Innensicht vs. Außensicht – und was das mit SEO zu tun hat! [Alles auf Start 32]

18. März 2021 | Von in Search Camp + Alles auf Start, SEO

Viele Unternehmen – auch und vor allem aus dem B2B-Bereich – denken noch viel zu oft in der Innensicht. Aber für SEO ist das gar nicht so vorteilhaft, da gerade SEO in der Regel die Außensicht braucht. In welchen Bereichen kann die Außensicht hilfreich sein? Und mit welchen Tools kann man sich hier helfen?

 

Keine Ausgabe unserer Podcasts mehr verpassen?
Dann melde Dich jetzt mit Deiner E-Mail-Adresse für unseren wöchentlichen SEO-Alert-Newsletter an:

Mit der Registrierung erklären Sie Ihr Einverständnis zum Erhalt der Update mit Revue sowie zur Analyse der Öffnungs- und Klickraten. Zu Ihrer Sicherheit erhalten Sie vorab eine Mail einem Bestätigungs-Link (Double-Opt-In). Sie können sich jederzeit mit dem Abmeldelink in einer Mail vom Newsletter abmelden.

 

Die wichtigsten Podcast-Links:

 

Innensicht vs. Außensicht – und was das mit SEO zu tun hat!

Heute wieder mit einer neuen Episode, und zwar zum Thema „Innensicht vs. Außensicht“. Die Begriffe, glaube ich, muss ich jetzt nicht mehr wirklich erklären, aber ich muss erklären, was das eigentlich mit SEO zu tun, weil das hier ist ja ein SEO-Podcast. Und das werde ich gleich machen.

Der Punkt, den ich nämlich feststelle, ist, dass viele Unternehmen noch in der Innensicht hängen für SEO, aber die Außensicht wichtig wäre. Ich habe gleich bei den Beispielen mir relativ oft so B2B-Unternehmen herausgesucht. Vielleicht aus gutem Grund, weil die relativ oft damit Probleme haben, sich wirklich in die Außensicht zu begeben. Es gilt aber natürlich analog für alle anderen Unternehmen auch. Und gerade eben auch für Start-ups, die einfach sehr begeistert sind von ihrem Produkt und deswegen manchmal so die Außensicht vielleicht relativ gut ausblenden können.

Lass uns doch einfach mal anfangen. Ich habe nämlich 5 SEO-Bereiche mitgebracht, wo ich wirklich denke, dass das Thema „Innensicht vs. Außensicht“ dort besonders wichtig ist.

 

#1: Benennung von Produkten und Leistungen

Das ist ein klassisches Keyword-Thema. Die grundlegende Frage ist eigentlich immer: Wie nenne ich Sachen auf meiner Website? Für SEO kann es schon deutlich vorteilhaft sein, wenn ich Sachen so benenne, wie sie auch wirklich in Suchmaschinen gesucht werden. Das heißt, wenn ich mir zum Beispiel die beiden Suchbegriffe „Schraubenzieher“ und „Schraubendreher“ angucke, muss ich sagen, eines davon wird häufiger gesucht als das andere. Und deswegen wäre es gut, wenn ich den am häufigsten gesuchten Suchbegriff nehme.

Ich muss nämlich eigentlich wissen: Wie suchen eigentlich meine Zielkunden danach? Nicht nur: Wie nenne ich das Ding und wie ist es vielleicht technisch gesehen auch der vollkommen korrekte Suchbegriff?

Dieses Problem haben wir relativ oft. Es gibt zum Beispiel auch regionale Synonyme. Wir alle kennen das mit Brötchen oder Schrippen. Oder die einen feiern Fasching, die anderen feiern Karneval. Nicht in diesem Jahr, aber grundsätzlich gibt’s diese ganzen Unterschiede. Oder Fastnacht.

Und es gibt die Sachen, wo es einen fachlich korrekten Suchbegriff gibt, und es gibt den alltagssprachlichen Suchbegriff. Das hat man schon mit „Schraubenzieher“ und „Schraubendreher“. Aber es gibt zum Beispiel auch gerade im medizinischen Bereich, und da habe ich auch lange Jahre viele Websites optimiert, es gibt zum Beispiel die Wechseljahre und es gibt das Klimakterium. Das eine ist halt der alltagssprachliche Begriff, das andere ist halt der medizinische Fachbegriff oder der lateinische Begriff. Man ahnt es, aber Wechseljahre wird deutlich häufiger gesucht, auch weil Klimakterium irgendwie eher so wie Bakterium klingt, also eher wie was Negatives vielleicht. Und Wechseljahre, Wechsel kann ja an sich noch was Schönes sein.

