UX + SEO = Erfolg? [Search Camp Episode 117]

10. März 2020 | Von in Search Camp + Alles auf Start, SEO

In dieser Episode geht es um das Zusammenspiel von UX und SEO: Hilft eine optimale UX den organischen Rankings auf die Sprünge? Ist UX gar ein Ranking-Faktor? Was genau umfasst UX überhaupt? Für all diesen Fragen stand André Goldmann – UX- und SEO-Experte – Rede und Antwort.

 

 

Shownotes

 

Transcript

Markus Hövener: Jetzt haben wir den André Goldmann in der Leitung. Das Thema heute ist irgendwas UX und SEO. André, schön, dass du da bist.

André Goldmann: Ja, schönen Dank, dass ich da sein darf.

Markus Hövener: Ich versuch mal dich vorzustellen. Ich weiß nicht, ob ich dir gerecht werden kann, wir kennen uns ja schon ein bisschen, ich habe noch mal in deinem XING-Profil nachgeguckt, was da so steht. Seit Juli 2007 SEO, wie es so schön neudeutsch heißt, vom „Büro für gute Websites“. Zwischendurch warst du auch relativ lange bei 121Watt, einmal CTO, einmal COO, seit Mitte 2017 aber nicht mehr. Und so Themen, mit denen ich dich verbinde, ist vor allem Technical SEO, UX und Analytics. Und vielleicht auf einer positiven Seite auch noch, ich halte dich für sehr meinungsstark, also ich folge dir natürlich auf Twitter. Und du bist nicht immer nur im diplomatischsten Modus unterwegs, aber das meine ich positiv. Habe ich dich da richtig getroffen oder fehlt da noch was Wichtiges?

André Goldmann: Ja, natürlich gibt es noch eine ganze Menge, die fehlt, aber wir wollen ja nicht 30 Minuten über mich reden und die Historie. Ich meine, 20 Jahre, da gibt es eine Menge, was passiert ist, aber ich glaube im Kern hast du das schon ganz richtig getroffen und vor allem dieses Meinungsstarke. Ich bin nicht verbohrt, aber ich bin durchaus von Dingen, die ich in den ganzen Jahren für mich entwickelt habe, wie wir gewisse Prozesse durchgehen, doch recht davon überzeugt, dass gewisse Sachen ganz gut funktionieren und man einfach auch mal gewisse Sachen machen soll, bevor man ewig diskutiert. Also das ist so eine Sache, die habe ich in den ganzen Jahren mitgenommen, dass es oftmals sehr, sehr persönliche Meinungen sind, die Menschen oder Unternehmen daran hindern, einfach mal voran zu kommen, statt einfach mal etwas auszuprobieren und aus diesen Erfahrungen zu lernen.

Markus Hövener: Ja, das können wir glaube ich alle so unterschreiben.

André Goldmann: Und dafür setze ich mich ziemlich intensiv ein.

Markus Hövener: Das kann ich so unterschreiben, auf jeden Fall. Also unser Thema ist UX und das ist auch wirklich dein Thema. Vorab gucke ich mir immer so ein paar Artikel an, um mal zu gucken, wie ist so der Stand der Dinge, was schreiben so Leute darüber? Lass uns mal anfangen, erstmal den Begriff UX zu definieren. Wo würdest du da die Kanten abstecken?

André Goldmann: Also erstmal ist in meinen Augen User Experience keine Disziplin, wie sie zum Beispiel im SEO so ist. Also SEO ist ja durchaus, obwohl es ja mehrere Teilbereiche gibt, eben durchaus eine Disziplin, die man einfach macht. Und UX ist in meinen Augen eher eine Zusammensetzung aus verschiedenen Bereichen, Content-Strategie, Informationsarchitektur, Userinterface Design, auch das Interaction Design, was für die Kommunikation zwischen Maschine und Mensch quasi die Definition ist. Also was ist zum Beispiel Interaction Design? Wenn ich ein Formular abschicke und eine Fehlermeldung kommt, dann ist das quasi eine Kommunikation zwischen der Maschine und mir als User. Und die kann ich letztendlich positiv gestalten, aber auch negativ gestalten. Und das wiederum hat einen Einfluss auf die Experience. Also sie setzt sich eigentlich aus vielen Teilbereichen zusammen. Und wenn man mal ganz aufmerksam durch eine Buchhandlung geht, da wird man auch feststellen, dass es eigentlich gar nicht so das Buch zur User Experience gibt, sondern eher oftmals so Bücher, die sich auf einen dieser Teilbereiche konzentrieren oder versuchen User Experience noch mal über etwas drüber zu stülpen, sowas wie User Experience für E-Commerce oder sowas. Aber es gibt eigentlich nicht dieses eine User Experience, weil wir fühlen das halt. Und entweder es fühlt sich gut an oder es fühlt sich schlecht an. Aber oftmals ist es eher ein Bereich, den man eben fühlt. Und das klingt jetzt vielleicht ein bisschen, was erzählt der da, aber es ist eben so ein Konsortium an unterschiedlichen Teildisziplinen, die wir zum Teil auch in der SEO wiederfinden, zum Teil im Design. Heute sage ich, ich bin ganz dankbar für meine Historie, weil dieses Thema, ich bin ja auch erst 2009 zur SEO gekommen, oh Gott, das hört sich an, ist ja auch schon eine Weile her, aber davor war ich ja, was man früher Webdesigner geschimpft hat. Also ich habe ja Ende der 90er angefangen mit diesem ganzen Thema, wie entwickelt man Seiten? Damals hat man noch nicht entwickelt gesagt, ich habe da gar keine Worte für. Ich komme ja da her. Also für mich stand schon immer im Vordergrund, eine gute Website zu bauen und habe mich dann erst später eigentlich in Richtung der technischen Suchmaschinenoptimierung orientiert. Und das war lange Zeit so ein bisschen, ich meine, du kennst das ja, da hat man auch eher Linkaufbau betrieben als jetzt sich um eine ordentliche Website gekümmert. Und heute spielt mir das eigentlich sehr, sehr positiv in die Karten, dass sich das alles so entwickelt hat und dass heute eben dieses User Experience Thema so ein großes ist, das mache ich halt schon so lange. Und deswegen mache ich eigentlich sehr, sehr gerne, dass ich mich darum kümmere, dass eben Websites A) ein gutes Gefühl vermitteln und zum anderen aber eben auch gefunden werden. Und das ist so eigentlich mein Tagesgeschäft.

