Musst Du Technik können, um SEO zu sein? [Search Camp 225]

26. April 2022 | Von in Search Camp + Alles auf Start, SEO

Technikthemen gibt’s genug: Cookies, URL, HTTP-Header, Status Codes, DNS, HTML-Code, JavaScript, CSS. Muss man das wirklich ALLES draufhaben, um sich SEO nennen zu dürfen? Und was sollte man MINDESTENS können?

 

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Musst Du Technik können, um SEO zu sein?

Ich habe heute ein Thema mitgebracht, auch wieder basierend auf Input von euch. Eine Frage, die letztens wieder in einem Seminar kam. Und ja, die Frage ist, “Musst du Technik können, um ein guter SEO zu sein?” Und die Frage ist natürlich nicht so ganz einfach zu beantworten, aber ich möchte dir heute schon wichtige Punkte mitliefern, ob du dich da tiefer reinwühlen sollst in das Thema oder eben nicht.

 

Warum Technik und SEO?

Ja, ich fange mal vorne an. Erst mal insgesamt glaube ich ja, das Thema SEO wird nach wie vor häufig zu technisch gesehen. Das hat vielleicht auch einen Grund. Das hat zum Beispiel den Grund, dass viele der, ich sage mal, klassischen SEOs, die kommen vielleicht auch eher aus der Programmier-Ecke.

Das schließt mich zum Beispiel ein, ich komme eigentlich eher so aus dem Informatikbereich. Ich kann programmieren, ich verstehe das auch alles und deswegen kann es auch sein, dass diese klassischen SEOs da draußen natürlich immer noch das Thema etwas dominieren.

Und es ist natürlich auch so, dass es durchaus Websites gibt, die von Technical SEO durchaus profitieren können. Ja, insgesamt muss man natürlich sagen, manchmal gibt es technische Probleme, die eine Indexierung behindern oder verhindern. Und manchmal gibt es aber auch technische Potenziale, die Rankings verbessern. Und manchmal gibt es auch zum Beispiel technische Sachen, die definitiv gegen Best Practices sind, aber Google frisst das trotzdem perfekt.

Eines meiner Lieblingsbeispiele ist die Existenz von Umlauten in URLs, die darf es eigentlich gar nicht geben. Also im Domainnamen schon. Aber in dem URL Pfad dahinter, da hat ein Umlaut oder auch andere Sonderzeichen eigentlich nichts zu suchen. Und was passiert? Google kommt da prima mit zurecht. Kann man einfach mal suchen. Tippe mal in Google da oben ein „inurl:ä“ und du wirst URLs finden, in denen Ä vorkommt, obwohl das eigentlich noch mal gegen jeden Standard ist. Sollte man nicht machen. Jedes SEO-Tool wird laut aufschreien, wenn das passiert und es funktioniert trotzdem. Das heißt, dieses technische Thema ist auch nicht immer ganz leicht zu greifen, weil es eben Sachen gibt, um die muss man sich kümmern. Es gibt Sachen, um die kann man sich kümmern und es gibt ehrlich gesagt auch Sachen, die kann man perfekt links liegen lassen.

 

Welche technischen Themen gibt es denn so?

Insgesamt haben wir natürlich viele technische Themen. Also wenn du wirklich alles verstehen willst, dann solltest du eigentlich diesen ganzen Stack beherrschen, also Cookies, wie funktionieren URLs? Was ist ein http Header? Was steht da drin im http Header? Was sind eigentlich Status Codes? Wie funktioniert das mit dem DNS? Vor allem natürlich: Wie sieht HTML Code aus? Wie funktioniert JavaScript? CSS? Das Nachladen von Bildern?

Da gibt es so viele Themen, aber auch serverseitig, also Scriptsprache wie PHP, Datenbanksysteme über SQL, CDNs, um Dateien schnell irgendwo abzulegen. Gibt so viele Themen und ich merke natürlich, völlig klar, dass nicht alle – und das ist noch schöner Euphemismus – nicht alle sind wirklich in all diesen Themen fit.