Ich glaube, es gibt einfach einen Grund, warum wenig Leute eher alltagsprachliche Begriffe nutzen. Das ist bei einigen Themen anders. So zum Beispiel Diabetes und Zuckerkrankheit, das war früher vielleicht anders, aber jetzt mittlerweile hat sich Diabetes einfach, hat sich auch der Fachbegriff durchgesetzt. Aber bei solchen Themen ist es dann eben noch andersherum.

Deswegen nochmal: Es ist wichtig, wie ihr eure Produkte benennt oder auch eure Leistungen auf der Website, gleiches Spiel. Deswegen müsst ihr auf jeden Fall immer Keyword-Datenbanken benutzen und dann einfach mal beides eingeben. Und dann eben schauen, okay, wie genau wird das jetzt gesucht.

 

#2: Linkaufbau/Backlinks

Es ist ja wichtig, dass möglichst viele andere Websites auf deine Webseite verlinken. Die Frage ist eigentlich: Warum sollte eigentlich jemand auf dich verlinken?

Oft komme ich in Unternehmen rein, die sagen: Wow! Ja, wir sind ein geiles Unternehmen, wir haben ein tolles Team. Hey! Wir haben die besten Produkte. Das stimmt auch, aber das ist die Innensicht. Von außen gesehen, wenn man dieses Unternehmen nicht kennt, dann kriegt man das in der Regel gar nicht mit. Von außen gesehen gibt’s also gar keinen Grund für mich darauf zu verlinken. Also die in der Innensicht brennen alle für ihr Unternehmen, total genial, schön, hat man auch total oft, finde ich, aber in der Außensicht interessiert das eigentlich niemanden.

Dann ist halt die Frage: Wie können denn dann eigentlich Links entstehen? Weil natürlich die in der Innensicht, die würden alle sagen, natürlich verlinke ich auf die, ist ja ein geiles Unternehmen. Die von außen sagen halt: Warum jetzt?

Und ein Weg ist eben, den Weg über Inhalte zu gehen. Mit Inhalten kann man den Grund schaffen für Verlinkungen. In dem Augenblick, wo ich nur Produkte habe, nur Leistungen auf meiner Website, gibt es für andere wenig bis gar keinen Grund auf mich zu verlinken.

Dafür muss man eben auch in die Außensicht gehen, was ist denn für die Außensicht wichtig? Also nicht für die Außensicht, aber: Was ist für Menschen da draußen wichtig? Was finden die spannend, um auf mich zu verlinken?

Und wie gesagt, nicht, dass ich irgendwo den Screw Master 2000 habe, was sicherlich ein sehr tolles Produkt ist, aber es reicht halt nicht. Aber ich kann ja auf die Idee kommen, ich mache eine jährliche Trendanalyse für meine Branche. Ich liefere einen Bericht von einer wichtigen Fachmesse, der eben allen in meiner Branche hilft. Ich stelle die fünf wichtigsten Apps für meine Branche vor. Ich analysiere Veränderungen, zum Beispiel, weil es irgendwo eine rechtliche Anpassung gab, oder, oder, oder. Es gibt so viele Ideen.

Und wenn ich diesen Content habe, dann kann es eben auf einmal passieren, weil der Content nach außen hin relevant ist, dass es eben auch zu Verlinkungen kommt. Und gerade dieses Thema, muss ich sagen, das fällt den B2Blern total und unendlich schwer.

Da ist natürlich die Frage: Kann man sowas machen, solche Inhalte finden und schreiben? Es hängt natürlich immer ein bisschen von der Branche ab. Es gibt so nischige Themen, wo du einfach sagen musst: Okay! Sorry! Hier ist jetzt auch für mich Schluss. Aber insgesamt gilt ja immer: Unter den Blinden ist der Einäugige König. Du wirst natürlich nicht wie im B2C-Bereich mit einem Inhalt irgendwie 50 tolle Verlinkungen generieren, wenn du es richtig machst. Das schaffst du im B2B relativ selten. Aber es ist ja nicht wichtig, weil alle anderen haben keine solche Links, und wenn du dann nur fünf solcher guten Links hast, dann hast du ja schon gewonnen.