Markus Hövener: Wenn du jetzt sagst so, UX ist eigentlich so ein Konglomerat an verschiedenen Themen, würde ein anderer UXer, den ich jetzt von der Straße hole, würde der die Grenzen anders ziehen oder seid ihr euch da alle ungefähr einig?

André Goldmann: Ich glaube, da kann man sich gar nicht einig sein, weil User Experience ja auch wieder noch dann für das jeweilige Gerät oder die Geräteart mal eine Definition kriegen muss. Wir als Onliner beziehen User Experience immer auf Websites, und manche vielleicht sogar noch auf Apps oder vielleicht auf Progressive Web Apps, aber User Experience und da wo das auch sage ich jetzt mal verortet ist, also bevor man sich dieses Thema so medial aufs Web gepackt hat, da gab’s das schon bei Straßenbahn-Automaten, Deutsche Bahn Automaten. Also wo auch immer du etwas bedienst, ein Gerät, und du musst es verstehen, da kommt User Experience ins Spiel. Und gerade im UX-Bereich gibt es sehr, sehr viele Fachmenschen, die schon jahrelang sich eben auf eine Geräteklasse eingeschossen haben. Da gibt es natürlich im UX auch einige, die sich eben aufs Web konzentriert haben. Da würde ich mich jetzt zum Beispiel mal reinpacken. Ich glaube aber tatsächlich, du wirst, jemand, der sich mit dem Web auseinandersetzt, dann auch wieder eher Leute finden, die nicht so generalistisch unterwegs sind, sondern eher zum Beispiel sehr, sehr stark sind im User Interface Design. Also ich weiß zum Beispiel, hier bei uns in der Region sind einige sehr, sehr fähige User Interface Designer, die natürlich so gesehen auch wieder unter diesem riesigen Segel durchs Meer schippern, User Experience, aber im Kern ist das, was die machen, oftmals eben ein User Interface Design. Und genauso gibt es eben auch im deutschsprachigen Raum, gerade im SEO-Bereich, genug, die sich positioniert haben zum Thema Informationsarchitektur. Ich glaube, das ist eher so ein Mischthema, aber dadurch, dass es so divers ist, ist es glaube ich auch so schwer zu greifen: Wen spreche ich denn bei welchem Thema an? Das macht es nicht so leicht. Ich glaube schon, dass du zehn Leute fragst und relativ ähnliche Meinungen kriegst, aber es wird der eine wiederum sagen: Naja, das ist doch eher mehr dieses Interaction Design, das ist durchaus wichtiger als jetzt zum Beispiel Content-Strategie. Das ist zum Beispiel etwas, was sehr, sehr wenige damit zuzählen, aber da sind und da schließen wir jetzt so ein bisschen den Bogen zur Suchmaschinenoptimierung, dieses Thema Suchintention zu verstehen: Was muss ich für Content-Formate anbieten? Da merken wir: Ah, da sind wir doch eigentlich relativ schnell schon wieder bei der Content-Strategie auch. Welche Content-Arten brauche ich eigentlich, um eine Suchintention bedienen zu können? Da vermischt sich das Ganze sehr schön.

Markus Hövener: Ja, aber schön, das war echt so mein Eindruck bei der Vorbereitung. Ich habe ein paar deutsche und ein paar englischsprachige Beiträge gelesen und jeder hat eigentlich über was komplett Anderes, also nicht komplett, aber jeder hat über Sachen gesprochen, wo ich auch so denke, ob das jetzt noch UX war? Aber okay, das hilft mir erstmal. Aber ich meine, die Frage, warum wir eigentlich überhaupt über das Thema UX reden, ist natürlich, das hier ist ein SEO-Podcast, und die platte Frage ist natürlich: Also hilft eine gute User Experience meinem Ranking? Ist UX ein Rankingfaktor oder sind einzelne UX-Aspekte Rankingfaktoren? Was meinst du?

André Goldmann: Naja, also ich muss ja jetzt schon sagen, ich bin davon überzeugt aufgrund der Historie, aber die möchte ich auch ganz gerne begründen. Wenn wir uns mal SEO anschauen, dann gibt es ja diese 3 Disziplinen, also diese 3 Säulen, auf die es letztendlich aufbaut, eben Linkaufbau, also Offpage, Onpage und dann eben das große Unbekannte, Hummingbird oder was auch immer wir da jetzt für einen Algo-Teil darunter packen wollen unter diese Säule. Wenn wir jetzt uns mal ganz kurz trennen von diesem Linkaufbau-Thema, dann bleibt ja oftmals nur noch so eine Differenzierung übrig. Also wie kann ich zwei Wettbewerber in einem Markt voneinander differenzieren, um herauszufinden, ist der besser oder ist der schlechter für meinen Suchenden? Also aus Sicht Googles‘. Wenn ich jetzt eine Website habe, die einfach mal optisch sehr altbacken ist, schlecht funktioniert, der User findet nicht das, was er sucht, um alleine schon beim Scannen erstmal zu gucken, bin ich hier richtig oder bin ich hier falsch oder sollte ich vielleicht auf Ergebnis 2 noch mal klicken oder 3? Und je, ich sag jetzt mal, zielgruppenorientierter ein Layout ist erstmal in der generellen Optik, ist es zeitgemäß, ist es auf jedem Gerät bedienbar oder ist es da schon schwierig zu benutzen, weil sich 1000 Sachen überlagern, sei es der Cookie-Banner, sei es die Newsletter-Anmeldung, die dann da rein ploppt oder dann öffnet sich der Chat, darf ich ihnen helfen, das hat natürlich auch negative Einflüsse auf die Bedienung. Ich habe das nicht selten erlebt bei mir selber, dass ich dann einfach die Seite wieder verlasse und auf Ergebnis 2 klicke. Das kennen wir ja, „back to SERP“: Wir klicken auf Ergebnis 2, wenn das oft genug passiert, dann kann das unter Umständen eben dazu führen, dass eben Ergebnis 2, 3 oder 4 den Platz 1 ablösen. Da kann das natürlich eben auch einen Einfluss haben: Wie bedienbar ist so eine Website? Wie ist die User Experience? Wie ist der Content, der da draufsteht? Erfüllt der den Zweck der Suchintention? Da bin ich eigentlich, ich komme relativ schnell auf das Ergebnis, ja, es muss eigentlich einen Einfluss haben, weil eben diese ganzen Themen wie Informationsarchitektur, Content-Strategie eben da zur User Experience dazugehören auch. Dementsprechend würde ich das definitiv damit auch bejahen wollen, das hat einen Einfluss darauf. Wenn auch nicht einen direkten wie viele User Signals, sondern eher einen indirekten.

