SEO-BVDW-Zertifikate für Personen und Agenturen: Was steckt dahinter? [Search Camp Episode 140]

11. August 2020 | Von in Search Camp + Alles auf Start, SEO

Der BVDW bietet verschiedene Zertifikate an, die in Bezug auf SEO interessant sind: das SEO-Fachkräftezertifikat und das SEO-Qualitätszertifikat für Agenturen. Wie aussagekräftig sind diese Zertifikate? Wie wird geprüft und gewertet? Und braucht es das alles wirklich? Darüber spreche ich mich Jens Fauldrath und Martin Witte.

 

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Markus Hövener: Hallo! Vielen Dank wie immer fürs Einschalten. Thema ist heute BVDW und was die so an schönen Zertifikaten rund um SEO machen und da habe ich vor allem zwei Spezialisten heute mir dazu geholt. Einmal den Jens Fauldrath und den Martin Witte. Hallo, schön dass ihr da seid.

Martin Witte: Moin, moin!

Jens Fauldrath: Hallo!

Markus Hövener: Jens Fauldrath muss ich fast nicht mehr vorstellen, Chef von get:traction. Und Martin Witte, auch ein mehr als geschätzter Kollege, der geografisch hier ganz nah bei mir dransitzt, nämlich im wunderschönen Münster als Geschäftsführer von der Online-Marketing Agentur Online Profession. Ich hoffe, ich habe nichts vergessen oder was Falsches erzählt. Was ich spannend fand, Martin, ich habe bei dir eben mal durch den Lebenslauf durchgeguckt und ich habe gesehen, dass du mal Einkaufsleiter eines großen Tresorherstellers warst. Hammer!

Martin Witte: Das ist richtig, das ist aber schon furchtbar lange her. Das war direkt nach meinem Studium, wo ich eigentlich auch noch nicht ganz genau wusste, was ich so werden will oder was ich so machen will. Ich habe BWL studiert und bin dann da irgendwie zufällig reingerutscht, aber habe nach einem dreiviertel Jahr auch dann das wieder sein gelassen und habe mich selbstständig gemacht. Aber war eine spannende Zeit und auch ganz, ganz interessant. Ich habe viele Dinge über Tresore gelernt und auch über Geldautomaten und deshalb weiß ich heute auch, immer wenn so Dinger explodieren oder sowas, was da genau passiert innendrin. Sehr spannend!

Markus Hövener: Hast du dann aber nie was mit zu tun, nehme ich an?

Martin Witte: Nein, aber ich kenne tatsächlich Leute, die, wenn sie ein bisschen mehr kriminelle Energie hätten, diese Dinger wahrscheinlich mit der bloßen Hand aufmachen können. Wir haben so einen Kollegen damals gehabt, der hat wirklich alle Tresore aufgemacht, wenn er die schräg angeguckt hat. Also wenn der Bursche ein bisschen kriminelle Energie hätte, dann wäre aus dem richtig was geworden.

Markus Hövener: Respekt! Aber wir wollen über das Thema BVDW sprechen. Zwei Zertifikate gibt es da, aber lasst uns erst mal mit dem BVDW anfangen. Ich glaube schon, dass fast alle in der Branche das mal gehört haben, Bundesverband digitale Wirtschaft. Könnt ihr mal ein bisschen kurz sagen, wie die so funktionieren? Also es ist ein eingetragener Verein oder was haben die so für eine Struktur, wie wird man da aktiv?

Jens Fauldrath: Martin, möchtest du anfangen oder soll ich?

Martin Witte: Nee, du darfst. Ich glaube, das ist ein Fall für dich, oder?

Jens Fauldrath: Okay. Also der BVDW war früher mal ein plötzlicher Branchenverband, also grad Branchen der Online-Werbenden sozusagen. Und wir haben ja dann auch sowas wie diesen Online-Vermarkter-Kreis und sonstigem Kram, was da alles drin organisiert ist. Hat sich mittlerweile allerdings relativ stark gewandelt, der ist auch von Düsseldorf umgezogen nach Berlin und versteht sich jetzt wirklich als Digitalverband. Vor 15 Jahren waren halt irgendwie so Marketing-Fuzzis digital und der Rest nicht und jetzt sind da mittlerweile auch Firmen wie Otis, also die machen Aufzüge, ist sowas ähnliches wie ein Tresor, nur dass man raus und rein kann und hoch- und runtergefahren wird, und ähnliche Unternehmen dort. Der vertritt jetzt erst mal natürlich, deswegen hier auch nahe vorm Regierungsbezirk, wird immer angehört zu irgendwelchen Gesetzesvorhaben, kann Stellung beziehen, was halt so ein Lobbyverband macht. Das ist die eine Seite des Verbands, mit der haben wir relativ wenig zu tun. Weil auf der anderen Seite gibt es sehr viele, das nennt sich da drin Fokusgruppen, also für jedes Thema, was er irgendwie bearbeitet, gibt es Fokusgruppen und die bestehen in der Regel aus den Mitgliedern. Da sind wir dann unentgeltlich drin, also wie Martin und ich, deswegen wir machen das auch nur, weil wir uns da immer gerne treffen quasi, weil ist unentgeltlich. Der Verband selber hat feste Angestellte, die gucken aber, dass so Beiträge reinkommen, Veranstaltungen gemacht werden. Die Namensrechte der DMEXCO gehören dem Verband übrigens, das wissen auch nicht viele, aber das Ding kommt vom Verband eigentlich. Und was wir jetzt machen in unserer Fokusgruppe, wir sagen okay, es gibt diesen Unterbereich Search-Marketing, ist jetzt also unsere Fokusgruppe, es gibt auch eine für Social Media, es gibt eine für Arbeitswelt der Zukunft et cetera, aber wir sind jetzt nur da tätig, mit dem Rest habe ich so gut wie gar nichts zu tun. Und deswegen sagt ja auch Mitmachverband, also wenn du mitmachst, kannst du selber was bewegen. Also irgendwelche netten Kollegen haben mich da zum Vorsitz gewählt und dann habe ich geerbt von Leuten lange, die vor mir mal Vorsitzender waren. Das war, glaube ich, vor 12 Jahren, Philipp von Stülpnagel, kennst du noch sicher?

Markus Hövener: Ja klar.

