Negative SEO: nur eine theoretische Gefahr? [Alles auf Start 50]

25. November 2021 | Von in Search Camp + Alles auf Start, SEO

Es gibt durchaus einige SEO-Maßnahmen, mit denen man einem Wettbewerber schaden kann – so genanntes „Negative SEO“. Welche – zumindest theoretischen – Möglichkeiten gibt es denn, einer anderen Website Schaden in den organischen Rankings zuzufügen? Wie realistisch ist das in der Praxis? Und wie kann man sich schützen?

 

Keine Ausgabe unserer Podcasts mehr verpassen?
Dann melde Dich jetzt mit Deiner E-Mail-Adresse für unseren wöchentlichen SEO-Alert-Newsletter an:

Mit der Registrierung erklären Sie Ihr Einverständnis zum Erhalt der Update mit Revue sowie zur Analyse der Öffnungs- und Klickraten. Zu Ihrer Sicherheit erhalten Sie vorab eine Mail einem Bestätigungs-Link (Double-Opt-In). Sie können sich jederzeit mit dem Abmeldelink in einer Mail vom Newsletter abmelden.

 

Die wichtigsten Podcast-Links:

 

Negative SEO: nur eine theoretische Gefahr?

Ich habe euch heute ein Thema mitgebracht, das heißt Negative SEO. Das ist jetzt eigentlich ein ganz komisches Thema, weil es wird oft gefragt in Seminaren, in der SEO Sprechstunde und bei anderen Gelegenheiten. Ich nehme jetzt vielleicht ein bisschen das Ende vorweg. Es ist in der Praxis vielleicht nicht unbedingt so wichtig, aber eben, weil es so oft gefragt wird, – ich hoffe, dass ihr jetzt nicht alle abschaltet, weil ihr könnt trotzdem was lernen – möchte ich euch einmal darüber aufklären, was das eigentlich meint, Negative SEO. Und natürlich auch, wie man sich davor schützen kann.

Wo fange ich an? Ich fange mal so an: Es gibt so genannte Google-Richtlinien, das heißt, Google hatte einmal Spielregeln aufgestellt. Die haben zum Beispiel gesagt, man darf keinen weißen Text auf weißem Grund machen. Das hat man früher mal gemacht, um Text zu verstecken. Der war dann nur für die Suchmaschine und im Browser hat man den nicht gesehen. Das ist so eine Sache, die man nicht darf.

Und da stehen eine ganze Menge Sachen in diesen Richtlinien drin. Zum Beispiel steht da auch drin, dass man keine Links kaufen darf und viele andere Möglichkeiten, um schnell und einfach viele Links aufzubauen, die sind per se verboten. „Verboten“, in Anführungsstrichen natürlich, denn es geht hier nicht um eine rechtliche Konsequenz, die droht, sondern es geht einfach nur darum: Wenn Google dich damit erwischt, mit ganz bestimmten Taktiken, dann kann es passieren, dass entweder deine Rankings verringert werden oder es kann passieren, im Worst Case allerdings nur, dass du sogar komplett aus dem Index entfernt wirst.

Das kann passieren. Wünsche ich dir natürlich nicht. Passiert heutzutage auch gar nicht mehr so oft. Google ist viel schärfer geworden und die meisten Website-Betreiber sind auch viel schlauer geworden, dass sie einfach viele Taktiken gar nicht mehr machen.

Jetzt habe ich eben gesagt, wenn es so ist, dass irgendeine Website ganz viele komische unerlaubte Links hat, dann kann sie abgestraft werden. Na ja, und jetzt kann ich theoretisch Negative SEO betreiben, indem ich für einen unliebsamen Konkurrenten von mir solche Links einfach mal schalte. Manchmal werden so Pakete auf Ebay angeboten oder auf diversen anderen Plattformen oder ich geh einfach mal hin und trag ihn in 50 so allgemeine Webverzeichnisse ein und nutze sehr viele Keywords und solche Sachen. Also da gibt’s verschiedene Möglichkeiten, ich will da jetzt natürlich keine Anleitung für liefern, wie man das machen könnte. Es wäre auch natürlich strafrechtlich relevant. Deswegen machen wir das auf gar keinen Fall, egal wie sehr oder wenig wir den Konkurrenten zu schätzen wissen.

Das ist eine Möglichkeit, was passieren kann, was eben ein Konkurrent machen kann, um meiner Website potenziell erstmal zu schaden. Was könnte noch passieren? Es gibt da zum Beispiel die Google Suchvorschläge. Das heißt, wenn du irgendwas eintippst, was weiß ich, den Namen deiner Firma, dann kommt dahinter ein Suchvorschlag, sowas wie „Firma x Berlin“, „Firma x Karriere“ und so weiter und so fort, solche Suchvorschläge. Und die basieren auf vergangenem Suchverhalten. Das heißt, andere Leute haben diese Wörter mal eingetippt.