Markus Hövener: Was natürlich die Frage öffnet: Wie misst Google das Ganze eigentlich? Ich meine, überhaupt das mit den Nutzersignalen ist ja auch nicht vollständig unumstritten. Was glaubst du, was Google eigentlich wirklich so messen kann? Also holen die sich zum Beispiel wirklich Daten aus Google Analytics raus? Manche glauben daran, manche nicht. Da hätten sie eigentlich schon einen großen Teil von dem, was sie vielleicht so brauchen könnten, oder?

André Goldmann: Das ist ein schwieriges Thema, also ich bin bei diesem Ganzen, wo holt sich Google jetzt ihre Daten her und bedienen sie sich irgendwie an Google Analytics, holen sie sich Daten aus den Chrome Browsern, aus den Android Geräten, ich bin kein Freund von Blick in die Glaskugel und mutmaßen wir mal. Das ist so, da kommst du definitiv an diesen Punkt, frage 10 Leute, kriegst 10 Meinungen, die vielleicht nicht unbedingt so sehr zielführend sind. Was aber glaube ich festzuhalten ist, ist, dass wenn ich mich darum kümmere, dass eben User ein besseres Erlebnis haben beim Besuch meiner Website, dass das ja mal nicht negativ sein kann. Und dass solche Themen wie Absprungrate tatsächlich auch eine direkte, ich will jetzt nicht dieses, User kommen auf eine Website, haben, nachdem sie alles gelesen haben, eigentlich ihre Suchintention erfüllt, ist ja so gesehen in der Analytics-Welt auch eine Absprungrate von 100, wenn er nicht noch mal woanders draufklickt, das meine ich jetzt nicht. Ich meine jetzt tatsächlich Menschen, die von Google kommen, auf ein Ergebnis gehen und zwei Sekunden später wieder die Suchergebnis-Seiten offen haben. Wie Google das misst, muss ich ganz ehrlich sagen, ich habe da nicht gearbeitet, dann wenn, dürfte ich es wahrscheinlich auch gar nicht sagen, aber im Kern glaube ich lässt sich festhalten, dass Google wohl in der Lage ist, das festzustellen, ob jemand von Google zu einer Website gegangen ist und direkt wieder zurückgegangen ist und auf weitere Ergebnisse geklickt hat innerhalb von kurzer Zeit. Und wie das jetzt genau gemessen wird, ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass Google da irgendwie sich an anderen Datentöpfen bedient. Schon aus Policy¬-Gründen glaube ich ganz ehrlich, wenn das ans Licht kommen würde, das haben die auch in meinen Augen gar nicht nötig. Also ich glaube, da ist Google intelligent genug, um das herauszufinden.

Markus Hövener: Ist natürlich wirklich ein sehr umstrittenes Thema, werden wir hier wahrscheinlich wirklich auch nicht klären können. Ich hatte nur gerade letzte Woche jemand am Telefon, der einfach felsenfest davon überzeugt war. Das hört man halt ganz oft.

André Goldmann: Dass die da reingucken?

Markus Hövener: Hm, bitte?

André Goldmann: Dass die da reingucken in die Analytics-Daten?

Markus Hövener: Ja, dass sie sich wirklich alles angucken. Und wenn man dann kurz argumentiert, nicht alle Websites haben Google Analytics, werden die dann dafür bestraft, dass sie es nicht drin haben, oder? War ein ganz interessantes Gespräch eigentlich so am Ende, oder ich hoffe, dass ich ihn zumindest ein klein bisschen überzeugt habe, einfach mal drüber nachzudenken. Weil viele haben diese, Angst will ich gar nicht nennen, aber diese Wahrnehmung, dass Google alles messen kann.

André Goldmann: Also ich glaube, gerade bei solchen Bereichen, wo man selber Einfluss nehmen kann, früher habe ich immer gesagt, auch wenn es ein anderes Thema ist, ein Link, den ich selber innerhalb von 5 Minuten nachbauen kann, indem ich mich irgendwo registriere und da meine URL rein paste, das ist mir der Link nicht wert, weil das ist zu simpel. Wenn es jetzt darum geht, Analytics-Daten zu verfälschen, also ich meine, wir machen hier im Büro relativ häufig Analytics-Audits und ein Großteil der Arbeit ist da tatsächlich Datenqualität und die zu erhöhen, weil sie einfach oftmals nicht gut ist. Und wenn es jetzt darum geht Verweildauer zu verlängern, ganz ehrlich, das ist eine Kleinigkeit. Also diese Daten in Analytics für uns positiv zu gestalten, ist ziemlich einfach. Und wenn Google jetzt auf solche Metriken, die der Nutzer selbst verfälschen kann, algorithmisch irgendwie wertlegen sollte oder könnte oder sich darauf einlassen würde, dann könnten sie auch Likes bei Facebook nutzen. Diese Thematik, die sind wir jetzt zum Glück lange los.

Markus Hövener: Ja klar.

André Goldmann: Ganz ehrlich, das ist so einfach zu fälschen. Und vor allem aufgrund der Tatsache, dass viele Analytics-Daten einfach mal nicht wirklich sauber sind, wäre das definitiv eine Metrik, also das wäre so, als wenn ich meine Kontoauszüge verändere und die Bank würde das als „so ist es“ empfinden. Also schwierig.

Markus Hövener: Lass uns mal kurz überlegen, angenommen ich wäre jetzt so ein Standardkunde irgendwo von der grünen Wiese und ich hätte den Eindruck meine User Experience ist nicht gut. Wo würdest du anfangen? Ich meine, als SEO würde man erstmal ein SEO Audit machen, das sind dann aber auch zum Teil technische Sachen wie Canonical Tag oder solche Sachen. Gibt’s da ein UX Audit oder wie geht man da vor?