Jens Fauldrath: Klar. Der hat nämlich damals gesagt hier, es wäre doch irgendwie sinnvoll, wenn wir mal versuchen, dass wir Agenturen zertifizieren können, weil SEO als auch SEA, es gibt SEO- und SEA-Zertifikat, ist ein ungeschützter Begriff. Wissen wir alle, jeder konnte sich SEO nennen, ob er jetzt Hellseher ist oder Staubsaugervertreter, egal, jeder darf sich SEO nennen. Also brauchen wir vielleicht irgendeine Art von Zertifizierung, um festzustellen und irgendwie so eine Art Mindest-Qualitätsstandard feststellen zu können. Das war dann der erste Wurf, den er gemacht hat. Und damals hat er mich angesprochen, da war ich noch bei der Telekom, lang ist es her, und hat gesagt, du, wir brauchen einen Expertenbeirat, der einfach Cases prüft. Weil wir wollen das sehr stark machen, dass wir nicht irgendwelche Sachen abfragen, sondern wir wollen ein ziemlich starkes Gewicht auf eingereichte Cases haben. Und seitdem bin ich in diesem Expertenbeirat drin, der schlicht und ergreifend die Cases prüft und sagt, ist das denn eine sinnvolle Arbeit gewesen oder nicht von Agenturen, die die dort eben einreichen. Wie das ganz genau gemacht wird, gerne nachher noch mal. Irgendwann habe ich dann gesagt, als ich dann aus der Telekom raus war, eigentlich würde ich mich da auch stärker engagieren. Und mittlerweile machen wir da viel mehr, also jeder stößt so seine Aktionen an. Was wir jetzt noch gemacht haben, ist ein Zertifikat für Fachkräfte. Da hat sich Julian Dziki massiv eingebracht, um das Ganze inhaltlich zu beschreiben. Das sind sozusagen die Dinger, die da laufen.

Markus Hövener: Martin, wie kommst du zum BVDW?

Martin Witte: Ich habe mich eigentlich mal fürchterlich aufgeregt und manchmal tue ich das heute auch noch, wenn es darum geht, dass irgendwelche Agenturen vermeintlich mit irgendwelchen Fake-Siegeln und anderen Geschichten da draußen unterwegs sind und überhaupt auch Agenturen draußen unterwegs sind, die sehr unseriös arbeiten. Irgendwann ist mir eine Agentur vor die Füße gefallen, die auch dann noch mit dem BVDW Logo im Footer unterwegs war. Und anlässlich einer Campixx, ich glaube, das ist jetzt so fünf Jahre her ungefähr, gab es damals eine Gesprächsrunde von den Kollegen vom BVDW, und da habe ich mich dann da beteiligt und auch ziemlich echauffiert darüber, wie die überhaupt irgendwie solchen Agenturen so ein BVDW Logo zugestehen können. Und kritisieren ist ja immer eins, aber Bessermachen geht in der Regel immer durch Mitmachen. So bin ich im Prinzip dann dazugekommen. Habe dann gesagt, okay, ich will versuchen, das Ganze so ein bisschen besser zu machen, ein bisschen dabei mitzuhelfen, dass die Branche vielleicht nach außen hin ein bisschen transparenter und besser durchblickbar wird. Seitdem bin ich Mitglied und seitdem engagiere ich mich auch ziemlich stark.

Markus Hövener: Wir wollen insgesamt auf die beiden Zertifikate gucken, die so SEO relevant sind. Lasst uns mal mit dem Fachkräfte-Zertifikat anfangen. Das war irgendwie oder kam irgendwie aus dieser SEO-Trainee Ecke, steht jetzt aber quasi allen Fachkräften offen. Was muss ich machen, um dieses Zertifikat zu bekommen?

Martin Witte: Das ist eigentlich relativ einfach. Auf der Seite vom Bundesverband gibt es im Prinzip die Möglichkeit, sich anzumelden. Das macht in der Regel normalerweise sogar der Arbeitgeber für dich, so wäre es halt eben wünschenswert. Das heißt deine Agentur, wenn die Agentur Mitglied im Bundesverband ist, dann kostet das 149 Euro und wenn sie nicht Mitglied ist, ist es 199 Euro. Aber grundsätzlich kannst du es natürlich auch selber zahlen, auf eigene Kappe machen. Es gibt sogar Studentenrabatte und sowas, das entscheidet der Verband dann selber, oder die Jana, die das da betreut. Und dann bekommst du im Prinzip einen Link und kannst einfach eine Online-Prüfung machen und dann gegebenenfalls auch bestehen. Also die Anforderungen an das Zertifikat sind nicht besonders gering. Der Julian Dziki ist da wirklich sehr, sehr engagiert gewesen, hat unwahrscheinlich viele spannende Fragen und Themenkomplexe da aufgetan. Sinn ist es eigentlich, dass man dahinkommt wirklich zu erkennen, wer hat denn Ahnung von SEO und wer hat keine Ahnung von SEO. Und auf der anderen Seite natürlich auch vor allen Dingen, um Leuten, die überlegen in einer Agentur zu arbeiten, auch die Möglichkeit zu geben, da sicherzustellen, dass sie halt auch eine ordentliche Traineezeit oder eine ordentliche Ausbildungszeit haben. Es gibt einfach so viele SEO-Trainees, die aus Agenturen kommen, die fertig sind und die im Prinzip überhaupt nicht wissen, wie eine .htaccess funktioniert oder solche ganz banalen Geschichten, weil die da die ganze Zeit missbraucht werden, um Content zu schreiben oder 301-Weiterleitungen zu setzen oder irgendwelche anderen Sachen.

Markus Hövener: Sind das eher alles so ein Multiple-Choice-Test oder sind da auch offene Fragen dabei?

Martin Witte: Das sind eigentlich, soweit ich es weiß, alles Multiple-Choice-Geschichten, oder Jens, bin ich falsch?

Jens Fauldrath: Das sind Multiple-Choice-Geschichten, das war auch so die größte Herausforderung. Deswegen haben wir auch gesagt, an wen soll ich das richten? Deswegen so klassisch Berufsleute mit so ein bis zwei Jahren Erfahrung. Was wir nicht machen können, ist ein Zertifikat zu machen und zu sagen, der ist Senior Level. Weil der weiß, dann sind die Aufgaben komplexer und sehr stark natürlich dann auch am jeweiligen Use Case hängend. Das lässt sich in so einer Multiple-Choice-Prüfungsebene nicht abfangen. Sondern es geht hier einfach darum, dass man sattelfest ist, was schlicht und ergreifend die ganzen Basics betrifft, und den Leuten nicht mehr erklären musst, dass man dann noindex halt nicht sieht, wenn die Seite von robots.txt gesperrt ist. Weißt du, also du kennst diese ganzen Sachen. Ich habe mittlerweile auch, man kommt über so gemeinschaftliche Veranstaltungen im BVDW auch mit anderen Mitgliedern in Kontakt, die nicht bei uns in der Fokusgruppe sind. Und da habe ich jetzt mit zwei, drei Konzernverantwortlichen lustiger Weise da sprechen können, die gesagt haben, denen fällt es auch extrem schwer Personal zu finden beziehungsweise deren Fähigkeiten einzuschätzen. Da habe ich gesagt, ihr wisst aber schon, dass wir hier im Verband dieses Zertifikat haben, das kostet nur X. Ihr könntet Bewerber auch einfach da reinschicken und macht sowas wie einen Einstellungstest daraus. Kostet euch 150, seid ihr Mitglied, also 149, und das ist weit billiger als jemanden einzustellen, den man danach nur schwer wieder loswerden kann, wenn man feststellt, dass er gar nichts kann. Fanden die ganz spannend, machen jetzt auch schon welche, habe ich mir sagen lassen. Also ist von daher multipel einsetzbar, wenn man so möchte.

