Das iOS-Update feiert 1. Geburtstag: Welche Folgen hatte das für Social Media Ads? [Search Camp 220]

15. März 2022 | Von in Search Camp + Alles auf Start, Social Media

Vor fast einem Jahr wurde der Hahn für Daten seitens Apple mächtig zugedreht – nicht ohne Folgen, vor allem für Social Media Ads. Es hat sich seitdem viel geändert, weil Kampagnen jetzt einfach anders aufgebaut sein müssen. Reden wir drüber – mit Julia Leutloff, Head of Social Media bei Bloofusion.

 

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Das iOS-Update feiert 1. Geburtstag: Welche Folgen hatte das für Social Media Ads?

Markus Hövener: Moin und herzlich Willkommen zu Search Camp, dem Online Marketing Podcast mit wichtigen Insights rund um SEO, SEA und Co. Mein Name ist Markus Hövener und jetzt geht es auch direkt los. Viel Spaß!

Markus Hövener: Ja, moin, herzlich willkommen wieder zu Search Camp. Heute wieder mit einer Interviewfolge. Wir wollen mal auf das iOS Update 14 gucken und vor allem, jetzt ist einiges an Zeit ins Land gegangen, und mal gucken, welche Folgen hat das ganze eigentlich und wie kann man eigentlich dagegen an arbeiten? Und vor allem machen wir das heute aus Sicht der Social Media Leute. Weil ich habe da fast das Gefühl, die haben am meisten darunter gelitten. Deswegen haben wir Julia Leutloff in der Leitung, unser – oh, lass mich korrigieren – Head of Social Media. Richtig?

Julia Leutloff: Richtig.

Markus Hövener: Was den Titel angeht, bin ich immer ein bisschen – jetzt nicht so super informiert. Ja, wir wollen auf das Update gucken. Und ich habe mir eben nochmal ein paar Artikel herausgesucht, die vor diesem Update veröffentlicht wurden. Und das ging ja alles so in Richtung Apokalypse und 90% der Daten gehen verloren. Lass uns mal gucken, also was ist jetzt wirklich passiert und wie viel ist weggefallen dadurch?

Julia Leutloff: Ja, also Apokalypse trifft es meiner Meinung nach fast ganz gut. Muss man leider echt so sagen. Also ich habe die Branche noch nie so in Aufruhr gesehen wie eigentlich das komplette letzte Jahr. Wobei es sich ja erst noch ganz sachte so langsam so einführte, weil ja quasi dieses iOS 14 Update so ein bisschen auf sich warten ließ und erst nur so einige Änderungen im Werbeanzeigen Manager geschaltet wurden. Also beispielsweise das Attributionsfenster wurde verkürzt, man musste die Domain verifizieren, man musste Events priorisieren, aber das war sozusagen alles das theoretische Vorarbeiten. Und ich glaube, da sind wir alle gut mit zurechtgekommen. Dann war es irgendwann Ende April und die Dinger wurden halt live geschaltet, ausgerollt in den iOS Geräten und damit fing dann halt wirklich das Trauerspiel oder die Apokalypse wegen meiner auch an. Also es haben alle – oder sagen wir mal so, 95% mit denen ich darüber gesprochen habe oder was ich darüber mitbekomme, wirklich mit extremst Performance-Einbußen zu kämpfen gehabt. Also gerade im Sommer gab es so krasse Schwankungen. Also der CPM, also der Tausenderkontaktpreis ist echt – also auch bei uns – in fast allen Konten explodiert. Das heißt, es war wirklich so eine Steigerung um 120% oder sowas. Also nicht nur ein bisschen, sondern schon wirklich ordentlich. Und dann ist ja klar, dass damit nicht die gleichbleibende Performance erlangt werden kann. Also von daher ja, Daten sind auf jeden Fall weg, sind nicht 90%. Kommt natürlich auch ein bisschen drauf an, was man betrachtet, aber die ganzen Datenpools sind definitiv um einiges kleiner geworden und das macht uns halt natürlich in der Gesamtenarbeit und in der Gesamtperformance wirklich zu schaffen.

Markus Hövener: Jetzt kann man sich natürlich trotzdem auch mal fragen, wie wichtig ist denn iOS als Plattform? Weil es gibt ja auch noch Android. Es gibt ja auch noch die ganze Desktopwelt.