André Goldmann: Ja, also sowas gibt’s natürlich. Das machen wir auch. Allerdings gibt es da eben nicht Schema F, sondern wo wir gerade bei den SEO Audits sind, da haben wir ein ganz klares Programm auch abgesteckt für uns, aber bei diesen UX Audits ist es eben so, dass jede Website anders ist und vor allem ist jede Suchintention. Für uns ist immer so ganz wichtig, wenn wir eine Website optimieren, dass eben das Ziel des Website-Betreibers eine möglichst hohe Schnittmenge hat mit dem Ziel des Nutzers. Und nicht, wir versuchen so den kleinstmöglichen Nenner zu kriegen, damit wir das Maximum als Website-Betreiber rausziehen können, sondern eher zu versuchen, dass das wirklich irgendwie übereinander ploppt, nicht 100 Prozent, aber diese berühmten zwei übereinanderliegenden Kreise. Du weißt, was ich meine. Das versuchen wir halt. So ein UX Audit, eben dadurch, dass er so vielschichtig ist durch diese Themen, die ich vorhin genannt hatte, ist eben recht umfangreich und auch websitetypen-abhängig, weswegen es auch zum Beispiel für solche Sachen eigentlich keine Software gibt. Wenn man sich damit mal auseinandersetzt, du wirst da relativ wenig finden. Vieles geht dann in Richtung Usertests zum Beispiel. Also das kann ich zum Beispiel jedem mal empfehlen, zum Beispiel eine kleine Tool-Empfehlung, Hotjar an der Stelle. Mit Hotjar kann man so Videoaufzeichnungen machen wie Website-Besucher, -Besuchende eine Website nutzen. Daraus kann man eine ganze Menge lernen. Wir nutzen das ziemlich häufig, gerade zu Beginn, wenn wir so eine Website optimieren, um erstmal ein Gefühl dafür zu kriegen, was sind denn die Bereiche einer Website, die nicht so performant sind im Sinne des Kunden? Weil das sind Themen, die man in Analytics zum Beispiel sehr schlecht abbilden kann. Also zum Beispiel für mich ist Google Analytics jetzt nicht das erste Tool zur Websiteoptimierung, einfach weil oftmals die Datengrundlage fehlt, also weil die Datenqualität oftmals sehr, sehr allgemein ist. Aber eigentlich so richtig zielführend, um zu wissen, ob die Website jetzt eine gute User Experience hat oder nicht, dazu muss man schon noch einiges eben mehr tracken als nur der Standard-Trackingcode eben hergibt. Um schnell einen Überblick zu kriegen, ob zum Beispiel im Checkout-Prozess von einem Online-Shop oder in einem Newsletter-Anmelde-Funnel, ob es da irgendwelche Probleme gibt, da helfen eben gerade diese Videoaufzeichnungen, um schon mal diese größten Showstopper festzustellen, ohne dass man jetzt lange erst sich irgendwelche Daten anschauen muss, Hypothesen bilden muss, na, könnte jetzt die Absprungrate daran liegen, dass wir hier ein vollflächiges Foto drin haben oder eben nicht? Das ist letztendlich nur mit 1en und 0en sehr schlecht abzubilden. Aber wenn ich sehe anhand des Videos, ah okay, dieses Bild kann vielleicht wirklich Probleme bereiten, weil vielleicht ist es für die Zielgruppe eher abstoßend oder eben auch nicht, das sehe ich eben in diesen Videos ziemlich schnell. Womit ich immer beginnen würde, also wie gesagt, sind diese ersten, was habe ich für eine Datenbasis, kann ich der vertrauen, da spielt so das Thema Datenqualität eine ganz wichtige Rolle, gerade bei größeren Websites. Weil da wird auch die Analyse von solchen Videos irgendwann eine Sisyphus-Arbeit. Also da hat man einfach so viel zu gucken und zu tun, da geht es dann eher um so Datengeschichten. Oft habe ich es aber auch so, dass so ganz banale Geschichten, wie zum Beispiel auch: Welche Farben kann ich eigentlich bedienen? Also ganz klassisch: Worauf kann ich klicken, touchen? Ich nenne das immer Interaktionsfarbe. Also mit welchen Farben kann ich interagieren als User? Und da habe ich bei ganz, ganz vielen Websites, das ist eigentlich so ein riesiges Thema immer wieder, dass da teilweise bis zu 9 oder irgendwo im höheren einstelligen Bereich, verschiedene Klickfarben und -Formen sind. Das ist halt so eine Empfehlung, die ich immer wieder ausgebe, versucht nach Möglichkeit, ich weiß, das ist schwer, eine, maximal zwei Interaktionsfarben zu benutzen, um das Denken beim User auszuschalten. Weil er muss schon genug denken in der Form von: Welches Produkt nehme ich jetzt, wenn ich kaufen möchte? Ist das der richtige Anbieter? Je weniger der User denken muss beim Bedienen einer Website, je weniger fällt das überhaupt auf, dass er etwas Unbekanntes benutzt. Mein Lieblingsbeispiel dafür ist immer wieder die aktuelle, ist immer jetzt schwierig, wann immer man diesen Podcast gerade hört, wenn man die IKEA Kategorie-Seite aufruft. Ich finde, die ist wirklich extrem gut gemacht. Vielleicht um die einzelnen Elemente mal ganz kurz hervorzurufen oder vielleicht ruft ihr die Seite vielleicht auch nach dem Podcast oder dabei mal auf. Die sind halt super zurückgenommen in ihrem Layout, haben ganz oben eine Hauptnavigation, die die unterschiedlichen Bereiche trennt, also zum Beispiel Räume oder auch Produktarten oder auch Inspirationen, also das ist dann aber eher schon wieder ein bisschen weit weg von der Konversion. Direkt darunter ist eine Suche, wo auch ein bisschen Interaktiv-Suchen nach Produkten, Suchen nach Kategorien, Suchen nach Informationen. Also ich habe da die Möglichkeit, verschiedene Sachen zu suchen. Also oben die Navigation direkt darunter, keine 20 Pixel darunter, die Suche, wenn ich mich zum Beispiel mit der Navigation nicht auseinandersetzen möchte. Direkt darunter habe ich die Breadcrumb. Jetzt bin ich exemplarisch hier grad mal auf der Kategorie-Seite von Esstische, und dort habe ich dann die Facetten direkt untereinander. Also ich habe einen ziemlich guten User-Flow. Wenn ich mich oben in der Navigation nicht bewegen will, dann kann ich suchen. Und wenn ich richtig bin, das sehe ich auch sehr offensichtlich, weil es gibt keine störenden Grafiken. Ich bin zum Beispiel auch immer wieder in Diskussionen mit allen Kunden, wenn ich über Fotos rüber gehe, weil ich bin ein großer Gegner von Fotos, die einfach nur da sind, weil man ein Foto ja haben muss. Wenn ein Bild nicht unterstützend wirkt, dann nimm es bitte weg. Das macht IKEA ziemlich gut. Die gehen halt wirklich erstmal in die Funktionalität rein, dass der User so schnell es geht runter filtern kann auf das, was er braucht, wie zum Beispiel Esstische für bis zu acht Personen, und dann gehen sie direkt in die Produkte. Also ich finde, hier wird tatsächlich der Bedarf des Users erstmal in den Vordergrund wunderbar gestellt und dann geht es in die Produktwelt rein. Das sind so Themen, wo ich grundsätzlich sage: Versucht, wenn ihr eine Website-Optimierung durchführen wollt, von Anfang an euch in die Lage und auch in den Kontext des Suchenden oder eben des Benutzenden rein zu versetzen, auch in die unterschiedlichsten Kontexte, das finde ich immer ziemlich wichtig, und versucht dann zu überlegen, wie könnte die Bedienung meiner Website so gut werden, dass er nicht darüber nachdenken muss, wo er jetzt was als nächstes macht. Das ist keine Sache, die man mal eben so in einem Zwei-Tage-Workshop irgendwie bespricht, sondern das ist auch ein etwas längerer Prozess, der auch sein muss. Ich habe das früher mal gesagt, wenn wir Websites bauen: Wir bauen eine Website und die ist nie „pixel perfect“. Die darf es auch nie sein, weil wir uns selbst die Freiheit nehmen müssen oder geben müssen, später die Schrauben nochmal anzuziehen. Weil ich kann ja auch, viele, die fallen so in dieses typische Relaunch-Monster, in dieses Muster rein, dass sie eben sagen nach 3, 4 Jahren: Wir brauchen jetzt mal einen Website-Relaunch, das kann man sich ja nicht mehr mit angucken. Und dann wird alles neu gemacht. Dann kommt ein Vorschlag von einem Dienstleister, der dann eben sagt: Ja. So könnte ich mir das vorstellen, sieht das gut aus. Dann holt man sich von dem Wettbewerber noch eine Funktion und von dem nochmal was und am Ende hat man wieder so ein Frankenstein von Website und dann wird das Ding online geschoben. Weil das ja schon ein halbes Jahr gedauert hat, bleibt das Ding so wie das dann irgendwie mal, puh, jetzt sind wir online, jetzt haben wir es endlich geschafft. Dann wundert man sich, warum die Konversionen in den Keller gehen, warum die User unzufrieden werden und warum dann die Mitarbeitenden irgendwann sagen: Ich benutze bei uns selbst die Suche, weil ich nicht finde, was ich eigentlich brauche. Da an der Stelle muss man sich einfach selber eingestehen: Okay, jetzt müssen wir nochmal die Schrauben anziehen, um das besser zu machen, wo wir falschgelegen haben bei der Hypothese, was besser sein kann.