Markus Hövener: Jetzt seid ihr beide, ich sag mal, SEOs, die es auch schon ein paar Jahre machen, die auch selber eine Agentur haben. Für wie aussagekräftig haltet ihr das wirklich, wenn jemand dieses Zertifikat hat? Oder andersrum, welche konkreten Fähigkeiten fehlen dieser Person dann vielleicht auch noch?

Martin Witte: Grundsätzlich würde ich erst mal sagen, das Ding ist wirklich schwer. Also als der Julian das entwickelt hat, habe ich das hier auch bei den Trainees bei uns gegeben. Du musst von den 60 Fragen 80 Prozent richtig beantworten, hast eine Stunde Zeit. Da sind wirklich ein paar Fragen bei, die echt knifflig sind. Also ich glaube schon, dass die Leute, die diese Fragen wirklich beantworten, dass die schon bestimmt alles mitbringen, um als SEO wirklich vernünftig arbeiten zu können. Das was man natürlich A) nicht überprüfen kann, ist bei solchen Online-Tests, ob Leute das wirklich alleine machen. Das nicht, natürlich ist das ein Test, der jedes Mal neue lädt, wo die Fragen in unterschiedlicher Reihenfolge sind und, und, und, aber am Ende vom Tag ist das ähnlich wie beim Google AdWords Zertifikat oder sowas. Du wirst natürlich nie verhindern können, dass irgendjemand hilft. Und das zweite Ding, was natürlich hinterher fehlt, ist so, dass zum ganzen SEO-Bereich natürlich auch ganz, ganz andere Sachen gehören. Ich finde so logisches Verständnis, auch sicherlich so ein bisschen Empathie, Marketing-Grundzüge und, und, und, also ganz viele Sachen, die man nicht klassisch im Test abfragen kann. Ich glaube, nicht jeder, der das besteht, ist zwangsweise ein guter SEO oder sowas, das ganz bestimmt nicht, aber Leute, die das nicht bestehen, haben wahrscheinlich einfach zu wenig Wissen, um SEO gut zu machen.

Markus Hövener: Jens, fällt dir noch was ein?

Jens Fauldrath: Ich brauche eine kurze Pause, Kinders, hier laufen noch Leute Amok. Wartet mal kurz.

Markus Hövener: Okay. Ist ja alles gut. Dann mache ich einfach mit Martin weiter. Du hattest eben gesagt, man muss 80 Prozent schaffen. Hattest du selber eine Frage, wo du sagst, da hätte ich jetzt lange darüber nachdenken müssen? Oder ist es dann für jemand, der jetzt 3, 4, 5, 6, 7, 8 Jahre das Ganze macht, dann trotzdem irgendwie einfach?

Martin Witte: Ich habe tatsächlich, ich weiß jetzt nicht mehr genau, was das war, aber ich weiß, dass da eine technische Frage war, wo ich wirklich ganz, ganz lange kniffeln musste, weil ich überhaupt gar kein Techie bin. Ich bin selber halt auch nicht Entwickler und da war irgendwie was dabei, wo ich echt gedacht habe, oh Satan Ziege, was ist das denn jetzt ganz genau? Insofern fand ich das total gut. Und auch bei uns war das so, dass die Leute, die so technisch nicht gut drauf sind, die hatten da ganz, ganz krasse Probleme. Also man muss wirklich nicht nur Content können und wissen, was eine interne Verlinkung ist oder wie eine 301 funktioniert oder eine .htaccess, sondern man muss halt auch eben schon ein bisschen tiefer nach hinten reinkönnen und das ist auf jeden Fall auch gut so, glaube ich.

Jens Fauldrath: Wir haben es bei uns intern auch durchgespielt. Also Leute, die grad frisch waren, die haben sich da wirklich schwergetan und natürlich, Leute, die schon lange da sind, kamen da relativ easy peasy durch. Es trennt es schon an der Stelle, wo du es getrennt haben möchtest. Funktioniert an der Stelle schon.

Markus Hövener: Werden auch konkrete Tool-Kenntnisse abgefragt?

Martin Witte: Ja, Richtung Google-Tools. Ich weiß, dass die Search Console und rund um die Search Console da natürlich Fragen waren, aber jetzt nicht irgendwelche Geschichten zu, weiß ich nicht, ein Screaming Frog oder irgendeinem der anderen Tool-Anbieter, die ich jetzt bewusst nicht alle nennen will, um einen zu verärgern.

Jens Fauldrath: Aber natürlich wird gefragt irgendwie, es gibt schon Fragen zu Sichtbarkeits-Indizes im Allgemeinen. Die kommen, wenn ich mich richtig erinnere, wenn ich gesehen habe, waren da irgendwelche mit drinnen. Ich muss allerdings alles ein bisschen unter Vorsicht sagen, weil wir haben dazu auch einen eigenen Expertenbeirat für dieses Fachkräfte-Zertifikat, da sind auch nette Kollegen drin, die hinlänglich bekannt sind in der Branche. Und die gehen auch einmal im Jahr Fragen durch. Also ich meine, wir hatten hreflang-Fragen beziehungsweise nein, rel prev / next Fragen, die waren natürlich irgendwie obsolet dann mal. Die müssen natürlich raus. Du verstehst, also so ein Ding muss leben und ständig gepflegt werden.

Markus Hövener: Ja klar.

Jens Fauldrath: Und Julian und sein Team, also da sitzt Lisa Purrucker mit drin von xpose, der Jasper Thibaut von morefire, Johan von Hülsen wingman, Stephan Walcher diva-e. Ich nenne die jetzt alle mal, weil die das alle ohne Bezahlung machen, das ist eine ehrenamtliche Tätigkeit wie alles, was wir hier aufsetzen. Da muss man die Leute auch mal nennen und Danke für sagen. Wie gesagt, die kümmern sich regelmäßig darum, dass diese Fragen auf dem aktuellsten Stand bleiben.