Julia Leutloff: Ja, gut, die Desktopwelt ist natürlich im Metavers relativ egal. Also alles, was wir an Zugriffen sozusagen über Advertising generieren, ist zu 95, 98% – kommt so ein bisschen natürlich auf die Zielgruppe an – tatsächlich mobile. Also von daher, wir haben halt einfach das Problem, klar haben wir – also wir, da rede ich jetzt erstmal generell von paid Social, also das betrifft ja nicht nur Facebook, das betrifft jede App, jede Plattform. Also genauso auch ein TikTok, ein Pinterest, keine Ahnung was. Von daher, klar, diese iOS Geschichte ist halt speziell jetzt für Facebookwerbung einfach der Auslöser für viele Änderungen gewesen. Also das heißt, diese ganzen Dinge, die vorab geändert wurden, wurden flächendeckend geändert. Also nicht nur – also die Idee, alles nur noch auf Android-Handys auszuspielen, funktioniert nicht, weil die Oberfläche und die Restriktionen sind überall die gleichen. Also diese Sachen, die ich eben genannt habe, mit Attributionsfensterverkürzungen, Beschränkungen auf 8 Conversions, Verifizierung der Domain etc., die ist überall gleich. Also das ist erstmal überhaupt egal, von wo quasi der Traffic kommt. Klar, richtig schwierig wird es halt dann bei dem Messen der iOS Conversions und vor allem natürlich der Leute, die dieses Opt out getätigt haben, also die nicht getrackt werden wollen. Aber diese ganze Umstellung geht halt tatsächlich damit einher, dass halt Facebook das sozusagen als Grundlage genommen oder Auslöser genommen hat, viele Dinge im gesamten Ökosystem umzustellen. Und dann ist es ja nun mal so, dass dieses iOS 14.5 nur eins von vielen Dingen sein wird, was uns zukünftig auf dieser, ich sage jetzt mal Privacy-Ebene das Leben schwer machen wird. Also, ich denke mal, das Thema Tracking, Datenschutz etc. ist überall ein Riesenthema. Und, gut, Apple hat angefangen, ist aber definitiv jetzt auch nicht der Einzige, der sich quasi um die Daten seiner Nutzer kümmert. Von daher glaube ich, wird uns dieses Thema generell natürlich in allen Bereichen doch noch stark mitnehmen. Klar gibt es Netzwerke, wo du halt Desktop gesagt hast, die da vielleicht nicht ganz so mitzukämpfen haben. Also beispielsweise nehmen wir LinkedIn. Das wäre jetzt so da noch so ein kleiner Stern am dunklen Abendhimmel. Das läuft tatsächlich ja noch viel über einen Desktop. Die sind von solchen Sachen natürlich weniger betroffen, ist aber auch wirklich die Ausnahme. Alle anderen, gerade Netzwerke, laufen primär als Mobile Device App.

Markus Hövener: Jetzt frage ich mal ganz blöd, wenn wir eben so eine Zahl im Raum hatten, sagen wir mal 80 oder 90% werden jetzt nicht getrackt – sagen wir 80%, kann man leichter rechnen – dann könnte man doch eigentlich alles was man kriegt mal 5 nehmen und dann passt es doch schon, oder?