Markus Hövener: Klar.

André Goldmann: Und dann hat man die Möglichkeit, eben auch eine Website zu gestalten, die gut funktioniert, die nicht unbedingt die Schönste ist. Da geht es auch gar nicht drum. Also ich zum Beispiel, als wir früher noch Websites gebaut haben für Kunden, also jetzt machen wir ja wirklich reine Optimierung im Büro, da habe ich niemals Referenzen über uns auf die Website gepackt. Tatsächlich muss man auch sagen, das hat dann abgenommen, dass mal Menschen nachfragen, können Sie uns mal ein paar Referenzen von Ihnen schicken? Da habe ich grundsätzlich gesagt: Nein, das tun wir nicht. Aus einem ganz einfachen Grund. Optisch, und danach müssen Sie gehen, weil Sie keine tieferen Zahlen kennen, warum wir gewisse Sachen gemacht haben, das erklären wir Ihnen jetzt auch nicht groß, dürfen wir Ihnen größtenteils auch gar nicht, würde man dann wahrscheinlich sagen, na, die Seite sieht aber nicht schön aus, wenn man so einen Screenshot sieht. Aber für die Zielgruppe ist es oftmals das bessere Ergebnis. Und deswegen merke ich bei ganz, ganz vielen Websites, dass sich die Layouts eher zurücknehmen, der Unternehmer. Also gute Websites, da sieht man relativ wenig von dem, wer da eigentlich hinter steckt, weil er sich relativ, ich sag jetzt mal, dünnemacht. Es muss eher um die Bedienung gehen. Und das ist eine Sache, die müssen viele Unternehmen noch lernen tatsächlich. Das kostet dann halt auch Geld, weil man eben sehr, sehr viel Geld verbrennt in Form von schlechter User Experience.

Markus Hövener: Aber jetzt grad Bedienung ist natürlich das eine Thema, viele setzen dann, du hast es auch schon gesagt, irgendwie ein großes Mood-Image einfach nur, weil man es hat, weil man es kann. Viele versuchen ja Storytelling auf den Seiten zu machen, aber deine klare Intention war eigentlich immer, solche Elemente zurückzufahren und Fokus auf das Wesentliche?