Und im Übrigen auch, was ich auch finde, dass gerade B2B-Unternehmen Social Media immer sehr schwerfällt. Warum? Weil sie eigentlich nichts zu erzählen haben. Sie haben eigentlich nur was in der Innensicht zu erzählen. Sie haben nur Innensicht-Themen, sie haben Themen, dass jetzt eben der Screw Master 2000 auch in Blau geliefert werden kann. Nicht so spannend! Das heißt, sie haben einfach oft nichts zu erzählen, was jenseits der eigenen Produkte und jenseits der eigenen Leistungen ist. Und auch da kann es eben helfen, über solche Themen nachzudenken, um auch dort eben zu punkten. Ist jetzt kein SEO-Thema, aber das heißt nur, dass, wenn ich schon solche Inhalte produziere, kann ich auch an anderen Stellen davon profitieren.

 

#3: Themenfindung für Blogs

Ich habe mir in der Vorbereitung für diese Podcast-Episode noch mal so ein paar B2B-Blogs angeguckt, irgendwo so ein Maschinenbauunternehmen. Und ich finde das übrigens immer total spannend. Du fährst irgendwo auf eine grüne Wiese und du hast noch nie von diesem Unternehmen gehört, und auf einmal sitzen da 500 Mitarbeiter und das ist der Weltmarktführer für irgendwas. Total spannendes Unternehmen. Hammergeil!

Dann gehst du auf die Website und denkst so: Oh! Was schreiben die denn für Blogbeiträge? Die schreiben so Blogbeiträge wie: Wir sind heute auf der Messe X, kommt doch mal vorbei! Wir haben einen Preis gewonnen, Kunde Y hat sich für unser Produkt Serie Z entschieden. Und so langsam schlägt mein Kopf auf der Tischplatte auf. Das ist einfach nicht spannend.

Also gleiches Thema. Das ist auch alles Innensicht: Wir sind auf der Messe. Wir haben einen Preis gewonnen. Wir haben Produkt verkauft. Innensicht. In Bezug auf SEO ist vieles davon wertlos. Auch, weil faktisch kaum jemand danach sucht und weil solche Inhalte zum Beispiel auch keine Links erzeugen. Es gibt immer Ausnahmen, keine Frage, aber es ist eher unwahrscheinlich.

Also auch da wieder zu gucken: Was interessiert meine Zielkunden eigentlich an Inhalten? Und da möchte ich vor allem auf zwei „Alles auf Start“-Episoden verweisen, nämlich einmal Episode 29. Da geht’s um: Warum Content nicht unbedingt Links generiert. Und auf Episode 30: Inspirationen finden für gute Inhalte. Weil genau darum geht’s hier.

Man muss halt irgendwie auf Ideen kommen, worüber man schreiben kann, was für die eigenen Kunden relevant ist. Und auch dafür würde ich primär Keyword-Datenbanken nutzen, sowas wie Keywordtool.io oder answerthepublic.com.

Wenn du da so ein Keyword reinsteckst wie „Doppelschneckenextruder“, was immer eines meiner Lieblingsbeispiele im B2B-Bereich ist, dann findest du so Suchanfragen wie „Doppelschneckenextruder Vorteile“. Okay, schreib doch mal einen Blogbeitrag da drüber. Oder „Bearbeitungszentrum Preis“. Also was kostet ein Bearbeitungszentrum? Schreib doch mal einen Blogbeitrag darüber. Natürlich, das ist so ungefähr wie die Frage: Was kostet ein Auto von … bis …? Aber ich kann sagen, was ich für 20.000, für 40.000 und für 60.000 Euro an Auto kriege. Bei Bearbeitungszentren kann ich das auch machen. Da kann ich sagen: Okay! Für Betrag X kriegst du 3 Achsen. Dann 4 Achsen, dann 5 Achsen, und noch die automatische Luftabsaugung mit dazu. Oder, keine Ahnung, ich kenne mich mit Bearbeitungszentren jetzt nicht so wahnsinnig gut aus.

 

#4: Meta Descriptions

Also die Meta Description ist ja wichtig, weil sie sehr zentral im Suchergebnis angezeigt wird und weil es gleichzeitig so ist, die meisten Google-Nutzer klicken nur auf ein einziges Suchergebnis. Also da stehen 10 Suchergebnisse und ich klicke nur auf eines drauf.

Wie schaffe ich das, der eine zu sein? Natürlich, die Position ist entscheidend, aber auch das, was ich da reinschreibe in diese Meta Description, denn das wir dort angezeigt. Ich muss also Argumente für meinen potenziellen Besucher liefern: Warum bin ich geiler als die neun anderen.