Julia Leutloff: Ja, ganz so einfach ist es glaube ich nicht. Also zum einen ist es jetzt nicht so krass. Also klar, wie gesagt, konkret nicht mehr messbar sind natürlich wirklich erst mal diese iOS-Opt out-Nutzer. Dann ist es aber so, dass ungefähr 80% der iOS Nutzer dann dieses Opt out auch tätigen, also wir wirklich nur noch so um die 20% haben, was halt getrackt werden kann. Also von daher könnte man sagen, vielleicht sind es 20% weniger. Kommt halt wirklich, glaub, wie gesagt auf das Device an, was die Zielgruppe nutzt. Aber so einfach ist es halt nicht, weil wie gesagt, zum einen ist es so, dass diese ganzen Umstellungen natürlich, die das Tracking von Conversions schwieriger gestalten, Facebook extreme Probleme hat und jetzt quasi dazu übergeht, Conversions zu modellieren. Das heißt also nichts anderes – also im Prinzip hochzurechnen, wenn man das so sagen darf. Und das jetzt irgendwie alles mal 5 zu nehmen, wäre ein bisschen sehr einfach. Ich glaube, da würden einige wahrscheinlich noch in ein großes Plus kommen, was aber nirgendwo tatsächlich auftaucht. Und da wäre natürlich auch mein Hinweis oder mein Tipp, wie auch immer – sollte eigentlich eh jeder immer schon getan haben, aber jetzt ist es natürlich umso wichtiger – einfach mit einer zweiten Datenquelle zu arbeiten. Also im Regelfall oder bei vielen wird es halt Google Analytics sein, wo man halt einfach wirklich da einen Abgleich hat. Alles was im Werbeanzeigenmanager ankommt, ist extrem unzuverlässig. Also auch hier dieses einfach mal 5 rechnen funktioniert tatsächlich nicht so gut. Also ich kann dir sagen, aktuell ist es so, dass wir halt in manchen Werbeanzeigenmanagern tatsächlich mehr Conversions ausgeschrieben – wie nennt man das? – also ausgezeichnet bekommen haben, als wirklich dann reingekommen sind. Es gibt aber auch den umgekehrten Fall, dass weniger drin sind und die sind dann halt bei Google Analytics drin. Wir haben teilweise das Problem, dass wir Conversions tracken, aber halt kein Value, kein Wert dahinter ist. Und das hat halt natürlich alles damit zu tun. Und es ist superschwierig, da wirklich einen hundertprozentigen Wert wirklich zu ermitteln. Aber ich denke, dass das Abgleichen mit beispielsweise Google Analytics hilft, da auf jeden Fall so ein bisschen in die richtige Richtung zu kommen und eine reelle Zahl zu bekommen. Ob das jetzt mal 5 ist oder mal 2 oder wie auch immer, also ich glaube, wir müssen uns da so ein bisschen davon loslösen, alle Kanäle so mega singulär zu betrachten und zu sagen, Okay, von Facebook kommt jetzt genau das rein und von – was weiß ich – Pinterest wegen meiner das und bei Google Ads ist es das und dann – sondern ja, ich glaube diese Gesamtbetrachtung seiner Marketing- oder Advertising-Kanäle ist sollte man auch wieder ein bisschen mehr in den Blick bekommen.

Markus Hövener: Du hattest eben schon einen Tipp gesagt, nämlich eine zweite Datenquelle heranzuziehen, wie Google Analytics. Was kann man noch tun, um mehr Datenhoheit zu bekommen? Oder mehr Input?

Julia Leutloff: Na ja, also zum einen klar, diese Eventpriorisierung, Domainverifizierung, die ist im Prinzip ein Muss. Also das ist jetzt kein Tipp, sondern eher ein Muss, um überhaupt Ads noch schalten zu können. Eine andere Stellschraube ist bestimmt die Conversion API. Das heißt also, dass Server seitige Tracking. Auch das geht ja so ein bisschen weiter, ich sage jetzt mal, in dieses Zukunftsthema – es ist ja quasi schon da. Also wie können wir tracken, wenn wir halt irgendwie ohne Cookie etc. arbeiten müssen? Das ist natürlich ein stückweit dann eine Hilfestellung, um über einen Server das Ganze abzuwickeln. Facebook hat ja eine eigene API gebildet. Das hilft zumindestens, die Daten – ja, erst mal Quantität zu steigern und damit natürlich auch die Qualität zu verbessern. Also fährt da noch nicht so weit, man sollte sich da auf jeden Fall mit befassen. Das ist natürlich immer auch eine Ressourcenfrage, ist natürlich auch eine Investfrage, also auch so ein Server kostet Geld. Also von daher – aber ich denke jeder, der so am Ball bleiben will und den Kanal weiter profitabel nutzen will, der sollte das eigentlich – also, “eigentlich” streichen. Der sollte das zusätzlich nutzen.

Markus Hövener: Kann man denn sagen – ich meine, ich weiß natürlich, wir als Agentur haben da vielleicht andere Ressourcen, aber wie kompliziert ist das alles? Also kann das der kleine Handwerker um die Ecke oder der kleine (unv., 11:17)?