André Goldmann: Wenn sie nicht das Ziel des Betreibers und des Suchenden unterstützen. Also wenn ich jetzt, mein Lieblingsbeispiel sind so Videos, die man mal produziert hat, die müssen doch irgendwo auf die Website drauf: Komm, mach das mal auf die Landingpage hier noch mit drauf. Das ist so ein schönes Image-Video. Aber dieses Video war halt nur teuer, aber es hat keinerlei Zweck zu dieser Landingpage, also es tut dem nichts Gutes. Es ist einfach nur, ja, es verlängert die Verweildauer auf der Seite, so kann man sich halt auch ein bisschen die künstlich hochziehen, aber solange es nicht unterstützt, macht ein Element eher eigentlich einen Schaden. Das ist vielleicht eine harte Aussage, aber tatsächlich hinterfrage ich jedes Element auf einer Website, dazu gehören unter anderem auch Social Media Icons. Wie ist der Workflow? Wenn ich jetzt zum Beispiel eine Facebook-Seite betreibe, um Marketing für mein Unternehmen zu machen, dann verweise ich dort relativ häufig auf meine eigene Website. Warum sollte ich dann auf der Website auf Facebook verweisen? Jetzt könnte man sagen: Naja, um diesen Kanal zu pushen. Aber ich will doch das Unternehmen pushen. Und die Website ist doch der geeignetste Ort dazu, wenn ich jetzt nicht Supportleistungen, weiß nicht, wie Telekom und Co. über Facebook zum Beispiel abwickle. Aber ich hinterfrage halt jedes Element: Hilft es dem User in seinem Kontext? Das ist halt eine Menge Arbeit, wirklich bei jedem Element das zu hinterfragen. Wenn man diese Arbeit sich mal getan hat und sich darüber Gedanken gemacht hat, ob es wirklich unterstützt, sparen wir uns und dann schließt sich so ein Stück weit der Kreis auch wieder in Richtung SEO, sparen wir uns oftmals Ladezeit, weil wir irgendwelche Skripte nicht brauchen, wir müssen uns weniger Gedanken machen um irgendwelche Cookie-Geschichten, weil wir irgendwelche Elemente gar nicht draufhaben. Also, das ist halt so ein Punkt, wo ich ganz häufig eben so einen riesigen Bedarf sehe, dass viele Website-Betreiber eher so das Gefühl haben: Alles, was wir haben, muss auf die Website drauf. Und beim nächsten Relaunch, das ist so ein bisschen wie so ein Haus entrümpeln, also man sollte halt wirklich fragen: Brauchen wir dieses Element? Braucht der User dieses Element noch in Zukunft oder eben nicht? Beim SEO sprechen wir von URL-Reduktion, das ist ja auch ein wichtiges Thema und auch ein Thema, über das wir schon seit Jahren sprechen, aber das hat letztendlich genauso einen Einfluss wie die Reduktion von Elementen wie Videos. Und wie gesagt, ich muss das jetzt nochmal unterstützend sagen: Wenn ein Video gut ist für das, was man da bewirkt, dann lasst das bitte drauf. Ich will damit nicht pauschal sagen, keine Videos und keine Bilder. Ich meine, das sorgt für Vertrauen, das weckt Emotionen. Das ist alles wichtig auf jeder Landingpage. Aber wenn es eben ein Video ist, was nicht für diesen Zweck gedient ist, da eben auch unterstützend für das Produkt, auf dem man eben landet, arbeiten zu können, dann entfernt es. Oder testet das bitte aus, ob sich vielleicht die Experience verbessert. Das ist sowieso so ein Credo: Nicht einfach machen, weil irgendjemand das gesagt hat. Das beziehe ich im Übrigen auch auf mich selbst. Auch wir können nur Hypothesen aufstellen, auch, obwohl wir relativ lange Erfahrung haben, wenn man das mal über die gesamte Zeit sieht, aber auch wir haben natürlich noch nicht mit den 1000 unterschiedlichen Kontexten und Zielgruppen gearbeitet. Weswegen wir immer Hypothesen aufstellen und sagen: Lasst uns das ausprobieren, lasst uns das Video bitte mal runternehmen, um zu gucken, ob sich zum Beispiel im Bereich der Mikro-Konversionen sich da etwas verbessert. Also das sind halt so Punkte, wo ich immer wieder sage: Testet, testet, testet. Und bitte nie einfach nur machen, weil ihr es irgendwo gelesen habt.

Markus Hövener: Was natürlich bei dem Testen gerade auch erfordert, dass du eine hohe Nutzerzahl hast. Und wenn du so der …

André Goldmann: Gar nicht.

Markus Hövener: … schlimme Mittelständler, irgendwo dieser Hyperspezialist bist und du hast nur 200 Besucher im Monat, würdest du trotzdem testen?

André Goldmann: Immer. Also zum Beispiel bei uns auf gutewebsites.de, wir haben da deutlich weniger an Usern drauf und auch dort teste ich. Das ist das, was ich vorhin schon sagte, Analytics würde mir dort nur helfen, wenn ich entsprechend Traffic habe. Weil dann kann ich auch irgendwann mit Zahlen arbeiten. Also das ist dann, wenn ich täglich, weiß ich nicht, 3000, 4000 Besucher auf der Website habe, dann kann ich auch eine Hypothese aufbauen zur User Experience anhand von Analytics-Daten. Da kann ich tatsächlich anhand der Zahlen sehen, ob etwas funktioniert oder nicht, wenn ich entsprechend das Tracking aufbohre. Habe ich den Traffic aber nicht, dann hilft mir tatsächlich Hotjar, dann kann ich aber auch mir die Videos ansehen. Also da arbeite ich sehr, sehr aktiv eben mit Hotjar, um eben wunderbar zu sehen: Okay, das hat jetzt den und den Impact auf die Bedienung meiner Website. Und das ist gerade bei kleineren Websites, wo eben nicht dieser Traffic in der Menge ist, sehr, sehr hilfreich. Also da kann man dann auch testen.

Markus Hövener: Ist ja vielleicht noch ein guter Tipp.

André Goldmann: Genau. Also da gibt es zwar keine validen Tests, weil man sagt ja immer, ab 95 Prozent ist ein Test valide über einen längeren Zeitraum. Das kann ich da nicht erwarten, das brauche ich aber auch gar nicht. Weil, wenn ich sehe, dass 8 von 10 Usern ein Video nach 10 Sekunden immer wieder ausmachen, dann scheint dieses Video im Kontext dieser Landingpage wohl keinen wirklichen Mehrwert zu bieten. Dazu brauche ich dann keinen validen Test, sondern das sagt mir der gesunde Menschenverstand.

Markus Hövener: Ja, den hat nicht jeder. Und ich habe grad auch so gedacht, ich kenne so ein paar Leute, bei einer Fallzahl von 1, würden die schon losrennen und die Website komplett umstricken. Also da muss man natürlich echt ein bisschen vorsichtig sein und erstmal Sachen sacken lassen oder aggregieren und gucken, ob das keiner hinbekommt.

André Goldmann: Richtig.

Markus Hövener: Lass uns mal kurz über die UX Playpbooks reden. Ich glaube, die sind letztes Jahr rausgekommen. Das sind so Best Practice Dokumente von Google, wo sich auch ein paar SEOs draufgestürzt haben, weil es halt von Google kam. Wobei sie dann später nochmal klargestellt haben, ist eigentlich gar nicht so, sondern das bezieht sich natürlich auf andere Unternehmensbereiche. Fandest du die gut, fandest du die hilfreich? Sollte man sich die angucken?

