SEO + User Generated Content: Vorteile? Gefahren? [Alles auf Start Episode 10]

30. April 2020 | Von in Search Camp + Alles auf Start, SEO

User Generated Content (UGC) kann extrem hilfreich in Bezug auf SEO sein – für Shops und viele andere Websites. Welche zwei Hebel kann denn UGC bieten? Und wo liegen auch die Gefahren von User Generated Content?

 

 

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Transcript

Ich habe heute ein relativ kurzes Thema mitgebracht, aber eines aus aktuellem Anlass, weil es mal wieder in einem Online-Seminar gefragt wurde und es eigentlich ein Thema ist, was sehr oft gefragt wurde, vor allem, wenn ich Shop-Betreiber habe. Aber ich sage auch gleich, es ist nicht nur ein Thema für Shop-Betreiber, sondern eigentlich für alle da draußen. Und zwar das Thema ist heute UGC, also User Generated Content.

Das heißt: Nutzer können bei mir auf der Website Inhalte hinterlassen. Das kennen wir doch alle: Kommentare, vielleicht ein Forum, vielleicht kann irgendwo was bewerten und so. Das ist hier ja ein SEO Podcast, also wo kann mir das eigentlich helfen?

Hauptsächlich muss ich natürlich sagen, hat es einen Vorteil, nämlich es bringt mir erstmal zusätzlichen Text auf die Seite. Es mag natürlich auch Plattformen geben, wo Nutzer vielleicht Audioinhalte erzeugen können oder Videoinhalte, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle wird es einfach um Text gehen. Das, was ich eben gesagt hatte, Bewertungen, Kommentare, so etwas.

Naja, und da möchte ich heute mit euch darüber reden: Wie kann euch das eigentlich nach vorne bringen?

Und dazu mal eine Frage, nämlich: Welche Hebel hat denn User Generated Content? Der hat für mich hauptsächlich zwei Hebel.

 

Hebel #1: Text

Also angenommen, du hast einen Online-Shop und du hast eine Produktdetailseite. Da ist ja auch Text drauf schon, also du hast ja vielleicht Beschreibungen geliefert. Aber du hast vielleicht recht wenig Beschreibungen geliefert, vielleicht 20 Wörter. Grundsätzlich muss man sagen: Text ist nach wie vor wichtig für Suchmaschinen. Das heißt, wenn du es jetzt schaffst, dass Käufer dieses Produkt bewerten, dass du zum Beispiel 30 Bewertungen kriegst, dann hast du 30-mal zusätzlichen Text auf der Seite. Das heißt, potenziell kann UGC für dich bedeuten: Zusätzlicher wertvoller Text, der das, was du an Beschreibung erstellt hast, ergänzt. Denn grundsätzlich muss man sagen: User Generated Content hat die gleiche Wertigkeit wie dein selbst erstellter Content. Das stimmt nicht immer so hundertprozentig, denn dein Beschreibungstext, der ist zum Beispiel in zwei großen Absätzen und User Generated Content ist oft in kleine Teile zerstückelt. Das heißt, der eine hat mal zehn Wörter geschrieben, der andere mal fünf Wörter, der nächste 20 Wörter, aber es ist halt nicht so ein großer monolithischer Block an Content. Deswegen muss man sagen, ist User Generated Content dann manchmal doch ein bisschen schlechter als dein selbst erstellter Content, aber im Großen und Ganzen ist Content erstmal Content. Also das, was user generated wird, sei es jetzt ein Kommentar oder eine Produktbewertung oder sowas, das zählt zum Content der Seite dazu, stärkt den Text der Seite. Das heißt, du hast Chancen auf höhere Rankings, auf bessere Rankings.

 

Hebel #2: Sternchen

Das heißt, du willst halt wirklich haben, dass jemand nicht nur einen Text schreibt, sondern eben auch noch irgendeine Art von Sternchenbewertung hinterlässt. Ein Produkt hat 5 Sterne, hat 4,8 Sterne, wie auch immer das zustande kommt. Denn dann kannst du da so genanntes Markup für nutzen. Und wenn du das gemacht hast, kriegst du in der Regel Sternchen in den Suchergebnissen. Das heißt, du kriegst das, was man früher einen Rich Snippet genannt hat, heute ist es ein Rich Result, das heißt, dein Suchergebnis besteht nicht nur aus den üblichen vier Zeilen, sondern bubs!, du kriegst noch eine extra Zeile dazu mit den Sternchen. Und das sorgt im Schnitt für 13 Prozent mehr Klickrate. Das heißt, bei gleichbleibenden Rankings kriegst du 13 Prozent mehr Besucher. Und das ist natürlich cool.