Ich habe mir mal eben auch da die Mühe gemacht, habe mir ein paar rausgesucht, was Leute so schreiben. Einer schrieb zum Beispiel: „50 Jahre Pioniergeist, Made in Germany“. Ein anderer schreibt: „Einzigartige Fertigungsqualität für die präzise Zerspanung“. Boah! Nächster: „X ist Hersteller der X Bearbeitungszentren sowie anerkannter Systemlieferant und Prozessentwickler von Fertigungslinien für die mechanische Blablabla“. Dann haben wir noch, oh ja, den fand ich auch gut: „X ist einer der führenden Hersteller von modernsten Fertigungslösungen für die Metallverarbeitung“. Sowas schreibt so ein B2B-Unternehmen über sich.

Jetzt ist natürlich die alte Frage: Ist das gut oder ist das schlecht? Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung, denn schlussendlich kann man das nur testen. Also: Der Köder muss ja dem Fisch schmecken.

Aber auch häufig, muss ich sagen, ist das, was da geschrieben wird, Innensicht. Wir sind einer der führenden Hersteller von modernsten Fertigungslösungen. Ja okay, das ist nett, aber alle bezeichnen sich als führender Hersteller von modernsten Fertigungslösungen. Und wir alle wissen, dass wir nur die Branche klein genug wählen müssen, damit wir der führende Hersteller sind. Der Trick ist, glaube ich, jetzt so richtig gut, und „einer der Führenden“ heißt sowieso: Einer der 100 Führenden oder was jetzt? Also vieles davon ist Blabla. Und ich persönlich bin immer dafür, erst mal Blabla zu vermeiden. Führend, ich weiß, das sagen wir über unsere Agentur auch, bei uns stimmt das vielleicht auch. Oder sowas wie: Ihre Zufriedenheit ist unser Antrieb. Oh! Ich kann‘s nicht mehr hören. Sorry! Was heißt das denn? Das heißt doch nichts.

Die Frage ist ja immer: Was ist eigentlich meinen Zielkunden wichtig? Also Außensicht. Was ist mir wichtig, wenn ich mir so eine sündhaft teure Maschine dahinstelle. Ist mir zum Beispiel wichtig, dass die kompatibel ist mit irgendwas? Ist mir wichtig, dass ich fünf Jahre Garantie da drauf kriege oder dass die schon mehr als 100.000 von diesen Maschinen verkauft haben und dass die Kunden das Ding mit 4,9 Sterne bewerten? Vielleicht ist für die wichtig, dass ich einen Award gewonnen habe, dass ich eine ganz bestimmte ISO oder DIN-Norm oder irgendwas erfülle. Und da muss ich einfach mal darüber nachdenken.

Da geht’s eben nicht darum, was ich denke, dass ich der führende Hersteller bin oder dass ich 30.000 Quadratmeter Produktionskapazität, Halle oder sowas habe. Das interessiert vielleicht gar nicht.

Und am besten, muss ich immer sagen, kann man es eigentlich mit Google Ads testen. Bei SEO ist es immer schwierig, zwei Varianten gegeneinander laufen zu lassen. Bei Google Ads ist es ganz einfach. Also guck ich einfach mal, ich teste mal ein paar Werbungen durch und schreibe mal in die einen das und in die anderen das, und dann gucke ich nach: Was hat eigentlich die höchste Klickrate?

Jetzt will ich nicht darauf eingehen, dass das statistisch valide sein muss und dass das sicherlich ein paar Wochen und Monate laufen muss, egal. Und wenn ich das herausgefunden habe, was wirklich meine Nutzer interessiert, was für sie ein Klick-Argument ist, ist zwar noch kein Kaufargument, aber erst mal ein Klick-Argument, dann übernehme ich das auch für SEO.

 

#5: Navigation, Site-Struktur

Ich habe vor Jahren versucht, mal ein Auto bei Volkswagen zu kaufen oder zu konfigurieren, ich habe aufgegeben. Also ich hab‘s online versucht. Ich habe eben noch mal nachgeguckt, BMW ist für mich auch so ein Klassiker. Jetzt kenne ich mich halbwegs mit Autos aus, aber ich muss sagen, im Kern interessieren mich Autos eigentlich null. Ein Auto steht vorm Haus, ist vollgetankt und fährt, wenn ich da einen Schlüssel reinstecke. Mittlerweile stecke ich nicht mal mehr einen Schlüssel rein, aber egal. Das ist für mich eigentlich Auto.