André Goldmann: Also ich muss dazusagen, ich habe sie nur durchgeblättert digital, eben weil ich oft so, ich stecke da zu tief drin. Also mir bringen dann so Basistipps nicht mehr sehr, sehr viel. Aber ich glaube, das ist tatsächlich für jemanden, der auch im Kontext mit einem Dienstleister erstmal verstehen muss, okay, was gibt es hier für Hebel, was kann ich machen, welche Möglichkeiten habe ich eigentlich bei der User-Experience-Optimierung, da hilft es natürlich auch gerade, weil Google eben, das ist jedenfalls so mein Gefühl, solange man sich nicht mit irgendwelchen API-Dokumentationen auseinandersetzt, gerade diese Dokumente, die sie eben an die große Masse rausgeben, eben auch für die große Masse geschrieben ist. Und da kann eigentlich jeder, der sich mit diesem Thema noch nicht so intensiv auseinandergesetzt hat, eine Menge daraus lernen. Eine Sache, die ich eben schon sagte, die mir dabei auch besonders wichtig ist: Nur weil das Google schreibt, heißt das noch lange nicht, dass das auf euch zutrifft. Sondern da wirklich immer drüber nachdenken: Macht das Sinn, dass mal bei uns auszuprobieren, durch zu testen? Auch da kann man ja zum Beispiel auf Google Optimize zurückgreifen, wenn man wirklich mal so ein Element einfach mal nur ausblenden möchte, ganz exemplarisch. Ja, es hilft auf jeden Fall, um so ein Grund-Basiswissen aufzubauen in diesem Bereich. Vielleicht geht diese Frage auch in diese Richtung mal abseits von dem, sind diese Playbooks gut oder nicht, wie habe ich mir quasi mein Wissen in den ganzen Jahren in dem Bereich angeeignet? Tatsächlich durch das Machen und durch das Ausprobieren auf den unterschiedlichsten Typen von Websites. Aus diesen Erfahrungen letztendlich kann ich zehren. Das ist halt der Vorteil, wenn man inhouse arbeitet, durchaus. Also ich habe ja jetzt nicht inhouse gearbeitet, aber wenn man inhouse arbeitet oder an seiner eigenen Website arbeitet, man kennt in der Regel die Zielgruppe ziemlich genau. Und jede Erfahrung, die man mit der Website macht, und da sind auch im Übrigen, das wird oftmals falsch verstanden, nur weil ein Test nicht positiv ausgeht, heißt das nicht, dass dieser Test nicht erfolgreich war, weil ihr habt eine Menge gelernt. Nämlich etwas, was nicht funktioniert hat, davon profitiert ihr für jegliche Hypothesenbildungen für die Zukunft. Und deswegen ist dieses Machen an der Stelle ganz, ganz essenziell wichtig, weil nur durch das Lesen werdet ihr nur wieder Beispiele von anderen lesen, aber das muss noch lange nicht auf euch zutreffen und für eure Zielgruppe mit eurer Website. Von daher, es hilft, um da ein Verständnis dafür zu kriegen, aber ihr müsst machen an der Stelle. Das ist so wie Lesen über Fotografie, aber nie rausgehen. Theoretisch bin ich definitiv Fotografie-Meister, in meiner Bildsprache vielleicht noch lange nicht. Und so ist das halt mit User-Experience-Optimierung, so ist das mit SEO, so ist das eigentlich mit jedem Thema. Nur vom Machen lernt man und sammelt Erfahrung.

Markus Hövener: Ja, gutes Schlusswort. Wobei ich noch nicht ganz Schluss machen möchte, sondern lass uns noch mal kurz auf das Thema Podcast zum Sprechen kommen. 3 Themen in Bezug auf André Goldmann. Thema Nummer 1 ist: Du hast selber einen Podcast. Richtig?

André Goldmann: Zwei sogar.

Markus Hövener: Zwei sogar?

André Goldmann: Genau.

Markus Hövener: Möchtest du dafür Werbung machen?

André Goldmann: Ja, man darf auf jeden Fall mal reinhören. Bei meinem eigenen, den ich alleine mache, ein Monolog-Podcast, das ist der Podcast für „Gute Websites“, da hat man zumindest mal gute 40 Folgen, die man sich anhören kann, wo ich ziemlich viel Zeit investiert habe. So gerade aus der damaligen Seminarzeit und mal abends im Hotel habe ich dann immer so ein, zwei Episoden aufgenommen jede Woche. Also da ist einiges an Stoff zusammengekommen, immer zeitlos. Also von daher kann man auf jeden Fall mal reinhören. Und zusammen mit dem Michael Praetorius nehme ich den „Goldmann & Praetorius“ Podcast auf. Da geht es tatsächlich auch wieder zeitlos um das komplette Online-Business querbeet. Also in meinem Bereich natürlich alles rund um die Website, um SEO, um User Experience und Conversion-Optimierung, Webanalyse. Und durch den Michael Praetorius eben gerade Content Kreation und Social Media, da haben sich da glaube ich zwei zusammengetan, die da einen großen Fundus an Wissen zusammenbringen. Da sind jetzt auch zwei Staffeln online und der erscheint momentan wöchentlich. Genau, das sind so die beiden, die ich mache.

Markus Hövener: Podcast Thema Nummer 2 wäre podwatch. Was ist das?

André Goldmann: podwatch ist tatsächlich so aus dem eigenen Problem entstanden, als Online-Marketer ist man ja, und gerade jemand, der so Zahlen gerne jongliert und daraus Ideen ableitet, im Podcasten sind wir es ja leider gewohnt, dass wir eigentlich fast gar keine Zahlen haben, die wirklich belastbar sind. Da kam mir so ein bisschen die Idee, dass ich mal sowas wie, der eine oder andere, ich hoffe doch viele, die hier zuhören, die werden sowas wie einen SISTRIX Sichtbarkeitsindex kennen. Das Ganze haben wir letztendlich für Podcasts gebaut. Das nennt sich dort podscore, wo wir eben ermitteln, wie träge oder vor allem auch wie stabil sich ein Podcast in den Kategorien hält. Wir beziehen uns da auf die Apple Podcast Charts. Die crawlen wird jeden Tag, Platz 1 bis 400 in den über 150 Kategorien. Natürlich haben wir einmal die historischen Daten eben dadurch möglichgemacht, aber zum anderen eben diesen podscore auch entwickelt, um sagen zu können gerade für Werbetreibende: In welchem Podcast sollten wir vielleicht Werbung schalten? Was lohnt sich? Was ist wirklich stabil oder was ist eine Eintagsfliege? Wenn man iTunes aufmacht, dann sieht man halt: Aha, so sieht es heute aus. Aber das heißt ja noch lange nicht, dass der Podcast auch tatsächlich über einen längeren Zeitraum da stabil positioniert ist oder ob das vielleicht gerade einer ist, der Facebook-Anzeigen geschaltet hat und dadurch jetzt gerade sehr, sehr viel Aufmerksamkeit hat, aber eigentlich keine Rolle spielt in der Kategorie. Und da ist dann eben podwatch entstanden. Im Moment ranken wir ziemlich gut zu allen möglichen Podcast-Themen. Da kommt mir natürlich mein SEO-Hintergrund durchaus zugute, und ja, das ist podwatch.

Markus Hövener: Und finales Podcast-Thema Nummer 3: Was hörst du so an Podcasts, was kannst du uns empfehlen?

André Goldmann: Ich höre tatsächlich sehr viel Search Camp.

