Wie Google mit “verstecktem” Text umgeht: Kann “Click to expand” negativ gewertet werden?

24. November 2014 | Von in SEO

Seit einigen Tagen gibt es einen kleinen Aufreger – vor allem unter US-SEOs. Es gibt dabei um die Frage, wie Google mit “Click to expand” umgeht. Eine Frage, die durchaus massive Auswirkungen auf Website-Betreiber haben kann.

Mit “click to expand” ist z. B. so eine Seite gemeint, bei der nur ein Teiltext sichtbar ist:

Bild

Erst wer auf “mehr” klickt, erhält den vollen Text:

Bild

Es gibt aber natürlich auch andere HTML-Konstrukte, bei denen es kritisch werden kann, denn theoretisch werden bei “Tabs” auch Inhalte der anderen Tabs “versteckt”:

Bild

Und auch bei einem Slider ist ja nur ein Element sichtbar, während die anderen “versteckt” sind.

Bild

Was sagt Google datz?

In einem Video-Chat (beginnt bei ca. 11:20) ist John Mueller von Google bei der Frage zu “Click to expand” insgesamt recht unpräzise, was er damit begründet, dass ihm noch eine Antwort der entsprechenden Abteilung fehlt:

Interessant ist aber in jedem Fall das folgende Statement:

if we can recognize that the content is actual hidden, then we’ll just try to discount it

Und:

the user doesn’t see it, therefore it’s probably not something that’s critical

Es stellt sich mir schon die Frage, was mit “discount” gemeint ist, denn man kann nach wie vor Texte finden, die nach Meinung von Google “hidden” sind. Wenn man z. B. nach einem “versteckten” Text auf der Verteilerbau-Seite (Beispiel oben) sucht, kann Google diesen trotzdem prima finden:

Bild

Analog funktioniert das auch bei allen anderen Methoden des “Versteckens” – zumindest alle Beispiele, die ich durchprobiert habe. Also: Es scheint zumindest nicht so zu sein, dass Google die “versteckten” Texte einfach verwirft. Vielleicht werden die konkreten Textsegmente abgewertet, aber das kann man leider nicht so einfach prüfen.

Also?

Grundsätzlich empfehlen wir Website-Betreibern darauf zu achten, dass die wichtigsten Informationen eben auch direkt sichtbar sind. Ansonsten kann es zu Nachteilen kommen. Ob es bereits heute zu realen Nachteilen, ist nicht zu prüfen, aber grundsätzlich ist wohl klar, welchen Weg Google gehen will. Da Google CSS-Dateien auswerten kann, kann Google auch erkennen, ob Inhalte versteckt sind oder nicht.

Ich finde es schade, dass Google hier in seinem Hangout keine eindeutige Antwort gegeben hat. Es wäre wohl mehr als sinnvoll, wenn Google hier in den nächsten Tagen eine offizielle Erklärung nachliefert.

Droht eine Abstrafung?

Bei “versteckter Text” kann man ja auch andere Assoziationen bekommen – vor allem, wenn man in den Google-Richtlinien unter “Verborgener Text und verborgene Links” nachschaut. Hier würde ich aber ganz klar Entwarnung geben, denn selbst Google sagt:

Wenn Sie Ihre Website auf verborgenen Text oder verborgene Links überprüfen, suchen Sie nach allen Elementen, die für die Besucher Ihrer Website nur schwer sichtbar sind. Befinden sich diese Texte bzw. Links lediglich für Suchmaschinen und nicht für Ihre Besucher auf Ihrer Website? […] handelt es sich nicht bei jedem verborgenen Text um eine Täuschung.

Und diese Frage kann man wohl bei den meisten genannten Fällen verneinen. Also: eher keine Gefahr – außer, wenn man eben wirklich reine SEO-Inhalte “versteckt”.

Fazit

Wie schon gesagt: Ich kann mir gut vorstellen, dass Google die “versteckten” Texte geringer wertet, aber das kann man leider nicht testen. Grundsätzlich werden die Texte jedenfalls nicht verworfen, da man nach ihnen suchen kann.

Akuten Handlungsbedarf sehe ich auch nicht – vor allem aber nicht, weil ich ihn anhand der Faktenlage nicht begründen kann. Dennoch: Wer an einen Relaunch denkt, sollte sich auch der Frage widmen, wie man die wichtigen textlichen Inhalte einer Website auch direkt anzeigen kann.

Nächste Events

Meet Magento 2019: Das “Das SEO-Content-Playbook für Shops”

Treffen Sie Bloofusion auf der Meet Magento 2019 in Leipzig (3. + 4. Juni 2019). Unser Head of SEO Markus Hövener stellt dort das Content-Playbook vor: Welchen Content brauchen Onlinehops an welchen Stellen? Viel oder wenig? Oben oder unten? Mit Keywords oder nicht?