 

Und das muss ich alles können?

Da muss man natürlich primär sagen, es hängt von deinem Einsatzgebiet ab. Wenn du Redakteur bist oder du bist im Produktmanagement, dann, in meinen Augen, musst du das nicht können. Wenn du in einer SEO-Agentur arbeitest, ja. Wenn du bei einer Werbeagentur arbeitest und da vielleicht SEO machst, natürlich auch. Also es hängt einfach davon ab.

Ich glaube, es gibt nicht so diesen SEO First Grade und Second Grade, sondern es hängt einfach davon ab. Ich glaube, du kannst SEO machen, ohne auch nur einmal irgendwas mit Technik zu tun gehabt haben. Das heißt, du kannst auch Informatik studieren, ohne zu programmieren. Das geht. Ich finde es natürlich grundsätzlich hilfreich, wenn man das alles beherrscht.

 

Was sind denn die Mindestanforderungen?

Ich habe mir Gedanken dazu gemacht, was sind eigentlich die Themen, die man wirklich draufhaben sollte, wenn man alles andere mal links liegen lässt? Also was ist eigentlich so, wenn man sagt, Ja, ich möchte, aber technical SEO, da möchte ich zumindest das gesunde Partywissen haben, was sollte man sich eigentlich drauf schaffen? Und da habe ich jetzt eine Liste mit sechs Punkten.

Punkt Nummer eins: Status Codes. Status Code sind extrem wichtig, also eine Seite, die existiert, die liefert einen Status Code 200 zurück. 404, wenn es sie nicht mehr gibt und solche Sachen. Und das sollte man schon draufhaben, einfach weil es sehr entscheidend ist für alles, was später hinten heraus passiert.

Das zweite Basic, was man schon draufhaben sollte, ist die Grundlagen von HTML Code. Ich finde es grundsätzlich hilfreich, wenn man mal in den Code gucken muss, dass man sich zumindest so ein bisschen zurechtfindet. Also die Grundstruktur HTML, Head, Body, wie sieht ein Link aus, das glaube ich, sollte man mal gesehen haben.

Das dritte, die grundlegende Pipeline zu verstehen, nämlich dass vier Sachen hintereinander passieren müssen, damit etwas im Index landet. Nämlich Discovery, also die URL muss gefunden werden. Crawling, sie wird heruntergeladen. Rendering, sie wird eben inklusive aller Ressourcen einmal angeguckt oder es wird ein Abbild der Seite gemacht. Und dann der vierte Schritt Indexierung. Und an all diesen Schritten können Sachen passieren. Und deswegen ist es nach wie vor wichtig, dass man überhaupt erst mal versteht, dass es diese Abfolge von Schritten gibt.

Das vierte, was man draufhaben sollte in meinen Augen, ist das Thema Markup. Also wie kontrolliere ich Markup? Zum Beispiel mit dem Test-Tool für Rich-Suchergebnisse. Aber auch, dass man in der Google Search Console Warnungen und Fehler auseinanderhalten kann und überhaupt sich der Konsequenzen dessen bewusst ist.

Das fünfte ist grundlegende Maßnahmen zur Kontrolle von Indexierung und Crawling und das umfasst primär vier Sachen, nämlich noindex, robots.txt, Canonical Tag und XML-Sitemaps. Da sollte man grundsätzlich verstehen, wie das ineinandergreift. Zum Beispiel, dass noindex und robots.txt gleichzeitig wenig Sinn ergibt. Aber auch zum Beispiel noindex und Canonical Tag gehören nicht zusammen. In die XML-Sitemap gehören nur indexierbare URLs. Das sollte man alles mal gesehen haben.

Und dann gibt es den sechsten Punkt, nämlich wenn Internationalisierung für dich wichtig ist, dann solltest du auch die grundsätzlichen Regeln für International SEO kennen. Weil auch da gibt es technische Themen, nämlich vor allem die Hreflang Tags.

 

Mehr brauche ich nicht?