Markus Hövener: Ah, danke.

André Goldmann: Das ist jetzt nicht, wie du ja eingangs sagtest, ich habe eine starke Meinung, das hätte ich jetzt nicht gesagt, wenn es nicht auch tatsächlich so wäre. Ich schätze sehr eben den fachlichen Austausch, der zwar einseitig stattfindet, dadurch, dass ich nur höre, aber ich habe natürlich Meinungen, aber von Menschen, von denen ich fachlich und auch menschlich sehr viel halte. Da höre ich mir auch gerne die Meinung an, um dann gemeinsam darüber zu sprechen. Deswegen höre ich gerne Search Camp. Natürlich, das meine ich jetzt auch werbefrei, dadurch, dass der Podcast „Gute Websites“ eben auch beim Termfrequenz Netzwerk drinsteckt, höre ich dort auch einige Folgen, allerdings auch nicht alle, weil ich bin kein Social Nutzer. Dementsprechend sind diese Themen für mich eigentlich auch relativ uninteressant. Und das, was wir beruflich machen, das spannt doch schon genug ein, da muss man sich nicht noch Themen aufhalsen, mit denen man eigentlich gar nichts zu tun hat. Privat vielleicht noch eine Sache zum SEO-Teil: Podcast „Experts On The Wire“, den höre ich mir sehr, sehr gerne an. Ist ein englischsprachiger Podcast, der ich glaube vom Dan Shure gemacht wird. Der hat sehr, sehr gute Interviewpartner. Also da habe ich auch teilweise Menschen, und das schätze ich zum Beispiel sehr, wenn man auch mal Menschen vors Mikrofon holt, die nicht die bekanntesten sind, sondern einfach fachlich sehr tief drinstecken, aber eben nur nicht so eine öffentliche Wahrnehmung haben. Da gibt es einige Interviewpartner, wo ich sehr, sehr viel auch übers Crawling gehört habe, fand ich megainteressant. „Experts On The Wire“. Und das war’s, was ich beruflich höre. Privat höre ich sehr gerne WRINT, geschrieben also W R I N T, ist auch ein ziemlich gut produzierter, dort gibt’s auch gerade im Fotografie-Bereich einen sehr, sehr schönen, leider nicht so häufig. Aber das sind so die Podcasts, die ich eigentlich regelmäßig höre.

Markus Hövener: Okay. Gut.

André Goldmann: Genau.

Markus Hövener: Dann vielleicht noch letzter Werbeblock. Sehen wir dich in diesem Jahr noch auf diversen Konferenzen?

André Goldmann: Naja, das liegt ja nicht an mir unbedingt.

Markus Hövener: Ja, im Moment das Spannende, oder?

André Goldmann: Im Moment ist es spannend. Ja, ja. Also ich spreche jetzt auf der SMX in zwei Wochen über holistische Suchmaschinenoptimierung. Da geht es primär um ein Thema, dem ich mich verschrieben habe, dem Websites-Qualitäts-Controlling. Klingt es vielleicht ein bisschen abgehackt, aber wir haben bei ganz, ganz vielen Kunden das Problem, dass eben keine Ressourcen da sind, sich um diese Basic-Themen wie Statuscode-Management, Weiterleitungen, interne Verlinkungen und solche Themen zu kümmern. Da möchte ich einfach mal ein paar Fallbeispiele zeigen, was man eben erreichen kann, wenn man diese Website-Basis-Qualität erstmal geschaffen hat. Und vor allem, wie man durch die Optimierung von vermeintlich unwichtigen Themenbereichen seine gesamtheitliche Qualität nach oben zieht. Das ist ein Thema, was ich halt ganz, ganz häufig beobachtet habe, dass gerade wenn so zum Beispiel Podcast-Verzeichnisse sind, Webinar-Verzeichnisse, Jobinserate, die eben auch noch unter der gleichen Domain gehandhabt werden oder eben durchgeschleust, ist vielleicht der bessere Ausdruck, wieviel Probleme die eigentlich machen können und wie man diese Probleme lösen kann. Darum soll es in dem Vortrag gehen. Und deswegen holistisch, weil es halt für mich wichtig ist, dass man sich nicht nur bei der SEO um die offensichtlichen Bereiche wie wichtige Landingpages kümmert oder die, mit denen man eben ranken möchte, sondern eben auch niemals vergisst, dass es einen nicht ganz unwesentlichen Teil gibt, der eben vermeintlich kein Geld verdient, aber eben ganzheitlich die Qualität der Website senkt. Und darum soll es gehen.

Markus Hövener: Dann hoffen wir mal, dass das alles so stattfindet. Was ja durchaus im Moment sich als Thema entwickelt, also grad von der CAMPIXX lese ich jetzt auch regelmäßig was, dass das stattfinden wird, aber wir wissen es alle nicht. Wäre auf jeden Fall schön, …

André Goldmann: Das stimmt.

Markus Hövener: … wenn wir uns da alle sehen. Wenn ihr da draußen auch Lust habt auf André, geht in seinen Vortrag, hört seinen Podcast und macht euch schlau. Du André, vielen Dank für deine Zeit.

André Goldmann: Sehr gerne. Hat mich gefreut. Ich hoffe, man konnte was mitnehmen.

Markus Hövener: Wir müssen es häufiger machen, das war ein absolutes Fest. Und kriegen wir bestimmt auch nochmal hin demnächst. Super.

André Goldmann: Super, sehr gerne.

Markus Hövener: Okay. In diesem Sinne, euch da draußen eine gute Zeit und bis bald. Ciao!

André Goldmann: Tschüss!

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Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor (International SEO), Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEA und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.

2 Kommentare zu “UX + SEO = Erfolg? [Search Camp Episode 117]”

  1. Heiko

    Hallo ihr beiden: sehr informatives Interview, viele Insight von André und gut gestellte (Nach)-Fragen von Markus.

    Was mir besonders gefallen hat (teilweise mit einem Schmunzeln im Gesicht):
    ◉ Unterstützt ein bestimmtes Element (Bild, Video, Button, …) die UX? Wenn nicht, weg damit.

    ◉ Hinweis auf die Ikea Kategorie Seite, als Beispiel für User zentrieren Aufbau (siehe auch das Zitat von Antoine de Saint-Exupéry »Perfektion ist erreicht, nicht, wenn sich nichts mehr hinzufügen lässt, sondern, wenn man nichts mehr wegnehmen kann.«)

    ◉ Hypothesen entwickeln und diese testen, testen, testen (z.B. Hotjar)

  2. Markus Hövener

    Dank Dir!

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