das SEO-Tool kennt) auf Grund höherer externer Verlinkung verbessert, wird es sich wahrscheinlich auch für angrenzende Suchbegriffe wie “golfurlaub spanien” oder “golfurlaub platzreife machen” verbessern (Suchbegriffe, die das SEO-Tool vielleicht nicht kennt).

Der Ausschnitt, den ein SEO-Tool kennt und beobachtet, lässt also doch in der Regel Rückschlüsse auf den gesamten SEO-Traffic zu. Es mag hier im Einzelfall Ausnahmen geben, wenn sich auf einer Website sehr viele Inhalte zu sehr speziellen Suchbegriffen befinden. In der Praxis dürfte das allerdings sehr selten vorkommen.

Wir haben aber auch eine Website gefunden, bei der es nur eine Korrelation von 0,08 gibt. Die Ursache liegt dabei in der Saisonalität der Website (viel Traffic zwischen April und September, kaum Traffic im Rest des Jahres). Derartige Faktoren werden von SEO-Tools naturgemäß nicht abgedeckt.

Mein Fazit

Ich fand den Test unglaublich spannend. Wie gesagt: Für die volle Auswertung sei auf das suchradar 30 verwiesen, aber mein Fazit in aller Kürze ist klar:

SEO-Tools kennen nur einen kleinen Teil der Suchanfragen, die wirklich zu Traffic geführt haben. Es gibt Suchbegriffe, die das SEO-Tool kennt, die zu keinem Traffic führen. Und es gibt jede Menge Suchanfragen, die zu Traffic führen, aber die das SEO-Tool einfach nicht kennt – und das nicht nur im Long Tail.

Dennoch lässt sich so relativ verlässlich der SEO-Traffic schätzen – auch wenn saisonale Faktoren und andere Faktoren, die für höhere oder niedrigere Suchvolumina sorgen können, hier meist außen vor bleiben.

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Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und SEO Advocate der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor, Podcaster, Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und verantwortlich für das suchradar.

Markus hat vier Kinder, spielt in seiner Freizeit gerne Klavier (vor allem Jazz) und genießt das Leben.

7 Kommentare zu “SISTRIX im Test: Sind Daten von SEO-Tools wirklich aussagekräftig?”

  1. Michael

    Na, da bin ich mal gespannt auf den Artikel. Ich fände interessant, auszuwerten, ob die Korrelation mit höherer Sistrix-Sichtbarkeit genauer wird. Hast du sowas auch drin?

  2. Christian

    Schön zusammengefasst. Da jedes SEO Tool nur eine Keyword-Stichprobe zur Berechnung heranziehen kann, wundern mich eure ermittelten Werte nicht. Spannend wird es natürlich, wenn man nun noch jedem Keyword einen monetären Wert zuordnet (Konversionswahrscheinlichkeit, CPC, etc.).

  3. Malte

    Das Ganze war auch Thema auf der SEMSEO. Hier hat Uwe Tippmann die SISTRIX-Sichtbarkeitswerte einer Domain zum Thema “Weihnachten” mit der Suchreichweite aus dem SEO-Tool SEO-Diver verglichen. Während die Domain das ganze Jahr über gut rankte (gleichbleibend hoher SISTRIX-Wert), betrug die Suchreichweite, abgesehen von den Monaten November/Dezember, nahezu null. Die Domain war also rein theoretisch das ganze Jahr über sichtbar, aber kaum ein Mensch hat sie da tatsächlich gesehen! Es gibt also doch SEO-Tools, die derartige Faktoren abdecken.

  4. Markus

    Guter Punkt.

    Die Frage ist aber auch, ob ich die saisonalen Schwankungen eigentlich wissen möchte. Der Sichtbarkeitsindex hilft mir ja, weil ich an seinem Absacken erkennen kann, dass Google die Site nicht mehr mag.

    Mir persönlich ist relativ egal, ob da saisonale Faktoren reinspielen. Es macht nur die Korrelation von Traffic und Indexwert zunichte.

  5. Olaf

    Hallo Markus,

    ich finde gut, dass sich nun mehr kritisch mit der Aussagekraft von Sichtbarkeits Indizes beschäftigt wird. Ich habe dazu auch im April einen Beitrag geschrieben: http://www.online-marketing-deutschland.de/seo/seo-sichtbarkeits-kennzahlen-wie-aussagekraftig-sind-sichtbarkeitsindex-co/

    Die Keyword Datenbasis ist wie hier beschrieben wurde der kritische Punkt. Bei sehr nischigen Branchen wird es zwangsläufig schnell zu unbefriedigenden Zahlen führen, da Begriffe, die eine hohe Relevanz haben für das Geschäft meist nicht in der Keyword Datenbasis der Tool Anbieter erfasst sind.

    Ich würde Sichtbarkeits Indizes auch nur in die Bewertung der historischen Entwicklung der Sichtbarkeit einer Domain betrachten. Eine Aussage über die generelle Sichtbarkeit halte ich für kritisch.

  6. Olaf

    kleiner Zusatz noch: Sinn macht es natürlich über selbst angelegte Keyword Sets die Sichtbarkeit zu bewerten.

  7. hemp

    Wer sich die Verteilung der unterschiedlichen Ordner bei de-de.facebook.com anschaut siehe SISTRIX-Auswertung in Abbildung 1 erkennt schnell dass die meisten Rankings eindeutig fr Suchanfragen rund um Personen existieren.

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