So, das wäre so das, was man sich drauf schaffen sollte, diese sechs Themenbereiche. Da gibt es auch ein Seminar von mir dafür, “Technical SEO für Einsteiger”, da ist das alles mit drin.

Ich sehe natürlich ein Grundproblem – und das hat jetzt nichts mit SEO zu tun, sondern mit Menschen – nämlich “If you don’t use it, you lose it.” Also ich kann mir das Wissen einmal drauf schaffen. Aber wenn ich das extrem selten brauche, vielleicht nur alle drei Jahre mal, dann habe ich es bis dahin wahrscheinlich schon wieder vergessen. Dann sollte man sich es auch gar nicht erst drauf schaffen. Also wenn man dieses Wissen hat, dann sollte man es auch zur Anwendung bringen oder regelmäßig zumindest mal auffrischen.

 

Wie wahrscheinlich sind technische Probleme?

So, das erst mal so zu den wichtigsten Basics. Ich habe noch ein paar Fragen mitgebracht, nämlich meine Einschätzung dazu: Wie wahrscheinlich ist es eigentlich, dass deine Website oder dass eine Website, für die du verantwortlich bist, technische Probleme hat? Also irgendetwas, was Indexierung verhindert oder behindert? Oder dass der Index mit irrelevanten Seiten zugemüllt wird.

Und da muss ich sagen, ja, das kann passieren. Aber die Frage war ja, wie wahrscheinlich ist das? Und ich denke, die Wahrscheinlichkeit ist relativ gering. Hängt aber vor allem vom Einzelfall ab. Also gerade, wenn du eine größere, komplexere Webseite hast, vielleicht sogar eine Individualprogrammierung, dann würde ich sagen, sind die Chancen durchaus höher. Wenn du jetzt ein normales Content Management – und normal bitte in Anführungsstrichen – Content Management System oder Shop System hast, also einfach eine Shopware 5 oder 6 von der Stange oder du holst dir WordPress, dann ist es extrem unwahrscheinlich, dass du da irgendwas hast, was die vorgenannten Kriterien erfüllt.

Dann haben wir auch noch das Problem oder den Vorteil, selbst wenn du ein technisches Problem hast, wird Google vieles auch selbst korrigieren oder in irgendeiner Weise verzeihen. Also der Klassiker, du hast keinen Canonical Tag, vollkommen egal, Google kanonisiert auch ohne das, das kriegen die hin.

Jetzt ist natürlich meine Sichtweise und auch glaube ich, die Sichtweise vieler anderer SEOs häufig ein bisschen eingenebelt, weil ich zum Beispiel kriege häufig so ganz harte, schwere Fälle auf den Tisch und dann könnte ich natürlich schnell den Schluss ziehen, dass viele Websites technische Probleme haben. Aber ich kriege ja nur eine ganz bestimmte Auswahl an Fällen. Und nochmal, das, was da standardmäßig rauskommt, wenn man sich eine Webseite machen lässt, hat häufig kein technisches Problem.

 

Wie wahrscheinlich sind technische Potenziale?

Die andere Frage ist natürlich, wie wahrscheinlich ist es, dass deine Website Potenziale auf technischer Ebene hat. Also dass du etwas technisch machen kannst, was deine Rankings verbessern kann.

Und da sehe ich natürlich vor allem so Themen wie Markup und Page Speed. Deswegen gerade Markup sollte man natürlich wirklich draufhaben. Das ist auch für ganz viele Stellen, finde ich, ein relevantes Thema. Page Speed ist natürlich ein anderes Thema. Wer nicht so hundertprozentig technisch fit ist, der sollte sich mit Page Speed eigentlich nicht wirklich rumärgern. Natürlich gibt es so Sachen, weiß nicht, dass du mega Bilder hast oder irgendwas, aber andere Themen wie Preload oder Preconnect oder überhaupt Code Coverage Themen zum Beispiel, also dass deine CSS-Dateien oder JavaScript-Dateien zum Beispiel einfach zu voll sind und einiges davon könnte gestrichen werden, das sind leider relativ komplexe Themen.

