SEO einfach erklärt – auf einem Bierdeckel!

10. Februar 2020 | Von in SEO

Von SEO-Neulingen kommt häufig der Wunsch auf, das Thema SEO mal ganz einfach auf den Punkt zu bringen. Es gibt sehr viele SEO-Buzzwords, die Einsteiger nicht immer einordnen können. SEO auf einem Bierdeckel? Geht das wirklich?

Naja, so ganz auf einen Bierdeckel passt es wohl nicht – außer wenn man die Schrift beliebig klein oder den Bierdeckel hinreichend groß macht. Und doch: Dieser Artikel ist der Versuch, einen guten Überblick über das Thema zu liefern und die vielen kleinen Nebelkerzen, die für die meisten Unternehmen ohnehin nicht wichtig sind, zu ignorieren.

SEO = Search Engine Optimization

Die Überschrift sagt es schon: SEO (sprich: „Ess-Iii-Ooo“ oder „SEO“ oder „Ssiiio“) steht für die Optimierung von Websites für Suchmaschinen.

Streng genommen ist das heutzutage nicht mehr ganz richtig, weil im Fokus der Bemühungen immer der Nutzer stehen sollte – zumindest bemüht Google dieses Mantra. Es gibt theoretisch Maßnahmen, die für den Nutzer vielleicht sinnvoll sind, aber für Suchmaschinen eher nachteilig. In der Praxis funktioniert es aber sehr gut, Suchmaschinen und Nutzer gut unter einen Hut zu bringen.

Hier: „Normale“ Suchmaschinen (vor allem: Google)

SEO wird oftmals – vor allem in Deutschland – eher als Google Optimization verstanden – der Marktmacht von Google geschuldet. Streng genommen bezieht sich SEO aber auch auf andere Suchmaschinen (Yandex, YouTube …) und auch auf andere Plattformen, die ebenfalls eine Suchfunktion enthalten (z. B. XING, Facebook, Amazon).

Im Folgenden liegt daher – um die Komplexität zu verringern – der inhaltliche Fokus auf Google Optimization.

On-Page vs. Off-Page

Suchmaschinen nutzen unterschiedliche sogenannte Signale, um anhand von Ranking-Faktoren die Suchergebnisse zu generieren. Dabei wird grundsätzlich immer zwischen zwei Baustellen unterschieden:

  • On-Page = alles, was man direkt an einer Website ändert (Inhalte, Struktur, Technik)
  • Off-Page = alles, was außerhalb einer Website liegt (vor allem: externe Verlinkung)

Wie in der Schule ist es bei SEO auch so, dass man sich nicht auf einen einzelnen Faktor konzentrieren sollte. Um versetzt zu werden, ist es wichtig, dass man in allen Fächern ausreichende Leistungen liefert. Also: Wer optimalen Content liefert, aber keine externen Verlinkungen, wird es in der Regel nicht nach oben schaffen.

On-Page

Beginnen wir mit den wichtigen On-Page-Faktoren.

SEO bedeutet vor allem: Man bringt Suchanfragen und Web-Seiten zusammen. Jemand sucht etwas und tippt dazu etwas in den Suchschlitz ein (oder spricht mit seinem Smartphone). Habe ich dann hinsichtlich der Inhalte die optimale Seite, um die Absicht des Nutzers optimal bedienen zu können?

Suchanfragen

Am Anfang von SEO muss daher immer Keyword-Recherche stehen. Nur wer weiß, was Nutzer in Suchmaschinen eintippen, kann darauf auch optimieren. Dafür gibt es Keyword-Datenbanken wie den Google Keyword Planner.

Es kann übrigens auch sehr gut passieren, dass es für bestimmte Produkte oder Dienstleistungen keine Suchanfragen gibt. Das kann vor allem bei Innovationen passieren, die zwar grundsätzlich interessant sind, aber (noch?) nicht aktiv gesucht werden. In diesem Fall ist SEO dann deutlich schwieriger – und evtl. sogar unmöglich.

Abstimmung der Inhalte auf Suchbegriffe

Wer seine Suchbegriffe kennt, muss dann dafür sorgen, dass es auf der eigenen Website eine Seite gibt, die die Wörter der Suchanfrage beinhaltet und wertvolle Inhalte bereitstellt. Also: Wer für „rechtsanwalt emsdetten“ gefunden werden möchte, sollte z. B. sicherstellen, dass auf der Startseite genau diese beiden Wörter „rechtsanwalt“ und „emsdetten“ vorkommen.

Mittlerweile ist dieses Prinzip etwas aufgeweicht, weil Google verschiedene Mechanismen anwendet, um z. B. Synonyme anzuwenden. Es könnte also z. B. auch reichen, wenn anstelle von „rechtsanwalt“ auf der Seite nur „anwalt“ steht. Grundsätzlich kann man aber klar sagen, dass es definitiv nicht schadet, wenn man die „korrekte“ Schreibweise verwendet.

Die einzelnen Bestandteile einer Seite müssen dann optimiert werden. Das sind vor allem:

  • Seitentitel (entspricht der 1. Zeile im Suchergebnis)
  • Meta Description (entspricht dem Textausschnitt im Suchergebnis, in der Regel 3. und 4 Zeile)
  • Hauptüberschrift und Zwischenüberschriften
  • Text
  • URL (eher unwichtig)

Dabei ist keine besondere Keyword-Dichte wichtig. Sicherlich ist es hilfreich, wenn die Suchbegriffe sinnvoll oft vorkommen – die Brechstange sollte dafür aber nicht herausgeholt werden.