Markus Hövener: Gut. Zweites Thema war Zertifikat für Agenturen. Finde ich, ein bisschen schwieriger. Manche haben auch ein Google Zertifikat. Gut, wir drei wissen, wie es da draußen manchmal zugeht. Provokante Frage, braucht es so ein Zertifikat? Und wie aussagekräftig ist das eigentlich?

Martin Witte: Ja. Ob es das braucht, ist natürlich eine wirklich ganz, ganz gute Frage. Es ist spannend, weil ich selber bin nicht zertifiziert, deshalb habe ich da vielleicht auch eine andere Sicht als manch anderer. Ich finde, diese Zertifikate unwahrscheinlich aufwendig. Also um zertifiziert zu werden, muss man wirklich, wirklich viel Zeit investieren, um da eben allen Fragen und allen Geschichten wirklich gerecht zu werden. Es ist mega-mega-aufwendig. Ich habe es bis jetzt noch nicht gebraucht. Jetzt hat Jens gleich sicherlich ein paar bessere Beispiele, bei welchen großen Ausschreibungen heute Agenturen erst gar nicht angefragt werden, wenn sie eben nicht BVDW-zertifiziert sind. Das kriegt man eigentlich grundsätzlich nicht mit, und ich habe jetzt wirklich erstaunlicherweise vor drei oder vier Monaten das erste Mal einen Fall gehabt, wo wirklich ein Kunde, mit dem wir seit Jahren zusammengearbeitet haben und der immer so ein bisschen sporadisch was gemacht hat, also niemand, wo wir so in einer konstanten Betreuung waren, der hat sich bei mir gemeldet und wollte sich für die gute Zusammenarbeit bedanken und hat gesagt: Wir haben uns aber jetzt für eine andere Agentur entschieden, weil mein Vater hat gesagt, er hat das irgendwo gelesen, die muss BVDW-zertifiziert sein. Und das war natürlich so ein schönes Eigentor, weil ich auf der einen Seite mich dafür einsetze, dass Leute sowas machen, ich es auf der anderen Seite nicht selber habe und damit quasi einen Kunden hinterher auch verloren habe. Aber wie gesagt, das ist mega-aufwändig, für mich war es bislang zu aufwändig, aber jetzt in Corona habe ich mehr Zeit und dann kümmere ich mich vielleicht auch um sowas.

Jens Fauldrath: Genau. Ich möchte dazusagen, wir sind auch erst seit diesem Jahr zertifiziert, hat diverse Gründe gehabt. Ich habe so den Hang irgendwie öfters mal Firmen aufzumachen. Man muss eine gewisse Zeit lang am Markt sein, bevor man überhaupt das machen kann. Und jetzt ging es halt, also habe ich es auch getan. Ich möchte aber mal vorne anfangen bei diesem Prozess, wenn ich darf. Und zwar wie vorhin gesagt, es gibt Menschen einfach, und da sollte man wirklich draußen als Zuhörer aufpassen, es gibt schlicht und ergreifend Unternehmen, die das Mitgliedslogo des BVDWs nutzen, weil sie wissen, dass im Markt der eine oder andere gehört hat, dass der BVDW Zertifizierungen durchführt. Und die nutzen einfach das Mitgliedslogo, sind aber nicht zertifiziert. Das ist eine schlechte persönliche Eigenschaft, weil da faket man etwas vor. Und zwar gerne dann neben Google Partner, also da, wo die Logos sind. Es gibt andere, die sagen, wir engagieren uns beim BVDW ganz klar getrennt von irgendwelchen lustigen Zertifizierungen. Das ist fein, aber wenn Leute das wirklich einsetzen, um bewusst etwas zu täuschen, dann muss ich schon sagen, würde ich allein schon da aufhören irgendwie mit denen in Kontakt treten zu wollen, weil ist halt kein ehrlicher Umgang. Für jeden, der sich nicht zertifiziert, dem das zu aufwändig ist, es gibt eine kurze Version, das ist der Code of Conduct. Also heißt schlicht und ergreifend, eine Selbstverpflichtung auf Deutsch. Code of Conduct, Selbstverpflichtung, den kann man unterzeichnen. Als BVDW-Mitglied kostet das gar nichts, ansonsten glaube ich nur Verwaltungsaufwand relativ klein. Da unterzeichnet man, dass man diverse Standards einhält. Und, das ist ganz wichtig, da es eine Selbstverpflichtung gibt, gibt es dafür einen Beschwerdebeirat. Da kann man eine Beschwerde hinschicken. Wenn einer sagt, guck mal, ich habe mit der Agentur gearbeitet, die hat diesen Code of Conduct und die hat bei mir in der Zusammenarbeit gegen den verstoßen. Dann nimmt sich dieser Expertenbeirat und sagt, bitte erklär mir das mal genauer, weise es nach, hört die Agentur und versucht als Schlichtungsstelle notfalls, also was sie schlimmstenfalls tun kann, ist den Code of Conduct entziehen und es öffentlich machen. In der Regel versucht die aber da irgendwas hinzukriegen. Wenn du diesen Code of Conduct unterschrieben hast, der ist zwingende Voraussetzung, dass du dich überhaupt zertifizieren kannst. Also jeder, der sich zertifizieren möchte, kann das machen, wenn er den Code of Conduct unterschrieben hat. Das heißt, der ist auch immer diesem Beschwerdebeirat unterworfen. Weil der kann dir das Siegel auch wieder wegnehmen. Ist jetzt gerade jüngst passiert, dass wir das einer Agentur weggenommen haben aufgrund einer Beschwerde. Dann kannst du das durchaus gebrauchen. Wir würden uns wünschen, dass der BVDW das Siegel etwas stärker vermarktet. Da gebe ich Martin recht. Es wird aber aufgrund dessen, also es gibt so eine Art Eigendynamik an der Stelle, weil einfach andere Vereine, wie gesagt, andere Firmen in den BVDW eintreten. Und da hatten wir jetzt durchaus schon von einem größeren Telefonanbieterkonzern-Gedöns das Thema gehabt, wo es einfach Eingangsvoraussetzung ist. Wir hatten das auch schon bei einer großen Krankenkasse, wo es einfach Eingangsvoraussetzung ist. Habe aber auch, und das sieht man durchaus, Leute, die dann sagen, du, wir mussten drei Leute anfragen, wir haben keine Ahnung, wir haben diese BVDW-Seite gefunden, wo alle aufzählen, die ein Zertifikat haben, und wir haben dich und zwei andere geklickt und jetzt sag mal was. Auch schon vorgekommen. Also es ist nicht so, dass es gar keinen Marketingwert hat, der ist durchaus da. Den kann man aber auch umgedreht offensiv verwenden, wenn du in irgendwelchen Situationen drin bist. Also du weißt ja, oft grad im Mittelstand hast du mit Leuten zu tun, die jetzt wirklich keine großen Marktkenntnisse haben, was auch nicht schlimm, es ist nicht ihr Job. Dann bist du aber drin und dann sagst du, huch, wieso sind Sie eigentlich doppelt so teuer als der andere? Dann sagst du, die ehrliche Antwort ist, ich glaube, der macht nichts. Du weißt was ich meine?