Julia Leutloff: Ja, das ist halt echt schwierig. Also wir hatten das Thema ja schon mal in einem anderen Zusammenhang. Nee, kann er wahrscheinlich nicht. So, dann ist jetzt natürlich Kosten-Nutzen Frage so ein bisschen, bucht er sich monatlich auf einem Server ein, bucht der sich irgendwie ein Techy ein, der ihm das so aufsetzt, weil er, ich sag jetzt mal, für 800 Euro im Monat so ein bisschen Reichweite, Traffic, wie auch immer auf seine lokalen Kampagnen schaltet und er das auch selber macht, dann würde ich sagen, nein, das lohnt sich nicht. Es wird ja auch ohne Conversion API weitergehen. Haben wir jetzt aber einen E-Commerce Kunden, der doch einen gewissen Umsatz oder Gewinn über den Kanal anstrebt, ist es schon ratsam, dieses Invest und dann halt auch die Ressourcen freizugeben, um damit halt die Datenqualität zu sichern. Also grundsätzlich, es wird für den kleinen Handwerker schwieriger sein und wahrscheinlich wird auch der kleine Handwerker in dem letzten halben bis drei viertel Jahr gemerkt haben, dass er weniger für das Geld bekommt, sozusagen. Ich glaube, da werden die wenigsten sozusagen noch an die alten Zeiten oder an die alten Zahlen rankommen. Wenn er nach wie vor zufrieden ist, dann würde ich sagen, mach weiter so. Ansonsten, ja, gibt es, glaube ich, durchaus Fälle, wo man sagt, Okay – oder wo wir jetzt auch Kundenanfragen bekommen, wo wir sagen, Okay, mit dem angedachten Budget beispielsweise wird’s halt schwierig, weil wir einfach einen Anstieg der Kosten zu verzeichnen haben und wir einfach nicht mit den gleichen Ergebnissen rechnen können, wie wir das vielleicht noch im Jahr 2020 beispielsweise konnten.

Markus Hövener: Wenn man jetzt nochmal kurz an den Handwerker zurückdenkt, angenommen, der hat jetzt eben nicht diese Historie, also schaltet schon seit drei, vier Jahren Werbeanzeigen, sondern fängt jetzt damit an, dann wird er relativ schnell feststellen – oder könnte sehr schnell auf die Idee kommen, dass das für ihn kein Kanal ist, weil die Daten erstmal ziemlich miserabel aussehen, ne?

Julia Leutloff: Ja, genau. Vielleicht ist das auch alles ein bisschen zu abstrakt, jetzt so immer mit diesem Thema Daten. Aber es ist halt einfach so, dass dieses ganze System sehr viel mittlerweile auf Daten arbeitet. Also dieses maschinelle Learning ist halt einfach ein wichtiger Baustein. Und klar, jede Maschine kann besser lernen, wenn es halt viele Datensätze zur Verfügung hat. Und so können sich dann halt auch Kampagnen besser stabilisieren. Der Algorithmus weiß dann immer besser, wonach er suchen muss, innerhalb einer Zielgruppe beispielsweise. Und ja, teurere CPMs, also Kontaktpreise, heißt natürlich auch weniger Daten für das gleiche Geld, heißt schlechtere Daten. Schlechtere Daten heißt halt weniger Optimierungspotenzial sozusagen. Das ist halt quasi die Idee dahinter, warum man sagt, wird vielleicht ein bisschen schwieriger. Es kann aber natürlich trotzdem noch funktionieren. Ich will das jetzt auch gar nicht irgendwie verteufeln oder sagen, das funktioniert ab Budget X und darunter gar nicht. Ich glaube, gerade bei so lokalen, kleinen Handwerkern, wie wir sie jetzt mehrfach als Beispiel haben, kann das durchaus immer noch funktionieren, eben weil es so sehr begrenzt ist. Ich sehe da wie gesagt eher so die kritische Ebene sozusagen dazwischen, also wie gesagt, so kleinere Online-Shops, die sagen, “Okay, wir wollen das jetzt mal austesten. Wir haben hier keine Historie. Wir haben jetzt aber auch nur, ich sage jetzt mal, 2000 Euro im Monat zur Verfügung.” Damit wird es schwierig. Oder vielleicht – ich will da jetzt auch nicht sagen, ab 5,000 geht es oder irgendwie ab 8 oder so. Ich will da jetzt auch keinen harten Cut machen, aber das ist halt eher so die Problematik, die ich wirklich sehe. Also wer da jetzt sozusagen noch nicht frühzeitig eingestiegen ist und ein gewisses Budget mitbringt, der wird es vor allem schwer haben, meiner Meinung nach.

