Der perfekte SEO-Redirect-Check: Wie? Und mit welchem Tool?

14. August 2019 | Von in SEO

Bei einem Relaunch sind vor allem die 301-Umleitungen wichtig: Alte URLs müssen auf die neuen URLs umgeleitet werden. Jeder SEO wird daher immer fordern, dass es 301-Umleitungen gibt, um keine Ranking-Verluste zu erleiden. Fordern ist das Eine – prüfen das Andere. Denn nur selten werden Umleitungen auch korrekt eingerichtet. Aber wie prüft man die Umleitungen? Was kann bei so einer Umleitung überhaupt schiefgehen?

Umleitungen: der Standard

Umleitungen sind wichtig. Aber sie greifen eben nur dann, wenn sie auch korrekt aufgesetzt sind. Primär sollten folgende Fehler geprüft werden:

  • 302 (temporary redirect) statt 301 (permanent redirect)
  • Eine lange Kette von Weiterleitungen (Redirect Chain = mehrere Weiterleitungen nacheinander) – dann sollte die Kette besser gekürzt werden!
  • Ein Redirect Loop (A leitet auf A weiter; alternativ: A auf B, dann wieder auf A)

So weit der Standard.

Umleitungen: mehr als der Standard

Aber es gibt natürlich noch viel mehr Möglichkeiten, wie eine Umleitung nicht zum Erfolg führen kann:

  • Umleitung auf eine nicht existierende Seite (also 404/410 …)
  • Umleitung auf eine per robots.txt gesperrte Seite
  • Umleitung auf eine per noindex gesperrte Seite

Und auch das Canonical Tag sollte geprüft werden. Wer von A auf eine Seite B umleitet, die per Canonical Tag auf eine andere Seite C kanonisiert, sollte direkt von A auf C umleiten. Das Canonical Tag könnte aber auch auf eine nicht existierende oder gesperrte Seite zeigen.

Auch die Art der Umleitung sollte geprüft werden. So kann eine Weiterleitung per Meta-Refresh-Tag oder auch per JavaScript erfolgen. Auch wenn Google das überwiegend gut erkennen kann, würde ich derlei Redirects nicht akzeptieren und in “echte” 301-Umleitungen ändern.

Die Testmenge

Für all diese Fälle habe ich deswegen insgesamt 14 Test-URLs eingerichtet, um dann zu prüfen, mit welchen Tools man solche Fälle gezielt aufdecken kann:

  • http://relaunch.bloofusion.de/alt/liefert-200.html
  • http://relaunch.bloofusion.de/alt/liefert-404.html
  • http://relaunch.bloofusion.de/alt/302-umleitung.html
  • http://relaunch.bloofusion.de/alt/erst-301-dann-302-umleitung.html
  • http://relaunch.bloofusion.de/alt/robots.html
  • http://relaunch.bloofusion.de/alt/noindex.html
  • http://relaunch.bloofusion.de/alt/noindex-http-header.html
  • http://relaunch.bloofusion.de/alt/canonical-auf-200.html
  • http://relaunch.bloofusion.de/alt/canonical-auf-404.html
  • http://relaunch.bloofusion.de/alt/canonical-auf-robots.html
  • http://relaunch.bloofusion.de/alt/canonical-auf-noindex.html
  • http://relaunch.bloofusion.de/alt/umleitung-auf-sich-selbst.html
  • http://relaunch.bloofusion.de/alt/meta-equiv.html
  • http://relaunch.bloofusion.de/alt/js-redirect.html

Das Ergebnis (siehe unten) war mir fast schon klar – aber austesten musste ich es dennoch auf jeden Fall.

Tool 1: HEADmasterSEO

Das Tool HEADmasterSEO ist relativ unbekannt – aber eigentlich genau auf die Überprüfung von Redirects spezialisiert. Einige der Testfälle kann das Tool gut erkennen, z. B.

  • Redirect Loops
  • Noindex im HTTP-Header der Zielseite
  • Mixed Redirects (301 und 302 in einer Chain)

Mit robots.txt und Canonical Tags beschäftigt sich das Tool aber leider gar nicht, sodass Fehler in diese Richtung einfach nicht erkannt werden können.

 

Tool 2: httpstatus.io

Eigentlich eines meiner Lieblingstools: httpstatus.io. Gut erkannt werden hier:

  • Redirect Loops
  • Mixed Redirects

Da das Tool aber keinen Blick auf robots.txt, Canonical Tag oder Noindex wirft, werden die jeweiligen Testfälle auch nicht erkannt.

 

Tool 3: Screaming Frog SEO Spider

Ja, ich geb’s zu: Ich ahnte vorher schon, dass der Frog die Testfälle alle korrekt erkennen kann. Aber 100 % sicher war ich mir dann doch nicht. Vor allem war mir nicht klar, ob der Frog auch das noindex im HTTP-Header korrekt ausliest.