Markus Hövener: Ja.

Jens Fauldrath: Also wir kennen ja die Kollegen, also wenn das so wirklich exorbitante Diskrepanzen drin sind und du denkst, das war jetzt hier auch kein Riesenauftrag, und denkst so, hm, da kann nichts bei rumkommen, dann kann man wenigstens sagen, gucken Sie doch mal, erkundigen Sie sich doch, hier, da sind welche Fragen, soll er doch mal hier zwei, drei, und gucken Sie doch mal, ob das Preisgefüge überhaupt valide ist oder nicht. Und die sind alle zertifiziert, das heißt, die werden alle hoffentlich in einem ähnlichen Bereich, fragen Sie doch mal zwei, drei andere, nur um zu prüfen, dass sie da nicht komplett danebengreifen. Habe ich durchaus schon getan. Ist auch eine schöne Sache. Weil wie gesagt, diese Zertifizierung zu bekommen, ist schon anstrengend. Also wir haben ja auch eine Woche lang gerödelt.

Martin Witte: Vielleicht bei der Geschichte noch mal gerade, wo wir da so drüber sprechen, weil da geht es eigentlich mehr um die Frage auch, wie finde ich die richtige Agentur und ist so ein Siegel das richtige Ding, um sich für eine Agentur zu entscheiden? Da hat der BVDW auch damals den Ratgeber auf den Markt gebracht. Es gibt ja so einen Ratgeber, der heißt: Wie finde ich die richtige Search Agentur? Haben damals auch eine Menge Kollegen dran mitgeschrieben. Ich glaube, wenn da draußen jemand von den Zuhörern sich ernsthaft die Frage stellt, sich für irgendeine Agentur zu entscheiden, dann ist so ein Ratgeber bestimmt auch ganz, ganz hilfreich, weil sich rein auf das Siegel zu verlassen, ist glaube ich auch der falsche Weg.

Jens Fauldrath: Genau.

Markus Hövener: Lasst uns mal kurz gucken. Ich muss Cases einreichen, um das Zertifikat zu bekommen. Das sind doch jetzt, und vielleicht liegt da auch so ein Grundproblem des Ganzen, es sind eigentlich nur Positiv-Cases. Also da habe ich, in Anführungsstrichen, mal gute Arbeit gemacht, das heißt, 90 Prozent von dem, was ich mache, könnte theoretisch Schrott sein, oder?

Jens Fauldrath: Da hast du recht, das wissen wir auch nicht, wie wir das Problem lösen können. Ich bleibe einfach bei der Frage. Also da ist uns noch nichts eingefallen, deswegen also wir wissen, wir haben eine Lösung, du hast den Code of Conduct unterschieden und damit unterliegst du dem Beschwerde-Beirat. Und Kunden können sich beschweren. Wenn die Beschwerden substanziell sind, erziehen wir das Siegel. Wir haben es gerade, ich habe gehofft, dass ich heute beim Anwalt schon fertig bin, aber wegen Corona ist das ein bisschen verzögert, dann hätte ich auch den Namen sagen können, weil wir da noch an der Pressemitteilung arbeiten. Aber die ist noch nicht rechtssicher, deswegen kann ich die Formulierung auch noch nicht durchgeben. Deswegen sei mir das jetzt nachgetan, wir können da nicht schalten und walten wie wir wollen. Ist alles Rechtssituationen, die da drin sind, aber wir haben es gerade jemandem aufgrund dessen entzogen. Aber genau das kann am Ende schlicht und ergreifend passieren. Aber wir haben eine Durchfallquote von 40 Prozent. Also es ist wirklich nicht, wo du bezahlst und kommst durch. Der Preis für das Siegel besteht aus zwei Zeilen, einmal für die Prüfungsgebühren und einmal die Lizenz das Siegel tragen zu dürfen. Und dieser zweite Teil, den kriegst du erstattet, wenn du durchfällst.

Martin Witte: Man muss ja auch sagen, es ist an sich nicht günstig oder ist eben die Frage, was ist günstig oder was ist nicht günstig, aber im Prinzip musst du erst mal 2500 Euro bezahlen. Auch das ist sicherlich schon manchmal ein Zeichen dafür, dass der, der das tut, dass es ihm auch was wert ist.

Jens Fauldrath: Genau. Gilt aber zwei Jahre jetzt mittlerweile, deswegen ist es auch teurer geworden.

Markus Hövener: Plus die ganze Arbeit, die da reinfließt, um diese Cases aufzubereiten, oder?

Jens Fauldrath: Ja. Frag mal mich, der den ganzen Scheiß prüfen muss.

Markus Hövener: Kannst du mal sagen, wie viel Zeit du so reinsteckst? Also jetzt pro Zertifikat für eine Agentur oder ihr als Beirat.

Jens Fauldrath: Auch da noch mal ganz kurz, es gibt diesen Expertenbeirat, der prüft. Ich habe also zwei Rollen, ich bin einmal Vorstand der Fokusgruppe und es gibt den Expertenbeirat. Da sind auch viele Inhouse-Kollegen, also der ist auch öffentlich auf der Webseite einsehbar. Da sind im Moment ungefähr zwei Drittel der Teilnehmer Inhouse-Kollegen und nur ein Drittel aus Agentur. Da haben wir uns was bei gedacht und wir kannten auch die richtigen Leute zum Fragen, weil die kriegen leider auch kein Geld, die armen Kollegen. Da musst du schon betteln gehen, also mein Job ist, den ganzen Tag dort betteln zu gehen, damit nicht Großteil Agentur über Agentur prüft. Also das ist an der Stelle schon mal wichtig. Und man prüft sich natürlich nie selbst, das ist klar. Die Cases gehen immer an drei Prüfer und die Durchschnittsnote ist dann die, die zählt, damit es auch nicht so wegen: Ja der, dem ist nur Content wichtig, das habe ich auch gewusst. Sondern drei Leute, eine Entscheidung. Die müssen sich auch wirklich einigen. Da haben wir immer lustige Sitzungen, das kann dann auch mal lustig hin und her diskutiert werden. Das ist sozusagen das Thema. Und in den Sitzungen sind nie, wir teilen unseren Expertenbeirat in zwei Gruppen, damit nie jemand in der Gruppe ist, wo auch selber sein Unternehmen drin ist. Man auch nie was hört, also man weiß nichts. Das ist wirklich ganz wichtig, weil sonst könnten wir uns selber nicht durchlaufen, das wäre dann doppelt in den Fuß geschossen. Und diese Cases, die werden anonymisiert. Das heißt, also ich weiß nicht, welche Agentur ich prüfe. Ich weiß, welchen Case ich prüfe, ich weiß aber nicht, welche Agentur hinten dran steht.