Markus Hövener: Ein paar Sachen hatten wir eben schon genannt, die wir tun können respektive tun müssen. Was kann ich noch machen?

Julia Leutloff: Also generell ganz praktisch in der Arbeit, was wir festgestellt haben, also durch diese ganze Umstellung beispielsweise ist es halt so, dass viele Conversions beispielsweise erst nachgelagert reinkommen. Also auch da wieder natürlich alles, was Opt out Nutzer über iOS getätigt haben, wird halt iOS auch oder halt Apple drei Tage zurückhalten oder bis zu drei Tage zurückhalten. Also ich kann halt überhaupt nicht bewerten, ob eine Kampagne nach 24 Stunden gut läuft oder nicht oder nach zwei Tagen. Das heißt also, ich sollte mindestens immer drei Tage warten, vielleicht sogar sieben, das komplette Conversionsfenster. Wir merken halt wirklich – oder, ich habe da auch schon mit einer Kollegin drüber gesprochen, die halt mehrfach gesehen hat, okay, jetzt hat sie irgendwie was abgestellt und da kamen sie doch noch, so ungefähr, die Conversions. Also man muss da wirklich so ein bisschen sich davon – also, ich glaube, der Weg ist da eh schon länger hin, aber jetzt noch mehr, also dieses tägliche – also man soll natürlich täglich reingucken, keine Frage. Aber dieses tägliche dran rumfummeln, wenn ich das so nennen darf, das sollte man tunlichst unterlassen. Man sollte dem Ganzen wirklich ausreichend Zeit geben und wirklich abwarten, bis diese drei bis sieben Tage durch sind. Und dann wirklich erst zu schauen, okay, wie ist jetzt wirklich die Performance der Kampagne? Auch das ist natürlich immer eine Budgetfrage, aber das ist so wirklich die Faustformel, mindestens diese 72 Stunden wirklich abzuwarten, bevor man in irgendeine erste Optimierung geht. Und was wir einfach festgestellt haben und jetzt immer mehr in den Fokus setzen, wir verabschieden uns halt einfach von diesem Funneldenken. Das war ja so lange Zeit Best Practices, ToFu, MoFu, BoFu.

Markus Hövener: Erklär bitte kurz, was das ist.

Julia Leutloff: Also Top of Funnel, Middle of Funnel und dann Bottom of Funnel. Also im Prinzip – also quasi alles im ToFu-Bereich ist halt sozusagen Neukunden, wenn man das so sagen kann. Also Prospecting. Middle of Funnel sind beispielsweise so Zielgruppen, die ich über die Kanäle selber erstellt habe, also irgendwie jemand, der mit meiner Facebook-Seite interagiert hat, et cetera. Und dann Bottom of Funnel ist halt im Prinzip Remarketing. Gut, und Remarketing, das haben vermutlich schon viele von uns mitbekommen, wird ja so mittelfristig eh aussterben. Nicht nur auf Facebook, aber hier ist es tatsächlich so, dass eben wegen dieser Datenproblematik diese Pools an Zielgruppen so klein geworden sind, dass sie auch nicht mehr wirklich lukrativ zu bespielen sind. Also wir haben durchaus Konten, wo wir uns quasi nur noch auf die erste Funnelstufe konzentriert haben. Deswegen wie gesagt, im Prinzip auch uns schon von der Funnelstruktur verabschiedet haben und wirklich versuchen, ja, viel Zeit, Energie und Hirnschmalz in Creative zu stecken. Und da wirklich, ja, ich sage jetzt mal das, was man vielleicht an anderen Orten sozusagen an Zeit einsparen kann, eben weil man nicht mehr so viel rum frickeln muss, wirklich in das Testen von Creatives steckt und da halt wirklich auch regelmäßig neue Creatives erstellt, ja wirklich analysiert, prüft und nach Möglichkeit in der Testingstruktur dann halt auch verbessert. Also das ist auch kein Geheimnis, es hat sich jetzt aber auch für dieses Jahr noch mal gezeigt, also Creatives sind halt einfach eine sehr, sehr – wenn nicht die wichtigste Stellschraube.