Wichtiger ist es, dass der Text den sogenannten Search Intent optimal trifft. Der Text sollte …

  • vollständig das Thema beschreiben
  • inhaltliche Tiefe besitzen
  • falls sinnvoll: auf relevante Quellen verlinken
  • gut strukturiert sein (z. B. mit Fettungen oder Bullet Points arbeiten)
  • falls sinnvoll: Bilder und Videos einbetten

Crawling + Indexierung

Wichtig ist auch, dass eine Website für Suchmaschinen erfassbar ist. Heißt: Zuerst lädt eine Software die Website Seite für Seite herunter (Crawling), um die einzelnen Seiten danach zu kopieren und effizient abzuspeichern (Indexierung).

In der Praxis ist das häufig kein Problem. In Einzelfällen kann es aber zu Herausforderungen kommen, weil z.B. bestimmte Inhalte nicht intern verlinkt sind.

Bezüglich der Indexierung sollte auch beachtet werden:

  • Es sollten sich möglichst wenig irrelevante Inhalte im Index befinden (also z. B. keine Druckversionen von Seiten oder keine „Leg-mich-in-den-Warenkorb“-Seiten). Solche Inhalte kann man dann für Suchmaschinen sperren (per robots.txt oder per Noindex).
  • Es sollte idealerweise nur eine einzige Seite geben, die für eine bestimmte Suchanfrage passend ist (Stichwort: Kannibalisierung). Anstelle von drei kleinen Seiten ist es daher in der Regel besser, diese in einer langen Seite zusammenzufassen.
  • Inhalte sollten möglichst lange stabil vorliegen. Je länger sich eine Seite im Index befindet, desto besser wird sie in der Regel. Die URL einer Seite sollte sich also nicht regelmäßig ändern.

Technische Faktoren

Das Thema „Technik“ wird im Rahmen der Suchmaschinenoptimierung oft überschätzt. Viele Shop- oder Content-Management-Systeme sind in der Regel schon sehr gut auf Suchmaschinen ausgerichtet. Und doch gibt es einige Aspekte, die helfen oder schaden können:

Bonus-Faktoren:

  • Markup: Mit sogenannten strukturierten Daten können Inhalte aufbereitet werden, sodass Google erkennt, um was es sich bei den Inhalten genau handelt. Als Ergebnis erhält man oft eine bessere Darstellung in den Suchergebnissen und damit eine höhere Klickrate. In einigen Fällen braucht man auch Markup, um in einigen Google-Unterdatenbanken überhaupt zu erscheinen (z. B. Stellenangebote bei Google Jobs).
  • XML-Sitemaps: Diese Auflistungen aller Inhalte einer Website können helfen, dass einige Seiten schneller oder überhaupt gecrawlt und indexiert werden.

Malus-Faktoren:

  • Page Speed: Langsame Seiten werden in der mobilen Google-Suche herabgestuft. Eine Einschätzung der eigenen Inhalte kann man z. B. über das Tool PageSpeed Insights erhalten.
  • Mobiltauglichkeit: Websites, die nicht mobiltauglich sind (in der Regel: Responsive Design) werden in der mobilen Suche stark herabgestuft.
  • HTTPS: Websites, die ihre Inhalte nicht verschlüsselt (HTTPS) ausliefern, können ebenfalls herabgestuft werden.

Off-Page

Wie schon gesagt: Neben den On-Page-Signalen gibt es auch Off-Page-Signale. Also:

  • Wie oft wird meine Website von anderen starken, thematisch relevanten, autoritären Websites verlinkt?
  • Wie oft wird meine Website erwähnt (ohne verlinkt zu werden)?
  • Wie sieht es mit meiner Online-Reputation aus? Gibt es Bewertungen? Vielleicht sogar einen Wikipedia-Eintrag?

Alle Off-Page-Faktoren sind immer recht „schwammig“. Die Einschätzung, ob ein bestimmter Link nun autoritär ist oder nicht, würden unterschiedliche SEOs unterschiedlich treffen.

Es gibt auch einige Links, die von Google nahezu komplett ignoriert werden (sogenannte Nofollow-Links). Auch kann es sein, dass Google eine bestimmte Link-Quelle komplett entwertet hat, sodass ein Link, der hochwertig aussieht, in Bezug auf SEO nicht zählt. All das kann man aber von außen nicht einsehen.

Insgesamt muss man sagen, dass Google immer besser darin wird, Websites/Unternehmen, die eine Marke darstellen, auch als solche zu erkennen und höher zu bewerten. Es ist also wichtig, „nach draußen zu gehen“ und nicht nur eine Website zu betreiben. Online-PR und Reputation Management sind nur einige Themen, um die richtigen Signale an Google zu liefern.

Ja, ich weiß …

In meinen Seminaren vergleiche ich mein Wissen oft mit dem Wissen eines Arztes: Ein Arzt kennt vielleicht 1.000 Krankheiten, aber tagtäglich kommen dann doch nur Patienten, die Diabetes oder Rückenschmerzen haben.

Will sagen: Die „Hardcore-SEOs“ beschäftigen sich mit ganz vielen Themen, die in Einzelfällen wichtig sein können. Für die meisten Unternehmen „da draußen“ sind diese allerdings nicht relevant.

SEO auf einem Bierdeckel

Wenn jetzt doch alles auf einen Bierdeckel passen muss, würde ich es so versuchen:

SEO einfach erklärt - auf einen Bierdeckel!
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Mehr?

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Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor (International SEO), Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEA und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.

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