Markus Hövener: Was schon ganz wichtig ist, weil gerade du Jens, ich glaube du kennst Tod und Teufel und wäre natürlich schon kritisch, wenn du wüsstest, von wem das jetzt ist.

Jens Fauldrath: Absolut. Ich meine, es passiert, dass ich sage, oh, ich weiß, wer das ist. Deswegen das Allererste, wenn ich die Cases bekomme, gehe ich relativ schnell durch und sage, ah, weiß ich, schreibe die Jana, das ist die festangestellte Hauptberufliche beim BVDW, die das Ganze organisiert, sage, du, gib mir einen anderen, weil da weiß ich, wer das ist. Und das machen die anderen Kollegen auch so. Ich meine, ich kann nicht in ihren Kopf reinschauen, aber die sagen mir auch und sind auch angehalten so zu tun. Aber was du noch einreichen musst, ist Nachweis über die Mitarbeiterqualifikation, sowas wie Fachartikel, Fachvorträge, Workshops und fünf ausgewählte Kontakte für eine Befragung. Also unterhalt dieser drei Cases, das ist das, was du einreichen musst. Und jetzt zu deiner Frage. Ich brauche so zwischen vier bis acht Stunden für einen Case.

Markus Hövener: Und Befragung heißt dann, Kunden und die rufst du dann auch alle an oder suchst du dir was aus?

Jens Fauldrath: Ich nicht. Nein, das macht die Jana. Also das macht der BVDW, also die Sachen Nachweis über die Tätigkeiten, Umsatzvolumen, all das Ganze, das sehen wir natürlich ums Verrecken nicht, weil das sind Sachen, die gehen uns gar nichts an, wir sind ja Marktbegleiter. Deswegen gibt es Jana als Festangestellte beim BVDW. Und obwohl ich Fokusvorsitzender bin, darf die mir die Unterlagen auf keinen Fall geben. Niemand von unserer ganzen Fokusgruppe hat eine Möglichkeit da rein zu kommen, auch nicht an die Mitarbeiterqualifikation natürlich und auch nicht an die ausgewählten Kontakte, die ruft sie an.

Markus Hövener: Ich meine, das Zertifikat gibt es jetzt wirklich schon ein paar Jahre, merkt ihr, dass sich die Relevanz am Markt verändert oder ist das so, haben wir da jetzt auch so eine Sättigung erreicht?

Martin Witte: Ich würde sagen ganz klar: Ja. Wie gesagt, ich beobachte das jetzt schon ein paar Jahre und ich ringe auch mit mir selber, ob ich das mache oder nicht das Zertifikat, aber ich bekomme immer mehr mit, auch gerade über die Sitzungen im Bundesverband, worüber oder welche Unternehmen jetzt eben sagen, ich gebe einen Pitch nur raus an Leute, die eben auch so ein BVDW-Qualitätszertifikat haben. Und doch, das wird auf jeden Fall definitiv mehr, und ich glaube auch, dass das Zertifikat an sich auch noch deutlich besser wird, gerade im Bereich SEA. Wir haben bis jetzt gerade nur über SEO gesprochen, aber im Bereich SEA ist das Ding auch wirklich gerade noch mal komplett von rechts nach links gezogen worden, weil das einfach zu einfach war, weil zu viele Agenturen dieses Zertifikat bekommen haben, ohne eigentlich wirklich richtig was dafür tun zu müssen. Und das ist jetzt alles doch noch mal deutlich besser und intensiver geworden. Deshalb doch, ich glaube voll, dass das auch noch mehr werden wird, weil einfach die Branche an sich so intransparent ist, am Ende vom Tag brauchst du auch eben irgendetwas, wonach du dich richten kannst oder woran du dich orientieren kannst.

Markus Hövener: Ja klar. Gibt es auch irgendwelche Umsatzgrenzen oder kann ich wirklich als Ein-Mann-Klitsche auch das Zertifikat bekommen?

Jens Fauldrath: Nein, kannst du nicht.

Martin Witte: Nein?

Jens Fauldrath: Da musst du auf das Fachkräftezertifikat leider ausweichen. Das geht nicht, weil wir Mindestumsatz, okay, den kannst du alleine auch erreichen, aber auch glaube ich, du mindestens 2 oder 3 Mitarbeiter nachweisen, weil das Ganze gilt für zwei Jahre. Wir haben auch Nicht-SEO-Agenturen, die das haben, die zertifiziert haben, weil es so große Fullservice-Agenturen sind, die einfach fünf hinreichend gute oder sehr gute Mitarbeiter haben. Aber stell dir mal vor, die hätten jetzt nur einen, der extrem gut ist und der kündigt nach einem Monat. Und der darf das Siegel noch weiterbehalten und es ist überhaupt keiner mehr da, der Ahnung hat. Also allein deswegen haben wir da so ein paar Grenzen drinstehen, die man jetzt als Einzelner nicht hinkriegt. Also wie gesagt, da kam immer die Kritik, ich als Einzelner kann mich da nicht prüfen lassen. Da sagen wir, ja, wissen wir, aber das Problem ist, da wir alle gleichbehandeln müssen, muss ich auch eine Fullservice-Agentur mit so einem Halbtags-SEO dann durchlassen und wenn die dann irgendwie durchkommen und dann geht der weg und dann stehen wir doof da. Das ist sozusagen der Grund, warum das da schlicht und ergreifend gewisses Capping hat.

Markus Hövener: Gut. Haben wir zu den beiden Zertifikaten noch irgendwas vergessen oder irgendwas, was ihr auf jeden Fall noch sagen wollt, was euch besonders wichtig ist?

Jens Fauldrath: Was mir wichtig wäre als jemand, der prüft, ist, wenn jemand da draußen Lust hat da durch zu laufen, bitte gebt euch Mühe bei den Dingern. Weil es ist erschreckend, die Leute, die durchfallen, das ist relativ eindeutig, weil sie es schon mal nicht hinkriegen, also man muss da eine Strategie beschreiben und danach die Umsetzung und dann ein Reporting, das sind so die drei Bestandteile. Und wenn du dann in der Strategie beschreibst, dass du den Umsatz steigern sollst und dann sind deine ganzen Maßnahmen auf Sichtbarkeit ausgelegt, dann sagst du schon, was? Weißt du, was ich meine?