Jetzt könnte ich theoretisch hingehen, das ist wirklich auch wieder theoretisch, und ich beeinflusse diese Suchvorschläge, indem ich meine 100 Freunde, die ich in ganz Deutschland habe, die rufe ich alle an und sage denen: Hey! Geht doch mal morgen zu Google hin und tippt folgende Suchanfrage ein. Wenn Google dann sieht, dass diese ganz spezielle Suchanfrage, so wie „Firma x insolvent“, dass die ganz oft kommt, wird Google, wenn ich „Firma x“ eingebe, das vielleicht als Suchvorschlag liefern. Das kann natürlich meinem Konkurrenten auch schaden, wenn da auf einmal steht: „insolvent“. Es gäbe noch andere Möglichkeiten, was da stehen könnte. Ist natürlich auch schlecht.

Ich könnte auch seine Website hacken und ich könnte auch zum Beispiel dann die robots.txt ändern und könnte einfach mal seine komplette Website für Suchmaschinen sperren. Ich kann alle Seiten auf noindex stellen, damit das schnell aus dem Index entfernt wird. Also es gibt schon viele Möglichkeiten, was ich negativ gegen jemand machen kann, was eben Auswirkungen hat auf den Google Index oder auf Algorithmen von Google.

Das in Summe nennt man eben Negative SEO. Also ich mache SEO, aber gegen eine andere Website. Gegen die eigene werde ich es in der Regel nicht machen, das ergibt wenig Sinn, aber gegen eine fremde ist das zumindest theoretisch möglich.

 

Was kann ich gegen Negative SEO machen?

Zum einen kann ich natürlich aktives Link-Monitoring betreiben. Also ich gucke mir an, welche neuen Backlinks entstehen denn eigentlich so. Da kann ich zum Beispiel die Ahrefs Webmaster Tools nehmen, die sind kostenlos. Da kann ich mir dann eben anzeigen lassen, welche neuen Links sind in den letzten 30 Tagen so entstanden. Und dann kann ich die theoretisch gegenüber Google entwerten. Das geht mit dem Google Disavow Tool.

Ich kann auch ein Website Monitoring draufsetzen, sowas wie Testomato zum Beispiel, um festzustellen, ob ganz bestimmte Seiten auf einmal auf noindex stehen oder ob ganz bestimmte Seiten per robots.txt gesperrt sind oder irgendwie anderes Schindluder mit diesen Seiten getrieben wurde.

Ich kann auch noch ein paar andere Sachen machen. Ich kann zum Beispiel Content Monitoring machen. Also ich kann zum Beispiel schauen, ob irgendjemand meine Inhalte einfach kopiert. Da gibt’s zum Beispiel so Tools wie Copyscape. Die kann ich benutzen, denn auch das wäre ein mögliches Potenzial. Jemand anderes kopiert einfach meine gesamte Website auf eine andere Website und rein theoretisch kann es dann passieren, dass die Rankings bei mir flöten sind und stattdessen die andere Website rankt, zumindest in Teilen.

 

Wie groß ist die Gefahr von Negative SEO?

Es gibt also eine Menge Möglichkeiten und es gibt auch eine Menge Möglichkeiten sich dagegen zu wehren. Ist das alles realistisch? Ich habe schon eben ein paar Mal, glaube ich, das Wort theoretisch verwendet. Passiert das?

Ich muss ganz ehrlich sagen, in der Agentur haben wir durchaus viele Websites, die bei uns durchlaufen, viele Fälle, die ich auch oft auf den Tisch kriege. Und ich hatte in den letzten fünf Jahren definitiv keinen einzigen. Das zeigt natürlich auch, für wie praxisrelevant ich das ganze Thema halte.

Natürlich muss man eine Sache sagen: Je schmutziger die Branche wird, desto realistischer ist vielleicht so etwas auch. Jetzt haben wir dadurch, dass wir vor allem Online-Shops und den deutschen Mittelstand betreuen, haben wir jetzt nicht so die typischen bösen Leute. Das heißt, wenn man natürlich eher so im Rotlichtbezirk unterwegs ist, ist vielleicht die Hemmschwelle für manche Aktionen viel geringer. Da kenne ich mich leider zu wenig aus, um das beurteilen zu können.

Also das, was ich jetzt sage, ist das realistisch? Zumindest so bei „normalen“ Websites eher nicht. Wie gesagt, ich kenne keinen Fall.