Markus Hövener: Und wenn ich die bewerten will, habe ich natürlich wieder dieses Zeitproblem. Das heißt, gucke ich dann primär auf CTR und Klicks und so oder –

Julia Leutloff: Na ja, ich sag mal so, letztendlich ist die Bewertung des Creatives keine andere als der Gesamtkampagne. Also beispielsweise, wenn ich auf Kauf optimiere, was ich im Regelfall natürlich tun sollte, weil ich denke mal, jeder von uns – oder wenn wir nicht gerade im B2B-Umfeld sind – will früher oder später was verkaufen. Also ist so was wie der ROAS wichtig, der CPA, also quasi der Cost per Action, wie viel muss ich eigentlich ausgeben durchschnittlich für einen Kauf? Das sind natürlich irgendwie auch auf das einzelne Creative heruntergebrochen wichtige Kennzahlen. Aber ja, natürlich gibt es so sekundäre Kennzahlen, die bei einem Creative auch wichtig sind. Also Du hast es gesagt, die CTR. Also meistens ist ein performantes Creative auch eins, was eine gute CTR, also Click-Through Rate vorweist, also dass sich viele Leute durchklicken. Das heißt natürlich auch, dass der CPC im Regelfall günstig ist. Aber auch so es, wenn man mit Videos arbeitet, die (unv., 20:28) Ratio, das heißt also einfach, wie viele Leute stoppen eigentlich wirklich das Video und gucken sich ab drei Sekunden das Video tatsächlich an. Also das ist halt auch eine Möglichkeit. Oder auch, was auch gar nicht so uninteressant als Kennzahl ist, wie viele Leute speichern sich so eine Ad eigentlich? Also auch das passiert ja und auch diese beiden weiteren Kennzahlen sind oft tatsächlich in Verbindung mit einer gut performanten Ad, also sprich einer Anzeige, die auch einen guten ROAS entwickelt, hat meistens wie gesagt eine gute CTR, niedrigen CPC, eine hohe Anzahl an Abspeicherungen beispielsweise, eine gute (unv., 21:11) Ratio. Das sind halt alles sekundäre Kennzahlen, die ich mir anschauen kann. Aber wie gesagt, letztendlich ich bleibe dabei, für mich sollte natürlich in erster Linie auch bei einem Creative zählen, was wirklich dabei rumgekommen ist. Und das ist im Regelfall über den ROAS beispielsweise einzusehen.

Markus Hövener: Jetzt haben wir dieses Update ja fast ein Jahr. Steht wohl nicht zu erwarten, dass das Rad zurückgedreht wird, oder?

Julia Leutloff: Mhm (verneinend)

Markus Hövener: Ne? Okay. Glaubt man, dass die Schrauben noch weiter angezogen werden?

Julia Leutloff: Ja, das denke ich auch für Facebook. Na ja, Facebook ist dabei, dieses ganze Thema Privacy schon weiter zu verfolgen und hat sich so ein bisschen auf die Fahnen geschrieben, da auch als erstes immer aktiv zu sein. Und wie gesagt, auch da, das ist ja damals so krass durch die Presse gegangen, dass das halt für Facebook ein Riesenproblem sein wird. Aber ganz klar, es ist für alle ein Riesenproblem. Also nicht nur Facebook. Facebook war halt das erste Netzwerk sozusagen, was damit wirklich auch von sich aus an die Presse sozusagen gegangen ist. Also hat es sehr aufgenommen und hat das ja auch so sehr für sich genutzt. Und genau dieses Beispiel mit dem Hand- also vielleicht nicht das Beispiel mit dem Handwerker, aber hat genau das gesagt, dass das ja total blöd ist, gerade für kleine und mittlere Unternehmen, wenn die jetzt halt mit diesen ganzen Restriktionen, die ja durch dieses iOS Update kommen werden, belastet werden, dass sie halt im Prinzip gar nicht mehr diesen Absatz Werbekanal wirklich performant für sich nutzen können etc. Also die haben es halt einfach, ja, im Prinzip versucht, schlau für sich zu nutzen, indem man den Spieß sozusagen frühzeitig umgedreht hat und gesagt hat, Okay, wir haben dieses Problem, aber im Prinzip bestraft man nicht uns, sondern die kleinen KMUs, die jetzt quasi nicht mehr gewinnbringend werben können sozusagen. Aber im Prinzip betrifft es alle Netzwerke. Und ja, ich meine, ich bin ja selber noch nicht so im Thema drin, aber ich habe es jetzt die Tage gelesen, auch Android hat eine Privacy Sandbox angekündigt. Das heißt also, im Prinzip wollen die auch mittelfristig ihren Kunden eine Initiative anbieten, die halt im Prinzip auch bedeutet, dass es halt, ja, keine Möglichkeiten mehr gibt, App übergreifend tatsächlich Nutzerdaten zu tracken und an Dritte, also sprich an Facebook beispielsweise, weiterzugeben. Also von daher, ich denke dieses ganze Thema wird uns generell, ob jetzt im Paid Social Bereich, im Online-Marketingbereich generell natürlich noch viel beschäftigen und uns glaube ich, ja, auch immer mehr in Richtung alternative Lösungsansätze bringen müssen.