Das heißt, dass deine Nutzer deine Produkte bewerten, hat eben zwei Vorteile: Du kriegst den Text und du kriegst noch die Sternchen in den Suchergebnissen dazu. Das willst du haben.

Jetzt habe ich oft von Shops erzählt, das liegt ein bisschen daran, dass ich primär Shops optimiere und betreue, das ist so ein bisschen meine Welt. Das gilt aber nicht nur für Produkte, das gilt auch für viele andere Sachen. Zum Beispiel, wenn du Kurse auf deiner Seite anbietest, auch die können Nutzer bewerten, auch da kannst du diese Sternchen für kriegen. Oder wenn es Events sind oder es gibt einen ganzen Stapel an Datentypen, wo du halt solche Sternchen kriegen kannst. Produkte ist natürlich so das, worum es typischerweise geht. Aber nochmal: Du bist darauf nicht beschränkt. Auch wenn du eine Kursdetailseite hast, kannst du auch diesen Kurs bewerten lassen, kriegst dafür erstmal wertvollen Text, kriegst aber auch wertvolle Sternchen. Jetzt habe ich viel über Vorteile gesprochen.

 

Gibt es denn auch Nachteile?

Da muss man sagen: Ja, Nachteile hat es leider schon. Oder Gefahren, nennen wir es Gefahren. Denn Text ist nicht gleich Text. Grundsätzlich: Google bewertet die Qualität von Inhalten. Das heißt, du hast jetzt eine Produktdetailseite und da sind 30 Bewertungen drauf. Ist das gut oder schlecht? Kann man so pauschal nicht sagen, es hängt davon ab, was in diesen Bewertungen drinsteht. Wenn alle schreiben sowas wie „alles ok“, „schnell geliefert“, „toller Versand“, dann sind es zwar viele Wörter vielleicht, in diesem Fall noch nicht mal sehr viele Wörter, aber es ist kein zusätzlicher Kontext, da ist kein Mehrwert drin, da ist keine Qualität drin. Also wenn du eine Produktdetailseite einer Weinflasche hast, dann musst du ja Content liefern, wo es um die Rebsorte geht, wie das Ding schmeckt und so. Wenn die Bewertungen aber alle so sind wie „alles ok“, „schnell geliefert“, „Blablabla“, dann hilft dir dieser Text nichts mehr. Und dann kann es sogar wirklich sein, dass dieser schlechte Text den von dir selber erstellten Text nach unten zieht. Und das willst du definitiv nicht.

Das heißt, du musst immer aufpassen, wenn es um Bewertungen geht, um Kommentare geht, dass du deine Nutzer auch motivierst, umfangreiche Texte zu schreiben. Nochmal: Es geht nicht immer unbedingt nur um die Zahl, aber manchmal kann man mit der Mindestwortzahl schon was erreichen, dass man eben Leute quasi abhält, die jetzt wirklich nur dieses „alles ok“ reinschreiben.

Das heißt: Versuche deine Nutzer dazu zu motivieren, wirklich sinnvolle Kommentare zu schreiben. Schreib zum Beispiel mal drüber, was du eigentlich von ihnen erwartest. Zum Beispiel schreib mal drüber, als Anregung: Was unterscheidet dieses Produkt von anderen Produkten? Oder: Was hat dir an diesem Produkt so besonders gut gefallen? Einfach, um nochmal klar zu machen, dieses „alles ok“ ist keine passende Antwort für dieses Feld.

Eine andere Gefahr kann eben auch noch daran liegen, wenn irgendwo Links im Spiel sind. Gerade bei Blogs gibt es die Möglichkeit, dass du Kommentare hinterlässt und dass du deine URL hinterlässt und die wird dann auch verlinkt. Oder manchmal ist es so, dass wenn du in einem Kommentar einfach eine URL reinkopierst, also im normalen Text steht eine URL, dann wird daraus auf einmal ein Link gemacht. Und auch das muss jetzt nicht zwangsweise schlecht sein, ist es dann in der Praxis aber dann doch.

Denn wann immer du auf minderwertige Websites verlinkst, kann das auch nachteilig für deine eigene Website sein. Schlimmer ist eigentlich noch: Du ziehst dadurch, dass du solche Links anbietest, Leute an, die über automatische Systeme Linkaufbau betreiben. Und dementsprechende Qualität ziehst du dann eben auch an. Also da kommen jetzt nicht Leute, die sagen, oh, der hat mir aber ein tolles Produkt geliefert, zum Dank schreibe ich ihm jetzt schön was, sondern du wirst sehen, dass du auf einmal wirklich mit Schrott geflutet wirst. Das möchtest du definitiv nicht. Deswegen der Ausweg besteht darin, dass du sogenannte Nofollow-Links erzeugst. Das heißt, wann immer so ein User Generated Link irgendwo entsteht, einer, den du auch gar nicht kontrollieren kannst, dann solltest du ein sogenanntes Nofollow-Attribut dranhängen, damit gegenüber einer Suchmaschine erstmal kommuniziert wird: Dieser link, den verstehe ich nicht als Votum für die verlinkte Website, sondern ich habe da einfach keinen Einfluss drauf.