The following two tabs change content below.

Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor (International SEO), Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEA und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.

10 Kommentare zu “Wie Google mit “verstecktem” Text umgeht: Kann “Click to expand” negativ gewertet werden?”

  1. Frank

    Genau, dass habe ich mich auch schon gefragt. Wie mit solchem Text umgegangen wird. Da ich es selbst auch hin und wieder gern einsetze, um etwas Platz zu sparen.

  2. Axel

    Ein Thema, das mich auch gerade umtreibt. Eine Diskontierung (was auch immer das genau heißen soll) mag für Desktops noch sinnvoll erscheinen, aber auf mobilen Endgeräte mit deutlich reduzierter Anzeigefläche ist die UX ggf. sogar besser, wenn Inhalte erst nach explizitem Klick – und damit User-Wunsch – vollumfänglich dargestellt werden. Wobei auch hier Google mit responsive Content gegenhalten könnte, statt Desktop-Inhalte einfach nur gekürzt mit einem “mehr…”-Button anzuzeigen. Wäre trotzdem hilfreich, wenn John Müller für mehr Klarheit sorgen könnte. 😉

  3. Tim Tics

    Das Problem ist selbst für Google noch viel komplexer, als sie zugeben wollen. Beispiel Tabs:
    Auf dem Smartphone sieht man nur ein Teil des ersten Inhaltsblocks (wegen der Textlänge), alle anderen werden untereinander dargestellt und sind nach scrollen/wischen sichtbar. Auf Tablets wird, warum auch immer, die Tabs gar nicht dargestellt (möglich, da Zielgruppe der Webseite im Kontext zu Tablets, ein anderes Verhalten an den Tag legt). Und auf Desktop werden halt die Tabs dargestellt, allerdings mit einem Gimmick, dass pro Seitenaufruf, immer ein anderer als erstes auf ist.
    Jetzt frage ich mich, wie sollte Google oder andere in der Lage sein, dass anständig zu bewerten?

    Ich glaube Google geht es nur darum, dass derartige Inhalte so priorisiert werden soll, dass das wichtigste bei allen Geräten und Situationen, direkt eingeblendet werden sollen.
    Alle anderen Inhalte werden vermutlich schwächer bewertet; ähnlich als ob der Inhalt sehr weit unten einer Seite ist.

    Handlungsbedarf sehe ich hier auch nicht. Hauptsache es werden halt keine Inhalte gänzlich versteckt; alle anderen, wie Tab-Inhalte, sind ja für den Besucher bestimmt.

  4. kartinka

    Ein wirklich schwieriges Thema. Denn welcher User mag schon viel Text und dann auch noch Texte, die nach SEO aussehen? Also müssen Klapp- oder Weiterlesen-Varianten her. Mal sehen wie es sich in Zukunft entwickelt… Wir schauen mal 😉

  5. Synth

    Ich muss sagen, dass ich die Klapptexte nicht unbedingt für sinnvoll erachte. Ich denke es ist optisch ganz nett, aber entspricht doch nicht dem gewohnten Lesefluss. Auf Desktops und Ipads halte ich es daher nicht für relevant.
    Für Smartphones halte ich es jedoch für wirklich sinnvoll, vor allem wenn diese Teilbereiche erst im Nachhinein geladen werden.
    Schwach finde ich, wie fast immer, dass Google nicht transparent ist und mal eine klare Aussage formuliert.

  6. Lucien

    2013 hatte sich Matt darüber schon mal geäußert: https://www.youtube.com/watch?v=EsW8E4dOtRY

    Das Fazit habe ich so verstanden, als gäbe es kein Problem mit “Click to expand”-Text.

    Das stimmt jetzt also nicht mehr oder wie?

  7. Markus Hövener

    Die Frage an Matt Cutts war ja, ob das “spammy” ist. Und das hat er verneint. Das bedeutet natürlich nicht im Umkehrschluss, dass deswegen auch die Texte gewertet werden.

    Mir fehlt hier aber auch eine eindeutige Antwort von Google. Wäre gut, wenn die sich dazu mal vollständig äußern würden.

  8. Netz Schmiede

    Im deutschen Webmaster Central -Hangout vom 4.6.2015 geht Johannes Müller in den ersten 20 Minuten auf einige Aspekte ein:

    Tabs, Navigation, versteckte Texte, etc.

  9. Fragen über Fragen

    Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Texte z.b. in Slidern mit Autoplay gar nicht gewertet werden. Dass es spammy wäre, hätte mich auch sehr überrascht. aber es ist gut zumindest in diesem Punkt mehr Klarheit zu haben.

  10. Peter

    Danke für die Informationen … Ich liebe es, wie Sie Dinge erklären.

Kommentieren