Jetzt angenommen, ich kenne mich mal bei BMW nicht so aus. Also das erste, was ich mache, ist, ich gehe auf die Website bmw.de. Und in der ersten Navigationsebene kann ich erst mal auswählen, welche Serie ich eigentlich möchte. Das ist ein 1er, 2er, 3er, 4er, 5er, 6er, 7er, 8er, und dann gibt’s noch X, Z, I und M. Bin ich schon überfordert. Also ich weiß noch ungefähr, was einen 3er und einen 5er unterscheidet, X könnte ich auch noch zu sortieren. Eigentlich wollte ich nur ein Auto kaufen.

Und bei den Modellvarianten wird‘s übrigens noch schlimmer. Ich meine, die sind immer ganz nett benannt, die heißen so Advantage oder Sport Line oder Luxury Line. Da ist mir auch schon ungefähr klar, was damit gemeint ist. Aber am Ende des Tages muss ich erst mal alles durchklicken, und eigentlich wollte ich nur ein Auto, wo drei Kinder reinpassen. Und das ist auch wieder Innensicht. Also die meisten, gerade Automobilhersteller sind da total großartig in diesem Thema, die sagen erstmal: So! Hier ist unser Auto. Klar, jetzt so bei den deutschen Herstellern kennst du es ungefähr, aber wenn ich jetzt zu Kia gehen würde oder so, sorry, ich weiß nicht, wie die da heißen oder was für Modellvarianten die haben.

Und bei vielen B2Blern oder auch bei vielen anderen Websites ist es recht ähnlich. Die Frage ist doch: Finde ich mich schnell und einfach auf der Website zurecht, auch wenn ich die Produktlinien oder Serien oder was immer ihr so habt an Welten, wenn ich die gar nicht kenne?

Ich war auch hier in der Vorbereitung noch mal kurz auf einer Website, da ging es um Drehmaschinen. Und gehe in die Top-Navigation, das erste, was ich sehe: Wow! Es gibt die WDE-Baureihe, es gibt die WDC-Baureihe und die WDCA-Baureihe. Das ist echt cool, aber ich weiß nicht, was eine WDE-Baureihe ist. Weiß ich nicht. Ich war ja noch nie bei euch.

Und dann natürlich, auch das Argument höre ich total oft so in Besprechungen: „Ja! Wir wollen ja auch, dass der Kunde sich mit uns beschäftigt“. Ja, natürlich beschäftigt der sich mit euch. Aber in der Regel in der Lösung, dass er oben auf das kleine X draufklickt und zum nächsten weitergeht. Wenn ihr 8 Produktlinien und 5 Unterlinien oder sowas habt, wer hat denn noch die Geduld, sich da reinzufuchsen? Im besten Fall greife ich noch zum Hörer und sage, du, ich habe keine Ahnung, was eine WDE-Baureihe ist. Sag doch mal!

Das heißt, parallel wäre es für mich immer wichtig, dass es auch eine generische Navigation gibt, die das in meine Anforderungen übersetzt, also in die Außensicht. Mir ist ganz egal, ob ihr eine WDE-Baureihe habt, keine Ahnung. Ich hätte gerne eine Navigation, die heißt Drehmaschinen für kleine Teile, für mittlere Teile und für große Teile. Und dann muss noch dahinterstehen, was eigentlich für euch klein, mittel und groß ist. Und dann sollt ihr mir sagen, was denn für diesen Anwendungszweck das Beste ist.

Oder es gibt so Suchanfragen, zum Beispiel da wird gesucht nach „SUV für Hunde“. Also ein SUV, wo gut ein Hund reinpasst. Wenn du sowas suchst, kannst du eigentlich schon absolut davon ausgehen, dass kein Pkw-Hersteller der Welt dafür erscheint, weil das ist Außensicht, so funktionieren die nicht.

Aber das ist schade, weil so verbrenne ich halt viel. Ich verbrenne erstmal SEO-Potenzial, weil ich es einfach nicht so benenne. Und jemand, der das sucht, wird mich einfach nicht finden können. Und noch schlimmer: Wenn ich es dann auch schon nicht gefunden habe und ich bin irgendwie trotzdem auf die Website gekommen, dann finde ich mich da auch nicht zurecht, weil man erst mal mich mit der Innenwelt überrascht und das gar nicht in meine Welt übersetzt.