Wichtig ist beim Frog natürlich vorab, dass dieser auch korrekt konfiguriert wird:

  • Configuration > robots.txt > Settings > Respect robots.txt auswählen
  • Configuration > Spider > Advanced > Respect noindex ausschalten
  • Configuration > Spider > Advanced > Respect Canonical ausschalten
  • Configuration > Spider > Limits > Max Redirects to follow = 5
  • Configuration > Spider > Rendering > JavaScript

Dann geht man in den List-Modus und übergibt die zu prüfenden URLs. Wenn der Frog diese komplett gecrawlt hat, folgt der wichtige Schritt: Unter „Reports“ findet man „Redirect & Canonical Chains“. Das Ergebnis kann man dann in Excel weiterverarbeiten.

Auf den ersten Blick erschlägt einen das Ergebnis natürlich relativ schnell. Die ersten Spalten der Excel-Datei sehen dann so aus:

Sobald man sich aber eine Filter-Strategie zurechtgelegt hat, kann man fehlerhafte Redirects schnell entdecken (im Screenshot rot markiert):

(1) Spalte A „Chain Type“ ungleich „HTTP Redirect“

Mit „Mixed“ ist gemeint, dass es nicht nur HTTP-Redirects, sondern auch noch andere Umleitungsarten gibt – in diesem Fall sind damit z. B. die Canonical Tags gemeint. Denn auch diese werden als Umleitung betrachtet. “JavaScript Redirect” und “Meta Refresh Redirect” sollten auch selbsterklärend sein.

(2) Spalte C „Redirect Loop“ = „true“

Hier gibt es also einen Redirect Loop – mehr ist dazu eigentlich auch nicht zu sagen.

(3) Spalte D „Temp Redirect In Chain“ = „true“

Mit „Temp Redirects“ sind 302-Umleitungen gemeint. Bei diesen URLs gibt es also innerhalb der Weiterleitungskette mind. eine 302-Umleitung.

(4) Spalte H „Indexability Status“ ist nicht leer

Diese Information kann unterschiedliche Fälle abdecken. Was jeweils passiert ist, kann man dem Element entnehmen, z. B. „noindex“ (Zielseite steht auf noindex) oder „Client Error“ (Zielseite erzeugt keinen HTTP-Code 200).

Was fehlt noch?

Mit dem Frog wird nur geprüft, ob die Umleitungen auf technischer Ebene sauber sind. Also: Eine bestimmte URL wird korrekt (301, keine Loops) auf eine neue indexierbare Seite weitergeleitet. Das ist sicherlich eine wichtige Grundvoraussetzung und deckt auch die häufigsten Fehler ab.

Aber es kann natürlich noch einiges mehr schiefgehen, wenn man auf die inhaltliche Ebene wechselt. Dort kann es passieren, dass alte und neue Seite eine geringe Überdeckung haben (z. B. Produktdetailseite leitet weiter auf Startseite) oder dass sogar auf einen falschen Dokument-Typ verwiesen wird (z. B. HTML-Seite leitet weiter auf PDF-Datei).

Den falschen Dokument-Typ kann man im Frog-Report noch gut erkennen (Spalte I = „Final Content“). Aber wie kann man unterschiedliche Inhalte entdecken?

Eine etwas pragmatische Lösung besteht darin, vor der Einrichtung der Umleitungen die alten und neuen Inhalte gegenüberzustellen (bevor die Umleitungen aktiv sind). Das kann man z. B. bequem in Excel machen, indem man SeoTools for Excel nutzt. Wenn man über Funktionen wie HtmlTitle und HtmlH1 wichtige Seitenelemente extrahiert und dann vergleicht, kann man schlimme Fehler relativ gut entdecken:

Man kann hier natürlich auch viel komplexere Sachen machen und z. B. über XPathOnURL bestimmte Inhalte der Website (z. B. den Main Content) extrahieren. Theoretisch kann man dann noch über die Funktion FindDuplicateContent den Unterschied der beiden Inhalte abgleichen. Ob es das in der Praxis immer braucht, muss wohl im einzelnen Projekt entschieden werden.

(Hinweis: Für das Beispiel oben wurde eine reale Website aus dem Google-Index genommen. Grundsätzlich ist es immer eine eher schlechte Idee, die Staging-Website auch für Suchmaschinen zu öffnen.)

Meine Empfehlung

Für die technische Prüfung der Umleitungen ist der Screaming Frog SEO Spider perfekt. Im Report „Redirect & Canonical Chains“ findet man alles, was man braucht – wenn man denn weiß, wonach man suchen muss (siehe die vier Filter oben).

Falls man die Umleitungen inhaltlich prüfen möchte, ist das ein bisschen aufwendiger. Das kann man manchmal mit den SEOtools for Excel hinbekommen. Alternativ bieten sich übrigens auch Tools wie searchVIU an, die allerdings auch definitiv ihren Preis haben.

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Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor (International SEO), Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEA und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.

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