Markus Hövener: Also spannend finde ich das ja schon, dass eigentlich – ja, dass sowas eben auch eure ganze Arbeit umgekrempelt hat. Das ist schon –

Julia Leutloff: Ja. Also ich hatte das im November auf der OMX auch so formuliert, dass wir tatsächlich alle im gleichen Boot sitzen. Also ich habe noch – hatte ich ja am Anfang schon zum Einstieg gesagt – ich habe noch nie alle gleichzeitig stöhnen gehört. Und es ist da wirklich auch egal, ob das jetzt ein Einsteiger ist oder irgendwie ein alter Hase, diese ganzen Best Practices, die halt lange Zeit gelten, die sind jetzt im Prinzip für die Tonne. Und jeder muss halt irgendwo gucken, wie er dann doch in diesem Boot Platz findet und auf diesem doch immer noch sehr unruhig Fahrwasser irgendwie die Oberhand gewinnt. Und ja, ich glaube wie gesagt, das versuche ich quasi positiv zu sehen, weil ich glaube, die Karten sind wirklich eigentlich für alle nochmal sehr neu gemischt worden.

Markus Hövener: Würdest du denn jetzt – vielleicht abschließend – ich meine, wir haben schon über den kleinen Handwerker gesprochen, aber angenommen, da will jetzt einer wirklich 500 Euro im Monat ausgeben, würdest du ihm raten, das jetzt noch zu machen oder würdest du sagen, “Komm, mach lieber anders”?

Julia Leutloff: Also tatsächlich, wie gesagt, könnte er das lokal immer noch mit wenig Aufwand bestimmt probieren und das wäre jetzt, glaube ich, auch nicht komplett verpulvert. Ehrliche Meinung persönlich, gerade wenn jemand da ein bisschen Bock drauf hat, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass Alternativen, die ja doch jetzt immer mehr auf den Markt kommen, wie TikTok da durchaus eine Idee sind. Also ist natürlich immer die Frage, ob er glaubt, dass seine Zielgruppe da ist. Ich glaube das tatsächlich schon. Sind die Preise da wesentlich günstiger? Ja. Muss man dafür aber ein bisschen kreativer werden, was so das Advertising anbelangt? Ja, auch ja. Deswegen habe ich gesagt, wenn man da Bock drauf hat, könnte es sein – ich formuliere es mal so – dass er auf solchen Kanälen vielleicht dann doch tatsächlich mehr für sein Geld bekommt. Oder was weiß ich, vielleicht sogar auf Pinterest irgendwie sagt, ich mache ja ein schönes Board. Ist glaube ich ein bisschen schwieriger wegen dieses lokalen Bezugs, da ist Facebook natürlich noch relativ stark. Aber ja, grundsätzlich, die allgemeine Beobachtung ist zumindest, dass halt doch immer mehr nach Alternativen geschaut wird. Und sich immer mehr Leute oder auch Werbetreibende bewusst halt wirklich auch auf anderen Kanälen nochmal versuchen. Und gerade so in dem letzten halben Jahr, man sieht und hört sozusagen, dass viel von dem Budget tatsächlich umgeschichtet wird.

Markus Hövener: Als abschließende Frage, ist von Facebook jetzt in nächster Zeit noch irgendwas zu erwarten? Wollen sie jetzt noch mal es irgendwie irgendjemandem leichter machen oder nochmal eine große Initiative starten für irgendwas?