Macht euch mal die Mühe, geht mal auf so einen BMW-, Peugeot-, und wie die alle heißen, Konfigurator und versucht mal einfach nur, wenn ihr nichts über diesen Brand wisst, euch da zurecht zu finden. Du hast keine Chance. Und das nicht, weil das irgendwie ultrakomplex ist. Also BMW hat jetzt auch nicht irgendwie 20.000 verschiedene Autos. Die sollen mir einfach sagen, wo drei Kindersitze reinpassen. Ich sag das nur, weil wir hatten den Fall mal, als wir damals, mittlerweile haben wir vier Kinder, aber als wir drei Kinder hatten, haben wir ein Auto gesucht, wo das einfach gut reinpasst. Und auch damals habe ich schon gemerkt, Internet und meine Intention passen hier irgendwie nicht zusammen.

Das ist halt immer ganz wichtig, dass man in die Außensicht geht. Und natürlich, das Problem ist, ich glaube, das ist wirklich ein Problem, dass man selber irgendwann in diesem Glashaus sitzt. Man ist vielleicht seit fünf Jahren in einem Unternehmen und alle in dem Unternehmen sprechen immer über die WDE-Baureihe und irgendwann ist das für dich einfach die WDE-Baureihe und du hast das Wissen darüber, dass das Drehmaschinen für kleine Teile sind.

Das heißt, idealerweise holst du dir einfach immer jemand von der Straße oder du hast die gedankliche Fähigkeit, dir den Idiotenhut aufzusetzen und zu sagen: Ich guck mir jetzt mal meine Website an, ich gucke mir jetzt mal meine Keywords an, ich gucke mir meinen Content an und gucke mir das wirklich mal von außen an, ohne dass ich dieses Unternehmen kenne. Wie stellt es sich mir dar? Ist es wirklich das Unternehmen, was ich intern kenne? Meistens werde ich herausfinden: Ist gar nicht so. Also meistens gibt’s da eine sehr starke Diskrepanz.

Und wie gesagt, gerade bei B2B-Unternehmen, aber eben auch bei Start-ups, weil, wie gesagt, Start-ups sind auch sehr oft sehr begeistert von dem, was sie machen, hängen sehr tief drin, lieben ihr Produkt. Da sind irgendwie drei Gründer oder Gründerinnen und seit drei Jahren forschen die an der Uni nach diesem einen Ding und natürlich total Hammer-Gerät. Und listen dann Vorteile auf, die einfach, ihrer Meinung nach, Vorteile sind. Das sind aber nicht meine Vorteile, das sind ihre Vorteile. Meine Vorteile sollten irgendwie Langlebigkeit sein, lebenslange Garantie oder sowas, und nicht, dass das Ding irgendwie bei 3000 Umdrehungen mit einem Zerspanungsfaktor von 0,5387 funktioniert, der viel besser ist als der der Konkurrenz. Das bringt mich nicht weiter.

 

Finale

Ihr habt gemerkt, hoffentlich, das ist ein Thema, was bei mir so ein bisschen brennt, auch weil ich das sehr, sehr oft erlebe in meiner täglichen Arbeit. Und ja, es gibt natürlich nicht DIE Lösung dafür, aber das Wichtigste ist, dass man sich dessen bewusst wird.

Das wichtigste ist, dass man sich idealerweise auch irgendwie einen Prozess erschafft oder sich zum Beispiel wirklich Leute von außen holt, die mal draufgucken und die mal wirklich sagen: Wie geil ist es denn hier?

Das sollte es auch schon für heute gewesen sein. Ich hoffe, ihr hattet einen guten Input, ihr nehmt das Ganze mit und ihr macht nie wieder den Fehler, dass ihr in der Innensicht denkt, und geht den Weg, dass ihr ab sofort immer in der Außensicht unterwegs seid. Und vor allem natürlich gerade, wenn ihr B2B oder Start-up seid oder auch ein kleines Unternehmen, die große Welt da draußen hat nicht das gleiche Wissen, das ihr habt. Und deswegen müsst ihr es immer runterbrechen in die Sicht eures nächsten Kunden.

The following two tabs change content below.

Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor, Podcaster, Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und verantwortlich für das suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und genießt das Leben.

Ein Kommentar zu “Innensicht vs. Außensicht – und was das mit SEO zu tun hat! [Alles auf Start 32]”

  1. Hannes

    Interessantes Thema! Sollte sich jedes Unternehmen drüber Gedanken machen.

Kommentieren