Es gibt auch jetzt ein neues Attribut interessanterweise, das heißt auch UGC für User Generated Content. Das kannst du auch noch mit dranhängen, um gegenüber einer Suchmaschine noch mal klarzumachen, warum das ein Nofollow-Link ist, weil es eben ein User Generated Content Link ist.

Das sind so die beiden großen Gefahren, also minderwertige Texte und dass du echt viel Link-Spam anziehst. Was gibt es sonst noch an Möglichkeiten für User Generated Content? Im Großen und Ganzen ist es das.

Wir haben zum Beispiel einen Kunden, der hat ein Forum parallel zu seiner normalen Website. Das hat er auch schon seit über einem Jahrzehnt. Das funktioniert auch echt gut. Heutzutage, glaube ich, würde man sowas einfach nicht mehr machen. Da würde man irgendwie eine Facebook-Gruppe aufmachen oder eine LinkedIn-Gruppe oder was auch immer, aber man würde glaube ich nicht noch irgendwo ein Forum aufbauen. Das kommt halt ein bisschen aus einer anderen Zeit. Das heißt, ich würde heute niemandem wirklich mehr anraten so ein Forum aufzubauen. Es kann aber wirklich gut funktionieren, das muss ich sagen. Also bei dem Kunden, muss ich sagen, ist eine schöne Sache. Also da kommt wirklich signifikant viel Traffic erst mal rein, natürlich auch hinreichend viel Renommee. Also das Forum ist zum gleichen Thema wie der Shop und da ist es natürlich immer einfach auch eine schöne Möglichkeit dann präsent zu sein und zu sagen: Hallo! Schön, dass du dich jetzt informiert hast. Wenn du es kaufen willst, haben wir übrigens noch einen Shop nebenan. Kann man machen. Ob ich die Energie heute reinstecken würde? Nee, ich würde es wahrscheinlich wirklich nicht machen. Aber das ist echt mal ein Fall, wo es funktioniert hat.

 

Zwei wichtige Grundsätze

Ich möchte dir also zwei wichtige Grundsätze hinterlassen. Einfach in deinen Schreibtisch ritzen, wann immer du über User Generated Content nachdenkst.

Punkt 1: Vorsichtig sein! Bitte nichts ohne Admin-Zugang freischalten. Also nicht automatisiert, dass man irgendwo irgendwas posten kann. Alles, was Links generieren kann, bitte auf Nofollow setzen. Weil wenn du das alles nicht machst, dann kommen wirklich automatische Systeme zu dir auf die Website und spammen dich zu. Es kann grundsätzlich auch immer vorteilhaft sein, da so einen Antispamschutz, so ein Captcha davor zu setzen, einfach nur, um diesen ganzen Schrott, der da draußen existiert, fern zu halten.

Und Grundsatz Nummer 2: Bewertungen und Kommentare sind hilfreich, wenn du es schaffst, dass du eine ganz gewisse Qualität hinbekommst. Und vor allem, wenn das, was in diesem Kommentar oder in der Bewertung steht, auch einen Bezug zum Inhalt hat. Das war das Beispiel eben, was ich gesagt habe mit der Weinflasche. Wenn oben steht, das hier ist die Rosenheimer Krötenspinne, dann sollte im Kommentar eben auch stehen: Wow! Die Rosenheimer Krötenspinne hat mir supergut geschmeckt und ist der beste Rotwein aus Deutschland, den ich wirklich jemals hatte. Einfach Keywords, Keywords, Keywords. Wenn du das irgendwie hinbekommst, wenn du das motivieren kannst, dann ist es gut. Wenn nicht, dann musst du wirklich sehr, sehr vorsichtig sein, denn viel von solchen minderwertigen Kommentartexten, Bewertungstexten, können deine Seite auch wirklich nach unten reißen.

Ich hatte ja versprochen: Es wird eine kurze Folge. Aber nochmal, ich merke gerade in den ganzen Shop-Seminaren, die ich immer gebe, dass sehr viele einfach diese Power noch gar nicht nutzen, dass sie das gar nicht verstehen. Und deswegen ist es eben echt wichtig darüber nachzudenken. Das heißt, wenn ihr da draußen Produkte habt oder Kurse oder Events oder was auch immer, irgendwas, was bewertet werden kann, dann bitte nutzt die Kraft, aber eben in der richtigen Richtung, in der richtigen Dosierung.

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Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor, Podcaster, Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEA und verantwortlich für das suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und genießt das Leben.

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