Markus Hövener: Ja klar.

Jens Fauldrath: Da kriegst du so einen dicken Hals und sagst, sag mal, was bist denn du für ein Honk, warum schickst du mir den Kram und verplemperst meine Zeit? Also da sitzt man oft so ein bisschen fluchend in dieser Woche vor sich hin. Aber das wäre wirklich sozusagen das, auf was es mir ankommt. Und wie gesagt, es gibt auch gute Leute, die nicht zertifiziert sind, das ist gar nicht das Thema. Achtet aber bitte drauf, wenn jemand einfach nur das BVDW-Logo als Zertifikat nutzt, das sind in der Regel die Leute, da wissen wir, wenn ich jetzt die Namen dir sagen würde, würdest du auch gleich einfach sagen, wegrennen, wegrennen, wegrennen. Weißt du, was ich meine? Also das ist leider, wenn man so ein Zertifikat rausgibt, holt das Nachahmer. Wir haben jetzt sogar einen Fall in der Schweiz gefunden, wo jemand unser Zertifikat einfach nachgemalt und benutzt hat. Also es gibt da leider ein paar Undinge, deswegen immer notfalls auf die Webseite gehen, da stehen alle Zertifikatsinhaber noch mal drauf. Und wer es ordentlich verwendet, muss eigentlich auch auf die BVDW-Seite rückverlinken, damit man eben relativ schnell überprüfen kann, ob das auch in Ordnung ist. Dementsprechend lieber auf der Seite noch mal prüfen, bevor man irgendeiner Behauptung glaubt, weil da sind wir leider machtlos gegen, wenn das irgendeiner behauptet. Das wäre mir wichtig.

Markus Hövener: Okay. Martin?

Martin Witte: Nein, ich habe eigentlich nichts zu ergänzen, Jens hat das eigentlich schon alles auf den Punkt gebracht.

Markus Hövener: Gibt es Sachen, wo ihr darüber sprechen könnt, wo ihr sagt, also die beiden Zertifikate haben wir jetzt abgehakt, aber gibt es sonst Sachen, die beim BVDW in Sachen Search gerade passieren oder die eben für die SEOs da draußen spannend sind?

Jens Fauldrath: Das Schöne ist, sie passieren ja durch uns. Also durch uns die Fokusgruppe, nicht durch uns zwei jetzt. Und da kann ich wirklich nur sagen, die Liste der Agenturen, die Mitglieder sind, ist weit länger als die Liste der Agenturen, die an den Sitzungen teilnehmen und sich aktiv einbringen. Ich weiß, jede Fokusgruppe beim BVDW hat so ihr eigenes Rule Set. Meins ist nur, dass ich versuche, möglichst jeden einzubinden und auch eine Chance zu geben. Also die haben natürlich Möglichkeiten, Themen zu platzieren über Presseverteiler et cetera pp und wir machen uns da auch, dass wir sagen, okay, die kriegen wir, wie können wir denn gemeinschaftlich nach außen über spannende Themen kommunizieren, was können wir gemeinschaftlich tun? Das ist schon spannend und da kann sich wirklich jeder einbringen. Ich bin da auch einfach hingelaufen und habe geguckt, wie läuft der Laden und dann hat mich Sören Bendig damals mit in den Vorstand reingenommen. Dann hat sich ja die Seolytics aufgelöst in Sistrix, die waren nicht Mitglied, er war seinen Posten los. Dann standen wir da und ich habe mir schnell versucht, ein paar neue Leute zu finden, mit denen wir das machen können. Wir haben mittlerweile eine richtig coole Crew. Also allein schon die Vorabende vor den Sitzungen sind immer sehr spannend. Kommt einfach vorbei und bringt euch ein, dafür ist das. Je mehr wir sind, desto mehr können wir schlicht und ergreifend zusammen bewegen, weil das Fachliche und die Umsetzung kommt von uns. Der Verband gibt nur einen groben Ordnungsrahmen vor. Der Rest liegt an uns, da kann sich wirklich jeder einbringen.

Martin Witte: Also das finde ich auch, also gerade was Jens auch sagte zu dem ganzen Drumherum, das ist nicht nur die Sitzung, die vielleicht, weiß nicht, vier oder sechs Stunden dauert, sondern wirklich in der Regel eben die Vorabende, die Sitzungen verteilen sich einmal quer durch die Republik, jedes Mal woanders. Und das ist wirklich immer ein Treffen mit Branchenkollegen und neben den Themen, die wir gemeinsam dann eben nach vorne bringen wollen, wie halt eben so ein SEO-Trainee-Zertifikat oder irgendwie was anderes mit den Zertifikaten und viele andere Themen auch, ist das vor allen Dingen wirklich auch der Austausch mit den Branchenkollegen eben abends beim Bierchen oder morgens beim Frühstück oder wie auch immer, der wirklich echt toll ist. Und das sind alles wirklich coole Leute und da ist auch jeder willkommen, einfach mal hinzugehen. Also ich kann es jedem nur ans Herz legen. Kommt einfach mal vorbei, ihr verpflichtet euch zu nichts, ihr könnt als Gast einfach mal kommen und euch dazusetzen.

Jens Fauldrath: Genau. Und ich meine, du hast auch noch so Möglichkeiten, man ist zusammen doch mehr. Wir hatten auch jetzt diesen Fall, dass Google für seine Google Partner Logos und Programme, dass man mehr seine Produkte anwendet, sonst funktioniert das nicht mehr so ganz.

Markus Hövener: Ja genau.

Jens Fauldrath: Du erinnerst dich da so irgendwie, gell? Dann ist man irgendwie Google-Partner-Agentur und dann wird gemeckert, aber zu laut will man auch nicht meckern. Man kann aber über einen Verband mal eine Stellungnahme raushauen. Jetzt ist natürlich Google auch im Verband, aber da müssen sie dann durch, weil wir können das von uns erst mal alleine. Und da steht man selber vielleicht nicht so dran, es gibt ja den einen oder anderen, der vielleicht doch Angst hat, vielleicht kriege ich dann Ärger bei Google, weil du weißt ja wie da Kollegen drauf sind. Da kann man zumindest mal seinen Frust über was anderes, über eine andere Plattform wegpublizieren oder vielleicht einmal die Kollegen einfach sagen, guck mal, wir sind doch hier im gleichen Verband, lass uns mal rüber laufen und fragen, was geht. Am Ende kommt aus den USA, wird auch nicht viel ändern, aber man hat doch irgendwie so ein paar lustige kleinere andere Hebel auch auf anderen Ebenen schlicht und ergreifend, die man noch mal spielen kann und ziehen kann.