Es gab zum Beispiel auch mal eine Diskussion, weil auch Google wird regelmäßig gefragt, ob Negative SEO eigentlich wirklich möglich ist. Da hat Google zumindest geantwortet, also es gibt ein paar Sprachrohre von Google, und haben gesagt: Ja, wir kriegen zwar relativ oft mögliche Fälle davon auf den Tisch, also wo jemand behauptet, hier ist Negative SEO passiert. Bei den Fällen, die sie sich aber angeguckt haben, war es eigentlich in keinem der Fälle so.

Und das hat zum Beispiel einen klaren Grund. Ich habe eben gesagt, so Backlinks, schlechte Backlinks können mir schaden. Dagegen hat Google damals das Pinguin Update herausgebracht, oder die Pinguin Updates. In späteren Versionen von Pinguin hat man sich dann dafür entschieden, für die Doktrin, dass schlechte Links, die ich habe, einfach abgeschaltet werden oder entwertet werden, dass die eigentlich nicht gegen mich gelten. Das heißt, selbst wenn ich jetzt schlechte Links für meinen Konkurrenten kaufe, werden die vielleicht in der Regel einfach entwertet, so als gäbe es die eben gar nicht, so dass diese Taktik einfach in der Praxis nicht mehr wirklich gut funktioniert. So dass eigentlich faktisch nur die guten Links zählen und die zählen dann positiv, aber die negativen Links zählen nicht negativ.

Das könnte ein sehr guter Grund sein. Was machen wir jetzt mit dieser Information?

 

Meine Empfehlung

Was ich auf jeden Fall empfehlen kann, sind zwei der Bausteine, die ich eben erzählt habe, nämlich einmal das Link-Monitoring und das Website-Monitoring.

Link-Monitoring, sich regelmäßig seine neuen Backlinks anzugucken, ist eigentlich immer eine gute Idee. Wie gesagt, das geht kostenlos über die Ahrefs Webmaster Tools. Ein super Tool, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, dadurch dass es kostenlos ist. Und sich einmal im Monat seine Backlinks anzugucken und zu schauen, ist da was Neues entstanden, sind da vielleicht Backlinks dabei, die defekt sind, also die bei mir auf eine 404-Seite zeigen, das kann man immer machen.

Und Website Monitoring über Tools wie Little Warden oder Testomato kann ich auch in jedem Fall empfehlen, denn der Feind muss nicht nur außerhalb meiner Mauern zu finden sein, sondern manchmal habe ich den auch im eigenen Haus. Und das meine ich jetzt gar nicht so, wie es vielleicht klingt, sondern manchmal gibt es eben einen Angestellten oder vielleicht auch einen Dienstleister, der einfach einen Fehler macht, der aus Versehen etwas an der robots.txt ändert, und schon kann Google nicht mehr auf die Website zugreifen. Ich habe das in meinen 20 Jahren SEO-Tätigkeit schon mal erlebt, dass das jemand geschafft hat. Deswegen: Das ist nicht sehr wahrscheinlich, aber es kann eben passieren.

Das heißt nochmal, diese beiden Bausteine, Link-Monitoring und Website-Monitoring, würde ich mir sowieso gönnen. Das Website-Monitoring kostet in der Regel ein paar Euronen, ist aber bezogen auf das Schadenspotenzial durchaus eine sehr, sehr gute Investition.

 

Finale

Das war es, was ich sagen wollte. Also wenn ihr Angst habt vor Negative SEO, muss ich eben in der Praxis sagen, in der Regel ist das für euch kein Thema. Ich weiß, das geistert immer mal wieder durch die Medien und irgendeiner berichtet immer wieder darüber, irgendeiner findet sich auch immer, der glaubt, dass er in so eine Kampagne reingeraten ist. In der Regel ist das aber wirklich gar nicht so.

Auch bei den Backlinks muss man natürlich immer ein bisschen gucken. Nur weil jetzt gerade viele komische Backlinks entstehen, heißt das nicht, dass das eine Attacke von außen ist, sondern manchmal passiert das eben einfach, weil zum Beispiel diese Link-Datenbanken auch ein bisschen Amok laufen. Also gibt’s verschiedene Fälle, wo da auf einmal viel auftaucht, was allerdings keinen negativen Effekt hatte. Also wie schon gesagt, sehr unwahrscheinliches Thema. Schützt euch trotzdem, wenn es geht, auch weil es eben nicht nur gegen Negative SEO hilft, sondern eben auch viel gegen andere Möglichkeiten, wie ihr in Suchmaschinen Power verlieren könnt.

The following two tabs change content below.

Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor, Podcaster, Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und verantwortlich für das suchradar.

Markus hat vier Kinder, spielt in seiner Freizeit gerne Klavier (vor allem Jazz) und genießt das Leben.

Kommentieren