Julia Leutloff: Also ganz groß, dass ich jetzt sagen könnte, jetzt kommt noch irgendwie das super Schmankerl für alle, da kann ich jetzt leider nicht mit dienen. Was man schon merkt ist, dass sie sehr bemüht sind. Also jeder, der da schon länger mit zu tun hat, weiß, dass es immer eine ganz furchtbare Angelegenheit war, irgendjemanden da zu kontaktieren und das ohne ein gewisses Ad Spend quasi nie möglich gewesen ist. Und da kann man sagen, die haben diesen ganzen Supportbereich tatsächlich wirklich ausgebaut. Man kriegt auch wirklich als kleiner Handwerker beispielsweise doch tatsächlich auch mal einen an der Strippe, der einem helfen kann. Es gibt auch tatsächlich Teams, die für diese – die unterstützend bei so einer Conversion API helfen. Ob das jetzt wirklich für den Einzelnen funktioniert, also den Handwerker jetzt wirklich als Beispiel wieder, weiß ich nicht. Aber tatsächlich, auf Agenturebene wird einem da Unterstützung angeboten. Das gibt es schon. Also da ist, glaube ich, das Metanetzwerk doch recht bemüht. Aber wie gesagt – oder auch so was generell Fortbildung etc. anbelangt, also da ist meiner Meinung nach in den letzten anderthalb Jahren extrem viel passiert, dass sie doch einen immer mal wieder versuchen, irgendwie zu unterstützen und weiterzubilden. Dieses generelle Thema, wie gesagt, verfolgt Facebook, will das glaube ich auch federführend oder wie gesagt als Vorreiter weiterverfolgen, dass natürlich – wer hätte das auch anders gedacht – dem Mark seine Kunden und deren Daten extrem wichtig sind. Und das halt, wie gesagt, irgendwie ist es ganz witzig, weil Facebook das jetzt so ein bisschen gefühlt auf ihre Fahnen geschrieben hat, dass das ja quasi das höchste Gut ist. Also dahingehend werden sie wahrscheinlich schon noch ein bisschen was machen. Aber jetzt für Werbetreibende, dass ich sagen kann, da kommt jetzt noch was richtig Geiles, das wird uns das Leben nochmal um ein Vielfaches vereinfachen, das wüsste ich jetzt aktuell leider nicht.

Markus Hövener: Okay, ist ja auch ein schönes Argument für uns als Agentur, dass man uns das gut geben kann, und wir kümmern uns bestmöglich darum.

Julia Leutloff: Auf jeden Fall!

Markus Hövener: Das war so der kleine Verkaufshinweis am Ende. Ja, Julia, vielen Dank für deine Zeit.

Julia Leutloff: Ja, sehr gerne. Vielen Dank für die Möglichkeit.

Markus Hövener: Ich höre im Hintergrund auch ein bisschen, dass du noch gebraucht wirst.

Julia Leutloff: Boah, ich habe es nicht gehört! Ich konnte das komplett ausblenden, ehrlich gesagt.

Markus Hövener: Okay, das ist gut. Sehr schön. Ja, dann wie gesagt, vielen Dank für dich. Vielen Dank an euch, die da alle – die ihr so lange zugehört habt.

Julia Leutloff: Ja, danke auch von mir, auf jeden Fall.

Markus Hövener: Ja, wenn ihr noch Fragen habt. Julia werdet ihr mit Sicherheit über diverse Social-Media-Kanäle finden können. Wie sollte es auch anders sein!

Julia Leutloff: Ich bin auch auf Facebook, tatsächlich!

Markus Hövener: Auf Facebook? Verrückt!

Julia Leutloff: Aber ich freue mich auch über einen LinkedIn-Anfrage über den Desktop.

Markus Hövener: Genau. Also einfach mal suchen, dann wird man schon finden. Ja, vielen Dank an euch da draußen. Schön, dass ihr dabei wart. Komm weiter gesund durch die Zeit und bleibt neugierig. Das ist immer so der beste Tipp wahrscheinlich. Also in diesem Sinne, bis bald. Tschau.

Julia Leutloff: Ja, bis bald! Tschau, tschau.

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Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und SEO Advocate der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor, Podcaster und Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO.

Markus hat vier Kinder, spielt in seiner Freizeit gerne Klavier (vor allem Jazz) und genießt das Leben.

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