Und da bin ich eher dafür, dass man sich dann für solche Themen eben Spezialisten sucht. Die können das schneller, die können das effizienter, die können das zielsicherer machen, als dass du dich da irgendwie so ein bisschen reinfuchst, weil nochmal, gerade Page Speed Optimierung ist halt echt ein Thema für sich, wo man schon echt den ganzen Stack kennen sollte und wo man wirklich wissen sollte, ja, welche Möglichkeiten man da eigentlich wirklich hat. Und ohne technisches Wissen wird das echt eine harte Nummer werden. Macht überhaupt keinen Sinn.

 

Wenn es nicht Technik ist: Was dann?

Ja, kommen wir eigentlich, glaube ich, zum Abschluss mit einer wichtigen Zusammenstellung, also noch nicht abschalten, bitte. Nämlich – ich habe es an vielen Stellen schon mal gesagt – ich glaube, das SEO-Thema gewinnen wir in der Regel nicht mit Technik. Und dann ist da die Frage, wenn wir es damit nicht gewinnen, womit gewinnen wir es dann? Jetzt sag doch mal!

Ich glaube, dass es die großen Themen sind. Einmal Content. Und dann das große Thema Off Page Signale, was viele auf Linkaufbau reduzieren, was ich definitiv nicht so sehe.

Wenn ich SEO wäre, also angenommen ich würde jetzt irgendwo heute raus plumpsen und ich würde sagen, ich will SEO werden, womit sollte ich mich denn jetzt mal wirklich beschäftigen? Dann wären es eben diese beiden Themen und vor allem mit Content. Also dass du Sachen beherrscht wie Themenrecherche, also vor allem Keyword Recherche natürlich.

Und dann natürlich Erstellung neuer Inhalte, Optimierung bestehender Inhalte. Wie geht man da ran? Wie kann man das selbst machen? Wie kann man Briefings schreiben, damit andere Leute das richtig machen? Insgesamt das ganze Thema Customer Journey. Also nicht zu gucken, diesen Inhalt mache ich jetzt, weil er ein so Volumen hat von Tausend. Sondern, wie wird mir dieser Inhalt helfen, wenn ich dafür ranke, um damit Geld zu verdienen? Weil das ist die einzig relevante Frage am Ende des Tages.

Ansonsten noch beim Thema Content bleibend, zum Beispiel Kannibalisierung wäre noch ein Thema, was man natürlich draufhaben sollte. Featured Snippets, auch weil sie an immer mehr Stellen ausgespielt werden und sicherlich über Jahre noch relevant sein werden.

Aber auch Themen wie Audio und Video, also zum Beispiel YouTube. Was kann ich da machen? Podcast ist eher nicht so ein richtiges Content-Thema. Ich weiß nicht, ob es das jemals unbedingt werden wird. Bildersuche ist natürlich auch hier ein Thema. Auch das hat viel mit Content zu tun.

Und natürlich eines meiner Lieblingsthemen, nämlich Content für Backlink-Generierung. Und nochmal, das hat alles mit Technik jetzt überhaupt nichts zu tun. Da gehe ich einfach davon aus, dass das, was ich da an Systemen hingelegt kriege, dass das schon passen wird. Dass da Canonical Tags drin sind, dass die HTTP Codes stimmen und so. Nochmal, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ist das leider nicht so. Aber das würde ich vielleicht eher anderen Leuten überlassen, wie gesagt, bis auf die Basics, die ich einmal oben erklärt habe, die sechs Basics, die man natürlich trotzdem draufhaben sollte. Und wenn es nur als Partywissen ist oder dass man, wenn man mal mit Hardcore SEOs zusammensteht, zumindest halbwegs versteht, wovon die eigentlich sprechen.

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Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und SEO Advocate der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor, Podcaster, Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und verantwortlich für das suchradar.

Markus hat vier Kinder, spielt in seiner Freizeit gerne Klavier (vor allem Jazz) und genießt das Leben.

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