Markus Hövener: Okay, super. Vielen Dank euch beiden für den Einblick in den BVDW. Ich möchte noch einen kurzen Werbeblock vielleicht für Martin machen, weil ich meine, jetzt haben wir hier eine sehr geografische Nähe und Martin macht mit seiner Agentur sehr spannende Meetups in Münster. Wir wissen jetzt alle nicht so ganz, wann es damit weitergehen kann, aber vielleicht wenn du selbst kurz dafür trommeln möchtest, Martin?

Martin Witte: Ja klar, gerne will ich trommeln. Ist ganz lustig, weil wir uns heute auch noch gerade Gedanken darüber gemacht haben, wie wir das demnächst vielleicht auch in irgendeiner Form online zur Verfügung stellen können, weil im Rahmen von Corona niemand weiß, was so Sache ist. Aber sonst ist es eigentlich so: Wir treffen uns jeden dritten Donnerstag im Monat hier bei uns in der Agentur, wir haben immer so Platz für gut 50 Leute und wir haben, glaube ich, ein ganz, ganz cooles Speaker-Set, natürlich jetzt dieses Jahr einige Leute nicht geklappt oder sowas. Aber eigentlich so der Alex Geißenberger wollte kommen, der Tom Zeithaml, Marko Janck, Markus Hövener auch, Niels Dahnke, Mario Jung, wirklich viele Leute. Der Jens war schon bei uns, Karl Kratz war bei uns, Johan von Hülsen. Also ich glaube, wir haben wirklich da ein ganz, ganz schönes Set aufgestellt. Und ja, wir werden mal ein bisschen abwarten, wie sich das jetzt mit Corona entwickelt und ob wir gegebenenfalls auch mit den anderen Kollegen, die sonst auch in Deutschland überall in anderen Städten auch coole SEO- oder Online-Marketing-Meetups machen, ob wir da nicht zusammen vielleicht was auf die Beine stellen können und dann gegebenenfalls eben Online-Marketing-Meetups in digitaler Form für alle zur Verfügung stellen, so lange bis wir uns endlich wieder persönlich treffen dürfen und können.

Markus Hövener: Das wäre schön. Ja.

Martin Witte: Ja, wäre schön.

Jens Fauldrath: Absolut.

Markus Hövener: Gut. Also nochmal vielen Dank für euer beiden Zeit und …

Martin Witte: Sehr gerne.

Jens Fauldrath: Ja.

Markus Hövener: Ich wünsche euch was. Bis dann! Tschüss!

Martin Witte: Bleibt gesund! Danke, ciao!

Jens Fauldrath: Tschüss!

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Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor (International SEO), Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEA und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.

4 Kommentare zu “SEO-BVDW-Zertifikate für Personen und Agenturen: Was steckt dahinter? [Search Camp Episode 140]”

  1. Philipp Schade

    TLDR: Werbeveranstaltung für ein – aus meiner Sicht – leider nicht komplett unabhängiges, neutrales oder auch transparentes Siegel. Einstiegshürden sollten in der der Qualität der Dienstleistung und nicht in der Menge der Mitarbeiter oder Ausgabefreudigkeit für Prüfungs-/Mitgliedsgebühren liegen.

    Das Zertifkat hat für mich diverse Beigeschmäcker:

    “Also wie gesagt, da kam immer die Kritik, ich als Einzelner kann mich da nicht prüfen lassen. Da sagen wir, ja, wissen wir, aber das Problem ist, da wir alle gleichbehandeln müssen.” Das ist aus meiner Sicht schonmal ein totaler Widerspruch.

    “Aber stell dir mal vor, die hätten jetzt nur einen, der extrem gut ist und der kündigt nach einem Monat.” Als Einzelunternehmer ist dieser Fall gänzlich obsolet. Mir fehlt hier die Bewertung nach Qualität statt nach Masse und Größe.

    Als Nicht-Mitglied kostet das Siegel 4 Tausend Euro. Natürlich könnte man es als Mitglied auch für Schlappe 2500 Euro erhalten, aber insgesamt sehe ich hier den sehr schalen Beigeschmack, dass mit Zertifikaten Geld verdient werden soll oder zumindest durch ungleiche Kosten Mitglieder generiert werden sollen.

    Kleinere Unternehmen werden ggf. durch Kosten abgeschreckt, hingegen können sich große Agenturen leichter profilieren, wenn Sie einen nur einen sehr guten Mitarbeiter haben, der sich da durchwurstelt.

    Wenn man aus diversen Gründen kein Mitglied sein möchte, sich aber prüfen lassen wöllte, stehen da 4 Tausend Euro auf der Uhr. Das halte ich für 4-8 Stunden Überprüfungsaufwand (Zitat aus dem Podcast) für ein sportliches Sümmchen.

    Solche Einstiegshürden stehen für mich nicht für ein neutrales Qualitätssiegel.

    “…die kriegen leider auch kein Geld…” Hier frage ich mich, wohin der ganze Zaster dann fließt?

    Knapp 1000 Euro für einen Code of Conduct – den ich insgesamt wirklich gut finde – ist ebenfalls happig. Gerade, wenn sich möglichst viele Agenturen und Freelancer an diese Regeln halten sollen und aus meiner Sicht auch sollten.

    Fair fände ich ein wirklich transparentes Zertifikat, welches keine Einstiegshürden durch unverhältnismäßige Kosten oder ancere Hürden setzen würde.

    Ich schätze den Versuch eines neutralen, unabhängigen Qualitätssiegels sehr, aber für mich hat die aktuelle Ausprägung noch einen starken Beigeschmack.

    PS: Unabhängig davon schätze ich die Podcasts sehr und habe auch diesen mit Interesse verfolgt. Weiter so!

  2. Markus Hövener

    Danke für deinen Kommentar, Philipp.

    Ich glaube, dass Siegel immer problematisch sind. Ich bin auch absolut kein Freund von SEO-Siegeln, aber ich glaube schon, dass der BVDW hier einen guten Job macht.

    In jedem Fall wehre ich mich gegen “Werbeveranstaltung”. “Meinungsbildung” finde ich angebrachter.

  3. Anonymous

    Das rauschen und rascheln hält man ja nicht aus 🙁

  4. Markus Hövener

    Ich gebe alles, damit die grundsätzliche Qualität der Aufnahme optimal ist. Aber gerade bei Interviews sind mir da oft die Hände gebunden, wenn jemand nebenbei noch ne Tüte Flips verdrückt 🙂

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